Irland macht Israel zum Sonderfall: Fußball ins Ausland verlegt, Eurovision erneut boykottiert
Irlands Fußballverband will Israel aus UEFA-Wettbewerben suspendieren und verlegt sein eigenes Heimspiel gegen die israelische Nationalmannschaft nach Serbien. Der Staatssender RTÉ boykottiert wegen Israels Teilnahme erneut den Eurovision Song Contest. Gleichzeitig warnt die kleine jüdische Gemeinde des Landes vor wachsendem Antisemitismus.

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Das Verhältnis zwischen Irland und IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen hat einen Punkt erreicht, an dem der Konflikt längst nicht mehr nur in Regierungserklärungen ausgetragen wird. Fußball, Kultur, Handel und Diplomatie sind inzwischen Teil der Auseinandersetzung.
Am 4. Oktober sollte Irland Israel eigentlich im Dubliner Aviva Stadium in der Nations League empfangen. Stattdessen findet das irische Heimspiel in Bačka Topola in Serbien statt, hinter verschlossenen Türen. Der irische Fußballverband FAI spricht offiziell von „operational challenges“, die eine Austragung in Irland erschwerten. Die UEFA genehmigte die Verlegung.
Die politische Vorgeschichte ist jedoch eindeutig dokumentiert: Die FAI-Mitglieder hatten bereits beschlossen, bei der UEFA die Suspendierung des israelischen Fußballverbandes zu beantragen. Der Verband hält zwar an den Spielen gegen Israel fest, begründet das aber ausdrücklich auch mit möglichen sportlichen und finanziellen Sanktionen, sollte Irland nicht antreten.
Damit entsteht eine ungewöhnliche Situation: Irland spielt gegen Israel, möchte Israel zugleich aus dem Wettbewerb ausschließen und trägt sein eigenes Heimspiel nicht im eigenen Land aus.
Auch Eurovision wird zum Israel-Boykott
Nur wenige Tage vor dem Nations-League-Spiel setzte der öffentlich-rechtliche Sender RTÉ ein weiteres Signal. Irland wird 2027 zum zweiten Mal in Folge nicht am Eurovision Song ContestDana International: Israels Eurovision-Sieg, der mehr war als PopDana International ist eine israelische Sängerin und trans Frau. 1998 gewann sie mit „Diva“ für Israel den Eurovision Song Contest und wurde international zu einem Symbol für LGBT-Sichtbarkeit und israelische Popkultur.Mehr lesen teilnehmen und den Wettbewerb auch nicht übertragen, solange Israel dabei ist.
RTÉ begründet die Entscheidung mit den Todesfällen und der humanitären Situation im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen sowie dem eingeschränkten Zugang internationaler Journalisten. Die Europäische Rundfunkunion erklärte, sie bedauere die Entscheidung, respektiere sie jedoch.
Das fügt sich in eine irische Politik ein, die gegenüber Israel seit Jahren besonders konfrontativ ausfällt.
Irland erkannte im Mai 2024 einen palästinensischen Staat an und baute die Vertretung in Ramallah zur Botschaft aus. Dublin betont dabei ausdrücklich, gleichzeitig das Existenzrecht IsraelsExistenzrecht Israels: Das Recht des jüdischen Staates auf SicherheitDas Existenzrecht Israels bezeichnet das Recht des jüdischen Staates, als souveräner Staat sicher und anerkannt zu bestehen. Wer Israel dieses Recht abspricht, kritisiert nicht nur eine Regierung, sondern stellt jüdische Selbstbestimmung grundsätzlich infrage.Mehr lesen und eine Zwei-Staaten-Lösung zu unterstützen.
2026 folgte der nächste Schritt: Die Regierung brachte ein Gesetz auf den Weg, das die Einfuhr von Waren aus israelischen Siedlungen in den palästinensischen Gebieten verbieten soll. Parallel setzt sich Dublin auf EU-Ebene für weitere Maßnahmen gegen Israel ein.
