„Wegen Gaza“ kein Essen: Israelische Familie erhebt Antisemitismus-Vorwurf im österreichischen Urlaubsort Bad Hofgastein im Salzburger Land
Eine israelische Familie mit zwei Kindern wollte im österreichischen Urlaubsort Bad Hofgastein lediglich etwas essen. Nach ihrer Schilderung änderte sich alles, als ihre Herkunft bekannt wurde. Die Behörden haben ein Verwaltungsstrafverfahren eingeleitet. Inzwischen werden weitere ähnliche Vorwürfe gegen denselben Imbissbetreiber bekannt.

Bildnachweis: elmlechner
Bad Hofgastein ist ein bekannter Kur- und Wintersportort im österreichischen Bundesland Salzburg, rund 90 Kilometer südlich der Stadt Salzburg. Genau dort soll eine israelische Urlauberfamilie eine Erfahrung gemacht haben, die inzwischen Behörden, die jüdische Gemeinde und die israelische Vertretung in Österreich beschäftigt.
Lidan H. war mit seiner Frau und seinen beiden Kindern mehrere Wochen in Österreich unterwegs. Nach einem Ausflug zum Großglockner suchte die Familie am Abend nach einer Möglichkeit zu essen. Gegen 19.30 Uhr fanden sie schließlich in Bad Hofgastein einen Imbiss und bestellten Burger.
Nach Schilderung des Familienvaters fragte der Betreiber, woher die Familie komme. Als die Antwort „IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen“ fiel, habe sich die Situation verändert. Der bereits bestellte Burger sei vom Grill genommen und weggeworfen worden. Der Betreiber habe erklärt, für die Familie werde es nichts mit dem Essen, und dies nach Angaben des Israelis mit „wegen GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen“ begründet.
Lidan H. sagte später gegenüber der österreichischen „Kronen Zeitung“, der Grund sei noch deutlicher ausgesprochen worden. „Weil wir Juden sind, das hat er uns genauso mitgeteilt“, erklärte er.
Der Familienvater verzichtete nach eigener Aussage vor Ort auf eine Auseinandersetzung. Seine Kinder seien dabei gewesen, weshalb er die Situation nicht eskalieren lassen wollte. Die Familie fuhr weiter.
Damit war die Angelegenheit allerdings nicht beendet. H. wandte sich an die zuständige Bezirkshauptmannschaft. Nach übereinstimmenden österreichischen Medienberichten wurde daraufhin ein Verwaltungsstrafverfahren eingeleitet.
Der Betreiber weist die Vorwürfe zurück. Gegenüber der „Kronen Zeitung“ bezeichnete er sie lediglich als „Alles Blödsinn!“. Eine ausführlichere öffentliche Darstellung seiner Version des Geschehens ist bislang nicht bekannt.
Damit muss rechtlich sauber unterschieden werden: Die geschilderte Diskriminierung ist bislang ein Vorwurf der Familie und keine abschließend festgestellte Tatsache. Fest steht jedoch, dass die zuständige Behörde den Fall nicht einfach zu den Akten gelegt, sondern ein Verfahren eingeleitet hat.
Ähnliche Vorwürfe gegen denselben Imbiss
Besonders brisant wurde der Fall, nachdem österreichische Medien ältere Bewertungen des Imbisses überprüften. Dabei fanden sich mehrere Einträge von Gästen, die unabhängig voneinander von ähnlichen Erlebnissen berichten.
Ein Nutzer schrieb, ihm sei nichts verkauft worden, nachdem Mitarbeiter bemerkt hätten, dass er aus Israel komme. Ein anderer Gast schilderte, das Verhalten sei feindselig geworden, nachdem Hebräisch gesprochen worden sei. Er habe selten so viel Hass erlebt.
In einem weiteren älteren Erfahrungsbericht wird sogar behauptet, der Besitzer habe eine jüdische Familie mit Kindern bedroht. Die örtliche Polizei sei anschließend informiert worden.
Auch diese Schilderungen sind zunächst Behauptungen der jeweiligen Verfasser und keine behördlich bestätigten Feststellungen. Sie sind dennoch relevant, weil sie darauf hindeuten, dass der aktuelle Vorwurf möglicherweise kein völlig isoliertes Ereignis ist.
Die Israelitische Kultusgemeinde für Salzburg, Steiermark und Kärnten reagierte entsprechend deutlich. Ihr Präsident Elie Rosen fordert eine schnelle Aufklärung und warnt davor, Auseinandersetzungen über Israel als Rechtfertigung für JudenhassAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen zu verwenden.
Rosen verwies zugleich auf andere Vorfälle in Österreich und Deutschland. Bereits im August 2025 hatte eine israelische Familie vergleichbare Vorwürfe gegen eine Pizzeria in Seekirchen erhoben. Im Juni 2026 wurde in Deutschland die Antwort eines Hotels auf eine israelische Buchungsanfrage öffentlich, in der es hieß, Juden seien dort nicht erlaubt.
