Opferrolle in New York: UN-Bericht konfrontiert Teheran mit den Verbrechen des eigenen Regimes
Irans Außenminister inszeniert Teheran bei der UN als Opfer. Ein aktueller UN-Bericht belastet jedoch zugleich das Regime selbst mit schweren Verbrechen gegen die eigene Bevölkerung.

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Irans Außenminister Abbas Araghchi ist mit einer klaren Botschaft nach New York gereist: Nicht Teheran, sondern IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und seine westlichen Unterstützer sollen auf der Bühne der Vereinten Nationen als das eigentliche Problem erscheinen. Nach seiner Ankunft erklärte er, Israel habe praktisch „freie Hand“, zu tun, was es wolle. Westliche Regierungen würden sich als Verteidiger von Menschenrechten inszenieren, aber schweigen, wenn Iraner, PalästinenserPalästinenser: Herkunft, Begriffswandel und politische IdentitätPalästinenser bezeichnet heute meist palästinensische Araber mit eigener nationaler Identität. In der Mandatszeit konnte der Begriff jedoch allgemein Bewohner des britischen Mandatsgebiets Palästina meinen, auch Juden.Mehr lesen oder Libanesen Opfer militärischer Angriffe würden. Die iranische Delegation wolle deshalb die „Rechte und Interessen“ des iranischen Volkes verteidigen.
Araghchi griff dabei einen besonders schweren Fall auf: den Angriff auf die Shajareh-Tayyebeh-Grundschule in Minab am 28. Februar. Der iranische Außenminister behauptete, 168 unschuldige Kinder seien dort „absichtlich massakriert“ worden. Den Angriff selbst kleinzureden wäre falsch. Eine unabhängige UN-Untersuchungsmission kam jüngst zu dem Schluss, es gebe vernünftige Gründe für die Annahme, dass die USA bei Angriffen auf die Schule in Minab und auf einen weiteren zivilen Komplex gegen das Kriegsvölkerrecht verstoßen und möglicherweise Kriegsverbrechen begangen haben. Die Mission geht beim Schulangriff allerdings von mindestens 156 getöteten Zivilisten aus, darunter rund 120 Kinder, und beschreibt unzureichend überprüfte beziehungsweise veraltete Zieldaten. Sie stellte nicht fest, dass 168 Kinder gezielt und absichtlich ermordet worden seien. Genau an dieser Stelle verwandelt Teheran einen realen und entsetzlichen Vorfall in eine weitergehende politische Behauptung, die durch die unabhängigen Erkenntnisse so nicht gedeckt ist.
Der Teil des UN-Berichts, den Teheran lieber nicht zitiert
Noch unangenehmer für Araghchis Opferinszenierung ist der zweite Teil derselben UN-Untersuchung. Die Mission untersuchte nicht nur die amerikanischen Angriffe, sondern auch das Vorgehen des iranischen Regimes gegen die eigene Bevölkerung. Ihre Feststellungen sind verheerend: Die Ermittler sehen Hinweise auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch iranische Behörden im Zuge der Niederschlagung der Proteste, darunter rechtswidrige Tötungen, Folter, willkürliche Inhaftierungen und weitere systematische Repression.
Damit entsteht in New York ein bemerkenswerter Widerspruch. Araghchi erklärt, er sei angereist, um die Rechte des iranischen Volkes zu verteidigen, während eine von den Vereinten Nationen eingesetzte Untersuchung genau diesem Staatsapparat schwere Verbrechen gegen dasselbe iranische Volk vorwirft. Teherans Delegation fordert internationale Empörung über zivile Opfer amerikanischer Angriffe. Dieselbe Empörung verlangt das Regime deutlich seltener, wenn iranische Sicherheitskräfte Demonstranten erschießen, Menschen verschwinden lassen oder Gefangene foltern. Das Leid der iranischen Bevölkerung ist für die Führung damit zugleich reale Tragödie und politisches Instrument.
Araghchi ging noch weiter. Bereits vor seiner Ankunft warf er einer „Israel-Lobby“ vor, ihren „Griff“ auf die amerikanische Iran-Politik immer weniger zu verbergen, und forderte Washington auf, sich aus diesen „Fesseln“ zu befreien. Er reagierte damit auf einen israelischen Beitrag über eine noch engere strategische Verzahnung Israels mit den Vereinigten Staaten. Die Vorstellung, amerikanische Politik werde von einer israelischen beziehungsweise jüdischen Macht im Hintergrund kontrolliert, bewegt sich sprachlich gefährlich nahe an bekannten Verschwörungsnarrativen über jüdischen Einfluss. Bemerkenswert ist, dass ein iranischer Außenminister solche Formulierungen ausgerechnet während einer Reise zu den Vereinten Nationen verwendet, während sein Regime seit Jahrzehnten Israel bedroht und Terrororganisationen in der Region unterstützt.
Die iranische Führung kann dabei nicht behaupten, sie werde von der internationalen Bühne ausgeschlossen. Die Vereinigten Staaten erteilten Präsident Masoud Pezeshkian, Araghchi und einer begrenzten iranischen Delegation trotz des laufenden Konflikts Visa für die UN-Generalversammlung. Washington begründete dies mit seinen Verpflichtungen als Gastgeberstaat der Vereinten Nationen, beschränkte jedoch die Bewegungsfreiheit der Delegation und untersagte unter anderem bestimmte Einkäufe. Pezeshkian reiste am Dienstag ebenfalls nach New York und kündigte an, Irans Position dort offensiv zu verteidigen.
Für Israel ist Araghchis Auftritt deshalb keine überraschende diplomatische Kehrtwende. haOlam hatte bereits Ende August über den Gegensatz innerhalb der iranischen Führung berichtet: Araghchi spricht öffentlich von Diplomatie und regionaler Stabilität, während das Regime gleichzeitig militärische Fähigkeiten wiederaufbaut, Stellvertreter unterstützt und seinen Konflikt mit Israel weiterführt. Erst vor wenigen Tagen zeigten neue Satellitenbilder den Wiederaufbau der mehrfach angegriffenen Anlage Taleghan 2 in Parchin; zugleich arbeitet Iran weiter an tief geschützten nuklear relevanten Anlagen. Die diplomatische Sprache in New York ersetzt diese Realität nicht.
Der Angriff auf die Schule von Minab verdient vollständige Aufklärung, und wenn amerikanische Streitkräfte dort gegen das Kriegsvölkerrecht verstoßen haben, müssen auch dafür Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden. Gerade deshalb braucht es keine iranische Übertreibung. Die Fakten sind schwer genug. Dass Araghchi aus einem realen Verbrechen einen politischen Freibrief für die eigene Regierung ableiten möchte, funktioniert nur, wenn der zweite Teil der Geschichte verschwindet: Die Vereinten Nationen untersuchen nicht nur, was Iran angetan wurde. Sie dokumentieren ebenso, was dieses Regime seinen eigenen Bürgern antut.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 22. September 2026