Gantz fordert zionistische Einheitsregierung und warnt vor einem Deal, der Israel im Libanon fesselt
Benny Gantz stellt Netanyahu eine harte Diagnose: Israel sei militärisch stark, aber strategisch nicht geschlossen genug. Der Iran Deal und der Libanon zeigen, wie gefährlich diese Schwäche werden kann.

Bildnachweis: Symbolbild
Benny Gantz sagt etwas, das in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen derzeit weit über Parteipolitik hinausreicht: Das Land kann sich keine Regierung mehr leisten, die den inneren Bruch verwaltet, während Iran, HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und die offene Frage des amerikanisch iranischen Deals über Israels SicherheitStaatsräson: Bedeutung und Israels SicherheitStaatsräson meint ein grundlegendes Staatsinteresse, das als besonders wichtig für Bestand, Sicherheit oder Verantwortung eines Staates gilt. In Deutschland wird der Begriff häufig mit der Sicherheit Israels verbunden.Mehr lesen entscheiden. Der frühere Generalstabschef, frühere Verteidigungsminister und Vorsitzende von Blau Weiß fordert nach der kommenden Wahl eine zionistische Einheitsregierung aus Parteien von rechts und links. Nicht als nette Versöhnungsgeste, sondern als sicherheitspolitische Notwendigkeit.
In einem Interview mit 103FM schilderte Gantz eine Begegnung an einem Kaffeestand im Kibbutz Ruhama. Eine Frau habe ihm unter Tränen gesagt, sie sorge sich um die Zukunft des Landes. Wenn Netanyahu an der Macht bleibe, werde ihre Tochter keinen Offizierskurs besuchen. Gantz verwies darauf, dass es auf der anderen Seite ähnliche Stimmen gebe, die sagen würden: Wenn Bennett, Eisenkot oder Lapid Premierminister würden, gehe das eigene Kind nicht zum Offizierskurs. Seine Schlussfolgerung war hart: Der Riss im Land töte Israel. Genau deshalb brauche es eine zionistische Mehrheitsregierung, die von rechts bis links reicht und nicht länger die spaltenden Ränder zum Taktgeber macht. Die JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post berichtete über das Interview am Sonntag.
Das ist mehr als Wahlkampf. Gantz beschreibt eine israelische Schwäche, die im Iran Krieg 2026 unmittelbar sicherheitspolitisch wird. Israel hat militärisch enorme Leistungen erzielt. Es hat iranische Infrastruktur getroffen, die Hisbollah im Libanon unter Druck gesetzt und gezeigt, dass es nach dem 7. Oktober nicht mehr bereit ist, alte Bedrohungen nur zu verwalten. Doch Gantz warnt vor einer strategischen verpassten Gelegenheit. Militärische Erfolge seien hoch gewesen, aber Israel habe sie politisch und strategisch nicht vollständig verwertet. Genau dieser Satz trifft den wunden Punkt: Ein Staat kann Schlachten gewinnen und trotzdem am Verhandlungstisch unter Druck geraten.
Das zeigt sich jetzt beim möglichen US Iran Deal. Gantz äußerte deutliche Zweifel, ob das entstehende Abkommen halten werde, besonders dort, wo es den Libanon betrifft. Die Sorge ist berechtigt. Nach Berichten der vergangenen Tage will Iran erreichen, dass der Libanon und die Hisbollah in eine größere Vereinbarung mit Washington einbezogen werden. Ein hochrangiger Hisbollah Politiker zeigte sich laut Reuters zuversichtlich, dass ein möglicher US Iran Deal auch den Libanon umfassen werde. Für Israel wäre das brandgefährlich, wenn es seine militärische Handlungsfreiheit gegen die Hisbollah einschränken würde, ohne die Terrororganisation tatsächlich zu entwaffnen.
Gantz formulierte es klar: Beirut sei nicht Teheran. Israel und Libanon seien Nachbarn, und Israel dürfe in dieser Frage nicht von anderen abhängig werden. Genau das ist der entscheidende Punkt. Der Libanon darf nicht als Anhang eines iranischen Vertrags behandelt werden. Die Hisbollah ist keine normale libanesische Partei mit ein paar Waffen. Sie ist eine vom Iran gestützte Terrororganisation, die den Süden Libanons zur Front gegen Israel gemacht hat und dem libanesischen Staat die Entscheidung über Krieg und Frieden entreißt. Wer diese Realität in ein Abkommen mit Teheran hineinverhandelt, macht aus der Sicherheit israelischer Bürger einen Nebenpunkt amerikanisch iranischer Diplomatie.
