Antisemitische Ausgrenzung in Derry: Vier Israelis aus dem Rennen gedrängt

Antisemitische Ausgrenzung in Derry: Vier Israelis aus dem Rennen gedrängt


Vier junge israelische Triathleten wollten bei einem internationalen Wettkampf starten. Der örtliche Klub erklärte ausdrücklich, keine israelische Repräsentation zu wollen. Nach Protestdruck zog Israel die Athleten zurück. Die Boykottseite feiert ihren Ausschluss.

Antisemitische Ausgrenzung in Derry: Vier Israelis aus dem Rennen gedrängt
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Tomer Shapira, Roi Cohen, Roy Baron und Omer Tzafrir gehören zur israelischen U23 Nationalmannschaft. Am Samstag sollten sie beim Europe Triathlon Cup in Derry in Nordirland antreten. Keiner der vier war wegen eines Regelverstoßes aufgefallen, gegen keinen lag ein persönlicher Vorwurf vor. Ihre Nationalität genügte, um aus einem Sportwettbewerb eine politische Kampagne zu machen. Der North West Triathlon Club erklärte nach Veröffentlichung der vorläufigen Teilnehmerliste, er habe bei Triathlon Ireland und Europe Triathlon mit Nachdruck gegen die Teilnahme der Israelis interveniert. Der Klub formulierte schließlich unmissverständlich, dass keine Athleten, die IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen vertreten, an seiner Startlinie stehen würden. Als Begründung nannte er neben Sicherheitsbedenken ausdrücklich die Ablehnung einer israelischen Repräsentation im internationalen Sport.

Damit lässt sich der Vorgang nicht als bedauerliche organisatorische Panne verkaufen. Der Veranstalter erklärte nicht, vier bestimmte Sportler stellten ein Risiko dar. Er erklärte Israel selbst zum unerwünschten Teilnehmer. Gleichzeitig wusste die nordirische Polizei nach eigenen Angaben von möglichen Protestaktionen gegen das Rennen. Die Folge dieser Drohkulisse war bemerkenswert: Nicht diejenigen, die wegen israelischer Teilnehmer protestieren wollten, mussten zurückstecken. Die Israelis verschwanden. Nach Informationen des israelischen Sportportals ONE berichtete die Delegation zudem, die Organisatoren hätten behauptet, ein großer Teil der Helfer wolle wegen der israelischen Teilnahme nicht erscheinen. Die israelischen Vertreter hätten sich vor Ort selbst nicht bedroht gefühlt, seien aber massiv zum Rückzug gedrängt worden. Nationaltrainer Lior Cohen sagte ONE, man sei gegen den eigenen Willen gezwungen gewesen, sich aus dem Wettbewerb streichen zu lassen.

Formal bat schließlich der israelische Triathlonverband World Triathlon darum, die vier Athleten von der Liste zu nehmen. World Triathlon entsprach dem Antrag sofort. Diese formale Abfolge darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, weshalb es überhaupt dazu kam. Der lokale Klub hatte die Teilnahme öffentlich abgelehnt, Proteste standen im Raum und die israelische Delegation sah sich nach eigenen Angaben gezwungen, den Rückzug anzutreten. Der israelische Verband prüft inzwischen rechtliche Schritte. Besonders grotesk wirkt daneben die Mitteilung von Europe Triathlon, das Rennen könne nun sicher stattfinden und allen Teilnehmern eine angenehme Veranstaltung bieten. Das stimmt vermutlich sogar. Die vier Israelis, um deren Sicherheit es angeblich ging, sind schließlich nicht mehr dabei.

Derry wollte keine Israelis und BDS jubelt

Wer immer noch glaubt, hier habe allein eine neutrale Sicherheitsentscheidung stattgefunden, muss sich nur ansehen, wer das Ergebnis feiert. Die Derry Anti War Coalition begrüßte ausdrücklich, dass die israelischen Athleten nicht mehr antreten, und bezeichnete die Entwicklung als großen Erfolg. Der politische Boden dafür existiert in Derry schon lange. Der Stadtrat von Derry City and Strabane unterstützte bereits 2016 mit 27 gegen 9 Stimmen die BDSBDS: Boykottkampagne gegen IsraelBDS ist eine gegen Israel gerichtete Boykottkampagne. Der Deutsche Bundestag verurteilte die Bewegung 2019 als antisemitisch.Mehr lesen Kampagne und beschloss, praktische Möglichkeiten zu ihrer Umsetzung zu prüfen. Die aktuelle Ausgrenzung fällt damit auf einen Boden, auf dem die politische Isolation Israels seit Jahren institutionelle Unterstützung besitzt.

