Trump will Erdogan F-35 ermöglichen, Griechenland, Zypern und Israel warnen vor einem gefährlichen Signal
Donald Trump soll beim NATO-Gipfel in Ankara den Weg für F-35-Kampfjets an die Türkei öffnen wollen. Das betrifft nicht nur Israel, sondern auch Griechenland, Zypern und die gesamte Sicherheitsordnung im östlichen Mittelmeer.

Bildnachweis: The White House
Donald Trump reist zum NATO-Gipfel nach Ankara, und im Gepäck liegt offenbar ein Angebot, das Recep Tayyip Erdogan politisch als großen Sieg verkaufen könnte. Nach Reuters-Informationen wird erwartet, dass der amerikanische Präsident eine mögliche Lieferung von F-35-Kampfjets an die Türkei unterstützt, obwohl rechtliche und politische Hürden in Washington weiter bestehen. Für Ankara wäre es die spektakulärste Annäherung seit Jahren. Für Griechenland, Zypern und IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen wäre es ein Warnsignal, das weit über ein gewöhnliches Rüstungsgeschäft hinausgeht.
Die Türkei wurde 2019 aus dem F-35-Programm ausgeschlossen, nachdem sie das russische Luftabwehrsystem S-400 gekauft hatte. Washington verhängte Sanktionen gegen Teile der türkischen Rüstungsindustrie, weil das russische System aus amerikanischer Sicht ein Sicherheitsrisiko für westliche Kampfflugzeuge darstellt. Der Kern der Sorge war damals eindeutig: Ein NATO-Staat, der russische Radartechnik betreibt, darf nicht zugleich Zugang zu einem der sensibelsten westlichen Tarnkappenjets erhalten. Diese Logik war 2019 richtig. Sie ist 2026 nicht plötzlich falsch geworden, nur weil Trump Erdogan politisch entgegenkommen will.
Nach geltendem amerikanischem Recht bleibt eine Rückkehr der Türkei in das F-35-Programm schwierig, solange Ankara das S-400-System besitzt oder betreibt. In Washington wird deshalb offenbar über Modelle gesprochen, bei denen das russische System an ein Drittland abgegeben werden könnte. Doch auch das wäre nicht bloß ein technischer Umzug. Russland hat bei Waffenexporten eigene Endverbleibsvorgaben, und offen ist, ob Moskau eine Weitergabe akzeptieren würde. Ebenso offen ist, ob der amerikanische Kongress einen solchen Kurswechsel hinnimmt.
Trump hatte bereits Ende Juni angedeutet, er werde der Türkei womöglich etwas geben, das sie „sehr glücklich“ mache. Vizepräsident J. D. Vance erklärte zugleich, die Regierung prüfe, ob die Türkei die gesetzlichen Voraussetzungen erfülle. Das klingt weniger nach einer offenen Prüfung als nach einer Administration, die politisch bereits in Richtung Erdogan geht und nun nach einem juristischen Weg sucht.
Nicht nur Israel ist betroffen
Israel hat vor einem solchen Schritt deutlich gewarnt. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erklärte in einem Interview mit Fox News, die Türkei solle weder F-35 noch Triebwerke für ihre Kampfflugzeuge erhalten. Ein solcher Schritt könne das Kräftegleichgewicht im Nahen Osten verschieben. Diese Warnung ist berechtigt. Die F-35 ist kein gewöhnliches Flugzeug, sondern ein System aus Tarnkappentechnik, Sensorik, elektronischer Kriegsführung, Datenvernetzung und westlicher Operationslogik. Wer Zugang dazu bekommt, erhält nicht nur ein Kampfflugzeug, sondern einen Platz in einem hochsensiblen militärischen Ökosystem.
Doch der Fall darf nicht nur als israelische Sorge gelesen werden. Genau das wäre politisch zu bequem und würde Erdogan-Unterstützern in Europa die Möglichkeit geben, den Vorgang als angebliche Sonderinteressen Israels abzutun. Tatsächlich geht es um die Sicherheitsarchitektur des gesamten östlichen Mittelmeers.
