US-General stellt Israels Gaza-Kurs infrage: Washington setzt weiter auf PA-Polizei als Hamas-Ersatz
Der amerikanische Sicherheitskoordinator Sean Salene warnt Israel vor einer rein militärischen Strategie gegen Hamas. Seine Alternative ist politisch brisant: ausgebildete palästinensische Polizeikräfte sollen langfristig Sicherheit in Gaza übernehmen.

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Ein hochrangiger amerikanischer General stellt zentrale Teile der israelischen GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen-Strategie infrage und wirbt gleichzeitig für ein Modell, dem Benjamin Netanyahus Regierung seit langem misstraut: Sicherheitskräfte der Palästinensischen Autonomiebehörde sollen dabei helfen, HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen aus der künftigen Ordnung des Gazastreifens zu verdrängen.
Sean Salene, amerikanischer Sicherheitskoordinator für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und die Palästinensische AutonomiebehördePLO: Die Organisation zwischen Terrorgeschichte, Oslo und MachtverlustDie PLO ist die Palästinensische Befreiungsorganisation. Sie wurde 1964 gegründet, wurde später international als Vertreterin der Palästinenser anerkannt und spielte im Oslo-Prozess eine zentrale Rolle.Mehr lesen, erklärte bei einer Veranstaltung des International Institute for Counter-Terrorism der Reichman University, Terrorismus könne nicht allein militärisch bekämpft werden. Wer Hamas dauerhaft schwächen wolle, müsse ebenso ihre Ideologie, Bildung und gesellschaftliche Voraussetzungen bekämpfen.
Salene nannte Netanyahu nicht ausdrücklich. Seine Aussagen richten sich jedoch erkennbar gegen einen Ansatz, der den militärischen Druck auf Hamas zum entscheidenden Instrument israelischer Sicherheitspolitik macht.
Dabei geht es nicht nur um Theorie.
Salene verteidigte ausdrücklich die seit Jahren von den USA unterstützte Ausbildung palästinensischer Sicherheitskräfte. Seine Behörde helfe dabei, Polizeikräfte nach internationalen Standards auszubilden, die Hamas und andere Terrororganisationen bekämpfen sollen. Er stellte die entscheidende Gegenfrage selbst: Wenn diese Kräfte nicht vorhanden seien, wer fülle dann das entstehende Sicherheitsvakuum?
Aus amerikanischer Sicht lautet die Antwort: entweder Hamas und andere bewaffnete Gruppierungen oder erneut die IDF.
Genau daraus ergibt sich jedoch das israelische Dilemma.
Washington sieht die PA als Werkzeug, Israel sieht das Risiko
Salene macht keinen Hehl daraus, dass auch Washington die Schwächen der Palästinensischen Autonomiebehörde kennt.
Er sprach offen von Korruption und räumte ein, dass es selbst innerhalb der amerikanischen Regierung Stimmen gebe, die weitere Unterstützung für Ramallah infrage stellen. Seine Antwort darauf ist pragmatisch: Die PA sei nun einmal das vorhandene Instrument.
Das ist eine bemerkenswert nüchterne Begründung für eine Institution, der im amerikanischen Gaza-Plan langfristig erhebliche Verantwortung zufallen könnte.
Der von Donald Trump 2025 vorgestellte und später durch den UN-Sicherheitsrat unterstützte Gaza-Plan sieht ausdrücklich vor, geprüfte palästinensische Polizeikräfte auszubilden und einzusetzen. Eine internationale Stabilisierungstruppe soll diese Kräfte unterstützen, Hamas entwaffnen helfen und verhindern, dass terroristische InfrastrukturTerrorinfrastruktur: Wie Terrorgruppen Krieg in zivile Räume verlagernTerrorinfrastruktur bezeichnet Einrichtungen, Netzwerke und Strukturen, die Terrororganisationen für Angriffe, Waffenlagerung, Kommandoführung, Ausbildung, Raketenbeschuss, Tunnelbau oder Logistik nutzen. Besonders gefährlich wird sie, wenn sie in Wohngebieten, Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern versteckt wird.Mehr lesen wieder aufgebaut wird.
