Drei Jahre nach dem 7. Oktober: Opferfamilien verlangen Antworten von Netanjahu

Drei Jahre nach dem 7. Oktober: Opferfamilien verlangen Antworten von Netanjahu


Kurz vor der israelischen Parlamentswahl demonstrieren Tausende für eine unabhängige Untersuchung des Hamas-Massakers. Angehörige werfen der Regierung vor, politische Verantwortung zu vermeiden.

Drei Jahre nach dem 7. Oktober: Opferfamilien verlangen Antworten von Netanjahu
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Drei Jahre nach dem HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023 fordern Angehörige der Ermordeten und ehemalige Geiseln endlich eine unabhängige Untersuchung des schwersten Sicherheitsversagens in Israels Geschichte. Am Samstagabend versammelten sich Tausende Menschen auf dem Platz der Geiseln in Tel Aviv. Die Organisatoren sprachen von mehr als 100.000 Teilnehmern.

Die Demonstration wurde vom Oktoberrat organisiert, einem Zusammenschluss von Hinterbliebenen, Überlebenden und ehemaligen Geiseln. Ihre Forderung richtet sich unmittelbar an die Regierung von Benjamin Netanjahu: Eine staatliche Untersuchungskommission soll klären, weshalb die Hamas am 7. Oktober 2023 rund 1.200 Menschen ermorden und 251 weitere verschleppen konnte.

Im Mittelpunkt steht nicht die Schuld der Hamas an den Verbrechen. Diese ist eindeutig. Es geht um die Verantwortung jener staatlichen Stellen, die den Angriff trotz vorhandener Sicherheits- und Geheimdienststrukturen nicht verhinderten und deren Schutzmaßnahmen während des Massakers versagten.

Eyal Eshel, Vater der ermordeten 19-jährigen Armeebeobachterin Roni Eshel, kritisierte insbesondere den Plan der Regierung, eine eigene Untersuchungskommission einzusetzen. Nach Ansicht der Familien dürfen diejenigen, deren Entscheidungen überprüft werden sollen, nicht selbst bestimmen, wer sie untersucht.

Auch Viki Cohen, Mutter des aus der Hamas-Gefangenschaft zurückgekehrten Soldaten Nimrod Cohen, erhob schwere Vorwürfe. Sie machte die israelische Regierung dafür verantwortlich, die Hamas durch ihre jahrelange Politik gestärkt und Warnungen nicht ernst genommen zu haben. Diese Bewertung ist eine politische Anklage der Angehörigen, kein bereits abgeschlossenes Untersuchungsergebnis.

Netanjahu lehnt eine staatliche Untersuchungskommission in der geforderten Form ab. Er begründet dies mit der Befürchtung, eine unter Beteiligung der Justiz bestimmte Kommission könne politisch voreingenommen sein. Seine Regierung bevorzugt ein anderes Untersuchungsmodell.

Der Streit betrifft damit auch die Unabhängigkeit der Aufklärung.Eine staatliche Untersuchungskommission besitzt weitreichende Befugnisse zur Befragung von Zeugen und zur Prüfung politischer sowie militärischer Entscheidungen.

Unter den Demonstranten waren auch führende Oppositionspolitiker, darunter Gadi Eisenkot, Naftali Bennett, Yair Lapid, Avigdor Lieberman und Yair Golan. Sie unterstützen die Forderung der Familien nach einer unabhängigen Untersuchung.

Die Kundgebung fand drei Tage vor der Knessetwahl am 27. Oktober statt. Die Angehörigen fordern, die Untersuchung unmittelbar nach der Wahl einzuleiten.

Auch der Likud versuchte, die Wahlkampfveranstaltung ausstrahlungsrechtlich überprüfen zu lassen. Der Vorsitzende der Zentralen Wahlkommission, Noam Sohlberg, wies den Antrag mangels ausreichender Tatsachengrundlage zurück.

Für die Angehörigen geht es um mehr als einen politischen Machtwechsel. Sie wollen erfahren, welche Warnungen vorlagen, welche Entscheidungen getroffen wurden und wer für das staatliche Versagen verantwortlich war.

Drei Jahre nach dem Massaker ist diese zentrale Frage noch immer nicht durch eine unabhängige staatliche Untersuchungskommission beantwortet.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Montag, 26. Oktober 2026

haOlam-News unterstützen

haOlam-News ist auf die Unterstützung seiner Leserinnen und Leser angewiesen. Jeder Beitrag hilft, unabhängige Berichterstattung weiterzuführen.

Sie benötigen nicht zwingend ein PayPal-Konto. Im nächsten Schritt kann je nach PayPal-Anzeige auch eine Zahlung per Karte angeboten werden.

Sie möchten unsere Arbeit unterstützen, nutzen aber kein PayPal? Schreiben Sie uns kurz, wir melden uns mit den passenden Möglichkeiten.

Weitere interessante Artikel

Newsletter