Israel erhöht Alarmbereitschaft: Hamas soll Angriffe am 7. Oktober planen
Israels Sicherheitsdienste verfügen nach Angaben der Regierung über Hinweise auf geplante Hamas-Angriffe gegen Soldaten in Gaza. Auch Entführungsversuche stehen im Raum.

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Einen Tag vor dem dritten Jahrestag des HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massakers vom 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen erhöht IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen die Alarmbereitschaft seiner Streitkräfte im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen. Verteidigungsminister Israel Katz erklärte am Dienstag, es lägen nachrichtendienstliche Hinweise vor, wonach die Terrororganisation HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen ausgerechnet am Jahrestag versuchen könnte, israelische Soldaten anzugreifen.
Katz wies die IDF an, sich auf sämtliche Szenarien vorzubereiten und Hinweise auf bevorstehende Angriffe frühzeitig und mit großer Entschlossenheit zu vereiteln. Die Warnung betrifft nicht nur kleinere Angriffe auf israelische Stellungen. Bereits am Vortag hatte Shin-Bet-Chef David Zini dem Sicherheitskabinett nach israelischen Medienberichten eine weitere beunruhigende Einschätzung vorgelegt: Hamas arbeite an einem komplexeren Anschlag oder an der Entführung israelischer Soldaten.
Damit bekommt der 7. Oktober 2026 eine unmittelbare sicherheitspolitische Dimension. Israel erinnert am Mittwoch an das Massaker, bei dem Hamas und verbündete Terroristen 2023 rund 1.200 Menschen ermordeten und 251 Menschen in den Gazastreifen verschleppten. Drei Jahre später ist die Terrororganisation militärisch schwer getroffen, aber nicht verschwunden.
Genau das zeigen auch neue Angaben aus dem israelischen Sicherheitskabinett.
Nach Angaben des Chefs des Militärgeheimdienstes, Generalmajor Shlomi Binder, wurden inzwischen etwa 4.000 der rund 6.000 Terroristen getötet, die am 7. Oktober 2023 nach Israel eindrangen. Rund 2.000 der damaligen Angreifer gelten demnach weiterhin als lebende und aktive Ziele. Die Angaben stammen aus israelischer Sicherheitsbewertung und lassen sich unabhängig nicht vollständig überprüfen.
Binder machte zugleich deutlich, dass Israel die Fahndung nach den noch lebenden Beteiligten fortsetzt. Nachrichtendienste und Sicherheitskräfte versuchen nach israelischen Angaben, die Terroristen anhand von Vernehmungen, technischen Informationen und weiteren nachrichtendienstlichen Erkenntnissen zu identifizieren und aufzuspüren.
Entführungen bleiben für Hamas ein strategisches Mittel
Besonders ernst nimmt Israel die Hinweise auf mögliche Entführungsversuche.
Das hat einen einfachen Grund: Geiseln sind für Hamas kein Nebeneffekt ihrer Kriegsführung, sondern seit Jahrzehnten ein strategisches Instrument. Die Terrororganisation hat wiederholt versucht, Israelis zu verschleppen, um sie als Druckmittel für Gefangenenaustausche und politische Forderungen einzusetzen. Am 7. Oktober wurde diese Strategie in einem bis dahin unvorstellbaren Umfang umgesetzt.
haOlam berichtete erst im September über Aussagen eines früheren Leiters der israelischen Verhandlungseinheit. Demnach waren bereits vor dem Massaker über Vermittler Warnungen eingegangen, Yahya Sinwar könne eine große Entführungsoperation planen, um neue Geiseln als Verhandlungsmasse zu erhalten. Diese Hinweise waren keine konkrete Vorwarnung vor dem Angriff vom 7. Oktober, sie zeigen jedoch, welchen Stellenwert Entführungen innerhalb der Hamas-Strategie besitzen.
Auch Verteidigungsminister Katz hatte im September ausdrücklich davor gewarnt, dass Israel auf eine erneute Entführung eines Soldaten oder Zivilisten mit außergewöhnlich harten Maßnahmen reagieren werde.
Seine heutige Warnung knüpft daran an. Sollten israelische Soldaten angegriffen werden, werde Hamas einen sehr hohen Preis zahlen, erklärte Katz. In seiner öffentlichen Erklärung bezog er diese Warnung ausdrücklich auch auf die Bevölkerung des Gazastreifens. Entscheidend bleibt dabei, dass militärische Reaktionen nach dem humanitären Völkerrecht zwischen Terroristen und Zivilisten unterscheiden müssen.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verband die aktuelle Bedrohung zusätzlich mit dem israelischen Wahlkampf. Hamas sei inzwischen deutlich geschwächt und könne deshalb versuchen, mit den verbliebenen Kräften einen spektakulären Angriff durchzuführen, um die politische Lage in Israel zu beeinflussen. Israel sei darauf vorbereitet und werde entsprechende Versuche zunächst vereiteln und im Falle eines Angriffs mit großer Härte reagieren.
Der Shin Bet geht offenbar ebenfalls davon aus, dass Hamas den Zeitpunkt eines größeren Anschlags bewusst nach politischer und symbolischer Wirkung auswählen könnte. Nach Informationen von N12 warnte Zini das Sicherheitskabinett vor einem Anschlag im Umfeld der bevorstehenden Wahl oder unmittelbar danach.
Dass solche Warnungen heute besonders ernst genommen werden, ist auch eine unmittelbare Konsequenz aus dem Versagen vor dem 7. Oktober 2023.
Damals verfügte Israel über eine Vielzahl von Informationen über Hamas-Übungen, Angriffspläne und ungewöhnliche Aktivitäten, doch wesentliche Warnsignale wurden falsch eingeordnet oder nicht mit der notwendigen Dringlichkeit behandelt. Genau diese Fehleinschätzung soll sich nicht wiederholen.
Im August berichtete N12 über Beobachtungssoldatinnen an der Gaza-Grenze, die erneut vor auffälligen Bewegungen und dem Verhalten von Hamas-Terroristen entlang der sogenannten Gelben Linie warnten. Eine Soldatin beschrieb ihre Sorge damals mit den Worten, sie fühle sich wie am 6. Oktober. Die Terroristen würden die israelischen Reaktionen beobachten und testen.
Die derzeitige erhöhte Bereitschaft ist deshalb mehr als eine symbolische Maßnahme für einen Jahrestag.
Hamas verfügt weiterhin über bewaffnete Terroristen, versucht nach israelischer Einschätzung militärische Strukturen wiederherzustellen und sucht nach Möglichkeiten, der IDF Verluste zuzufügen. Solange diese Fähigkeit besteht, ist der Gazastreifen trotz der schweren Verluste der Terrororganisation keine befriedete Front.
Das ist auch die entscheidende strategische Lehre aus den vergangenen drei Jahren. Die Frage lautet nicht, ob Hamas schwächer geworden ist. Das ist sie zweifellos. Entscheidend ist, ob sie noch über genügend Kräfte, Waffen, Informationen und operative Strukturen verfügt, um einen einzelnen Angriff mit erheblicher Wirkung durchzuführen.
Der 7. Oktober 2023 hat gezeigt, welchen Preis Israel dafür zahlen kann, wenn die Absichten eines Gegners unterschätzt werden.
Am 7. Oktober 2026 will die israelische Sicherheitsführung genau diesen Fehler nicht noch einmal machen.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 6. Oktober 2026