Hisbollah könnte Libanon erneut in den Krieg ziehen: Präsident Aoun misstraut den Zusagen der Terrororganisation

Hisbollah könnte Libanon erneut in den Krieg ziehen: Präsident Aoun misstraut den Zusagen der Terrororganisation


Irans Machthaber droht Israel und den USA mit einer militärischen Antwort ohne geografische Grenzen. In Beirut wächst die Sorge, dass die Hisbollah erneut für Teheran in den Krieg zieht. Selbst Präsident Joseph Aoun vertraut den Beschwichtigungen der Terrororganisation nicht mehr.

Hisbollah könnte Libanon erneut in den Krieg ziehen: Präsident Aoun misstraut den Zusagen der Terrororganisation
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Im Libanon wächst die Angst vor einem weiteren Krieg mit IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen. Auslöser sind neue Drohungen des iranischen Regimes, die nach Einschätzung libanesischer Regierungsvertreter auch als Signal an die bewaffneten Verbündeten Teherans verstanden werden müssen. Besonders im Mittelpunkt steht die HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen. Die vom Iran unterstützte Terrororganisation versichert zwar, sich nicht an einer neuen militärischen Auseinandersetzung zwischen Iran, Israel und den Vereinigten Staaten beteiligen zu wollen. Doch innerhalb der libanesischen Staatsführung bestehen erhebliche Zweifel an der Verlässlichkeit dieser Zusagen.

Wie die libanesische ZeitungNidaa al-Watanam Sonntag, dem 1. November, berichtet, warnt ein hochrangiger politischer Vertreter des Landes ausdrücklich davor, dass die Hisbollah den Libanon erneut in einen Krieg hineinzieht. Ein solcher Schritt würde die bisherigen Bemühungen um Stabilität zunichtemachen und einen offenen Widerspruch zu den Entscheidungen der libanesischen Regierung darstellen.

Die Warnung folgt auf eine Erklärung des iranischen Machthabers Mojtaba Khamenei vom Samstag. Darin drohte er Israel und den Vereinigten Staaten für den Fall weiterer Angriffe mit einer unmittelbaren militärischen Reaktion ohne geografische Begrenzung. Zugleich ordnete er nach iranischen Angaben an, mögliche amerikanische und israelische Ziele erneut zu überprüfen.

Nach Auffassung der vonNidaa al-Watanzitierten libanesischen Quelle richten sich diese Worte nicht ausschließlich an Washington und JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen. Sie könnten zugleich als Aufforderung an die bewaffneten Verbündeten des iranischen Regimes verstanden werden, im Fall einer neuen militärischen Konfrontation aktiv zu werden.

Damit steht erneut die Frage im Raum, ob die Hisbollah ihre militärischen Entscheidungen tatsächlich den Interessen des libanesischen Staates unterordnet oder ob sie weiterhin bereit ist, auf Anweisung beziehungsweise zugunsten Teherans zu handeln.

Aoun erinnert sich an ein gebrochenes Versprechen

Besonders deutlich werden die Zweifel im Umfeld des libanesischen Präsidenten Joseph Aoun. Nach einem Bericht der saudischen ZeitungAsharq al-Awsatvom 31. Oktober befürchtet Aoun eine dritte größere Kriegsrunde zwischen Israel und der Hisbollah.

Dabei geht es nicht nur um allgemeines Misstrauen. Nach Darstellung der Zeitung hatte die Terrororganisation bereits vor der zweiten Kriegsrunde im März 2026 versichert, sich aus einem erneuten Konflikt zwischen Iran, Israel und den Vereinigten Staaten herauszuhalten. Wenig später beteiligte sie sich dennoch an den Kämpfen.

Die damaligen Zusagen erwiesen sich damit als unzuverlässig. Aoun hat deshalb wenig Anlass, die aktuellen Versicherungen ungeprüft zu übernehmen.

Auch innerhalb der libanesischen Führung gibt es nach Medienberichten bislang keine verbindliche Garantie der Hisbollah, auf eine militärische Beteiligung an einem neuen Irankrieg zu verzichten. Weder Präsident Aoun noch Ministerpräsident Nawaf Salam hätten entsprechende offizielle Zusicherungen erhalten. Das berichtete das libanesische NachrichtenportalNaharnetbereits am 28. Oktober.

