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Amerika wird kriegsmüde - Israel darf dafür nicht bezahlen


Trump fällt in mehreren Umfragen auf historische Tiefstände, während nur noch eine Minderheit den Krieg gegen Iran unterstützt. Doch ein schneller Deal, der Teheran sein Uran, seine Raketen und seine Terrorarmeen lässt, wäre kein Frieden, sondern die Vorbereitung der nächsten Bedrohung.

Amerika wird kriegsmüde - Israel darf dafür nicht bezahlen
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Donald Trump wollte den Konflikt mit Iran als Beweis amerikanischer Stärke beenden. Das Regime sollte militärisch geschwächt, an den Verhandlungstisch gezwungen und zu einer Vereinbarung gebracht werden, die Washington als eindeutigen Erfolg verkaufen könnte. Fünf Monate später ist daraus ein politisches Problem geworden, das den Präsidenten nicht nur im Persischen Golf, sondern zunehmend auch zu Hause verfolgt.

In der jüngsten Erhebung von Economist und YouGov billigen nur noch 34 Prozent der befragten amerikanischen Bürger Trumps Amtsführung, 62 Prozent lehnen sie ab. Der Wert entspricht seinem bisherigen Tiefstand über beide Amtszeiten hinweg. Andere Umfragen fallen etwas weniger dramatisch aus, bestätigen aber die Richtung. Reuters und Ipsos ermittelten zuletzt 37 Prozent Zustimmung. Von einem einheitlichen Wert kann deshalb keine Rede sein, wohl aber von einer Präsidentschaft, die deutlich unter Druck geraten ist.

Für die meisten Amerikaner ist Iran weit entfernt. Sie sehen nicht jeden Morgen die RaketenstellungenTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen der RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen, hören keine Warnungen vor einem atomaren Durchbruch und müssen ihre Kinder nicht in Schutzräume bringen. Sie sehen dagegen die Preistafel an der Tankstelle, die Rechnung im Supermarkt und die Abbuchung für Strom und Heizung. Genau dort erreicht der Krieg ihren Alltag.

Eine aktuelle AP-NORC-Erhebung zeigt, wie stark sich die Stimmung gedreht hat. Rund zwei Drittel der Amerikaner halten den Krieg inzwischen für nicht gerechtfertigt. Nur 28 Prozent billigen Trumps Umgang mit Iran. Gleichzeitig erklären 72 Prozent, niedrige Kraftstoffpreise seien für sie besonders wichtig. Die Verhinderung einer iranischen Atombombe bleibt für eine große Mehrheit bedeutsam, doch für viele Familien besitzt die nächste Tankfüllung eine unmittelbarere Wirkung als eine Zentrifuge in einer unterirdischen Anlage.

Das ist menschlich verständlich. Es ist aber sicherheitspolitisch gefährlich. Das iranische Regime beobachtet diese Zahlen ebenso aufmerksam wie Washington. Teheran weiß, dass demokratische Regierungen auf Wahlen, Preise und öffentliche Zustimmung reagieren müssen. Die Mullahs müssen keine freie Presse überzeugen und keine unzufriedenen Autofahrer besänftigen. Sie müssen nur lange genug durchhalten, bis der politische Preis des Krieges für ihre Gegner höher erscheint als der Preis eines schlechten Abkommens.

Die Amerikaner wollen ein Ende – aber keine Kapitulation

Die Stimmung ist differenzierter, als es die einfache Aussage von einer kriegsmüden Bevölkerung vermuten lässt. In der YouGov-Erhebung sprachen sich 68 Prozent dafür aus, möglichst schnell eine Vereinbarung mit Iran zu erreichen. Sobald jedoch gefragt wurde, ob die Vereinigten Staaten auch einem Vertrag zustimmen sollten, der Teheran den Besitz seines angereicherten Urans erlaubt, brach diese Zustimmung ein. Nur noch 34 Prozent unterstützten ein solches Abkommen, 37 Prozent lehnten es ab.

Die Amerikaner verlangen also nicht mehrheitlich, Iran einfach gewähren zu lassen. Sie wünschen ein Ende des Krieges, aber sie wollen keinen Vertrag, der das zentrale Problem bestehen lässt. Genau darin liegt Trumps Chance – und seine Verantwortung. Er muss erklären, wofür Amerika kämpft, welche Bedingungen Iran erfüllen muss und woran die Öffentlichkeit erkennen kann, dass das Ziel erreicht ist.

Bislang fehlt diese Klarheit. In einer Reuters-Ipsos-Erhebung erklärten 69 Prozent der Befragten, Trump habe die Ziele des Krieges nicht verständlich dargestellt. Nur etwa jeder Dritte unterstützte den militärischen Einsatz. Selbst unter Republikanern wächst die Unsicherheit darüber, ob Washington einen begrenzten Sicherheitsauftrag verfolgt oder in einen offenen Krieg geraten ist, dessen Ende niemand benennen kann.

Das Problem lässt sich nicht mit immer neuen Erfolgsmeldungen lösen. Die Vereinigten Staaten haben Kommandozentren, Raketenstellungen, Drohnenanlagen, Küstensysteme und Fähigkeiten der Revolutionsgarden angegriffen. Diese Schläge können Iran empfindlich treffen. Doch taktische Erfolge beantworten noch nicht die strategische Frage: Was muss am Ende anders sein als vor dem ersten Angriff?

