Deutsche Hilfe für Saddam, deutsche U-Boote für Israel: Die verdrängte Geschichte eines Milliardengeschäfts
1991 musste Israel einen Giftgasangriff fürchten. Deutsche Unternehmen hatten Saddam Hussein beim Aufbau seiner Chemiewaffenindustrie geholfen. Was daraufhin in Bonn geschah, ist ein bemerkenswertes Kapitel deutscher Verantwortung, politischer Interessen und eines Rüstungsgeschäfts über 1,1 Milliarden D-Mark.

Bildnachweis: Marco Kuntzsch
39 irakische Raketen wurden im Januar und Februar 1991 auf IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen abgefeuert. In Tel Aviv und anderen Städten suchten Menschen Schutz, Familien dichteten ihre Wohnungen ab, Kinder lernten den Umgang mit Gasmasken. Niemand wusste, ob Saddam Hussein seine Raketen mit konventionellen Sprengköpfen oder mit Giftgas bestücken würde. Die Angst war begründet: Der irakische Diktator hatte chemische Waffen bereits gegen Iraner und gegen die eigene kurdische Bevölkerung eingesetzt. Und ausgerechnet deutsche Unternehmen hatten ihm geholfen, die dafür notwendige Industrie aufzubauen.
Nur 46 Jahre nach dem Ende des HolocaustShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen standen Israelis damit erneut vor der Möglichkeit, durch Giftgas getötet zu werden. Diesmal nicht durch das nationalsozialistische Deutschland, sondern durch einen arabischen Diktator, dessen Waffenprogramm auch von deutschen Lieferungen profitiert hatte. Die historische Parallele war bedrückend, die politische Wirkung gewaltig. In JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen herrschte Empörung, in Bonn wuchs der Druck auf die Bundesregierung von Helmut Kohl.
Wenige Tage nach Beginn der irakischen Raketenangriffe traf Deutschland eine Entscheidung, die bis heute nachwirkt. Die Bundesregierung sagte Israel am 30. Januar 1991 bis zu 880 Millionen D-Mark für den Bau zweier hochmoderner U-Boote zu. Später kamen weitere 220 Millionen D-Mark für ein drittes hinzu. Insgesamt 1,1 Milliarden D-Mark, umgerechnet nominal rund 562 Millionen Euro, flossen in ein militärisches Beschaffungsprogramm, dessen Entstehung eng mit einem der größten deutschen Rüstungsexportskandale verbunden war.
Es ist eine Geschichte, die gleich mehrere unbequeme Fragen aufwirft. Wie konnte deutsche Technik in Saddams Giftgasfabriken gelangen? Warum finanzierte Bonn daraufhin ausgerechnet U-Boote, die Israel ursprünglich selbst beschaffen wollte? Weshalb profitierten deutsche Werften von dieser Entscheidung? Und warum wollte die Bundesregierung später ausdrücklich nicht von Wiedergutmachung sprechen?
Als Saddam mit deutscher Hilfe aufrüstete
Um die Entscheidung von 1991 zu verstehen, muss man einige Jahre zurückblicken. In den 1980er-Jahren führte der Irak unter Saddam Hussein einen verheerenden Krieg gegen den Iran. Bagdad wollte sich zur führenden Militärmacht der Region entwickeln und investierte massiv in Raketen, chemische Waffen und entsprechende Produktionsanlagen. Westliche Unternehmen erkannten darin lukrative Geschäfte, auch solche aus der damaligen Bundesrepublik Deutschland.
Deutsche Firmen lieferten chemische Grundstoffe, industrielle Anlagen, technische Komponenten und Fachwissen. Ein Teil dieser Lieferungen diente dem Aufbau beziehungsweise Betrieb von Einrichtungen, in denen chemische Kampfstoffe hergestellt werden konnten. Bei anderen Exporten ging es um Technologien, mit denen irakische Raketen weiterentwickelt wurden. Nicht jede Lieferung war schon damals illegal, nicht jeder beteiligten Firma lässt sich eine bewusste Unterstützung des Chemiewaffenprogramms nachweisen. Doch die Beteiligung deutscher Unternehmen war umfangreich und ist historisch dokumentiert.
