Abbas-Berater nennt Dschihad legitim und macht aus dem 7. Oktober eine Frage des Erfolgs

Abbas-Berater nennt Dschihad legitim und macht aus dem 7. Oktober eine Frage des Erfolgs


Mahmoud al-Habbash verurteilt den 7. Oktober nicht wegen der ermordeten und verschleppten Israelis. Zur „Sünde“ wird das Massaker in seiner Argumentation erst durch die Folgen für die Palästinenser.

Abbas-Berater nennt Dschihad legitim und macht aus dem 7. Oktober eine Frage des Erfolgs
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Man muss sich klarmachen, wer hier spricht. Mahmoud al-Habbash ist nicht irgendein Prediger am Rand der palästinensischen Politik. Er ist religiöser Berater von Mahmud AbbasPLO: Die Organisation zwischen Terrorgeschichte, Oslo und MachtverlustDie PLO ist die Palästinensische Befreiungsorganisation. Sie wurde 1964 gegründet, wurde später international als Vertreterin der Palästinenser anerkannt und spielte im Oslo-Prozess eine zentrale Rolle.Mehr lesen, Oberster Richter der palästinensischen Scharia-Gerichte und Teil jenes Machtapparates in Ramallah, den Europa immer wieder als gemäßigte Alternative zur HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen präsentiert. Und dieser Mann erklärt in einem am 3. September veröffentlichten Gespräch nach der von Palestinian Media Watch dokumentierten Übersetzung, „Widerstand gegen die Besatzung mit allen Mitteln“ sei ein legitimes Recht und eine heilige Pflicht. Wenn er den 7. Oktober ablehne, dann ausdrücklich nicht, weil er den Dschihad, den „Widerstand“ oder deren Legitimität ablehne. „Nein, nein, sie sind legal“, sagt al-Habbash. Kämpfen gegen den „Feind“, Selbstverteidigung und die Verteidigung des Heimatlandes seien legitim. Erst danach fragt er nach den Folgen des 7. Oktober. Der Moderator nennt Zerstörung und Verwüstung in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen. Darauf erklärt al-Habbash den 7. Oktober zum Fehler und darüber hinaus zur „Sünde“, weil er zu diesen Folgen für das palästinensische Volk geführt habe.

Das ist kein missverständlicher Nebensatz. Es ist eine moralische Bankrotterklärung. Denn in dieser Argumentation ist nicht das Massaker selbst der Ausgangspunkt der Verurteilung. Nicht die Menschen, die auf dem Nova-Festival gejagt und erschossen wurden. Nicht die Familien, die in ihren Häusern überfallen wurden. Nicht die 251 Verschleppten. Nicht die Kinder, Frauen, Männer und Alten, die in die Gewalt einer Terrororganisation gerieten. Nicht die dokumentierte sexualisierte Gewalt. Nicht die Granaten in Schutzräumen und nicht die Menschen, die ihre letzten Minuten damit verbrachten, ihren Eltern Abschiedsnachrichten zu schicken. Der entscheidende Maßstab ist das Ergebnis für die eigene Seite. Der 7. Oktober wird zur „Sünde“, weil Gaza danach zerstört wurde. Wer ein Massaker so bewertet, verwirft nicht zuerst den Mord. Er verwirft den Preis, den die Täterseite dafür bezahlen musste.

Das ist kein Friedenssignal, sondern ein Schlag ins Gesicht der Opfer

Man kann darüber streiten, wie weit der Begriff „Widerstand“ im politischen oder völkerrechtlichen Sinn reicht. Man kann über Besatzung, Grenzen und palästinensische Staatlichkeit streiten. Aber es gibt eine Grenze, die keine komplizierte historische Vorlesung benötigt. Ein Mann, der auf fliehende Besucher eines Musikfestivals schießt, übt keine legitime Selbstverteidigung aus. Wer Zivilisten aus ihren Häusern verschleppt, führt keinen heiligen Befreiungskampf. Wer Granaten in einen Schutzraum voller unbewaffneter Menschen wirft, verteidigt kein Heimatland. Dafür braucht es keine politische Interpretation. Dafür braucht es nur einen Rest moralischer Klarheit.

Genau diese Klarheit fehlt in al-Habbashs Worten. Palestinian Media Watch geht in seiner Bewertung noch weiter und schreibt, er legitimiere damit auch die Gräueltaten des 7. Oktober. So weit muss man für eine seriöse Kritik gar nicht gehen. Al-Habbash sagt nicht ausdrücklich, jede einzelne Ermordung, Vergewaltigung oder Entführung sei erlaubt gewesen. Was er tatsächlich sagt, ist schon schwer genug: Im unmittelbaren Zusammenhang mit dem 7. Oktober erklärt er Dschihad und „Widerstand mit allen Mitteln“ für legitim und bezeichnet den Angriff wegen seiner Konsequenzen für die PalästinenserPalästinenser: Herkunft, Begriffswandel und politische IdentitätPalästinenser bezeichnet heute meist palästinensische Araber mit eigener nationaler Identität. In der Mandatszeit konnte der Begriff jedoch allgemein Bewohner des britischen Mandatsgebiets Palästina meinen, auch Juden.Mehr lesen als Fehler und „Sünde“. Die israelischen Opfer tauchen in dieser Begründung nicht als moralische Grenze auf. Wer das verharmlost, macht aus dem eigentlichen Skandal eine sprachliche Spitzfindigkeit.