Griechenland hat seit Jahrzehnten schwere Konflikte mit der Türkei. Es geht um Seegrenzen, Luftraum, Hoheitsrechte, Energiefragen und militärische Bewegungen in der Ägäis. Ankara und Athen haben zwar zuletzt Gesprächsbereitschaft signalisiert, die Kernkonflikte bleiben aber bestehen. Reuters berichtete im Februar, dass beide NATO-Staaten weiter über maritime Streitfragen ringen, die auch Auswirkungen auf Luftraum und militärische Aktivität haben.
Besonders heikel ist die türkische Haltung zur Ausweitung griechischer Hoheitsgewässer. Griechenland hat seine Hoheitsgewässer im Ionischen Meer bereits auf zwölf Seemeilen ausgedehnt, vermeidet einen solchen Schritt in der Ägäis aber seit Jahren, weil Ankara scharf widerspricht. Reuters berichtete im Januar, Athen wolle seine Rechte ausweiten, während die Türkei weiterhin warnt. In der Praxis bedeutet das: Ein NATO-Staat muss bei legitimen Hoheitsfragen einkalkulieren, ob ein anderer NATO-Staat militärisch droht.
Auch Zypern gehört ins Zentrum dieser Debatte. Die Republik Zypern ist Mitglied der Europäischen Union, wird von Ankara aber nicht anerkannt. Die Türkei hält am Norden der Insel fest, unterstützt dort eine international nur von Ankara anerkannte Struktur und behandelt Nikosia nicht wie einen gleichwertigen europäischen Staat. Reuters berichtete Ende Juni, die EU habe die Türkei wegen des Ausschlusses Zyperns von Vorbereitungen für einen UN-Klimagipfel scharf gerügt. Der Vorgang zeigt, dass Ankara selbst bei internationalen Formaten versucht, die Republik Zypern politisch unsichtbar zu machen.
Wer der Türkei unter diesen Bedingungen F-35 gibt, verändert also nicht nur das Verhältnis zwischen Washington und Ankara. Er berührt die Sicherheitslage eines EU-Mitgliedstaates, eines NATO-Partners und eines engen westlichen Partners im Nahen Osten zugleich. Griechenland, Zypern und Israel haben unterschiedliche Interessen, aber sie teilen eine Sorge: Erdogan nutzt Machtmittel, wenn sie ihm zur Verfügung stehen.
Erdogan hat Vertrauen verspielt
Die Türkei ist formal ein NATO-Verbündeter und besitzt eine der größten Armeen des Bündnisses. Doch Ankara handelt seit Jahren nicht wie ein berechenbarer Partner im klassischen Sinn. Erdogan hat die Migrationsfrage gegenüber Europa als Druckmittel eingesetzt, den NATO-Beitritt Schwedens lange blockiert, militärisch in Syrien Fakten geschaffen, eigene Ansprüche im östlichen Mittelmeer formuliert und Israel immer wieder in einer Sprache angegriffen, die weit über normale Kritik hinausgeht.
Gerade deshalb war der Ausschluss aus dem F-35-Programm kein amerikanischer Affekt, sondern eine sicherheitspolitische Notwendigkeit. Die S-400-Frage war ein Test. Ankara entschied sich trotz wiederholter Warnungen für ein russisches System. Wenn diese Entscheidung nun durch eine Rückkehr zur F-35 praktisch entwertet wird, sendet Washington eine gefährliche Botschaft: Strategische Unzuverlässigkeit lässt sich aussitzen, wenn man politisch wichtig genug ist.
Auch im amerikanischen Kongress gibt es Widerstand. Eine parteiübergreifende Gruppe von Abgeordneten warnte Trump jüngst vor einer Rückkehr der Türkei zum F-35-Programm. Das Schreiben verwies auf den russischen S-400-Kauf und stellte die Verlässlichkeit Ankaras infrage. Das ist keine Kleinigkeit, sondern Ausdruck einer breiteren Sorge, dass Trump aus persönlicher Nähe zu Erdogan eine Entscheidung treffen könnte, deren Folgen andere tragen müssen.