Soll Iran lediglich daran gehindert werden, eine Atombombe zu bauen? Soll die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen dauerhaft für die internationale Schifffahrt geöffnet werden? Müssen die iranischen Raketen- und Drohnenbestände so weit zerstört werden, dass Teheran seine Nachbarn nicht mehr erpressen kann? Oder soll auch das Netz aus HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, HouthisHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen und irakischen Milizen zerschlagen werden? Solange Washington mehrere Ziele gleichzeitig nennt, aber keines mit überprüfbaren Bedingungen versieht, bleibt bei vielen Amerikanern der Eindruck eines Krieges, der sich selbst verlängert.

Trump steht deshalb vor drei Wegen. Er kann ein neues Abkommen anstreben, den wirtschaftlichen und maritimen Druck fortsetzen oder die militärischen Angriffe noch einmal erheblich ausweiten. Bei seinem Treffen mit Benjamin Netanjahu wurden nach israelischen Angaben genau diese Möglichkeiten erörtert. Für Trump ist jede davon mit erheblichen Risiken verbunden.

Ein militärischer Großangriff könnte weitere iranische Fähigkeiten zerstören, aber auch die Energiepreise erhöhen, amerikanische Soldaten gefährden und den Krieg auf weitere Staaten ausdehnen. Eine lange Blockade könnte das Regime wirtschaftlich schwächen, zugleich jedoch den Welthandel belasten und die Geduld der amerikanischen Bevölkerung weiter erschöpfen. Ein schneller Vertrag würde Trump den gewünschten politischen Erfolg ermöglichen – könnte aber zur Katastrophe werden, wenn Iran seine entscheidenden Fähigkeiten nur verbirgt und später wiederaufbaut.

Israel kann nicht nach amerikanischen Tankstellenpreisen leben

Für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen ist diese Debatte keine gewöhnliche außenpolitische Auseinandersetzung. Amerikanische Wähler können einen Präsidenten für steigende Benzinpreise bestrafen und sich anschließend anderen Themen zuwenden. Israel muss mit den Folgen leben, wenn Iran sein Atomprogramm, seine Raketenproduktion und seine bewaffneten Verbündeten behält.

Teheran hat über Jahre gezeigt, wie es internationale Ungeduld nutzt. Das Regime verhandelt, macht begrenzte Zugeständnisse, verlangt wirtschaftliche Erleichterungen und verschafft sich damit Zeit. Sobald der Druck sinkt, werden Anlagen weiterbetrieben, Raketen verlegt und Terrororganisationen neu bewaffnet. Ein Abkommen, das allein die öffentliche Ruhe wiederherstellt, aber die iranischen Fähigkeiten erhält, löst das Problem nicht. Es verschiebt es bis zu einem Zeitpunkt, an dem die Mullahs besser vorbereitet sind.

Israel darf deshalb nicht zum Preis für Trumps innenpolitische Entlastung werden. Ein tragfähiger Vertrag muss das angereicherte Uran aus iranischer Kontrolle entfernen, eine erneute Anreicherung verhindern und lückenlose Kontrollen auch in bislang abgeschirmten Anlagen ermöglichen. Er muss verhindern, dass Teheran die Straße von Hormus als Erpressungsinstrument benutzt. Und er darf dem Regime nicht erlauben, seinen Raketenbau und die Bewaffnung seiner Terrorarmeen unter einer anderen Überschrift fortzusetzen.

Das bedeutet nicht, dass jeder Amerikaner einen unbegrenzten Krieg unterstützen muss. Im Gegenteil: Gerade ein militärischer Einsatz braucht ein klares Ziel, nachvollziehbare Grenzen und einen Weg zu seinem Ende. Wer von der Bevölkerung Opfer verlangt, muss erklären, was diese Opfer bewirken sollen. Trump hat zu oft schnelle Lösungen angekündigt und anschließend erlebt, dass Iran weder kapitulierte noch zuverlässig verhandelte.

Die sinkenden Zustimmungswerte sind deshalb nicht nur das Ergebnis feindseliger Medien oder parteipolitischer Kampagnen. Sie sind auch eine Reaktion auf widersprüchliche Botschaften. Der Präsident erklärt an einem Tag, eine Vereinbarung stehe kurz bevor, droht am nächsten mit vernichtenden Angriffen und verspricht gleichzeitig, der Krieg werde schnell beendet. Diese Gleichzeitigkeit mag Teil seiner Verhandlungstaktik sein. Für die Öffentlichkeit wirkt sie zunehmend wie Orientierungslosigkeit.

Trump muss den Amerikanern nun eine einfache Wahrheit zumuten: Ein gefährlicher Gegner verschwindet nicht, weil ein schneller Frieden politisch bequem wäre. Gleichzeitig muss er ihnen zeigen, dass die Vereinigten Staaten nicht in einen Krieg ohne Ziel und ohne Ende geraten sind.

Die Umfragen dürfen Washington zu größerer Klarheit zwingen. Sie dürfen Teheran aber nicht zu einem Abkommen verhelfen, das seine Niederlage nur auf dem Papier festhält. Das iranische Regime soll verstehen, dass amerikanische Ungeduld kein Schutzschild für seine Atomwissenschaftler, Raketenstellungen und Terrorarmeen ist.

Amerika ist kriegsmüde. Israel kann es sich jedoch nicht leisten, einer iranischen Bombe, Tausenden Raketen oder einem wiederaufgebauten Terrornetz müde gegenüberzustehen.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 31. Juli 2026

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