Pamplona und die neue Lust an Israels Vernichtung
Beim weltberühmten San-FermÃn-Fest wurde ein riesiges Banner gegen Israel gezeigt.
Wer die Zerstörung des jüdischen Staates fordert, überschreitet die Grenze von Protest zu Antisemitismus.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Pamplona ist kein unbekannter Ort. San Fermín ist kein kleines Straßenfest. Jedes Jahr schaut die Welt auf die engen Gassen der spanischen Stadt, auf weiße Kleidung, rote Halstücher, volle Plätze, Stierläufe, Kameras, Bilder, die um die Welt gehen. Genau dort, mitten im Auftakt eines der bekanntesten Volksfeste Europas, wurde ein riesiges Banner mit der Aufschrift „Destroy IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen“ gezeigt. Nicht „Frieden“. Nicht „Hilfe für GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen“. Nicht „Kritik an der israelischen Regierung“. Sondern: Zerstört Israel.
Nach Angaben von El Diario wurde das Banner während des Chupinazo auf der Plaza Consistorial in Pamplona entrollt, also bei jenem Moment, der den Beginn der San-Fermín-Feiern markiert. Die Zeitung berichtet, die Organisation EHKS habe die Parole gezeigt. Das israelische Außenministerium reagierte empört und sprach von einem beschämenden Vorgang in Spanien, mehr als 500 Jahre nach der Inquisition.
Auch Al Jazeera berichtete über die Szene. Demnach wurde das Banner gezeigt, als Tausende Menschen zum San-Fermín-Fest zusammenkamen. In der Menge wurden außerdem aufblasbare Wassermelonenbälle geworfen, ein Symbol, das inzwischen häufig bei palästinensischen Solidaritätsaktionen verwendet wird.
Das alles ist nicht nebensächlich. Denn San Fermín lebt von öffentlicher Aufmerksamkeit. El País berichtete über den offiziellen Beginn der Feiern am 6. Juli 2026 mit dem traditionellen Chupinazo, dem Startschuss auf dem Rathausplatz. WELT berichtete anschließend über das erste Stiertreiben des Festes, bei dem mehrere Teilnehmer verletzt wurden. Die Bilder aus Pamplona erreichen jedes Jahr ein internationales Publikum. Genau deshalb ist ein solches Banner dort keine Randnotiz, sondern ein politisches Signal an einem Ort maximaler Sichtbarkeit.
Keine Kritik, sondern Auslöschungsparole
Israel kann kritisiert werden. Jede Regierung kann kritisiert werden. Auch die israelische Regierung muss Kritik aushalten, an Entscheidungen, an Strategien, an Sprache, an Fehlern. Das gehört zu einer freien politischen Debatte. Aber „Destroy Israel“ ist keine Kritik an einer Regierung. Es ist keine Forderung nach einer anderen Politik. Es ist keine humanitäre Forderung. Es ist die Forderung nach der Zerstörung des jüdischen Staates.
Genau dort verläuft die Grenze. Wer Israel auslöschen will, greift nicht nur ein Kabinett an. Er greift die Existenzgrundlage von Millionen Juden an, die in diesem Staat leben. Er greift das Recht jüdischer Selbstbestimmung an. Er greift den Schutzraum an, der nach Jahrhunderten von Vertreibung, Entrechtung und Mord nicht zufällig entstanden ist.
Das ist der Punkt, der in Europa viel zu oft verwischt wird. Antiisraelische Parolen werden als Aktivismus ausgegeben. Vernichtungswünsche werden als Empörung getarnt. Aus „Solidarität“ wird ein Freibrief, den einzigen jüdischen Staat der Welt von der Landkarte zu wünschen. Wer so redet, bewegt sich nicht mehr im Raum politischer Kritik. Er bedient ein Muster, das jüdisches Leben nicht offen beim Namen nennen muss, um es trotzdem zu treffen.
Denn AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen sagt heute nicht immer „Juden“. Er sagt oft „Israel“. Er sagt nicht immer „Vertreibung“. Er sagt „Dekolonisierung“. Er sagt nicht immer „Auslöschung“. Er schreibt „Destroy Israel“ auf ein Banner und nennt das dann Widerstand.
Spanien muss hinsehen
Dass dies ausgerechnet in Spanien geschieht, macht den Vorgang noch schwerer. Spanien erlebt seit dem 7. Oktober eine zunehmend scharfe antiisraelische Stimmung in Teilen von Politik, Straße und Öffentlichkeit. Man kann über die Politik der spanischen Regierung streiten. Man kann über Gaza streiten. Man kann über internationale Organisationen, humanitäre Hilfe und Diplomatie streiten. Aber wenn auf einem der bekanntesten Volksfeste des Landes die Zerstörung Israels als Parole sichtbar wird, dann geht es nicht mehr nur um Außenpolitik. Dann geht es um die Frage, welche Formen des Hasses in der Mitte öffentlicher Räume geduldet werden.
Pamplona zeigt, wie schnell aus einem Volksfest eine Bühne für eine Vernichtungsbotschaft werden kann. Die Menge muss nicht geschlossen zustimmen. Nicht jeder auf dem Platz muss diese Parole getragen haben. Aber das Bild ist entstanden. Es wurde gezeigt, verbreitet, gefeiert, verteidigt oder relativiert. Genau so verschieben sich Grenzen. Nicht durch einen einzigen Satz allein, sondern durch die Bereitschaft, ihn als normale politische Symbolik hinzunehmen.
Wer wirklich Frieden will, fordert nicht die Zerstörung Israels. Wer wirklich Palästinensern helfen will, braucht keine Vernichtungsparole gegen den jüdischen Staat. Wer wirklich Humanität meint, darf HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen nicht ausblenden, jüdische Sicherheit nicht verhöhnen und Israel nicht zum einzigen Staat machen, dessen Existenz öffentlich zur Disposition gestellt wird.
Das ist der moralische Betrug dieser Parole. Sie gibt sich als Solidarität aus und endet bei Auslöschung. Sie spricht von Palästina und meint die Beseitigung Israels. Sie behauptet, gegen Unterdrückung zu stehen, und greift doch den Staat an, in dem Juden nach der Katastrophe Europas wieder selbst über ihre Sicherheit entscheiden können.
Europa sollte solche Bilder nicht achselzuckend zur Kenntnis nehmen. Nach jedem antisemitischen Vorfall wird beteuert, man sei wachsam, entschlossen, sensibel. Dann steht in Pamplona ein Banner mit „Destroy Israel“, und wieder beginnt die bekannte Flucht in Verharmlosung. Es sei doch nur Protest. Es sei doch nur Wut. Es sei doch nur Symbolik.
Nein. Es ist nicht nur Symbolik.
Die Forderung nach der Zerstörung Israels ist die Forderung nach dem Ende jüdischer Souveränität. Sie trifft nicht nur eine Regierung. Sie trifft ein Volk, eine Geschichte, eine Schutzidee, eine Heimat. Wer das nicht mehr erkennt, hat sich an antiisraelische Radikalität bereits zu sehr gewöhnt.
Pamplona war deshalb mehr als ein hässlicher Moment am Rand eines Volksfestes. Es war ein Warnzeichen. Mitten in Europa wird die Auslöschung Israels wieder öffentlich als Parole gezeigt. Und je länger diese Sprache als Aktivismus durchgeht, desto gefährlicher wird sie für Juden, für Israel und für jede Gesellschaft, die behauptet, aus ihrer Geschichte gelernt zu haben.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 7. Juli 2026