Schon zuvor hatte die US-Regierung dem Kongress die geplante Lieferung von Triebwerken im Wert von mehr als 700 Millionen Dollar für das türkische Kampfflugzeug KAAN gemeldet. Auch dagegen gab es Einwände. Die Regierung wollte dennoch vorangehen. Damit entsteht ein Muster: Erst Triebwerke, dann womöglich F-35, Schritt für Schritt wird Ankara wieder an westliche Spitzentechnologie herangeführt, obwohl die Gründe für Vorsicht nicht verschwunden sind.
Für Griechenland bedeutet das eine zusätzliche Belastung in der Ägäis. Für Zypern bedeutet es ein weiteres Signal, dass Ankara trotz Nichtanerkennung und politischer Blockadefähigkeit belohnt wird. Für Israel bedeutet es eine mögliche Verschiebung des militärischen Gleichgewichts in einer Region, in der qualitative Überlegenheit kein Luxus ist, sondern Teil der eigenen Sicherheit. Und für die NATO bedeutet es die Frage, ob Bündnistechnologie an einen Staat gegeben werden sollte, der zugleich immer wieder die Bündnislogik für eigene Machtspiele ausnutzt.
In den vergangenen Jahren haben Griechenland, Israel und Zypern ihre Zusammenarbeit im östlichen Mittelmeer vertieft. Reuters berichtete Ende 2025, die drei Staaten wollten gemeinsame Luft- und Marineübungen ausbauen und ihre Kooperation bei Verteidigung, Energie und maritimer Sicherheit verstärken. Diese Annäherung ist kein Zufall. Sie ist eine Antwort auf eine Region, in der Ankara eigene Machtansprüche erhebt und Nachbarn wiederholt unter Druck setzt.
Trump muss deshalb mehr erklären als nur, wie ein juristisches Hindernis in Washington überwunden werden kann. Er muss Griechenland erklären, warum ein Staat, der alte Drohungen in der Ägäis nicht eindeutig zurücknimmt, Zugang zu F-35 erhalten soll. Er muss Zypern erklären, warum ein Staat, der die Republik Zypern nicht anerkennt, mit modernster westlicher Luftkampftechnik belohnt werden soll. Er muss Israel erklären, warum ein Präsident, der sich gern als enger Freund Jerusalems darstellt, Erdogan ein militärisches Geschenk machen will, das Israels Sicherheitslage berührt. Und er muss dem Kongress erklären, warum der S-400-Kauf plötzlich weniger schwer wiegen soll.
Natürlich hat Washington Gründe, die Türkei im westlichen Lager halten zu wollen. Die Türkei kontrolliert Schlüsselräume zwischen Schwarzem Meer, Mittelmeer, Kaukasus und Nahost. Sie spielt bei Ukraine, Syrien, Migration, Energie und regionaler Sicherheit eine wichtige Rolle. Aber einen schwierigen Partner einzubinden, bedeutet nicht, ihm jedes Hochrisikosystem zu überlassen. Ein Bündnis gewinnt nicht an Stärke, wenn es Unzuverlässigkeit belohnt.
Die F-35 ist kein diplomatischer Blumenstrauß für Erdogan. Sie ist eines der sensibelsten Waffensysteme der westlichen Welt. Wer sie an Ankara liefern will, muss erklären, warum die Türkei heute vertrauenswürdiger sein soll als 2019. Er muss erklären, was mit den S-400 wirklich geschieht. Er muss erklären, wie amerikanische Technologie geschützt wird. Und er muss erklären, warum die Sorgen von Griechenland, Zypern und Israel weniger zählen sollen als Trumps Wunsch, Erdogan zufriedenzustellen.
Solange diese Fragen offen sind, wäre ein F-35-Deal mit der Türkei kein Zeichen von NATO-Stärke. Er wäre ein riskantes Geschenk an Erdogan, bezahlt mit der Sicherheit anderer.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 7. Juli 2026