Auf dem Papier entsteht dadurch eine klare Arbeitsteilung.
Hamas verliert Waffen und Macht. Internationale Kräfte sichern den Übergang. Eine neue palästinensische Polizei übernimmt schrittweise die innere Sicherheit. Israel zieht sich entsprechend überprüfbarer Fortschritte zurück.
Das Problem beginnt dort, wo aus Papier Realität werden muss.
Die Palästinensische Autonomiebehörde hat in Judäa und SamariaJudäa und Samaria: Israels historisches Kernland im politischen StreitJudäa und Samaria bezeichnen historische Landschaften zwischen Jerusalem, dem Jordantal und den zentralen Höhenzügen des Landes Israel. In Israel ist der Begriff gebräuchlich. International wird das Gebiet oft anders bezeichnet und politisch als umstritten eingeordnet.Mehr lesen tatsächlich gegen Hamas, den Palästinensischen Islamischen Dschihad und andere bewaffnete Gruppen vorgegangen. Besonders die Operation in Jenin ab Ende 2024 sollte zeigen, dass Ramallah bereit und fähig ist, islamistische Terrorstrukturen selbst zu bekämpfen.
Die Bilanz fiel jedoch keineswegs eindeutig aus.
Palästinensische Sicherheitskräfte stießen über Wochen auf erheblichen bewaffneten Widerstand. Kämpfer konnten sich weiterhin bewegen, einzelne Angehörige der PA-Sicherheitskräfte verweigerten Einsätze, und schließlich musste Israel selbst erneut massiv gegen Terrorzellen im Raum Jenin vorgehen.
Schon damals stellte sich deshalb die Frage: Wenn die PA Schwierigkeiten hat, vergleichsweise kleine Terrorstrukturen in Jenin dauerhaft zu kontrollieren, wie soll sie dann in Gaza eine Organisation entwaffnen, die dort fast zwei Jahrzehnte lang einen eigenen Staat im Staat aufgebaut hat?
Hamas verfügt nicht nur über Kämpfer.
Sie besitzt Netzwerke, Familienstrukturen, Geld, Waffenlager, verbliebene Tunnel, Geheimdienststrukturen, Verwaltungserfahrung und weiterhin Unterstützung in Teilen der Bevölkerung.
Eine neu ausgebildete Polizei müsste sich im Ernstfall gegen genau dieses System behaupten.
Salene warnt zugleich vor Israels Sicherheitsdenken nach dem 7. Oktober
Besonders weitreichend waren Salenes Aussagen über die israelische Bedrohungswahrnehmung.
Nach seiner Einschätzung habe sich Israels Risikobereitschaft nach dem Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen grundlegend verändert. Militär und Sicherheitsbehörden betrachteten teilweise bereits eine gegnerische Fähigkeit selbst als unmittelbare Bedrohung, unabhängig davon, ob aktuell eine konkrete Absicht zum Angriff erkennbar sei.
Militärische Doktrin bewerte eine Bedrohung normalerweise aus Fähigkeit und Absicht, argumentierte Salene.
Für Israelis ist allerdings leicht nachvollziehbar, weshalb diese Formel nach dem 7. Oktober nicht mehr dieselbe beruhigende Wirkung besitzt wie zuvor.
Hamas verfügte vor dem Massaker über sichtbare militärische Fähigkeiten. Israel wusste von Raketen, bewaffneten Einheiten, Tunneln und Übungen. Trotzdem gingen politische und sicherheitspolitische Entscheidungsträger davon aus, die Terrororganisation sei abgeschreckt und nicht an einem umfassenden Krieg interessiert.
Diese Annahme endete am Morgen des 7. Oktober 2023.
Terroristen durchbrachen die Grenze, ermordeten rund 1.200 Menschen und verschleppten 251 Geiseln.
Die israelische Schlussfolgerung daraus ist entsprechend hart: Eine feindliche Organisation darf künftig nicht allein deshalb große militärische Fähigkeiten behalten, weil Geheimdienste ihre momentanen Absichten als begrenzt einschätzen.