Auch haOlam berichtete bereits 2025 über Vorfälle in Österreich, bei denen Israelis von Dienstleistungen ausgeschlossen worden sein sollen. In einem Fall berichtete ein israelischer Überlebender des HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Terrorangriffs vom 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen, von einem Campingplatz abgewiesen worden zu sein. Nur kurze Zeit später schilderten israelische Musiker in Wien, sie seien aus einem Restaurant verwiesen worden, nachdem sie Hebräisch gesprochen hätten.
Ein einzelner Vorfall kann viele Ursachen haben und muss jeweils für sich aufgeklärt werden. Wenn jedoch Menschen wiederholt davon berichten, aufgrund ihrer israelischen Herkunft oder jüdischen Identität nicht bedient, nicht beherbergt oder aus Lokalen gewiesen worden zu sein, geht es längst nicht mehr nur um politische Auseinandersetzungen über den Nahen Osten.
Es geht um den Umgang mit Menschen in Europa.
Die Rechnung für Gaza wird jüdischen Gästen präsentiert
Die Formulierung „wegen Gaza“, die der Betreiber nach Darstellung der Familie benutzt haben soll, zeigt das eigentliche Problem besonders deutlich.
Eine israelische Familie in einem österreichischen Urlaubsort hat keinerlei persönliche Verantwortung für Entscheidungen der israelischen Regierung. Noch absurder wird eine solche Kollektivhaftung, wenn zwei Kinder betroffen sind, die einfach etwas essen wollen.
Kritik an einer israelischen Regierung ist selbstverständlich möglich. Wer jedoch Menschen wegen ihrer israelischen Herkunft anders behandelt oder Juden persönlich für einen Krieg verantwortlich macht, verlässt die politische Debatte.
Der Krieg im Gazastreifen begann nach dem Massaker der Hamas und weiterer palästinensischer Terroristen am 7. Oktober 2023, bei dem rund 1.200 Menschen in Israel ermordet und mehr als 250 Geiseln verschleppt wurden. Seitdem hat sich auch in Europa eine Entwicklung verstärkt, bei der Wut auf Israel immer wieder gegen jüdische Menschen oder Israelis gerichtet wird, unabhängig davon, welche politische Haltung die Betroffenen selbst vertreten.
Die Zahlen aus Österreich zeigen, dass die Sorge nicht aus der Luft gegriffen ist. Die Antisemitismus-Meldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde Wien registrierte im Jahr 2025 insgesamt 1.532 antisemitische Vorfälle. Das war der höchste Wert seit Beginn ihrer Aufzeichnungen. Besonders häufig wurde israelbezogener AntisemitismusIsraelbezogener Antisemitismus: Wenn Israelhass Judenhass wirdIsraelbezogener Antisemitismus liegt vor, wenn Feindschaft gegen Juden auf Israel übertragen wird. Kritik an israelischer Politik ist nicht automatisch antisemitisch. Antisemitisch wird sie, wenn Israel dämonisiert, delegitimiert, mit doppelten Maßstäben behandelt oder Juden weltweit für Israel verantwortlich gemacht werden.Mehr lesen dokumentiert.
Auch die israelische Botschaft in Österreich reagierte besorgt auf den Fall von Bad Hofgastein. Diskriminierung israelischer sowie jüdischer Frauen und Männer sei nicht hinnehmbar. Israels Botschafter David Roet warnte davor, solche Ereignisse vollständig isoliert von einem gesellschaftlichen Klima zu betrachten, in dem Antisemitismus zunehmend normalisiert werde.
Am 28. September meldete sich schließlich auch die Marktgemeinde Bad Hofgastein offiziell zu Wort. Sie erklärte, die aktuellen Vorwürfe seien ernst zu nehmen. Diskriminierung, Ausgrenzung und Antisemitismus hätten in der Gemeinde keinen Platz. Zugleich verwies sie richtigerweise darauf, dass die weitere Klärung den zuständigen Stellen überlassen werden müsse.
Das österreichische Gleichbehandlungsgesetz verbietet Diskriminierung aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit beim Zugang zu Gütern und Dienstleistungen. Die Gleichbehandlungsanwaltschaft nennt ausdrücklich auch die Verweigerung von Dienstleistungen aufgrund der Herkunft als möglichen Verstoß. Welche Vorschriften im konkreten Fall greifen und was tatsächlich geschehen ist, müssen nun die Behörden feststellen.
Doch unabhängig vom Ausgang des Verfahrens bleibt eine grundsätzliche Frage.
Wie selbstverständlich ist es inzwischen geworden, einen Israeli nach Gaza zu fragen, bevor man ihm einen Burger verkauft?
Ein jüdisches Kind ist kein Repräsentant der israelischen Regierung. Ein israelischer Tourist ist kein Soldat, nur weil er einen israelischen Pass besitzt. Und niemand muss sich in einem österreichischen Imbiss zunächst politisch rechtfertigen, bevor er etwas zu essen bekommt.
Wenn aus „wegen Gaza“ ein Grund werden kann, Menschen im Alltag auszugrenzen, ist der Nahostkonflikt längst dort angekommen, wo er niemals hingehört: bei der persönlichen Behandlung von Juden und Israelis mitten in Europa.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 29. September 2026