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Hardliner attackieren Irans Verhandler


Bei den Trauerfeiern für Ali Khamenei sollen Präsident Pezeshkian und Außenminister Araghchi von Regimeanhängern bedrängt worden sein. Der Vorfall zeigt, wie tief der Machtkampf in Teheran reicht, während Iran nach außen verhandeln und zugleich drohen will.

Hardliner attackieren Irans Verhandler
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Die Trauerfeiern für Ali Khamenei sollten Macht, Geschlossenheit und revolutionäre Entschlossenheit zeigen. Stattdessen wurden sie offenbar zur offenen Bühne eines inneren Machtkampfes. Nach einem Bericht der New York Times, aufgegriffen von N12, sollen Irans Präsident Massud Pezeshkian und Außenminister Abbas Araghchi am Montag von radikalen Anhängern des Regimes angegriffen oder bedrängt worden sein, weil sie als Vertreter einer Linie gelten, die Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten nicht grundsätzlich ausschließt. Videos in sozialen Netzwerken zeigten, wie Pezeshkian von Sicherheitskräften durch eine aufgebrachte Menge gebracht wurde, während Rufe wie „Tod dem Nachgiebigen“ zu hören gewesen sein sollen. Iran International berichtete ebenfalls über solche Szenen und über feindselige Rufe gegen Pezeshkian während der Trauerprozession.

Auch Außenminister Araghchi soll zur Zielscheibe geworden sein. Nach den Berichten wurde er bei den Trauerfeiern beschimpft, bedrängt und mit Parolen wie „Tod dem Verräter“ und „Schamloser“ empfangen. N12 meldete unter Berufung auf die New York Times, gegen ihn sei ein Stein geworfen worden, woraufhin er den Ort über eine Gasse verlassen habe. Iran International veröffentlichte ebenfalls Berichte über feindselige Rufe gegen Araghchi bei Khameneis Trauerfeiern.

Damit wird sichtbar, was Teheran nach außen gern verdeckt. Das Regime ist nicht geschlossen. Es ist nicht stark, weil Millionen zu Trauerzügen mobilisiert werden. Es ist auch nicht stabil, nur weil Staatsmedien Bilder von Fahnen, Märtyrerparolen und Massenaufmärschen zeigen. Unter der Oberfläche kämpfen Fraktionen um Richtung, Macht und Deutungshoheit. Die einen wollen Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten nutzen, um Druck zu mindern, Sanktionen zu lockern und Zeit zu gewinnen. Die anderen sehen schon den Versuch von Gesprächen als Verrat an der Revolution.

Gerade deshalb ist dieser Vorfall so bedeutend. Pezeshkian und Araghchi sind keine Oppositionellen. Sie sind keine Regimegegner. Sie sind Teil des Systems. Wenn selbst solche Funktionsträger bei einer offiziellen Trauerveranstaltung von Hardlinern attackiert werden, zeigt das nicht demokratischen Streit, sondern die Brutalität eines Machtapparates, der seine eigenen Leute verschlingt, sobald sie als zu nachgiebig gelten. Wer in Teheran auch nur den Eindruck erweckt, ein Abkommen mit Washington könnte nötig sein, läuft Gefahr, von den radikaleren Kräften als Verräter markiert zu werden.

Für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen ist diese Entwicklung keine Randnotiz. Sie erklärt, warum Abkommen mit Iran so brüchig sind. Das Problem liegt nicht nur darin, was iranische Diplomaten in Verhandlungsräumen sagen. Das Problem liegt darin, wer im Inneren des Regimes bereit ist, solche Zusagen zu akzeptieren oder zu sabotieren. Ein Außenminister kann Gespräche führen. Ein Präsident kann Formeln suchen. Doch wenn die Revolutionsgarde, religiöse Hardliner und Straßenmilieus jede Annäherung als Kapitulation deuten, bleibt jedes Papier gefährdet, bevor die Tinte trocken ist.

