Britische Juden erklären Grüne zur rassistischen Partei
Mit 118 zu einer Stimme verurteilt die wichtigste jüdische Vertretung Großbritanniens die Grünen. Deren neuer Parteibeschluss erklärt Zionismus zu Rassismus und stellt Israels Existenz als jüdischer Staat infrage.

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Die britische jüdische Dachorganisation Board of Deputies of British Jews hat die Green Party of England and Wales offiziell als rassistische Partei eingestuft. Bei einer Versammlung am Sonntag, dem 25. Oktober, stimmten 118 Delegierte für die Resolution, nur einer dagegen. Die Organisation kündigte an, die Grünen künftig ebenso zu behandeln wie andere Parteien, die sie als rassistisch betrachtet.
Auslöser ist ein Beschluss des Grünen-Parteitags vom 4. Oktober. Mit 1.022 gegen 813 Stimmen legte die Partei den Antizionismus als offizielle politische Position fest. ZionismusZionismus: Das Recht der Juden auf SelbstbestimmungZionismus bezeichnet die jüdische Nationalbewegung, die für die Rückkehr des jüdischen Volkes in seine historische Heimat und für jüdische Selbstbestimmung im Land Israel eintrat. Der moderne Zionismus entstand im 19. Jahrhundert als Antwort auf Antisemitismus, Verfolgung und Entrechtung.Mehr lesen wird darin als ethnonationalistisches Projekt beschrieben, das Rassismus und Unterdrückung hervorbringe.
Die Resolution unterstützt außerdem die Errichtung eines einzigen demokratischen palästinensischen Staates im gesamten historischen PalästinaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen. Eine solche Staatsordnung würde das Ende Israels als eigenständigen jüdischen Nationalstaat bedeuten.
Damit geht der Beschluss weit über Kritik an Benjamin Netanjahu, israelischer Siedlungspolitik oder militärischen Entscheidungen hinaus. Er richtet sich gegen den Zionismus als Grundlage jüdischer nationaler Selbstbestimmung.
Der Präsident des Board of Deputies, Phil Rosenberg, wirft den Grünen deshalb vor, einen wesentlichen Bestandteil jüdischer Identität pauschal als rassistisch zu verurteilen. Die Verbindung zu IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen sei für zahlreiche britische Juden durch Religion, Geschichte, familiäre Beziehungen und kulturelle Tradition geprägt.
Der neue Parteibeschluss betreffe nach Ansicht der Organisation nicht nur Israel, sondern auch jüdische GemeindenGlobale Intifada: Die Parole, die Gewalt gegen Israel exportiert„Globale Intifada“ oder „Globalize the Intifada“ ist eine antiisraelische Parole, die den Kampf gegen Israel weltweit ausweiten soll. Aktuelle Kampagnen nutzen Karten, Zielorte und Lieferkettenlisten gegen Firmen, Häfen und Schiffe.Mehr lesen, Synagogen und Organisationen in Großbritannien, die sich zum Zionismus bekennen.
Besonders schwer wiegt, dass die Grünen ihre antizionistische Position ausdrücklich in die Parteipolitik aufnehmen wollen. Damit wird aus einer umstrittenen ideologischen Auffassung ein verbindlicher politischer Maßstab.
Die Partei selbst weist den Antisemitismusvorwurf zurück. Sie bezeichnet ihre Entscheidung als antirassistisch und erklärt, ihre Kritik richte sich gegen eine politische Ideologie, nicht gegen Juden. Außerdem verweist sie auf ihre Unterstützung für palästinensische Selbstbestimmung und gleiche Rechte.
Der entscheidende Widerspruch bleibt jedoch bestehen:Während die Grünen nationale Selbstbestimmung für PalästinenserPalästinenser: Herkunft, Begriffswandel und politische IdentitätPalästinenser bezeichnet heute meist palästinensische Araber mit eigener nationaler Identität. In der Mandatszeit konnte der Begriff jedoch allgemein Bewohner des britischen Mandatsgebiets Palästina meinen, auch Juden.Mehr lesen ausdrücklich unterstützen, lehnen sie den Zionismus und damit die bestehende Form jüdischer nationaler Selbstbestimmung in Israel ab.
Die jüdische Dachorganisation hält diese Ungleichbehandlung für diskriminierend.
Rosenberg forderte die Parteiführung auf, den Beschluss zurückzunehmen. Zugleich würdigte er jüdische und nichtjüdische Parteimitglieder, die sich dagegen ausgesprochen hatten. Die Kritik richtet sich somit gegen die beschlossene Parteilinie, nicht pauschal gegen jeden einzelnen Grünen.
Der Board of Deputies vertritt jüdische Gemeinden und Organisationen aus ganz Großbritannien. Seine Entscheidung ist ein politisches Urteil einer gesellschaftlichen Interessenvertretung, keine gerichtliche Feststellung.
Ihre Bedeutung ist dennoch erheblich: Eine etablierte britische Partei wird von der wichtigsten demokratisch repräsentativen Organisation britischer Juden ausdrücklich als rassistisch bezeichnet.
Der Konflikt zeigt, wie weit sich der Antizionismus innerhalb einer europäischen Partei inzwischen institutionalisiert hat. Aus Kritik an israelischer Politik ist ein Parteibeschluss geworden, der den jüdischen Nationalstaat selbst infrage stellt.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Montag, 26. Oktober 2026