Salene hält dagegen, dass eine völlige Vermeidung jedes Risikos ebenfalls strategische Kosten erzeugen könne.
Damit beschreibt er tatsächlich einen der wichtigsten sicherheitspolitischen Konflikte Israels nach dem 7. Oktober.
Wie viel Risiko darf Israel akzeptieren, um Gaza irgendwann nicht dauerhaft selbst kontrollieren zu müssen?
Und wem kann es die Verantwortung übergeben?
Die amerikanische Alternative hat ebenfalls offene Fragen
Salene hat in einem entscheidenden Punkt recht: Hamas lässt sich nicht ausschließlich durch Luftangriffe und Bodentruppen als gesellschaftliche und ideologische Bewegung beseitigen.
Er selbst beschrieb Hamas als internationales Netzwerk, das weit über Gaza hinausreicht. Die Terrororganisation verfüge über Strukturen und Unterstützer in Jordanien, Syrien, Libanon, Europa und sogar den Vereinigten Staaten.
Genau deshalb gehören Finanzierung, Bildung, PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen, Rekrutierung und politische Strukturen zu jeder langfristigen Strategie gegen die Terrororganisation.
Doch daraus folgt nicht automatisch, dass die Palästinensische Autonomiebehörde bereits die Lösung ist.
Ramallah kämpft weiterhin mit Korruption, geringer gesellschaftlicher Legitimität und einer politischen Führung, die seit rund zwei Jahrzehnten keine erneuerte landesweite demokratische Legitimation erhalten hat.
Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die für den 28. November geplante palästinensische Parlamentswahl erneut verschoben werden soll. Abbas hatte diese Wahl noch im September vor den Vereinten Nationen als Teil seiner Reformagenda präsentiert.
Auch ideologisch bleiben erhebliche Probleme.
haOlam hat wiederholt darüber berichtet, wie offizielle palästinensische Medien Terroristen als Märtyrer darstellen, Anschläge umdeuten und Verantwortliche für Gewalt glorifizieren. Ebenso wurden Denkmäler für Terroristen und Führer bewaffneter Organisationen wieder aufgebaut.
Wenn Washington davon spricht, nicht nur Hamas militärisch, sondern auch deren ideologische Grundlagen bekämpfen zu wollen, muss deshalb dieselbe Frage an die Palästinensische Autonomiebehörde gestellt werden.
Wer soll deradikalisieren?
Und welche politischen und gesellschaftlichen Inhalte vermittelt diese Institution selbst?
Salene bezeichnete die PA sinngemäß als das Instrument, das nun einmal vorhanden sei.
Für amerikanische Sicherheitsplaner mag das pragmatisch sein.
Für Israel reicht diese Begründung nach dem 7. Oktober nicht mehr aus.
Eine palästinensische Polizei in Gaza kann Teil einer Lösung sein, wenn sie tatsächlich unabhängig von Hamas handelt, Terroristen bekämpft, Waffen einzieht, israelische Sicherheit akzeptiert und dauerhaft unter überprüfbaren Strukturen arbeitet.
Sie wird aber nicht allein dadurch zuverlässig, dass Washington sie ausbildet.
Das vergangene Jahr hat gezeigt, wie weit Trumps Gaza-Plan noch von seiner vollständigen Umsetzung entfernt ist. Hamas ist weiterhin bewaffnet und kontrolliert Teile des Gazastreifens. Die internationale Stabilisierungstruppe ist nicht vollständig aufgebaut. Israel hält große Teile des Gebietes militärisch unter Kontrolle.
Damit bleibt genau jene Frage offen, auf die Salene eine Antwort geben will.
Was kommt nach der IDF?
Washington setzt auf eine neue palästinensische Sicherheitsstruktur.
Israel verlangt den Beweis, dass diese Struktur Hamas tatsächlich ersetzen kann und nicht lediglich das nächste Sicherheitsrisiko verwaltet.
Nach dem 7. Oktober ist diese Skepsis keine theoretische Debatte.
Sie ist Teil der israelischen Überlebensstrategie.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Montag, 12. Oktober 2026