Während Iran verhandelt, wächst Pickaxe Mountain: Israel sieht Atomprogramm wieder in Bewegung
Netanjahu hat den Emiraten neue Geheimdienstinformationen über Irans Atomprogramm vorgelegt. Besonders Pickaxe Mountain bereitet Israel Sorge: Unter dem Berg bei Natanz wird so intensiv gebaut wie nie zuvor.

Bildnachweis: NASA FIRMS, Kartenansicht – Pickaxe Mountain bei Natanz, Iran
Während Iran über Katar mit den Vereinigten Staaten über eine neue Verständigung verhandelt, warnt IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen vor einer ganz anderen Entwicklung: Nach israelischer Geheimdiensteinschätzung arbeitet Teheran bereits daran, wesentliche Teile seines schwer getroffenen Atomprogramms wiederherzustellen.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu soll dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohammed bin Zayed, bei seinem geheimen Besuch in Abu Dhabi neue Erkenntnisse dazu vorgelegt haben. Im Zentrum stand demnach Pickaxe Mountain, jener tief in einen Granitberg gebaute Tunnelkomplex südlich der Atomanlage Natanz, den Iran internationalen Inspektoren bislang nicht geöffnet hat. CNN berichtete unter Berufung auf einen israelischen Regierungsvertreter, die vorgelegten Informationen zeigten neue Bauarbeiten und Fortschritte beim Wiederaufbau nuklearer Fähigkeiten.
Damit erhält das sechsstündige Treffen in Abu Dhabi eine deutlich größere sicherheitspolitische Bedeutung. Offiziell hatten Israel und die Emirate lediglich von bilateralen Beziehungen und regionalen Herausforderungen gesprochen. Nun wird klarer, worüber konkret gesprochen wurde: Iran, sein Atomprogramm, die HuthisHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen, die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen und Bab al-Mandab sowie die Möglichkeit einer erneuten regionalen Eskalation.
Die Baustelle unter dem Berg ist längst sichtbar
Neu ist die Bautätigkeit am Pickaxe Mountain nicht. Neu ist vielmehr, dass Israel sie offenbar inzwischen als Teil einer tatsächlichen Wiederaufnahme des iranischen Atomprogramms bewertet.
haOlam berichtete bereits Anfang September über eine umfangreiche Satellitenanalyse des Center for Strategic and International Studies. Die Forscher stellten für 2026 mehr Aktivität am Standort fest als in jedem anderen Jahr seit Beginn der Beobachtung. Tunnelportale wurden verstärkt, Straßen befestigt, Zufahrten ausgebaut und große Mengen Aushub entfernt. Nach Einschätzung der Analysten hat sich die Arbeit von der eigentlichen Ausgrabung zunehmend zum Ausbau im Inneren des Berges verlagert.
Auch die Internationale Atomenergiebehörde sieht dort Bewegung. IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi bestätigte im September, dass Satellitenbilder neue Bauaktivitäten zeigen. Die Behörde hat allerdings keinen Zugang zu dem unterirdischen Komplex und kann deshalb nicht feststellen, was hinter den Tunnelportalen installiert wird.
Genau an dieser Stelle muss sauber getrennt werden: Es gibt derzeit keinen öffentlich belegten Nachweis dafür, dass am Pickaxe Mountain bereits wieder Uran angereichert wird.
CSIS kommt sogar zu dem Ergebnis, dass die fortdauernden Bauarbeiten und das beobachtete Aktivitätsmuster eher dagegen sprechen, dass die Anlage schon betriebsbereit ist. Denkbar seien unter anderem eine geschützte Zentrifugenmontage, eine spätere Anreicherungsanlage oder Einrichtungen für andere nuklear relevante Arbeiten. Welche Funktion der Komplex tatsächlich erhalten soll, bleibt offen.
Iran bestreitet die Vorwürfe. Außenamtssprecher Esmail Baghaei erklärte Mitte September, Berichte über nukleare Aktivitäten am Pickaxe Mountain seien unbegründet. Teheran behauptet weiterhin, sein Atomprogramm diene friedlichen Zwecken.
Gerade die fehlende Kontrolle macht diese Erklärung allerdings schwer überprüfbar.
