„Fucking Jew, I will kill you“: Gemeindevorsitzender in Berlin mit dem Tod bedroht
Auf dem Weg zum Schabbat-Gebet wurde der Vorsitzende von Kahal Adass Jisroel antisemitisch beschimpft. Einer der beiden Männer zeigte mehrfach den Hitlergruß. Die Polizei stellte die Personalien der Verdächtigen fest.

Ein jüdischer Gemeindevorsitzender ist am Freitagabend in Berlin-Mitte auf dem Weg zur Synagoge antisemitischAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen bedroht worden. Nach übereinstimmenden Berichten wurde der sichtbar jüdische Mann von zwei Männern angepöbelt. Einer von ihnen soll ihm zugerufen haben: „Fucking Jew, I will kill you!“ Anschließend zeigte einer der Beteiligten mehrfach den Hitlergruß.
Das Opfer ist Vorsitzender der orthodoxen jüdischen Gemeinde Kahal Adass Jisroel. Er befand sich am 24. Juli auf dem Weg zum Schabbat-Gebet, als die Männer ihn wegen seiner erkennbar jüdischen Kleidung ins Visier nahmen.
Teilnehmer einer regelmäßig vor der Synagoge stattfindenden Mahnwache gegen Antisemitismus bemerkten den Vorfall und verständigten sofort die Polizei. Die Beamten stellten die Personalien beider Männer fest. Nach Angaben von Jewish Breaking News wurde einer der Tatverdächtigen festgehalten. Eine ausführliche öffentliche Mitteilung der Berliner Polizei lag zunächst nicht vor.
Todesdrohung auf dem Weg zur Synagoge
Der Vorfall war keine unbedachte Bemerkung und kein gewöhnlicher Streit auf der Straße. Ein Jude wurde auf dem Weg zu einem Gottesdienst erkannt, antisemitisch beschimpft und ausdrücklich mit dem Tod bedroht. Der Hitlergruß machte die ideologische Botschaft zusätzlich unmissverständlich.
Gerade in Berlin besitzt diese Geste eine besondere historische Schwere. Dass ein jüdischer Gemeindevorsitzender im Jahr 2026 auf dem Weg zur Synagoge mit einer nationalsozialistischen Geste verhöhnt wird, zeigt, wie selbstverständlich offener Judenhass für manche Täter inzwischen wieder geworden ist.
Die Herkunft oder das äußere Erscheinungsbild der Verdächtigen beweist kein politisches Motiv. Für die Bewertung der Tat sind ihre konkreten Worte und Handlungen entscheidend. Diese richteten sich eindeutig gegen den Betroffenen als Juden.
Dieselbe Synagoge war bereits Ziel eines Anschlags
Die Gemeinde Kahal Adass Jisroel wurde bereits kurz nach dem HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023 angegriffen. In der Nacht zum 18. Oktober warfen zwei Täter brennende Molotowcocktails in Richtung des Gemeindezentrums in Berlin-Mitte. In dem Gebäude befinden sich neben der Synagoge auch eine Schule und eine Kindertagesstätte. Die Brandsätze verfehlten das Gebäude.
Seitdem begleiten Mahnwachen gegen Antisemitismus regelmäßig die Schabbat-Gebete. Dass solche Schutzmaßnahmen überhaupt notwendig sind, ist bereits ein beschämender Zustand. Dass Teilnehmer einer Mahnwache nun erneut eingreifen mussten, weil der Gemeindevorsitzende offen bedroht wurde, zeigt die anhaltende Gefahr für jüdisches Leben in der Hauptstadt.
Juden sollen in Berlin angeblich sichtbar und sicher leben können. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Synagogen brauchen Polizeischutz, jüdische Einrichtungen Sicherheitsdienste, und ein Gemeindevorsitzender kann nicht einmal unbehelligt zum Gebet gehen.
Der Staat muss die Todesdrohung ernst nehmen
Die Ermittlungen müssen klären, wer die beiden Männer sind, ob sie bereits wegen politisch motivierter Straftaten bekannt waren und ob über den unmittelbaren Vorfall hinaus eine konkrete Gefahr für den Gemeindevorsitzenden oder die Synagoge besteht.
Die Todesdrohung darf nicht als bloße Beleidigung abgelegt werden. Wer einem erkennbaren Juden „Ich werde dich töten“ zuruft und dazu den Hitlergruß zeigt, greift nicht nur einen einzelnen Menschen an. Er versucht, jüdisches Leben aus dem öffentlichen Raum zu vertreiben.
Die schnelle Reaktion der Mahnwache und der Polizei verhinderte möglicherweise eine weitere Eskalation. Doch jüdische Bürger dürfen nicht darauf angewiesen sein, dass zufällig Zeugen in der Nähe stehen, wenn sie bedroht werden.
Berlin muss zeigen, dass auf antisemitische Todesdrohungen mehr folgt als Betroffenheit. Die Verantwortlichen müssen identifiziert, konsequent verfolgt und die gefährdete Gemeinde geschützt werden.
Ein Jude auf dem Weg zur Synagoge ist kein Ziel.
Und der Hitlergruß darf in Berlin niemals wieder zu einer Geste werden, an die man sich gewöhnt.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 29. Juli 2026