Der North West Triathlon Club versucht gleichzeitig, die offensichtliche Diskriminierung sprachlich zu entschärfen. Seine Position richte sich nicht gegen Religion oder Ethnie und auch nicht gegen jemanden allein deshalb, weil er in Israel geboren sei. Aber genau hier wird es absurd. Die vier Männer dürfen nicht antreten, weil sie Israel vertreten. Ihre persönlichen Ansichten spielen keine Rolle. Ihre sportliche Leistung spielt keine Rolle. Ihr Verhalten spielt keine Rolle. Sie werden kollektiv mit einem Staat identifiziert und wegen dieser Verbindung aus einem internationalen Wettbewerb gedrängt. Die Jüdische Allgemeine berichtete über denselben Widerspruch: Der Klub beteuert, seine Entscheidung richte sich nicht gegen Juden, während er gleichzeitig ausdrücklich keine israelische Repräsentation beim Rennen haben will.

Genau an diesem Punkt ist die Bezeichnung AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen keine Übertreibung mehr. Die IHRA ArbeitsdefinitionIHRA-Definition: Maßstab gegen modernen AntisemitismusDie IHRA-Definition ist eine nicht rechtsverbindliche Arbeitsdefinition von Antisemitismus. Sie wird international von vielen Staaten, Behörden und Institutionen genutzt. Besonders wichtig sind ihre Beispiele zu israelbezogenem Antisemitismus.Mehr lesen hält ausdrücklich fest, dass Antisemitismus sich gegen Israel richten kann, wenn der Staat als jüdisches Kollektiv behandelt wird. Normale Kritik an israelischer Politik ist davon ausdrücklich ausgenommen. In Derry wurde aber keine Regierung kritisiert und keine konkrete israelische Entscheidung sanktioniert. Vier einzelne Menschen wurden wegen ihrer israelischen Repräsentation aus dem Sport gedrängt. Auch der Deutsche Bundestag hat die Methode der BDS Bewegung bereits klar benannt. In seinem Beschluss von 2019 nennt er ausdrücklich Boykottaufrufe gegen israelische Sportler und bezeichnet die umfassende Brandmarkung israelischer Staatsbürger als inakzeptabel.

Der Sport kapituliert vor den Ausgrenzern

Das Gefährliche an Derry reicht über diese vier Athleten hinaus. Wer israelische Teilnehmer loswerden möchte, bekommt gerade eine einfache Anleitung geliefert. Protest ankündigen, Sicherheitsprobleme erzeugen, Veranstalter unter Druck setzen und anschließend erklären, die Israelis könnten zu ihrem eigenen Schutz besser verschwinden. Ein offizielles Verbot braucht es dann gar nicht mehr. Irgendwann zieht Israel selbst zurück und diejenigen, die den Druck aufgebaut haben, können behaupten, niemand sei ausgeschlossen worden. Genau vor dieser Entwicklung hat haOlam bereits bei anderen europäischen Sportwettbewerben gewarnt. Damals ging es um israelische Handballerinnen, deren reguläre Teilnahme unter Sicherheitsargumenten immer schwieriger wurde. Derry zeigt nun die nächste Stufe: Die israelischen Athleten schaffen es nicht einmal mehr an die Startlinie.

Julie Middleton, Abgeordnete für den Wahlkreis Foyle im nordirischen Regionalparlament, nannte die Entwicklung eine beschämende Visitenkarte für Derry. Michael Black von der jüdischen Gemeinde in Belfast kritisierte ebenfalls, der Sport werde hier zur Spaltung benutzt. Die israelische Botschaft in London stellte die naheliegende Frage, ob ein Veranstalter internationale Wettkämpfe ausrichten sollte, wenn er die Sicherheit von Sportlern einer bestimmten Nationalität nicht gewährleisten kann. Die Antwort des North West Triathlon Club bestand nicht darin, die Gleichbehandlung aller Teilnehmer durchzusetzen. Sein öffentlich formuliertes Ziel war vielmehr erreicht: keine israelische Repräsentation.

Am Samstag werden in Derry bis zu 200 internationale Spitzensportler gegeneinander antreten. Die Veranstalter sprechen von einem Fest des internationalen Sports. Vier Namen fehlen auf der Liste. Nicht wegen Dopings, nicht wegen sportlicher Qualifikation und nicht wegen eines Fehlverhaltens. Tomer Shapira, Roi Cohen, Roy Baron und Omer Tzafrir fehlen, nachdem ihre israelische Herkunft zum politischen Problem erklärt wurde. Der Klub wollte sie nicht. BDS Aktivisten wollten sie nicht. Nun sind sie weg. Wer das als Erfolg feiert, feiert nicht Frieden und nicht Sport. Er feiert, dass vier Israelis erfolgreich aus einem internationalen Wettbewerb gedrängt wurden.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Samstag, 5. September 2026

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