In Athen als Israelis erkannt, dann geschlagen und getreten
Ein israelisches Paar gerät in Athen in eine propalästinensische Demonstration. Nachdem die beiden als Israelis erkannt werden, folgen Beschimpfungen und körperliche Angriffe. Ein Grieche stellt sich schützend vor sie und bringt sie aus der Menge.

Ein Mann und eine Frau sind im Zentrum von Athen von Teilnehmern einer propalästinensischen Demonstration körperlich angegriffen worden, nachdem sie als Israelis erkannt worden waren. Videos des Vorfalls zeigen nach Angaben des israelischen Senders N12, wie ein Demonstrant den Mann wegstößt und ein anderer ihn tritt. Gleichzeitig ruft die Menge den beiden „Free PalestinePalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen“ und „Zionisten sind Mörder“ entgegen.
Die beiden Israelis reagieren auf den Bildern nicht mit Gewalt. Stattdessen versuchen sie erkennbar, sich aus der Situation zu entfernen. Besonders bemerkenswert ist das Verhalten eines Mannes aus Athen, der schließlich eingreift. Er stellt sich zwischen das Paar und die Demonstranten, drängt Angreifer zurück und schützt die beiden teilweise mit seinem eigenen Körper, bis sie aus der unmittelbaren Gefahrenzone gebracht werden können.
Der Vorfall ereignete sich im Zusammenhang mit dem sogenannten Aktionstag, den propalästinensische Organisationen am vergangenen Sonntag in Griechenland organisiert hatten. Für den 9. August waren Demonstrationen in Städten, auf Inseln und an beliebten Urlaubsorten angekündigt worden. Zu den Organisatoren gehörten nach Angaben von N12 unter anderem March to Gaza, BDSBDS: Boykottkampagne gegen IsraelBDS ist eine gegen Israel gerichtete Boykottkampagne. Der Deutsche Bundestag verurteilte die Bewegung 2019 als antisemitisch.Mehr lesen Greece, Vertreter der palästinensischen Gemeinschaft in Griechenland sowie weitere Aktivistengruppen.
Bereits Wochen zuvor hatten die Organisatoren deutlich gemacht, dass es nicht nur um klassische Kundgebungen gegen die israelische Regierung gehen sollte. Gefordert wurden unter anderem ein Waffenembargo gegen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, Einschränkungen für israelische Reisende und Kontrollen israelischer Staatsbürger mit möglichem militärischem Hintergrund. Mako berichtete bereits im Juli über die für den 9. August geplante landesweite Kampagne.
Nach dem Angriff in Athen stellt sich eine wesentlich grundsätzlichere Frage.
Was genau hat ein israelisches Paar auf einer Straße in Griechenland mit Entscheidungen der israelischen Regierung zu tun?
Wer Menschen schlägt oder tritt, weil sie als Israelis erkannt worden sind, demonstriert nicht mehr gegen Benjamin Netanjahu, den Krieg in Gaza oder irgendeine politische Entscheidung Jerusalems. Er greift Menschen aufgrund ihrer Herkunft an.
Das ist keine politische Debatte.
Und es wird auch nicht dadurch zu legitimer Israelkritik, dass während des Angriffs „Free Palestine“ gerufen wird.
Gerade die Verbindung zwischen der Identifizierung der Betroffenen als Israelis und der unmittelbar folgenden Gewalt macht den Vorfall so beunruhigend. Der Mann und die Frau wurden nach dem vorliegenden Bericht nicht deshalb angegriffen, weil sie eine politische Rede hielten, Transparente trugen oder Demonstranten provozierten. Sie wurden als Israelis erkannt, anschließend beschimpft und körperlich attackiert.
Dass ausgerechnet ein griechischer Passant die beiden schützen musste, während andere Teilnehmer der Demonstration sie bedrängten, ist deshalb ebenso wichtig wie die Gewalt selbst. Sein Eingreifen zeigt, dass die Demonstranten keineswegs für „Griechenland“ stehen. Zwischen der politischen Haltung einzelner Aktivisten und der Haltung der griechischen Bevölkerung muss sauber unterschieden werden.
Auch die Beziehungen zwischen JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen und Athen sind weiterhin eng. Noch im Mai 2026 bezeichnete Israels Außenministerium die Partnerschaft mit Griechenland als einen Stabilitätsanker in der Region. Beide Länder arbeiten unter anderem bei Energie, Infrastruktur, Sicherheit und regionalen Verkehrsprojekten zusammen.
Gerade deshalb sind die zunehmenden Zwischenfälle gegen Israelis in Griechenland ein Problem, das nicht kleingeredet werden sollte.
Die israelischen Behörden hatten bereits vor den Demonstrationen reagiert. Israelis in Griechenland wurden aufgefordert, Demonstrationsorte zu meiden, sichtbare israelische Kennzeichen möglichst nicht offen zu zeigen und sich nicht auf politische Auseinandersetzungen im öffentlichen Raum einzulassen. Ähnliche Hinweise waren schon bei früheren Protestwellen ausgesprochen worden.