Zwar erklärte der Hisbollah-Abgeordnete Hassan Fadlallah, Iran habe seine Organisation weder früher noch aktuell aufgefordert, militärisch einzugreifen. Aus dem Umfeld der Terrororganisation kamen außerdem Aussagen, wonach Teheran seine eigenen militärischen Fähigkeiten für ausreichend halte.

Diese Erklärungen stehen jedoch neben anderen Äußerungen, in denen sich die Hisbollah ausdrücklich vorbehält, auf israelische Militäraktionen im Libanon zu reagieren. Eine verbindliche Absage an eine neue Kriegsbeteiligung ist daraus nicht abzuleiten.

Für die libanesische Staatsführung entsteht dadurch eine gefährliche Situation: Sie versucht, das Land aus einer regionalen Eskalation herauszuhalten, besitzt aber weiterhin keine vollständige Kontrolle über die bewaffneten Strukturen der Hisbollah.

Iranische Interessen gegen die Souveränität des Libanon

Die Hisbollah ist seit Jahrzehnten ein zentrales Instrument des iranischen Einflusses im Nahen Osten. Das Regime in Teheran hat die Terrororganisation finanziert, bewaffnet und militärisch unterstützt. Sie verfügt über eigene Kommandostrukturen und militärische Fähigkeiten, die außerhalb der regulären libanesischen Streitkräfte stehen.

Genau darin liegt ein grundlegendes Problem für die staatliche Souveränität des Libanon.

Über Krieg und Frieden sollte die legitimierte politische Führung des Landes entscheiden. Solange eine bewaffnete Organisation eigenständig Raketenangriffe durchführen und sich an regionalen Kriegen beteiligen kann, bleibt dieses staatliche Entscheidungsrecht eingeschränkt.

Die Folgen haben die Menschen im Libanon wiederholt erlebt. Schon am 8. Oktober 2023 eröffnete die Hisbollah, einen Tag nach dem HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massaker in Israel, mit Angriffen auf israelische Stellungen eine neue Front. Die anschließende Eskalation führte zu langwierigen Kämpfen, Evakuierungen und schweren Schäden auf beiden Seiten der Grenze.

Auch die militärischen Auseinandersetzungen im Jahr 2026 haben den Libanon erheblich belastet. Besonders im Süden sind zahlreiche Gemeinden von zerstörter Infrastruktur, wirtschaftlichen Verlusten und anhaltender Unsicherheit betroffen.

Trotzdem hat die Terrororganisation ihre militärischen Aktivitäten nicht dauerhaft eingestellt. Erst am 29. Oktober berichteten wir über neue Aufrüstungsbemühungen der Hisbollah. Nach Erkenntnissen libanesischer Sicherheitsquellen fließen iranische Gelder unter anderem in die Herstellung von Angriffsdrohnen und den Wiederaufbau militärischer Strukturen.

Damit widerspricht die tatsächliche militärische Entwicklung dem Bild einer Organisation, die sich vollständig aus bewaffneten Auseinandersetzungen zurückziehen will.

Besonders problematisch ist, dass die Hisbollah ihre Waffen und ihre eigenständige militärische Handlungsfähigkeit weiterhin verteidigt. Damit bleibt sie ein Machtzentrum, das Entscheidungen der libanesischen Regierung faktisch unterlaufen kann.

Die vonNidaa al-Watanzitierte politische Quelle bezeichnet einen möglichen erneuten Kriegseintritt deshalb ausdrücklich als Auflehnung gegen staatliche Entscheidungen. Ein solcher Schritt würde nach ihrer Einschätzung sämtliche Bemühungen von Präsident und Regierung zunichtemachen, einen dauerhaften Frieden und Stabilität zu erreichen.

Diese Warnung macht deutlich, dass es im Libanon keineswegs einen einheitlichen politischen Willen zur Unterstützung des iranischen Regimes gibt. Im Gegenteil: Teile der Staatsführung fürchten gerade die Folgen einer erneuten militärischen Beteiligung der Hisbollah.

