Iran fürchtet Netanjahu: Neue Wahlen in Israel wären laut Sicherheitsexperten ein Vorteil für Teheran

Iran fürchtet Netanjahu: Neue Wahlen in Israel wären laut Sicherheitsexperten ein Vorteil für Teheran


Nach der israelischen Parlamentswahl beschäftigt sich auch das iranische Regime mit den politischen Machtverhältnissen in Jerusalem. Der Iran-Experte Beni Sabti sieht in Benjamin Netanjahu einen besonders gefürchteten Gegner. Eine erneute Wahl und anhaltende politische Unsicherheit könnten dagegen den Interessen Teherans dienen.

Iran fürchtet Netanjahu: Neue Wahlen in Israel wären laut Sicherheitsexperten ein Vorteil für Teheran
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Die schwierige Regierungsbildung in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen wird auch in Teheran aufmerksam verfolgt. Nach Einschätzung des Iran-Experten Beni Sabti vom israelischen Institut für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) befürchtet die iranische Führung vor allem, dass Benjamin Netanjahu weiterhin Ministerpräsident bleibt. Politische Instabilität in Israel und den Vereinigten Staaten könnte dem Regime dagegen zusätzliche Handlungsspielräume verschaffen.

In einem Interview mit dem israelischen Radiosender 103FM erklärte Sabti am Donnerstag, dem 29. Oktober, das iranische Regime betrachte Netanjahu als besonders gefährlichen Gegenspieler. Der israelische Regierungschef sei seit Jahrzehnten politisch aktiv und habe bereits mehrfach militärische Operationen gegen iranische Ziele verantwortet.

Nach Sabtis Einschätzung hätte Teheran einen politischen Wechsel in JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen bevorzugt. Eine neue Regierung müsste sich zunächst einarbeiten und ihre sicherheitspolitischen Entscheidungen abstimmen. Bei Netanjahu kenne die iranische Führung dagegen dessen bisherige Vorgehensweise und seine Bereitschaft zum militärischen Handeln.

Auch andere israelische Politiker würden in Teheran keineswegs unterschätzt. Sabti verwies ausdrücklich auf den früheren Generalstabschef Gadi Eisenkot und den ehemaligen Ministerpräsidenten Naftali Bennett. Dennoch verbinde das iranische Regime insbesondere Netanjahu mit den bisherigen militärischen Auseinandersetzungen.

Politische Unsicherheit könnte Iran zugutekommen

Aus den vorläufigen Ergebnissen der Knessetwahl ergibt sich keine eindeutige Regierungsmehrheit. Netanjahus bisheriges politisches Lager verfügt über 53 der 120 Mandate und verfehlt damit die notwendige Mehrheit von 61 Sitzen.

Sollte keine tragfähige Koalition zustande kommen, könnte Israel erneut vor einer Parlamentswahl stehen.

Genau dieses Szenario bewertet Sabti aus iranischer Perspektive als besonders vorteilhaft. Eine weitere Wahl würde die politische Unsicherheit verlängern und könnte Entscheidungen über einen möglichen neuen militärischen Konflikt erschweren.

Dabei handelt es sich um die Einschätzung eines israelischen Sicherheitsexperten, nicht um eine offizielle Erklärung der iranischen Regierung. Sie verdeutlicht allerdings, weshalb die israelische Regierungsbildung weit über die Innenpolitik hinaus sicherheitspolitische Bedeutung besitzt.

Kritik an den Signalen aus Washington

Sabti äußerte sich zugleich kritisch über die amerikanische Iran-Politik. Anlass waren Berichte über neue diplomatische Kontakte zwischen Washington und Teheran, bei denen auch die Öffnung der Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen und humanitäre Fragen eine Rolle spielen.

Nach seiner Darstellung könne die iranische Führung amerikanische Gesprächsangebote als Zeichen nachlassender Entschlossenheit interpretieren. Er kritisierte insbesondere Signale von US-Vizepräsident JD Vance, die er aus Sicht des Regimes als Entgegenkommen deutete.

Ob die iranische Führung diese Botschaften tatsächlich so bewertet, lässt sich daraus nicht unabhängig ableiten. Sabtis Aussagen beschreiben seine Analyse der politischen Wahrnehmung in Teheran.

Zugleich steht die amerikanische Regierung vor der Aufgabe, eine erneute militärische Eskalation zu verhindern und die Sicherheit der internationalen Schifffahrt in der Straße von Hormus zu gewährleisten. Diplomatische Gespräche und militärische Abschreckung müssen sich dabei nicht grundsätzlich ausschließen.

Wirtschaftlicher Druck und Unzufriedenheit im Iran

Der Sicherheitsexperte verwies außerdem auf die schwierige wirtschaftliche und gesellschaftliche Lage im Iran. Nach seinen Angaben seien die Brotpreise innerhalb eines Tages um 55 Prozent gestiegen. Zugleich berichtete er von Warteschlangen an Tankstellen und zunehmender Sorge vor einem neuen Krieg.

Diese konkrete Preissteigerung wurde im Interview genannt, konnte aber nicht unabhängig bestätigt werden.

Sabti sieht in der wirtschaftlichen Krise erhebliches Potenzial für neue Proteste gegen die Islamische Republik. Viele Iraner seien mit der politischen Führung unzufrieden. Besonders die Monate Oktober und November könnten seiner Ansicht nach erneut von Demonstrationen geprägt werden.

Er kritisierte die Regierung von US-Präsident Donald Trump dafür, den militärischen Druck auf das Regime nicht konsequenter mit einer Unterstützung der iranischen Opposition verbunden zu haben.

Auch diese Forderung ist eine politische Einschätzung des Experten. Ob weitere militärische Maßnahmen die iranische Opposition stärken oder das Land zusätzlich destabilisieren würden, bleibt umstritten.

Israels Regierungsbildung wird zur Sicherheitsfrage

Die Aussagen Sabtis verdeutlichen einen zentralen Zusammenhang: Während israelische Parteien um Koalitionen verhandeln, beobachten ihre regionalen Gegner aufmerksam, wie handlungsfähig die politische Führung in Jerusalem bleibt.

Gleichzeitig berichtet die britische ZeitungFinancial Times, dass Netanjahu auch als geschäftsführender Ministerpräsident grundsätzlich über sicherheitspolitische Handlungsmöglichkeiten verfügt. Ein erneuter militärischer Angriff auf Iran wäre jedoch mit erheblichen militärischen, politischen und rechtlichen Fragen verbunden.

Für Israel bleibt deshalb entscheidend, zwischen demokratischer Regierungsbildung und der notwendigen Handlungsfähigkeit seiner Sicherheitsorgane zu unterscheiden.

Eine weitere israelische Wahl wäre für sich genommen kein Sicherheitsversagen. Doch eine längere politische Blockade könnte Entscheidungen erschweren, während das iranische Regime und seine Verbündeten ihre nächsten Schritte planen.

Dass Teheran von einer solchen Unsicherheit profitieren könnte, ist die Einschätzung von Beni Sabti. Ob das Regime tatsächlich darauf setzt, muss von dieser Expertenbewertung unterschieden werden.




Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 30. Oktober 2026

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