Nach Terroranschlag: Israel riegelt Judäa und Samaria zur Wahl ab

Nach Terroranschlag: Israel riegelt Judäa und Samaria zur Wahl ab


Zwei ermordete israelische Soldaten, Dutzende Festnahmen und eine großangelegte Anti-Terror-Operation in Hebron: Israel verschärft unmittelbar vor der Knessetwahl die Sicherheitsmaßnahmen. Die Einschränkungen treffen auch Tausende palästinensische Arbeitnehmer.

Nach Terroranschlag: Israel riegelt Judäa und Samaria zur Wahl ab
Bildnachweis: Symbolbild / KI

IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen wird am Dienstag, dem 27. Oktober 2026, während der Parlamentswahl sämtliche Übergänge aus Judäa und SamariaJudäa und Samaria: Israels historisches Kernland im politischen StreitJudäa und Samaria bezeichnen historische Landschaften zwischen Jerusalem, dem Jordantal und den zentralen Höhenzügen des Landes Israel. In Israel ist der Begriff gebräuchlich. International wird das Gebiet oft anders bezeichnet und politisch als umstritten eingeordnet.Mehr lesen nach Israel für PalästinenserPalästinenser: Herkunft, Begriffswandel und politische IdentitätPalästinenser bezeichnet heute meist palästinensische Araber mit eigener nationaler Identität. In der Mandatszeit konnte der Begriff jedoch allgemein Bewohner des britischen Mandatsgebiets Palästina meinen, auch Juden.Mehr lesen schließen. Die israelische Armee kündigte die vorübergehende Abriegelung am Wochenende an. Bereits am Sonntag und Montag gelten weitreichende Zugangsbeschränkungen für palästinensische Arbeiter in israelischen Gemeinden der Region. Hintergrund sind die angespannte Sicherheitslage und eine großangelegte Anti-Terror-Operation nach dem tödlichen Anschlag vom Freitag nahe Hebron.

Die Entscheidung wurde nach einer erneuten Sicherheitsbewertung von der politischen Führung gebilligt. Am Wahltag dürfen palästinensische Arbeitnehmer weder israelische Gemeinden noch die dortigen Industriegebiete betreten. Auch die Übergänge zwischen Judäa und Samaria und dem israelischen Kernland bleiben für Palästinenser geschlossen. Nach den bisherigen Ankündigungen sollen die Beschränkungen nach dem Wahltag wieder aufgehoben werden.

Bereits am Sonntag und Montag ist der Zugang zu israelischen Gemeinden in Judäa, Samaria und dem Jordantal untersagt. Ausnahmen bestehen für bestimmte Industriezonen und eine begrenzte Zahl ausdrücklich genehmigter Bereiche. Nach früheren Angaben verfügen rund 9.000 Palästinenser über Arbeitsgenehmigungen für israelische Gemeinden oder benachbarte Gewerbegebiete. Die Maßnahmen haben damit auch erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen auf Arbeitnehmer und Betriebe.

Zwei israelische Soldaten bei Terroranschlag ermordet

Auslöser der jüngsten Verschärfung war der Terroranschlag vom 23. Oktober am Verkehrsknotenpunkt Yehuda Junction nahe Hebron. Zwei bewaffnete Palästinenser eröffneten das Feuer auf israelische Soldaten. Der 23-jährige Ron Yonatan Roytman aus Aschkelon und der 20-jährige Yuval Shai Svilem aus Hod Hascharon wurden getötet. Drei weitere Soldaten erlitten Verletzungen. Beide Terroristen wurden während des anschließenden Feuergefechts von israelischen Einsatzkräften erschossen.

Nach Einschätzung des israelischen Militärs könnte die Konfrontation einen noch schwereren Anschlag verhindert haben. Die Angreifer sollen beabsichtigt haben, ihre Fahrt fortzusetzen und weitere Menschen auf einer stark befahrenen Verkehrsverbindung anzugreifen. Eine unabhängig bestätigte Darstellung dieses mutmaßlichen Vorhabens liegt bislang nicht vor.

haOlam.de berichtete bereits am 24. Oktober ausführlich über den Anschlag und den Beginn der israelischen Anti-Terror-Operation. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte unmittelbar danach die Abriegelung Hebrons angeordnet und eine umfassende Suche nach Waffen, Terroristen und militanten Netzwerken angekündigt.

Seither operieren die israelischen Streitkräfte gemeinsam mit dem Inlandsgeheimdienst Schin Bet und der Grenzpolizei in zahlreichen Teilen von Judäa und Samaria. Nach Angaben der Armee wurden rund 400 Orte in etwa 40 Einsatzgebieten durchsucht. Dabei nahmen die Sicherheitskräfte ungefähr 40 Verdächtige fest, darunter mutmaßliche Mitglieder der Terrororganisationen HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und Islamischer DschihadIslamischer Dschihad: Irans Terrorpartner gegen IsraelDer Islamische Dschihad ist eine palästinensische Terrororganisation, die Anfang der 1980er Jahre entstand. Sie lehnt Israel ab, wird stark vom Iran unterstützt und verfügt mit den Al Quds Brigaden über einen bewaffneten Arm.Mehr lesen.