Beirut sucht Sicherheit, die Hisbollah behält ihre Waffen

Präsident Aoun und Ministerpräsident Salam versuchen seit Monaten, die Autorität der staatlichen Institutionen zu stärken. Dazu gehört das Ziel, die Kontrolle über Waffen und militärische Entscheidungen wieder beim libanesischen Staat zu konzentrieren.

Im Oktober forderte Aoun bei einer Sitzung mit Sicherheitsverantwortlichen erneut, illegale bewaffnete Aktivitäten zu unterbinden, Waffen und Munition sicherzustellen und Verstöße konsequent strafrechtlich zu verfolgen.

Der Präsident nannte dabei nicht ausdrücklich die Hisbollah. Die Forderung berührt jedoch unmittelbar den Konflikt um deren militärische Eigenständigkeit.

Gleichzeitig bemüht sich Beirut um diplomatische Lösungen mit Israel. Diese Gespräche werden durch gegenseitige Sicherheitsvorwürfe, israelische Militäraktionen im Südlibanon und die ungelöste Frage der Hisbollah-Entwaffnung erschwert.

Nach dem Bericht vonAsharq al-Awsatlehnt Aoun derzeit direkte Kontakte zwischen der libanesischen und der israelischen Armee ab. Er hält einen solchen Schritt unter den gegenwärtigen Bedingungen für verfrüht und verweist auf die fortgesetzte israelische Militärpräsenz in umstrittenen Gebieten.

Die israelische Sicherheitsposition ist wiederum wesentlich durch die jahrelangen Raketenangriffe der Hisbollah und deren militärische Infrastruktur entlang der Grenze geprägt. Israel verlangt, dass vom libanesischen Staatsgebiet keine Angriffe mehr gegen seine Bevölkerung ausgehen können.

Eine dauerhafte Entspannung setzt deshalb voraus, dass nicht erneut eine bewaffnete Organisation eigenständig über Krieg und Frieden entscheidet.

Die aktuelle Krise zeigt, wie eng die Zukunft des Libanon mit dem Konflikt zwischen Iran und Israel verbunden bleibt. Während Teheran mit weitreichender militärischer Vergeltung droht, versucht Beirut, eine erneute Eskalation zu verhindern. Ob dieser Versuch gelingt, hängt auch davon ab, ob sich die Hisbollah tatsächlich zurückhält.

Die Sorgen von Präsident Aoun sind angesichts der bisherigen Erfahrungen nachvollziehbar. Seine Regierung muss mit den Folgen eines Krieges rechnen, dessen Beginn sie möglicherweise weder beschließt noch verhindern kann.

Für Israel besteht gleichzeitig die Gefahr, dass der Iran im Fall neuer amerikanisch-israelischer Angriffe erneut seine Verbündeten aktiviert und damit zusätzliche Fronten eröffnet.

Dass eine solche Entscheidung bereits getroffen wurde, ist bislang nicht belegt. Die Warnungen aus dem Libanon zeigen jedoch, dass die Möglichkeit von den Verantwortlichen ernst genommen wird.

Der eigentliche Widerspruch liegt darin, dass der Libanon Frieden und staatliche Stabilität anstrebt, während eine vom Iran unterstützte Terrororganisation weiterhin über die militärischen Mittel verfügt, das Land erneut in einen Krieg hineinzuziehen.

Solange die Hisbollah ihre Waffen und ihre eigenständige Befehlsstruktur behält, bleibt dieses Risiko bestehen. Die aktuellen Beschwichtigungen ändern daran wenig, zumal ähnliche Versprechen bereits zuvor gebrochen wurden.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Montag, 2. November 2026

haOlam-News unterstützen

haOlam-News ist auf die Unterstützung seiner Leserinnen und Leser angewiesen. Jeder Beitrag hilft, unabhängige Berichterstattung weiterzuführen.

Sie benötigen nicht zwingend ein PayPal-Konto. Im nächsten Schritt kann je nach PayPal-Anzeige auch eine Zahlung per Karte angeboten werden.

Sie möchten unsere Arbeit unterstützen, nutzen aber kein PayPal? Schreiben Sie uns kurz, wir melden uns mit den passenden Möglichkeiten.

Weitere interessante Artikel

Newsletter