Das Rote Meer wird zum nächsten Krisengürtel: Huthis, Äthiopien und Eritrea verschärfen Israels Sicherheitsproblem
Die Huthi-Terrororganisation bedroht den Bab al-Mandab, Äthiopien und Eritrea brechen ihre Beziehungen ab, in Sudan dauert der Bürgerkrieg an und Ägypten gerät immer tiefer in den Konflikt um Nil und Roten Meer. Was lange wie getrennte Krisen wirkte, beginnt sich entlang einer der wichtigsten Handelsrouten der Welt miteinander zu verbinden.

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Die Landkarte rund um das Rote Meer verändert sich derzeit schneller, als es die einzelnen Nachrichten aus Jemen, Äthiopien oder Sudan vermuten lassen. Auf der arabischen Seite haben die vom Iran unterstützten HuthiHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen-Terroristen ihre Position an der Küste und auf strategischen Inseln erheblich ausgebaut. Auf der afrikanischen Seite droht gleichzeitig ein neuer Krieg zwischen Äthiopien und Eritrea, während Sudan bereits im Bürgerkrieg versinkt und Ägypten seinen langjährigen Konflikt mit Addis Abeba verschärft.
Inzwischen greifen diese Entwicklungen ineinander.
Für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen ist das keine entfernte afrikanische Krise. Das Rote Meer ist seine südliche maritime Verbindung nach Asien. Wer den Bab al-Mandab bedroht, kann den Zugang nach Eilat beeinträchtigen, Handelsschiffe abschrecken und eine Route unter Druck setzen, die bereits seit Jahren Ziel der Huthi-Terrororganisation ist. haOlam hat in den vergangenen Wochen wiederholt über den Vormarsch der Huthis auf Mocha, Perim und weitere Inseln berichtet. Was damals als iranischer Versuch begann, neben der Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen eine zweite maritime Druckzone aufzubauen, trifft inzwischen auf eine zweite Krise auf der gegenüberliegenden afrikanischen Küste.
Äthiopien und Eritrea stehen wieder gefährlich nah vor einem Krieg
Besonders schnell verschärft sich die Lage in Äthiopien. Seit Ende September kämpfen Regierungstruppen erneut gegen ein von der Tigray People's Liberation Front geführtes Bündnis bewaffneter Gruppen. Die Auseinandersetzungen sind die schwersten seit dem Ende des Tigray-Krieges 2022.
Am Freitag meldeten Regierungskräfte die Rückeroberung des Flughafens von Mekelle, der Hauptstadt Tigrays. Zuvor hatte das Oppositionsbündnis Geländegewinne erzielt und erstmals sogar Drohnenangriffe auf Ziele in Addis Abeba gemeldet. Die Gefahr liegt jedoch längst nicht mehr nur innerhalb Äthiopiens.
Addis Abeba beschuldigt Eritrea, Sudan und Ägypten, seine Gegner zu unterstützen. Alle drei Staaten weisen den Vorwurf zurück. Eritrea und Äthiopien haben inzwischen ihre diplomatischen Beziehungen abgebrochen. Äthiopien schloss seine Botschaft in Asmara und wies zehn eritreische Diplomaten aus. Eritrea reagierte mit der vollständigen Kappung der Beziehungen.
Gleichzeitig eskalierte der Streit mit Ägypten. Beide Länder wiesen Diplomaten des jeweils anderen Staates aus. Hinter diesem Konflikt steht weit mehr als die aktuelle Lage in Tigray. Seit Jahren streiten Ägypten und Äthiopien über den Grand Ethiopian Renaissance Dam am Blauen Nil. Für Kairo ist die Wasserversorgung eine Frage nationaler Sicherheit, während Addis Abeba den Damm als Schlüssel für seine wirtschaftliche Entwicklung betrachtet.
Hinzu kommt ein zweiter Konflikt, der für das gesamte Rote Meer von großer Bedeutung ist. Äthiopien verlor mit der Unabhängigkeit Eritreas 1993 seinen direkten Zugang zum Meer. Ministerpräsident Abiy Ahmed bezeichnet den Zugang zu einer eigenen oder dauerhaft gesicherten Küstenverbindung zunehmend als strategische Notwendigkeit. Eritrea wiederum betrachtet jede Diskussion über seine Küste als potenzielle Bedrohung seiner staatlichen Existenz.
Damit liegt am afrikanischen Ufer des Roten Meeres inzwischen ein explosives Gemisch aus Bürgerkrieg, Grenzkonflikten, Nil-Streit und Konkurrenz um Häfen und Seewege.