Was der Irak mit seiner Chemiewaffenindustrie anfangen konnte, war spätestens 1988 unübersehbar. Am 16. März jenes Jahres griffen irakische Streitkräfte die kurdische Stadt Halabdscha mit chemischen Kampfstoffen an. Tausende Menschen starben, viele weitere erlitten schwere gesundheitliche Schäden. Unter den Opfern waren zahlreiche Frauen und Kinder.
Es war eines der schwersten dokumentierten Chemiewaffenverbrechen gegen eine Zivilbevölkerung seit dem Zweiten Weltkrieg.
Drei Jahre später trafen irakische Raketen israelische Städte. Die ersten Einschläge erfolgten in der Nacht zum 18. Januar 1991. Saddam Hussein hatte Kuwait besetzt und sah sich einer internationalen Militärkoalition unter Führung der Vereinigten Staaten gegenüber. Mit den Angriffen auf Israel versuchte er, den Konflikt auszuweiten und arabische Staaten in eine Konfrontation mit dem jüdischen Staat hineinzuziehen.
Israel gehörte nicht zu den angreifenden Staaten der Koalition. Dennoch wurde seine Zivilbevölkerung zum Ziel.
Die amerikanische Regierung unter George H. W. Bush drängte Ministerpräsident Yitzhak Shamir, auf militärische Vergeltung zu verzichten. Ein israelischer Gegenschlag hätte das Bündnis gegen Saddam Hussein politisch gefährden können, weil sich daran auch arabische Staaten beteiligten. Für Israel war diese Zurückhaltung außergewöhnlich. Der Staat musste Raketenangriffe hinnehmen, ohne unmittelbar gegen die Verantwortlichen zurückzuschlagen.
Währenddessen richtete sich der Blick auch nach Deutschland. Die irakischen Raketen hatten durch technische Veränderungen größere Reichweiten erhalten, und deutsche Firmen hatten sowohl beim irakischen Raketenprogramm als auch bei der Chemiewaffenproduktion eine Rolle gespielt.
Besonders erschütternd war die Vorstellung, dass Israelis ihre Gasmasken aufsetzen mussten, während die technische Herkunft eines Teils der irakischen Waffenindustrie nach Deutschland führte.
Tatsächlich wurden bei den Angriffen auf Israel keine chemischen Gefechtsköpfe eingesetzt. Das wusste jedoch niemand im Voraus. Dass die Befürchtungen keineswegs übertrieben waren, hatte Saddam Hussein mit seinen früheren Giftgasangriffen bereits bewiesen.
Der Skandal wurde nach dem Krieg noch größer. Im November 1991 berichtete der Spiegel unter Berufung auf Erkenntnisse der UN-Waffeninspektoren, dass bei Untersuchungen im Irak die Namen von 24 deutschen Firmen im Zusammenhang mit chemischen und biologischen Waffen sowie dem Raketenprogramm aufgetaucht waren. Ein Staatssekretär des Bundeswirtschaftsministeriums musste die Erkenntnisse vor Parlamentariern erläutern.
Die Frage, wie stark deutsche Unternehmen in diese Programme verstrickt waren und warum Exportkontrollen solche Lieferungen nicht verhindert hatten, beschäftigte die deutsche Politik über Jahre. Selbst 2015 erkundigten sich Bundestagsabgeordnete noch nach deutschen Lieferanten und der Kenntnis staatlicher Stellen über mögliche Chemiewaffenprojekte im Irak.
Der deutsche Beitrag zur irakischen Aufrüstung war also keine nachträglich erfundene politische Behauptung. Er wurde Gegenstand parlamentarischer Untersuchungen, behördlicher Erkenntnisse und umfangreicher Medienberichte.
Doch schon bevor das ganze Ausmaß öffentlich aufgearbeitet war, hatte Bonn beschlossen, Israel militärisch zu unterstützen.