Für Gantz ist das auch eine Kritik an Netanyahu. Er sagte, Netanyahu sei dem Druck Washingtons gewichen. Noch schwerer wiegt sein Vorwurf, Netanyahu habe Israels Verhältnis zu den Vereinigten Staaten zu stark auf eine politische Seite ausgerichtet. Israel sei der einzige westliche demokratische Außenposten im Nahen Osten. Wenn Israel sich einseitig auf eine Richtung bewege, werde es auch von dieser Richtung abhängig. Das ist eine scharfe Diagnose: Israel braucht Amerika, aber es darf seine strategische Tiefe in Washington nicht parteipolitisch verengen. Gerade jetzt, da Trump einen Deal mit Iran als Erfolg verkaufen will, zeigt sich, wie riskant eine solche Abhängigkeit werden kann.
Diese Kritik kommt nicht von einem linken Kommentator, der Israels Sicherheitslage verharmlost. Sie kommt von einem ehemaligen Generalstabschef und Verteidigungsminister, der weiß, was militärische Handlungsfreiheit bedeutet. Gerade deshalb ist sie schwerer wegzuwischen. Gantz sagt nicht, Israel solle schwächer auftreten. Er sagt das Gegenteil: Israel müsse stärker, geschlossener und unabhängiger handeln. Das Land dürfe keine Sicherheitsrisiken eingehen und müsse mit voller Kraft und Eigenständigkeit handeln. Der 7. Oktober habe die regionale und gedankliche Wirklichkeit verändert. Diese Aussage ist zentral. Nach dem 7. Oktober kann Israel nicht mehr akzeptieren, dass Bedrohungen an seinen Grenzen eingefroren, vertagt oder diplomatisch schöngefärbt werden.
Der mögliche Trump Deal stellt Israel genau vor diese Gefahr. Washington will den Krieg beenden, HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen öffnen und einen politischen Erfolg sichern. Iran will Zeit gewinnen, sein Uranproblem kontrollieren, seine Stellvertreter schützen und den Druck reduzieren. Israel hingegen muss darauf achten, dass es am Ende nicht mit einem Papier zurückbleibt, das den Krieg formal beruhigt, aber die Hisbollah im Libanon bestehen lässt. Wenn die Terrororganisation weiter bewaffnet bleibt, wenn Iran weiter Einfluss nimmt und wenn Israel auf internationale Mechanismen verwiesen wird, wäre das keine Sicherheit. Es wäre eine neue Warteschleife bis zur nächsten Runde.
Darum ist Gantz Forderung nach einer zionistischen Einheitsregierung mehr als ein innenpolitischer Vorschlag. Sie ist eine Antwort auf eine strategische Krise. Israel braucht eine Regierung, die der Welt geschlossen erklären kann, dass ein Iran Deal ohne klare Lösung für Uran, Raketen, Drohnen und Hisbollah nicht reicht. Es braucht eine Regierung, die Washington widersprechen kann, ohne die Allianz zu zerstören. Es braucht eine Regierung, die den Libanon nicht mit der Hisbollah verwechselt und trotzdem unmissverständlich sagt: Israel wird seine Bürger im Norden schützen, mit oder ohne Zustimmung anderer.
Ob Gantz selbst diese Regierung führen kann, ist eine andere Frage. Seine politischen Umfragewerte, seine Bündnisoptionen und die Rolle von Gadi Eisenkot, Naftali Bennett und Yair Lapid werden darüber entscheiden, ob aus dieser Diagnose auch Macht entsteht. Aber der Inhalt seiner Warnung ist ernst. Israels Problem ist nicht nur Netanyahu. Israels Problem ist ein politisches System, das in einem historischen Sicherheitsmoment zu oft mit sich selbst beschäftigt ist.
Gantz legt den Finger auf genau diesen Punkt. Eine zionistische Mehrheit trägt das Land, dient in der Armee, zahlt den Preis, hält Wirtschaft und Gesellschaft zusammen und soll am Ende doch zusehen, wie politische Ränder, alte Loyalitäten und persönliche Feindschaften die strategische Linie bestimmen. Das kann sich Israel nach dem 7. Oktober, nach dem Iran Krieg 2026 und angesichts eines möglichen amerikanisch iranischen Deals nicht mehr leisten.
Die Frage lautet deshalb nicht nur, wer nach der nächsten Wahl Premierminister wird. Die Frage lautet, ob Israel eine Regierung bekommt, die stark genug ist, um militärische Erfolge in politische Sicherheit zu verwandeln. Wenn der Iran Deal kommt und der Libanon darin zur Nebenrechnung wird, entscheidet sich genau daran, ob Israel wirklich unabhängig handeln kann.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 14. Juni 2026