Dana International: Israels Eurovision-Sieg, der mehr war als Pop

Dana International gewann 1998 für Israel den Eurovision Song Contest. Ihr Sieg wurde zu einem Symbol für Popkultur, Sichtbarkeit und ein Israel, das nicht in Feindbilder passt.

Dana International ist der Künstlername der israelischen Sängerin Sharon Cohen. International bekannt wurde sie 1998, als sie mit dem Lied „Diva“ für Israel den Eurovision Song Contest in Birmingham gewann. Der Sieg brachte Israel den dritten Eurovision-Erfolg und machte Dana International zu einer der bekanntesten israelischen Popfiguren der 1990er Jahre. Nach Angaben des Eurovision Song Contest wurde „Diva“ von Yoav Ginai und Tzvika Pick geschrieben, und Dana International belegte 1998 den ersten Platz.

Der Eintrag ist für ein Israel-Lexikon wichtig, weil Dana International nicht nur eine Sängerin ist. Sie steht für ein kulturelles Bild Israels, das in vielen politischen Debatten ausgeblendet wird: modern, laut, widersprüchlich, vielfältig, jüdisch, nahöstlich, europäisch angebunden und gesellschaftlich viel offener, als es antiisraelische Klischees zulassen. Ihr Sieg war ein Popmoment, aber auch ein Symbolmoment.

Dana International ist eine trans Frau. Damit wurde ihr Eurovision-Erfolg 1998 zu einem frühen internationalen Moment sichtbarer LGBT-Repräsentation. Der offizielle Eurovision-Kanal beschreibt sie als erste offen transgeschlechtliche Künstlerin, die den Wettbewerb gewann, und verweist darauf, dass „Diva“ Israel 1998 den dritten Sieg brachte.

Eurovision 1998 und „Diva“

Der Eurovision Song Contest 1998 fand am 9. Mai 1998 in Birmingham statt. Dana International trat für Israel mit „Diva“ an und gewann mit 172 Punkten. Das Lied wurde zu einem europäischen Popklassiker und gehört bis heute zu den bekanntesten israelischen Beiträgen in der Geschichte des Wettbewerbs. Eurovisionworld führt Israel 1998 mit „Diva“ als Sieger des Wettbewerbs.

Der Sieg war in mehrfacher Hinsicht besonders. Israel gewann nicht mit einer zurückhaltenden Ballade, sondern mit einem selbstbewussten Popauftritt. Dana International präsentierte ein Israel, das nicht provinziell, nicht ängstlich und nicht versteckt war. Sie trat als israelische Künstlerin auf einer europäischen Bühne auf und gewann gegen starke Konkurrenz. Das war kulturell bedeutsam, weil Israel beim Eurovision Song Contest immer auch mehr ist als ein Teilnehmerland. Es wird dort regelmäßig politisch bewertet, kritisiert, unterstützt oder angegriffen.

1998 war dieser Sieg ein starkes Gegenbild zu vielen Vorurteilen. Eine israelische trans Frau gewann einen der größten europäischen Musikwettbewerbe. Für viele LGBT-Menschen war das ein Moment der Sichtbarkeit. Für Israel war es ein kultureller Triumph. Für Gegner Israels war es schwieriger, das Land in das einfache Bild eines rückständigen, monolithischen oder rein militärischen Staates zu pressen.

Bedeutung für Israel und LGBT-Sichtbarkeit

Dana International ist nicht die gesamte Geschichte von LGBT-Rechten in Israel. Israel ist kein perfektes Land, und auch dort gibt es gesellschaftliche, religiöse und politische Konflikte. Aber ihre Karriere zeigt, dass israelische Gesellschaft vielfältiger ist, als viele außenpolitische Debatten erkennen lassen. Israel ist der einzige Staat im Nahen Osten, in dem LGBT-Menschen eine solche öffentliche Sichtbarkeit, rechtliche Schutzräume und kulturelle Präsenz entwickeln konnten.

Gerade deshalb wurde Dana International oft zu einem Symbol. Ihr Erfolg machte sichtbar, dass israelische Identität nicht auf Militär, Konflikt oder Religion reduziert werden kann. Israel hat Popmusik, Clubs, Fernsehshows, Minderheiten, religiöse Spannungen, säkulare Räume, Pride-Paraden, harte politische Debatten und eine Kultur, die zugleich nahöstlich und global ist. Dana International verkörperte davon einen Teil.

Dieser Punkt ist auch für heutige Debatten wichtig. Israel wird von antiisraelischen Aktivisten häufig als angeblich kolonialer, rassistischer oder reaktionärer Staat dämonisiert. Gleichzeitig ignorieren dieselben Milieus oft, dass LGBT-Menschen in vielen Staaten der Region verfolgt, kriminalisiert oder massiv gesellschaftlich bedroht werden. Dana International passt nicht in diese bequeme Erzählung. Deshalb wird solche israelische Vielfalt von Israelgegnern häufig als „Pinkwashing“ abgetan.

Pinkwashing-Vorwurf und Kulturboykott

Der Begriff „Pinkwashing“ wird genutzt, um Israel vorzuwerfen, LGBT-Rechte oder queere Sichtbarkeit nur zur Imagepflege einzusetzen und damit den Konflikt mit den Palästinensern zu überdecken. Dieser Vorwurf kann einzelne staatliche Kommunikationsstrategien kritisieren. Problematisch wird er aber dort, wo reale LGBT-Erfahrungen in Israel entwertet werden. Dana International ist kein Propagandaprodukt. Sie ist eine reale Künstlerin mit eigener Biografie, Karriere und Wirkung.

Wer israelische LGBT-Sichtbarkeit automatisch als Täuschung bezeichnet, macht israelische Minderheiten unsichtbar. Genau darin liegt die Schieflage. Die Lebensrealität von LGBT-Israelis ist nicht weniger echt, nur weil Israel außenpolitisch umstritten ist. Dana International zeigt, dass man Israel nicht verstehen kann, wenn man das Land nur durch den Nahostkonflikt betrachtet.

Auch der Kulturboykott gegen Israel macht solche Figuren politisch relevant. Wenn Künstler, Sender oder Aktivisten Israel vom Eurovision Song Contest ausschließen wollen, trifft das nicht nur eine Regierung. Es trifft israelische Künstler, Zuschauer, Minderheiten und kulturelle Räume. Dana International steht deshalb bis heute für die Frage, ob Israel als normale Kulturgesellschaft gesehen werden darf oder ob jeder israelische Beitrag auf eine Anklagebank gesetzt wird.

Quellen

  1. Eurovision Song Contest: Offizielle Profilseite zu Dana International, ihrem Sieg 1998 mit „Diva“ und ihrer Rückkehr zum ESC 2011 eurovision.com/eurovision-song-contest/dusseldorf-2011/all-participants/dana-international/
  2. Eurovision Song Contest: Offizielles Video zu „Diva“, Israel, Gewinnerlied 1998 youtube.com/watch?v=4No1oClTp_E
  3. Eurovisionworld: Ergebnisübersicht des Eurovision Song Contest 1998 mit Israel als Sieger, 172 Punkten und Austragungsort Birmingham eurovisionworld.com/eurovision/1998
  4. Center for Israel Education: Biografischer Überblick zu Dana International, bürgerlichem Namen Sharon Cohen und Bedeutung ihres Eurovision-Siegs israeled.org/dana-international-1969/
  5. Britannica: Überblick zum Eurovision Song Contest und Einordnung des Wettbewerbs als europäisches Kulturereignis britannica.com/art/Eurovision-Song-Contest

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