Warum ausgerechnet U-Boote und wer daran verdiente
Die israelische Marine wollte bereits vor dem Golfkrieg moderne U-Boote aus Deutschland beschaffen. Entsprechende Planungen gab es seit den 1980er-Jahren. Die Finanzierung war jedoch schwierig. Israel musste entscheiden, welche militärischen Systeme mit begrenzten Haushaltsmitteln angeschafft werden sollten. Das U-Boot-Programm geriet deshalb ins Stocken und wurde 1990 zunächst gestoppt.
Dann griff Saddam Hussein Israel an.
Am 30. Januar 1991 erklärte die Bundesregierung ihre Bereitschaft, den Bau zweier U-Boote mit bis zu 880 Millionen D-Mark zu finanzieren. Gleichzeitig sagte Bonn die Übernahme von 165 Millionen D-Mark für ein amerikanisches Patriot-Raketenabwehrsystem zu. Hinzu kamen weitere militärische und technische Hilfen, darunter Schutz- und Aufklärungsmittel gegen atomare, biologische und chemische Bedrohungen.
Die U-Boot-Zusage hatte damit eine besondere Wirkung. Ein militärisches Beschaffungsprojekt, das Israel aus finanziellen Gründen nicht hatte fortführen können, erhielt plötzlich eine staatlich finanzierte Grundlage.
Die später als INS Dolphin und INS Leviathan bekannten Boote wurden aus deutschen Mitteln bezahlt. Für ein drittes Schiff, die INS Tekuma, vereinbarten beide Staaten 1995 eine weitere deutsche Finanzierungsbeteiligung von 220 Millionen D-Mark.
Doch die Geschichte ist komplizierter als die Vorstellung, Deutschland habe aus schlechtem Gewissen einfach Kriegsschiffe verschenkt.
Die Bundesregierung hatte handfeste wirtschaftliche Interessen.
Die Boote wurden in Deutschland gebaut. Beteiligt waren die Howaldtswerke-Deutsche Werft in Kiel und die Thyssen Nordseewerke in Emden. Deutsche Betriebe erhielten die Aufträge, deutsche Zulieferer lieferten technische Komponenten und deutsche Beschäftigte bauten die Schiffe.
Die Bundesregierung bestätigte 1995 auf eine parlamentarische Anfrage ausdrücklich, dass die deutschen Mittel ausschließlich an die beteiligten Werften und Zulieferunternehmen flossen. Auch der Zweck der Zahlungen wurde damit klar: Deutschland finanzierte die Beschaffung israelischer U-Boote, das Geld kam aber unmittelbar der deutschen Industrie zugute.
Gerade für die Werften war dies wirtschaftlich bedeutsam. Nach dem Ende des Kalten Krieges standen militärische Schiffbaukapazitäten unter Druck. Neue Aufträge waren notwendig, um Arbeitsplätze und technisches Fachwissen zu erhalten. Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt ausdrücklich, dass das deutsche Verteidigungsministerium ein großes Interesse daran hatte, die Fähigkeiten heimischer Unternehmen im U-Boot-Bau zu sichern, bis wieder eigene Marineaufträge finanziert werden konnten.
Damit entstand eine bemerkenswerte Konstellation: Deutsche Unternehmen hatten zuvor am Aufbau irakischer Waffenprogramme mitgewirkt. Nun erhielten andere deutsche Unternehmen staatlich finanzierte Aufträge zum Bau israelischer Kriegsschiffe, die zur Verteidigungsfähigkeit des bedrohten Landes beitragen sollten.
Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass die beteiligten Werften etwas mit dem irakischen Chemiewaffenprogramm zu tun hatten. Dafür gibt es in diesem Zusammenhang keinen Beleg. Es verdeutlicht vielmehr, wie unterschiedlich deutsche Industrieinteressen und deutsche Sicherheitspolitik damals ineinandergriffen.