Sudan verschärft diese Lage zusätzlich. Der dortige Bürgerkrieg bindet nicht nur das Land selbst, sondern zieht Nachbarstaaten und ausländische Unterstützer hinein. Khartum und Addis Abeba werfen sich gegenseitig Unterstützung feindlicher Kräfte vor. Gleichzeitig versuchen Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten und andere Staaten, ihre eigenen Interessen am Roten Meer zu sichern.
Auf der anderen Seite sitzen die Huthis am Nadelöhr
Während sich die afrikanische Küste destabilisiert, steht Saudi-Arabien im Jemen vor einer möglicherweise noch schwierigeren Entscheidung.
Reuters berichtet, Riad bereite eine große Offensive gegen die Huthi-Terrororganisation vor. Mehr als 100.000 jemenitische Kämpfer könnten beteiligt werden, unterstützt durch saudische Luftangriffe und amerikanische Aufklärungsinformationen. Ziel wäre vor allem, die strategisch wichtigen Küstengebiete zurückzugewinnen und den Huthi-Druck auf den Bab al-Mandab zu brechen.
Ob die Offensive tatsächlich in dieser Form beginnt, ist noch offen. Die anti-huthischen Kräfte im Jemen sind politisch und militärisch stark zersplittert. Genau dieses Problem hat den Huthis bereits bei ihrem jüngsten Vormarsch geholfen.
Für Iran bleibt ihre Position dennoch von enormem Wert. Teheran hat in Syrien und Libanon erhebliche Rückschläge erlitten, besitzt mit den Huthis aber weiterhin einen bewaffneten Partner, der mit ballistischen Raketen, Drohnen und Anti-Schiff-Waffen eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt bedrohen kann.
haOlam hat bereits im September beschrieben, warum Perim und die übrigen Stellungen am Bab al-Mandab für Israel weit wichtiger sind als gewöhnliche Geländegewinne im jemenitischen Bürgerkrieg. Die Huthis müssen die Meerenge nicht vollständig kontrollieren. Es genügt, wenn sie Handelsschiffe glaubwürdig bedrohen können. Schon diese Gefahr erhöht Versicherungsprämien, zwingt Reedereien zu Umwegen und beeinträchtigt den Hafen Eilat.
Neu ist nun, dass auch die afrikanische Seite der Meerenge sicherheitspolitisch immer stärker in Bewegung gerät.
Israel hat deshalb seine Beziehungen zu Somaliland ausgebaut. JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen erkannte Somaliland Ende 2025 als unabhängigen Staat an. Nach Angaben des somaliländischen Verteidigungsministers bildet Israel dort Angehörige von Polizei und Streitkräften aus. Berichte über Verhandlungen für eine israelische Militärbasis wurden von Somaliland allerdings ausdrücklich zurückgewiesen.
Die geografische Bedeutung ist trotzdem offensichtlich. Somaliland liegt am Golf von Aden gegenüber dem Jemen und nur wenige hundert Kilometer vom Bab al-Mandab entfernt. Eine stabile und Israel gegenüber freundliche Küste am Horn von Afrika besitzt deshalb erheblichen strategischen Wert.
Auch dort entsteht jedoch Konkurrenz. Die Türkei ist tief in Somalia engagiert, betreibt in Mogadischu eine große Militärbasis und unterstützt die somalische Zentralregierung, die Israels Anerkennung Somalilands entschieden ablehnt.
Damit taucht dasselbe Muster auf, über das haOlam bereits beim türkisch-israelischen Machtkampf in Syrien berichtet hat. Israel und Ankara treffen zunehmend auch außerhalb des klassischen Nahen Ostens auf dieselben strategischen Räume.
Die einzelnen Konflikte bilden noch keinen gemeinsamen Krieg. Äthiopiens Auseinandersetzung mit Eritrea hat andere Ursachen als der Huthi-Vormarsch im Jemen. Der Bürgerkrieg im Sudan folgt einer eigenen Dynamik und Ägyptens Konflikt mit Addis Abeba dreht sich vor allem um den Nil und regionale Macht.
Doch die Geografie verbindet sie.
Am Bab al-Mandab liegen Afrika und die Arabische Halbinsel nur wenige Kilometer auseinander. Im Norden führt das Rote Meer zum Suezkanal und zum Mittelmeer. Im Süden öffnet es sich zum Indischen Ozean. Für Israel endet diese Route in Eilat.
Wenn gleichzeitig die Huthis auf der jemenitischen Seite vorrücken, Äthiopien und Eritrea um Macht und Meereszugang ringen, Sudan zerfällt und Türkei, Iran, Saudi-Arabien, Ägypten und die Emirate ihre jeweiligen Interessen absichern, entsteht daraus eine neue strategische Realität.
Das Rote Meer ist nicht mehr nur eine Handelsroute zwischen bestehenden Konflikten.
Es wird selbst zu einem der wichtigsten Schauplätze ihrer Verbindung.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 4. Oktober 2026