Diese Empfehlungen mögen aus sicherheitspolitischer Sicht vernünftig sein. Trotzdem bleibt an ihnen etwas Verstörendes.
Israelische Touristen sollen in einem europäischen Land darauf achten, nicht als Israelis erkannt zu werden.
Nicht weil sie dort etwas Verbotenes tun.
Nicht weil sie eine Demonstration stören.
Sondern weil ihre erkennbare Herkunft möglicherweise genügt, um zur Zielscheibe zu werden.
Genau das ist die Grenze, an der eine politische Auseinandersetzung über Gaza in etwas anderes umschlägt.
Kritik an Israel ist legitim. Demonstrationen gegen eine israelische Regierung sind legitim. Auch Boykottforderungen oder radikale politische Positionen dürfen innerhalb der Grenzen des Gesetzes vertreten werden.
Aber ein Israeli ist nicht die israelische Regierung.
Ein jüdischer Tourist ist nicht die IDF.
Und ein Mensch, der Hebräisch spricht oder als Israeli erkannt wird, trägt keine persönliche Verantwortung für Entscheidungen eines Kabinetts in Jerusalem.
Diese Selbstverständlichkeit scheint bei einem Teil der radikalisierten Israelgegner zunehmend verloren zu gehen.
Dass die Gefahr nicht vollständig abstrakt ist, zeigen auch frühere Vorfälle. Bereits in der Vergangenheit berichteten israelische Medien über körperliche Angriffe auf Israelis in Griechenland und über Aktionen gegen israelische Touristen. Mako berichtete 2025 über eine Protestkampagne, bei der Demonstrationen gezielt an stark von Israelis besuchten Orten organisiert wurden. Dabei wurde offen davon gesprochen, israelischen Touristen unmittelbar zu begegnen.
Für 2026 wurde erneut ein landesweiter Aktionstag geplant. Die diesjährige Kampagne zielte laut Mako auch auf beliebte Ferienregionen und stellte erneut die engen wirtschaftlichen und militärischen Beziehungen Griechenlands mit Israel in den Mittelpunkt.
Der Angriff in Athen zeigt nun, wie schnell die Grenze zwischen Protest und persönlicher Feindseligkeit überschritten werden kann.
Wer einen Menschen tritt, weil er Israeli ist, kämpft nicht für die Rechte der PalästinenserPalästinenser: Herkunft, Begriffswandel und politische IdentitätPalästinenser bezeichnet heute meist palästinensische Araber mit eigener nationaler Identität. In der Mandatszeit konnte der Begriff jedoch allgemein Bewohner des britischen Mandatsgebiets Palästina meinen, auch Juden.Mehr lesen.
Er übt Gewalt gegen einen Menschen aus, dessen Herkunft ihm nicht gefällt.
Auch das beliebte Ausweichen auf den Begriff „ZionistZionismus: Das Recht der Juden auf SelbstbestimmungZionismus bezeichnet die jüdische Nationalbewegung, die für die Rückkehr des jüdischen Volkes in seine historische Heimat und für jüdische Selbstbestimmung im Land Israel eintrat. Der moderne Zionismus entstand im 19. Jahrhundert als Antwort auf Antisemitismus, Verfolgung und Entrechtung.Mehr lesen“ ändert daran nichts. Wenn zunächst Menschen als Israelis erkannt werden, anschließend „Zionisten sind Mörder“ gerufen wird und dann körperliche Gewalt folgt, funktioniert das Wort nicht mehr als präzise politische Beschreibung. Es wird zum Schimpfwort, mit dem eine ganze Gruppe kollektiv verantwortlich gemacht wird.
Das sollte auch diejenigen beschäftigen, die grundsätzlich mit den propalästinensischen Demonstrationen sympathisieren.
Denn wer behauptet, lediglich gegen eine Regierungspolitik zu protestieren, muss eine klare Grenze ziehen, sobald Menschen aufgrund ihrer israelischen Identität attackiert werden.
Es darf keine Rechtfertigung geben.
Kein „aber Gaza“.
Kein „aber Netanjahu“.
Kein politischer Konflikt gibt Demonstranten in Athen das Recht, israelische Touristen zu schlagen oder zu treten.
Der vielleicht wichtigste Moment der Videoaufnahmen ist deshalb nicht der Tritt.
Es ist der Mann, der dazwischengeht.
Während andere „Free Palestine“ und „Zionisten sind Mörder“ rufen, stellt er sich schützend vor zwei Fremde, die in Bedrängnis geraten sind.
So einfach kann die entscheidende Grenze manchmal sein.
Auf der einen Seite steht das Recht zu demonstrieren.
Auf der anderen Seite beginnt Gewalt gegen Menschen.
Und wer diese Grenze überschreitet, kann sich nicht mehr hinter einer Palästinafahne verstecken.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 12. August 2026