Noch erschreckender wird das Gesamtbild durch einen weiteren Teil desselben Gesprächs. Al-Habbash behauptete ohne Beleg, IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen habe den 7. Oktober nicht nur vorher gekannt, sondern „gewollt“, weil der Angriff die schweren innenpolitischen Auseinandersetzungen in Israel beendet und das Land wieder geeint habe. Damit wird aus dem Versagen israelischer Sicherheitsorgane eine Verschwörungserzählung, in der Israel letztlich selbst ein Interesse an dem Massaker gehabt habe. Auch das trifft die Opfer. Wer behauptet, Israel habe gewollt, was in Be’eri, Kfar Aza7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen, Nahal Oz7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen und bei Nova geschah, verschiebt Verantwortung von den Tätern auf den Staat, dessen Bürger ermordet wurden.

Und genau deshalb kann Europa bei solchen Aussagen nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Mahmud Abbas hat international inzwischen mehrfach erklärt, dass er die Tötung und Entführung israelischer Zivilisten am 7. Oktober verurteilt. Vor den Vereinten Nationen erklärte er ausdrücklich, Hamas dürfe künftig keine Regierungsrolle mehr besitzen und müsse ihre Waffen abgeben. Offizielle palästinensische Erklärungen sprechen inzwischen von einer friedlichen, diplomatischen und rechtlichen Strategie. Das sind die Sätze, die westliche Regierungen hören wollen.

Doch dann spricht Abbas’ eigener religiöser Berater.

Und plötzlich klingt die angeblich gemäßigte Alternative sehr viel weniger gemäßigt.

Wenn ein Präsident im Ausland erklärt, dass die Ermordung und Entführung israelischer Zivilisten falsch war, während einer seiner engsten religiösen Funktionäre zu Hause Dschihad und „Widerstand mit allen Mitteln“ legitim nennt und die „Sünde“ des 7. Oktober an dessen Folgen für Palästinenser festmacht, dann reicht es nicht, auf die richtige Formulierung in einer UN-Rede zu verweisen. Dann muss man fragen, welche Haltung tatsächlich im politischen System verankert ist. Frieden entsteht nicht, wenn Terror nur deshalb abgelehnt wird, weil er strategisch gescheitert ist. Frieden entsteht erst, wenn die Ermordung eines Israelis als Unrecht gilt, auch dann, wenn sie der eigenen politischen Sache nützen würde.

Darum ist al-Habbashs Aussage so extrem. Sie macht aus menschlichem Leben eine Erfolgsrechnung. Wenn der Angriff andere Folgen gehabt hätte, wenn Israel nicht militärisch reagiert hätte, wenn Gaza nicht zerstört worden wäre, was genau wäre dann nach dieser Logik die „Sünde“ gewesen? Die Opfer? Die Verschleppten? Die ermordeten Jugendlichen? Al-Habbash beantwortet diese Frage nicht. Und gerade dieses Schweigen ist unerträglich.

Drei Jahre nach dem 7. Oktober sollten die Opfer nicht noch immer darum kämpfen müssen, in der moralischen Bewertung dieses Tages überhaupt vorzukommen. Ein israelisches Kind ist kein strategischer Faktor. Eine verschleppte Frau ist keine Variable in einer Kostenrechnung. Ein ermordeter Festivalbesucher ist kein notwendiger Preis eines angeblichen Widerstands. Und ein Terrorist wird nicht dadurch zum legitimen Kämpfer, dass jemand seine Tat in religiöse oder nationale Sprache kleidet.

Der 7. Oktober war nicht deshalb falsch, weil er für die Palästinenser katastrophale Folgen hatte. Er war falsch, bevor Israel einen einzigen Schuss als Antwort abgegeben hatte. Er war falsch in dem Augenblick, in dem bewaffnete Männer die Grenze überschritten und Zivilisten zu Zielen machten. Er war falsch, als Menschen auf Straßen erschossen, aus Häusern gezerrt und nach Gaza verschleppt wurden.

Wer das erst über die Folgen erklären muss, hat das moralische Zentrum des 7. Oktober nicht verstanden.

Und wer als enger Berater von Mahmud Abbas Dschihad für legitim erklärt, während der Westen Ramallah als Fundament eines künftigen Friedens aufbauen will, liefert selbst den Grund, warum Israel solchen Versprechen misstraut.

Das ist keine Kleinigkeit.

Es ist ein Schlag ins Gesicht der Opfer.

Und Europa sollte endlich aufhören, bei solchen Sätzen wegzuhören.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Montag, 5. Oktober 2026

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