Die Entscheidung erfüllte mehrere Zwecke gleichzeitig. Israel erhielt dringend benötigte militärische Fähigkeiten. Die Bundesregierung konnte praktische Solidarität demonstrieren. Und deutsche Werften profitierten von einem großen staatlich abgesicherten Auftrag.
Besonders interessant ist dabei ein Widerspruch, der Jahre später offiziell sichtbar wurde.
Im Februar 2000 musste die Bundesregierung auf eine Anfrage der damaligen PDS-Fraktion antworten. Darin ging es unter anderem um die Frage, ob die Finanzierung der U-Boote eine Wiedergutmachung für die Beteiligung deutscher Firmen an der irakischen Giftgasproduktion gewesen sei.
Die Antwort fiel eindeutig aus: Die Bundesregierung bestritt einen solchen Wiedergutmachungszusammenhang.
Als Begründung verwies sie auf die Bedrohung Israels während des Golfkrieges und die Entscheidung, dessen Verteidigungsfähigkeit zu stärken. Das entsprach auch ihrer schon zuvor dargelegten offiziellen Linie.
Historisch ist die Sache allerdings nicht so einfach. Die Bundeszentrale für politische Bildung ordnet die U-Boot-Finanzierung ausdrücklich als Bestandteil eines kompensatorischen Hilfspakets ein, das vor dem Hintergrund der deutschen Verstrickung in irakische Rüstungsprogramme zustande kam. Auch zeitgenössische Medienberichte stellten diesen Zusammenhang her.
Es besteht somit ein Unterschied zwischen der offiziellen rechtlichen Einordnung und der politischen Entstehungsgeschichte. Deutschland wollte die Zahlungen nicht als förmliche Entschädigung anerkennen. Dass der Skandal um deutsche Lieferungen in den Irak eine wesentliche Rolle bei der politischen Entscheidung spielte, ist dagegen gut dokumentiert.
Doch warum wurde ausgerechnet der Bau von U-Booten finanziert, wenn Israel unmittelbar durch Raketen bedroht war?
Ein U-Boot kann keine Scud-Raketen über Tel Aviv abfangen. Dafür benötigte Israel Systeme wie Patriot sowie andere Schutzmaßnahmen. Der Wert der Dolphin-U-Boote lag vielmehr in der langfristigen strategischen Verteidigungsfähigkeit.
Israel ist ein kleines Land. Seine wichtigsten Städte, wirtschaftlichen Zentren und militärischen Einrichtungen liegen auf vergleichsweise engem Raum. Gegnerische Staaten können deshalb versuchen, durch massive Angriffe auf wenige Regionen besonders großen Schaden anzurichten.
U-Boote schaffen eine zusätzliche militärische Handlungsfähigkeit außerhalb des eigenen Staatsgebietes. Sie können verdeckt operieren, Informationen sammeln und potenzielle Gegner vor erhebliche Unsicherheit stellen. Schon die Möglichkeit, dass sich ein israelisches U-Boot unbemerkt in einem entfernten Seegebiet befindet, kann für die strategische Planung eines Gegners relevant sein.
In internationalen Analysen wird deshalb auch die mögliche Rolle israelischer U-Boote für eine seegestützte nukleare Abschreckung diskutiert. Israel bestätigt entsprechende Fähigkeiten und Bewaffnungen nicht. Eine konkrete nukleare Ausstattung einzelner Dolphin-Boote lässt sich daher nicht als offiziell gesicherte Tatsache darstellen.
Die strategische Bedeutung der deutschen U-Boot-Lieferungen reicht jedoch auch ohne solche Spekulationen weit über den gewöhnlichen Erwerb von Marinefahrzeugen hinaus.
Die ersten drei Dolphin-U-Boote wurden 1999 und 2000 nach Israel überführt. Das dritte Schiff, die INS Tekuma, steht noch heute im Dienst. Gerade dieses Boot wird derzeit in Haifa umfassend überholt, nachdem die israelische U-Boot-Flotte während des Krieges seit dem HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen 2023 zahlreiche weitgehend geheime Einsätze durchgeführt hat.
