Sukkot 5787: Israel zieht für sieben Tage unter das Laubdach

Sukkot 5787: Israel zieht für sieben Tage unter das Laubdach


Am Freitagabend beginnt Sukkot, das jüdische Laubhüttenfest. Nach den ernsten Tagen von Rosch HaSchana und Jom Kippur folgt nun ausdrücklich eine Zeit der Freude, der Gemeinschaft und der Erinnerung an Israels Weg durch die Wüste.

Sukkot 5787: Israel zieht für sieben Tage unter das Laubdach
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Wenn am Freitagabend, dem 25. September, die Sonne untergeht, beginnt Sukkot 5787. Sieben Tage lang werden in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen Balkone, Innenhöfe, Gärten und öffentliche Plätze von Sukkot geprägt sein, den provisorischen Laubhütten, in denen gegessen, gebetet, miteinander gesprochen und gefeiert wird. Das Fest dauert bis zum Abend des 2. Oktober. In diesem Jahr fällt der erste Festtag auf einen Schabbat.

Kaum ist die Stille von Jom Kippur vorüber, beginnt damit ein bemerkenswerter Wechsel. Das Judentum führt vom Fasten und der Selbstprüfung nicht in eine weitere Phase der Schwere, sondern in ein Fest, das ausdrücklich mit Freude verbunden ist. Sukkot wird traditionell als „Zman Simchateinu“, als Zeit unserer Freude, bezeichnet.

Dabei steht ausgerechnet eine Hütte im Mittelpunkt, die alles andere als dauerhaft ist.

Die Tora gebietet, sieben Tage in Hütten zu wohnen, damit kommende Generationen daran erinnert werden, dass die Kinder Israels nach dem Auszug aus Ägypten in Sukkot lebten. Gleichzeitig verbindet die Tora das Fest mit der Ernte und mit der Aufforderung, sich vor G-tt zu freuen. Sukkot ist damit Erinnerung, Erntedank und Glaubensfest zugleich.

Die Sukka soll gerade kein zweites festes Haus sein. Sie ist eine zeitweilige Behausung, deren Dach, der Schach, aus pflanzlichem Material wie Zweigen oder Palmwedeln besteht. Für sieben Tage wird dieser vorübergehende Raum zum Mittelpunkt des Alltags. Mahlzeiten werden dort eingenommen, Familien empfangen Gäste, Kinder schmücken die Wände und aus einer einfachen Konstruktion entsteht für wenige Tage ein Zuhause.

Eine Hütte, vier Pflanzen und ein ganzes Volk

Neben der Sukka gehören die Arba Minim, die vier Arten, zu den sichtbarsten Zeichen von Sukkot: der Lulaw, ein Palmzweig, Hadassim, Myrtenzweige, Arawot, Weidenzweige, und der Etrog, eine Zitrusfrucht. Sie werden zusammengeführt und während des Festes in verschiedene Richtungen bewegt. Da der erste Sukkot-Tag in diesem Jahr auf Schabbat fällt, werden die vier Arten an diesem Tag nicht genommen.

Über Jahrhunderte haben sich zahlreiche Deutungen dieser vier unterschiedlichen Pflanzen entwickelt. Eine der bekanntesten sieht in ihnen verschiedene Charaktere und Eigenschaften innerhalb des jüdischen Volkes. Entscheidend ist dabei nicht, dass sie gleich werden. Sie bleiben verschieden und bilden gerade gemeinsam die Mizwa.

Das passt zu einem Fest, das in seiner ursprünglichen Bedeutung weit über eine private religiöse Feier hinausgeht. Sukkot gehört gemeinsam mit Pessach und Schawuot zu den drei Wallfahrtsfesten. In der Zeit des Tempels kamen Juden zu diesen Festen nach JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen. Die Verbindung zwischen Sukkot und Jerusalem ist deshalb keine moderne Tradition, sondern reicht bis in die biblische Geschichte zurück.