Die Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen, die amerikanischen Gegenschläge und Trumps Erklärung, das Memorandum mit Iran sei praktisch erledigt, bilden den äußeren Rahmen dieses inneren Konflikts. Während Teheran nach außen behauptet, es wolle verhandeln oder werde nur auf Druck reagieren, zeigt sich innen ein anderes Bild: Das Regime ist zwischen taktischer Diplomatie und revolutionärer Raserei gefangen. Es will die Vorteile eines Deals, ohne den Preis echter Mäßigung zu zahlen. Es will Sanktionserleichterungen, ohne die Logik der Erpressung aufzugeben. Es will internationale Anerkennung, während seine radikalen Anhänger den eigenen Präsidenten als Nachgiebigen beschimpfen.

Khameneis Beerdigung sollte das Erbe des alten Führers festigen. Stattdessen offenbarte sie die Angst vor dem nächsten Schritt. Wer führt Iran wirklich? Der Präsident? Der Außenminister? Der neue religiöse Machtpol? Die Revolutionsgarde? Oder jene radikalisierten Massen, die bei einer Trauerfeier den Tod von Funktionären fordern, weil diese mit Amerika sprechen könnten?

Für Israel zählt am Ende nicht, welche Fraktion in Teheran höflicher formuliert. Entscheidend ist, ob Iran seine Gewaltpolitik beendet. Keine Raketen gegen Handelsschiffe. Keine Drohnen gegen internationale Seewege. Keine Finanzierung von HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und anderen Stellvertretern. Keine Nuklearerpressung. Keine Abkommen, die von einer Fraktion unterschrieben und von der nächsten unterlaufen werden.

Die Bilder von Pezeshkian und Araghchi, sofern die Berichte sich weiter bestätigen, sind deshalb mehr als eine peinliche Szene bei einer Staatsbeerdigung. Sie sind ein Blick in das Innere eines Regimes, das nicht einmal seinen eigenen Verhandlern traut. Wer so nach innen funktioniert, ist nach außen kein verlässlicher Partner. Er kann taktisch reden, drohen, unterschreiben, zurückrudern und wieder schießen. Genau das macht Iran so gefährlich.

Der Westen sollte aus diesem Moment lernen. Nicht jeder iranische Funktionär, der von Hardlinern beschimpft wird, wird dadurch automatisch zum Reformer. Nicht jeder Verhandlungswille bedeutet Frieden. Und nicht jede Spaltung im Regime führt zu Mäßigung. Manchmal zeigt eine Spaltung nur, wie viele Kräfte innerhalb desselben Systems bereit sind, jede Öffnung zu verhindern.

Teheran wirkt nach außen wie ein Staat, der einen Deal sucht. Innen sieht man ein Regime, das seine eigenen Verhandler anbrüllt. Zwischen diesen beiden Bildern liegt die ganze Iran Illusion. Wer nur auf die Diplomaten schaut, übersieht die Macht derer, die „Tod dem Verräter“ rufen. Wer nur auf die Hardliner schaut, übersieht die taktischen Spiele derer, die dennoch verhandeln wollen. Beides gehört zusammen.

Iran ist nicht stabil, weil es laut trauert. Iran ist nicht verlässlich, weil es Gespräche anbietet. Und Iran ist nicht ungefährlicher, nur weil seine Fraktionen gegeneinander kämpfen. Im Gegenteil: Ein Regime, das innerlich zerreißt und äußerlich weiter droht, kann besonders gefährlich werden.

Die Attacken auf Pezeshkian und Araghchi zeigen genau das. Khameneis Tod hat Iran nicht beruhigt. Er hat den Kampf um die Richtung offengelegt. Und dieser Kampf wird nicht nur in Teheran entschieden, sondern auch an der Straße von Hormus, an Israels Grenzen und an jedem Verhandlungstisch, an dem der Westen wieder glauben möchte, ein iranisches Versprechen sei schon ein Fortschritt.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 9. Juli 2026

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