Ein Schiff, dessen Finanzierung auf Entscheidungen aus den Jahren 1991 und 1995 zurückgeht, ist damit mehr als drei Jahrzehnte später weiterhin ein Bestandteil der israelischen Verteidigung.
Die deutsch-israelische Zusammenarbeit wurde unter verschiedenen Bundesregierungen fortgesetzt. Gerhard Schröder unterstützte die Beschaffung weiterer Boote, unter Angela Merkel wurde das Programm ebenfalls ausgebaut. Deutschland beteiligte sich auch an späteren Beschaffungen finanziell. Inzwischen entstehen mit der Dakar-Klasse weitere moderne U-Boote für Israel.
Aus der zunächst außergewöhnlichen finanziellen Unterstützung wurde somit eine langfristige militärische und industrielle Partnerschaft.
Dass diese Beziehung inzwischen auch für Deutschland erhebliche Vorteile bringt, zeigte haOlam.de bereits in einem Bericht vom 26. Juni 2026 über die Zusammenarbeit beider Marinen in Haifa. Israel liefert längst nicht nur Erfahrungen aus militärischen Operationen, sondern auch moderne Technologien, darunter unbemannte Unterwassersysteme für die deutsche Marine.
Die Entwicklung reicht damit von einer deutschen Finanzierungszusage unter dem Eindruck irakischer Raketenangriffe bis zu einer technisch und operativ engen Partnerschaft zwischen beiden Staaten.
Und dennoch bleibt der Ausgangspunkt von 1991 bemerkenswert.
Deutschland gehörte zu den Ländern, deren Unternehmen den Aufbau einer irakischen Rüstungsindustrie ermöglichten, die für Israel zur ernsten Bedrohung wurde. Als Saddam Hussein israelische Städte beschießen ließ, sah sich die Bundesregierung mit den Konsequenzen dieser Vergangenheit konfrontiert.
Die politischen Verantwortlichen entschieden sich für eine umfangreiche militärische Unterstützung, ohne daraus offiziell eine Wiedergutmachungsverpflichtung zu machen. Gleichzeitig konnten sie mit dem Geld die eigene Werftindustrie stärken.
Darin liegt der historische Kern dieser Geschichte: Die Finanzierung der israelischen Dolphin-U-Boote war weder ausschließlich ein Akt der Vergangenheitsbewältigung noch ein gewöhnliches Rüstungsgeschäft. Sie verband deutsche historische Verantwortung, israelische Sicherheitsinteressen, die außenpolitische Krise des Golfkriegs und wirtschaftliche Interessen deutscher Unternehmen.
Wer heute über deutsche Waffenlieferungen an Israel diskutiert, sollte diese Vorgeschichte kennen. Denn die Zusammenarbeit entstand nicht in einer Zeit, in der Israel ohne Bedrohungen lebte und Deutschland lediglich einem befreundeten Staat hochwertige Technik verkaufen wollte. Sie erhielt ihren entscheidenden Anschub, als Israelis unter irakischem Raketenbeschuss standen und die Rolle deutscher Technik bei Saddams Aufrüstung zum politischen Skandal wurde.
Die INS Tekuma ist bis heute ein schwimmendes Zeugnis dieser Entwicklung. Ihr Bau wurde mit deutschem Geld unterstützt, ihre Technik stammt aus deutschen Werften, ihre Besatzung dient der israelischen Verteidigung.
Es bleibt eine bittere historische Ironie: Während deutsche Unternehmen zuvor am Aufbau jener militärischen Fähigkeiten mitgewirkt hatten, die Israel bedrohten, finanzierte die Bundesregierung anschließend Kriegsschiffe, mit denen Israel seine eigene Sicherheit stärken konnte.
Die deutschen U-Boote machten die früheren Lieferungen an Saddam Hussein nicht ungeschehen. Aber sie zeigen, wie aus einem politischen Skandal eine Sicherheitszusammenarbeit entstand, deren Bedeutung bis heute anhält.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 18. Oktober 2026