Israel reagierte bereits Ende 2024 mit der Schließung seiner Botschaft in Dublin. Außenminister Gideon Sa’ar begründete dies mit den aus israelischer Sicht „extremen antiisraelischen politischen Maßnahmen“ der irischen Regierung. Dublin wies den Vorwurf zurück und erklärte, seine Politik orientiere sich am Völkerrecht; die irische Botschaft in Israel blieb geöffnet.
„Ich fühlte mich wie das ausgeschlossene Kind“
Wie tief die Distanz inzwischen reicht, schildert die frühere israelische Botschafterin in Irland, Lironne Bar-Sadeh, gegenüber N12.
Nach ihrer Darstellung war Israel während ihrer Amtszeit im irischen Parlament und in den Medien weit überproportional präsent. Gleichzeitig sei es ihr kaum gelungen, gewöhnliche diplomatische Veranstaltungen in Kultur, Wissenschaft oder Wirtschaft zu organisieren. Institutionen hätten Kontakte gemieden; bei Veranstaltungen habe sie wiederholt vor verschlossenen Türen gestanden. Ihre persönliche Beschreibung: Sie habe sich wie ein ausgeschlossenes Kind gefühlt.
Bar-Sadeh erklärt die irische Haltung teilweise aus der eigenen Geschichte des Landes. Viele Iren betrachteten den palästinensischen Konflikt durch die Erfahrung britischer Herrschaft und sähen sich selbst historisch in der Rolle eines kleinen Volkes im Kampf gegen eine größere Macht. Die PalästinenserPalästinenser: Herkunft, Begriffswandel und politische IdentitätPalästinenser bezeichnet heute meist palästinensische Araber mit eigener nationaler Identität. In der Mandatszeit konnte der Begriff jedoch allgemein Bewohner des britischen Mandatsgebiets Palästina meinen, auch Juden.Mehr lesen würden deshalb häufig in dieses historische Deutungsmuster eingeordnet. Das ist ihre Analyse, keine feststehende Erklärung für die Haltung einer gesamten Bevölkerung.
Genau diese Differenzierung ist wichtig.
Denn N12 zeichnet gleichzeitig ein deutlich anderes Bild vom alltäglichen Leben mit Iren. Mehrere Israelis, die dort leben, berichten von freundlichen Nachbarn, Kollegen und Ärzten. Einer der Befragten betont ausdrücklich, die meisten Iren seien gastfreundlich und Israelkritik werde ihm persönlich nicht entgegengebracht.
Es wäre deshalb falsch, aus der Politik Dublins abzuleiten, die irische Bevölkerung insgesamt sei israelfeindlich oder antisemitischAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen.
Ebenso falsch wäre es jedoch, die Entwicklung des Antisemitismus auszublenden.
Der Jewish Representative Council of Ireland registrierte innerhalb von sechs Monaten 143 gemeldete antisemitische Vorfälle bei einer jüdischen Gemeinschaft von rund 2.200 Menschen. Darunter waren Beschimpfungen, Vandalismus, Drohungen, Einschüchterungen und Fälle von Ausgrenzung. Der Bericht betont selbst, dass es sich nicht um eine repräsentative Kriminalstatistik handelt und die Meldungen nicht sämtlich unabhängig überprüft wurden.
Die irische Regierung nahm die Zahlen dennoch ausdrücklich ernst. Außenministerin Helen McEntee sprach von einem „alarmierenden“ Bild und erklärte, die Regierung wolle die IHRA-Arbeitsdefinition von Antisemitismus umsetzen.
Das macht die Situation komplizierter als die einfache Behauptung, „Irland hasst Israel“.
Der irische Staat bekennt sich offiziell zum Existenzrecht Israels und bekämpft Antisemitismus. Gleichzeitig gehören Regierung, öffentlich-rechtlicher Rundfunk und Fußballverband zu den europäischen Akteuren, die Israel besonders häufig mit politischen, wirtschaftlichen, kulturellen oder sportlichen Maßnahmen konfrontieren.
Und inzwischen geht dieser Konflikt so weit, dass Irland lieber auf sein Heimstadion und erneut auf den Eurovision Song Contest verzichtet, als Israel dort wie einen gewöhnlichen Teilnehmer zu behandeln.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Samstag, 19. September 2026