„Wenn Iran nicht handeln kann, soll niemand handeln“: Teheran droht der gesamten Region

„Wenn Iran nicht handeln kann, soll niemand handeln“: Teheran droht der gesamten Region


Irans Militärführung rechnet mit neuen US-Angriffen und kündigt eine härtere Antwort an. Besonders brisant ist die Drohung aus Teheran, den Handel durch die Straße von Hormus notfalls auch für alle anderen zu unterbinden.

„Wenn Iran nicht handeln kann, soll niemand handeln“: Teheran droht der gesamten Region
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Teheran redet über Diplomatie und formuliert gleichzeitig eine Drohung, die weit über den Konflikt mit den Vereinigten Staaten hinausreicht. Irans Armeechef Amir Hatami erklärte am Sonntag, sein Land werde keine Situation akzeptieren, in der Iran wirtschaftlich abgeschnitten werde, während andere Staaten die strategischen Wasserstraßen der Region weiterhin nutzen könnten. Seine Botschaft war unmissverständlich: „Wenn Iran nicht handeln kann, wenn Iran nicht leben kann, wird niemand handeln oder leben können.“ Die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen bezeichnete er als Frage iranischer „Würde und Ehre“.

Das ist mehr als martialische Begleitmusik zu festgefahrenen Verhandlungen. Durch die Straße von Hormus verläuft eine der wichtigsten Energierouten der Welt. Wer ihre Nutzung davon abhängig macht, ob Iran selbst ungehindert exportieren darf, nimmt damit nicht nur Washington ins Visier, sondern auch die Golfstaaten, internationale Reedereien und letztlich die Weltwirtschaft.

Parallel erklärte Armeesprecher Mohammad Akraminia im iranischen Staatsfernsehen, die Vereinigten Staaten könnten wegen der angespannten regionalen Lage erneut angreifen. Das ist eine iranische Einschätzung, keine bestätigte amerikanische Operationsplanung. Akraminia behauptete zugleich, die iranischen Streitkräfte seien vollständig auf eine neue Konfrontation vorbereitet und könnten den USA diesmal noch größere Schäden zufügen.

Hormus wird vom Handelsweg zum Druckmittel

Die Äußerungen stehen nicht isoliert. Iran versucht seit Monaten, die Straße von Hormus als strategischen Hebel gegen amerikanischen militärischen und wirtschaftlichen Druck einzusetzen. Reuters berichtete erst vergangene Woche, Teheran sei bereit, die Meerenge innerhalb kurzer Zeit wieder vollständig zu öffnen, wenn Washington seine Seeblockade lockere und den militärischen Druck reduziere.

Die Gegenbotschaft lautet nun: Gibt es diese Zugeständnisse nicht, soll auch der Handel anderer Staaten nicht selbstverständlich weiterlaufen.

Gerade darin liegt die besondere Schärfe von Hatamis Aussage. Iran argumentiert nicht mehr lediglich mit seinem Recht auf Selbstverteidigung. Die Führung verknüpft das wirtschaftliche Überleben des eigenen Regimes ausdrücklich mit dem freien Handel seiner Nachbarn. Aus „Wir lassen uns nicht blockieren“ wird damit faktisch:Wenn wir verlieren, soll die Region mitzahlen.

Akraminia hat diese Linie bereits zuvor militärisch unterfüttert. Anfang September erklärte er, Iran bewege sich schrittweise zu einer offensiveren und präventiven Militärdoktrin. Bei wahrgenommenen Bedrohungen wolle man künftig schneller und härter reagieren. Iran behauptete zudem, bei früheren Gegenschlägen amerikanische Stützpunkte in mehreren Golfstaaten getroffen zu haben. Das tatsächliche Ausmaß dieser Schäden wurde von unabhängiger Seite nicht in allen Fällen bestätigt.

Auch die RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen drohten zuletzt damit, bei einem erneuten Angriff die „Geografie des Krieges“ zu verändern und bislang nicht eingesetzte Waffen zu verwenden.

Damit entsteht ein gefährliches Muster: Die militärische Führung Irans versucht, Washington von neuen Angriffen abzuschrecken, indem sie den möglichen Preis auf die gesamte Region verteilt.

Diplomatie unter dem Schatten der Raketen

Dabei laufen weiterhin diplomatische Kontakte. Teheran hat Washington angeboten, über eine Wiederöffnung der Straße von Hormus zu sprechen. Iran fordert dafür unter anderem ein Ende beziehungsweise eine Lockerung der amerikanischen Blockade und weniger militärischen Druck. Die Vereinigten Staaten wiederum versuchen, Irans Ölexporte und damit eine zentrale Einnahmequelle des Regimes weiter einzuschränken.

Genau deshalb sind die neuen Äußerungen so aufschlussreich. Iran präsentiert Hormus nicht allein als iranisches Sicherheitsproblem, sondern als Geisel eines größeren Machtkampfes.

Für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen bleibt diese Entwicklung ebenfalls relevant. Die iranische Führung betrachtet den Krieg mit den Vereinigten Staaten und Israel nicht als voneinander getrennte Konflikte. Akraminia hatte bereits Anfang September erklärt, auf neue israelische Angriffe werde Iran „schneller und härter“ reagieren. Gleichzeitig bleibt Teherans regionales Netzwerk aus bewaffneten Verbündeten und Partnern ein wesentlicher Bestandteil seiner Strategie.

Die Aussagen vom Sonntag sollten deshalb weder als Beweis für einen unmittelbar bevorstehenden amerikanischen Angriff noch als sichere Ankündigung einer iranischen Sperrung von Hormus gelesen werden. Sie zeigen aber, welche Eskalationslogik die iranische Militärführung inzwischen öffentlich vertritt.

Teherans Botschaft lautet nicht nur: Greift uns nicht an.

Sie lautet zunehmend:Wer uns wirtschaftlich erstickt, soll damit rechnen, dass wir auch den Handel aller anderen treffen.

Das ist keine Entspannungspolitik.

Es ist Abschreckung mit der Weltwirtschaft als Druckmittel.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Montag, 28. September 2026

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