In Israel ist diese Geschichte heute auf besondere Weise sichtbar. Wo andernorts eine Sukka vielleicht im Garten einer Synagoge oder hinter einem Wohnhaus steht, gehört sie hier für eine Woche zum Straßenbild. Restaurants errichten Sukkot für ihre Gäste, Hotels stellen sie auf, Familien bauen auf Balkonen und vor Häusern, Gemeinden schaffen große öffentliche Laubhütten.

Der Alltag zieht für einige Tage unter ein Dach, das gerade nicht für die Ewigkeit gebaut wurde.

Das wirkt zunächst wie ein Widerspruch. Menschen verbringen das Jahr damit, Häuser sicherer, stabiler und komfortabler zu machen. An Sukkot verlassen sie bewusst einen Teil dieser Sicherheit und setzen sich unter Zweige. Nicht, weil Schutz bedeutungslos wäre, sondern weil Sukkot daran erinnert, dass menschliche Sicherheit niemals vollständig ist.

haOlam hat zum vergangenen Sukkot genau diese Seite des Festes beschrieben, damals in einem Israel, das noch tief von Krieg, Geiselnahme und Unsicherheit geprägt war. Die Sukka stand dabei für einen zerbrechlichen Schutz und zugleich für die Weigerung, Hoffnung aufzugeben. Die Bedeutung des Festes bleibt, doch Sukkot 5787 verdient einen eigenen Blick: Nicht nur die Zerbrechlichkeit der Hütte zählt, sondern das Leben, das sich in ihr versammelt.

Freude ist an Sukkot kein Nebengedanke

Sukkot verlangt nicht, die Welt für sieben Tage schöner zu reden, als sie ist. Seine Freude entsteht gerade nicht aus der Behauptung, es gebe keine Unsicherheit. Die Sukka wäre ein merkwürdiges Symbol für eine solche Botschaft. Sie steht offen in Wind und Wetter und bleibt erkennbar provisorisch.

Und trotzdem wird darin gegessen, gesungen, eingeladen und gefeiert.

Vielleicht liegt genau darin eine der stärksten jüdischen Botschaften dieses Festes. Freude muss nicht warten, bis jede Gefahr verschwunden, jeder Streit beigelegt und jede Sorge gelöst ist. Sie darf mitten in einer unvollkommenen Welt stattfinden.

Für Israel besitzt diese Botschaft seit dem 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen noch eine weitere, schmerzhafte Dimension. Unmittelbar auf Sukkot folgt in Israel Schemini Azeret und Simchat Tora. Genau an diesem Feiertag begann 2023 der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Terrorangriff, der sich tief in das jüdische und israelische Gedächtnis eingebrannt hat. Auch drei jüdische Jahre später lässt sich dieser Übergang vom Fest der Freude zu Simchat Tora nicht mehr so erleben wie zuvor.

In diesem Jahr endet Sukkot am Freitagabend, dem 2. Oktober. In Israel folgen Schemini Azeret und Simchat Tora gemeinsam bis zum Abend des 3. Oktober. Außerhalb Israels erstreckt sich die Feiertagsfolge bis zum Abend des 4. Oktober.

Doch bevor dieser Tag kommt, beginnt am Freitag Sukkot.

Wieder werden Hütten gebaut. Wieder werden Palmzweige, Myrte, Weide und Etrog bereitgelegt. Wieder werden Familien und Freunde miteinander essen. Wieder wird Jerusalem zum Mittelpunkt eines Festes, das dort seit Jahrtausenden verwurzelt ist.

Eine Sukka bleibt nur wenige Tage stehen. Dann wird sie abgebaut.

Was sie erzählt, bleibt: Das jüdische Volk hat Wüsten durchquert, Vertreibung erlebt, seine Heimat verloren und ist nach Jerusalem zurückgekehrt. Es kennt die Zerbrechlichkeit menschlicher Sicherheit nur zu gut.

Und trotzdem lautet das Gebot an Sukkot nicht, sich zu fürchten.

Es lautet, sich zu freuen.

Chag Sukkot Sameach!



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 25. September 2026

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