Pickaxe Mountain liegt nur etwa zwei Kilometer von Natanz entfernt und wurde tief in Granit gebaut. Iran hat den Komplex nicht als Urananreicherungsanlage deklariert, und IAEA-Inspektoren konnten ihn bislang nicht betreten. Nach den schweren israelischen und amerikanischen Angriffen auf andere Teile der Nuklearinfrastruktur könnte gerade dieser Standort deshalb für einen Wiederaufbau besonders wertvoll sein.
Diplomatie auf der einen, tiefere Bunker auf der anderen Seite
Die Entwicklung fällt ausgerechnet in eine Phase neuer Verhandlungen. Katar vermittelt zwischen Washington und Teheran über einen iranischen Sieben-Tage-Plan. Am Mittwoch erhielt Außenminister Abbas Araghchi über Doha die amerikanische Antwort. Gestritten wird derzeit vor allem darüber, in welcher Reihenfolge Iran die Straße von Hormus öffnet und Washington Blockade- sowie Sanktionsmaßnahmen zurücknimmt. Die Atomfrage gehört ebenfalls zu den zentralen Streitpunkten.
Noch vor wenigen Tagen erklärte ein hochrangiger iranischer Vertreter allerdings, Teheran werde weder auf die Urananreicherung verzichten noch seinen hoch angereicherten Uranbestand außer Landes bringen. Gleichzeitig verlangt Iran wirtschaftliche Entlastung, Zugriff auf eingefrorene Gelder und Erleichterungen beim Ölexport.
Genau deshalb sind die israelischen Informationen für die Verhandlungen entscheidend. Ein neues Abkommen wäre für Israel kaum etwas wert, wenn Iran gleichzeitig eine extrem tief geschützte Anlage fertigstellt, deren Inhalt internationalen Kontrolleuren verborgen bleibt.
haOlam hatte schon im Juli darauf hingewiesen, dass Pickaxe Mountain zum entscheidenden Prüfstein eines neuen Atomabkommens werden könnte. Vertrauen allein reicht dort nicht. Solange Inspektoren nicht wissen, was in den Tunneln gebaut, gelagert oder installiert wird, bleibt eine entscheidende Lücke in jeder Überwachung des iranischen Programms.
Israel hat Irans bekannte Nuklearinfrastruktur in den vergangenen Kriegen schwer getroffen. Die großflächige Urananreicherung kam nach den verfügbaren Erkenntnissen zunächst zum Stillstand. Das bedeutete aber nie, dass das Wissen, verbliebene Zentrifugen, Material oder unterirdische Infrastruktur verschwunden wären. haOlam hatte deshalb bereits vor drei Wochen geschrieben: Der Kampf gegen die iranische Bombe ist nicht beendet, er hat lediglich seine Form verändert.
Pickaxe Mountain könnte genau diese neue Form verkörpern.
Statt großer, relativ sichtbarer Anlagen entsteht eine Infrastruktur, die tief unter einem Berg liegt, gegen Luftangriffe gehärtet wird und dem direkten Blick internationaler Inspektoren entzogen bleibt.
Dass Netanjahu diese Informationen ausgerechnet Mohammed bin Zayed vorlegte, ist ebenfalls kein Zufall. Die Emirate haben erhebliches Interesse daran, eine iranische Atombombe ebenso wie eine weitere Eskalation am Persischen Golf zu verhindern. Der Iran-Konflikt bedroht die Schifffahrt, Energieexporte und die gesamte Sicherheitsordnung der Golfstaaten.
Nach israelischer Darstellung wurde in Abu Dhabi darüber hinaus vor der Möglichkeit gewarnt, Iran könne in den kommenden Wochen selbst eine neue regionale Attacke auslösen. Diese Einschätzung ist bislang keine bestätigte Angriffswarnung. Sie zeigt aber, wie eng JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen den Wiederaufbau des Atomprogramms und die militärische Bedrohung inzwischen miteinander betrachtet.
Ein Bericht, wonach auch ein hochrangiger saudischer Sicherheitsvertreter an Teilen der Gespräche teilgenommen habe, wurde von Saudi-Arabien ausdrücklich dementiert. Dieses Detail bleibt deshalb unbestätigt.
Für die laufenden Verhandlungen bleibt am Ende eine einfache Frage: Will Iran tatsächlich ein überprüfbares Atomabkommen oder lediglich wirtschaftliche Entlastung, während es seine empfindlichsten nuklearen Fähigkeiten tiefer unter die Erde verlegt?
Pickaxe Mountain wird darauf möglicherweise die wichtigste Antwort liefern.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 30. September 2026