In Hebron konzentrieren sich die Operationen auf das Umfeld der beiden Attentäter und mutmaßliche terroristische InfrastrukturTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen. Am Sonntag meldete das Militär die Versiegelung ihrer Wohnhäuser als Vorbereitung auf mögliche Abrissmaßnahmen. Außerdem wurden weitere Verdächtige festgenommen und Waffen beschlagnahmt.

Die Operation hat erhebliche Auswirkungen auf die palästinensische Zivilbevölkerung. Israels Verteidigungsminister Israel Katz bestätigte, dass rund 2.000 Menschen ihre Wohnviertel in Hebron verlassen mussten beziehungsweise durch die militärischen Maßnahmen aus ihren Häusern verdrängt wurden. Sie könnten nach seinen Angaben erst zurückkehren, wenn die Operation gegen die Hamas-Strukturen in dem betreffenden Gebiet abgeschlossen sei.

Von palästinensischer Seite werden inzwischen teilweise höhere Zahlen genannt. Die Stadtverwaltung Hebrons berichtete von mehr als 2.600 Betroffenen. Die Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig vollständig überprüfen. Auch die rechtliche Bewertung der Räumungen und Gebäudezerstörungen ist umstritten. Die Palästinensische AutonomiebehördePLO: Die Organisation zwischen Terrorgeschichte, Oslo und MachtverlustDie PLO ist die Palästinensische Befreiungsorganisation. Sie wurde 1964 gegründet, wurde später international als Vertreterin der Palästinenser anerkannt und spielte im Oslo-Prozess eine zentrale Rolle.Mehr lesen wirft Israel kollektive Bestrafung vor, während das israelische Militär die Maßnahmen mit der Suche nach terroristischer Infrastruktur und der Verhinderung weiterer Anschläge begründet.

Israels Armee soll die Wahl gegen Angriffe absichern

Die Abriegelung erfolgt in einer ohnehin außergewöhnlichen Sicherheitslage. Bereits am 19. Oktober hatte Generalstabschef Eyal Zamir die Streitkräfte in höchste Alarmbereitschaft versetzt und einen Urlaubsstopp für Soldaten angeordnet. Zusätzlich wurden militärische Kräfte nach Judäa und Samaria verlegt und Führungsstäbe verstärkt.

Zamir erklärte, die Armee müsse gewährleisten, dass die demokratische Wahl planmäßig und sicher stattfinden könne. Angesichts der angespannten regionalen Lage soll verhindert werden, dass Terroranschläge oder Angriffe von außen den Wahlablauf beeinträchtigen.

Am Sonntag begann zudem eine zweitägige Militärübung im Norden und Zentrum Israels. Dabei trainieren die Streitkräfte unter anderem die Reaktion auf überraschende Angriffe an mehreren Fronten sowie das Eindringen feindlicher Kräfte auf israelisches Staatsgebiet. In die Übung fließen auch Erkenntnisse aus dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023 ein, bei dem Israels Sicherheitsstrukturen schwerwiegende Versäumnisse offenbarten.

Die Sicherheitsvorkehrungen fallen mit einer innenpolitisch besonders umkämpften Knessetwahl zusammen. Ministerpräsident Netanjahu und seine Koalition stehen unter erheblichem Druck. Sicherheitsfragen, die Verantwortung für das Versagen am 7. Oktober sowie die Folgen der Kriege und militärischen Operationen bestimmen den Wahlkampf.

Am Samstagabend demonstrierten in Israel erneut Zehntausende Menschen gegen die Regierung. In Tel Aviv forderten ehemalige Hamas-Geiseln und Angehörige der Opfer eine unabhängige staatliche Untersuchungskommission zum Terrorangriff vom 7. Oktober. Die Demonstrationen verdeutlichen, dass es bei dieser Wahl neben der künftigen Sicherheitspolitik auch um die Aufarbeitung politischer und militärischer Verantwortung geht.

Die Abriegelung von Judäa und Samaria ist vor diesem Hintergrund eine weitreichende, aber nach bisheriger Ankündigung zeitlich begrenzte Sicherheitsmaßnahme. Sie soll das Risiko weiterer Anschläge während der Abstimmung senken, während die laufenden Einsätze gegen terroristische Netzwerke fortgesetzt werden.

Ob die Operation in Hebron tatsächlich dazu beiträgt, weitere Anschläge zu verhindern, lässt sich derzeit noch nicht beurteilen. Ebenso offen ist, wie lange die gesonderten militärischen Einschränkungen rund um Hebron bestehen bleiben werden. Die für den Wahltag vorgesehenen Zugangssperren sollen dagegen nach der Abstimmung aufgehoben werden.

Für Israel steht unmittelbar vor dem 27. Oktober eine grundlegende Aufgabe im Mittelpunkt: Millionen Bürger sollen unter möglichst sicheren Bedingungen über die politische Zukunft des Landes entscheiden können. Der jüngste Terroranschlag hat gezeigt, wie schnell die Sicherheitslage den ohnehin angespannten Wahlkampf überschattet.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 25. Oktober 2026

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