Drei Jahre Krieg konnten die Abraham-Abkommen nicht begraben: Kasachstan sitzt jetzt mit Israel am Tisch
Israel, arabische Partner und die USA nehmen die gemeinsame Arbeit wieder auf. Kasachstans Teilnahme zeigt, dass das Modell über den Nahen Osten hinauswächst.

Bildnachweis: The White House
Der 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen und die darauf folgenden Kriege haben die politische Landkarte des Nahen Ostens erschüttert. Was sie jedoch nicht geschafft haben, ist die Abraham-AbkommenAbraham-Abkommen: Israels Durchbruch in der arabischen WeltDie Abraham-Abkommen sind Normalisierungsvereinbarungen zwischen Israel und mehreren arabischen beziehungsweise muslimisch geprägten Staaten. Sie begannen 2020 mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain.Mehr lesen verschwinden zu lassen. Am Rande der UN-Generalversammlung in New York saßen Vertreter Israels, der Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrains und Marokkos nun erstmals seit Januar 2023 wieder gemeinsam in einem offiziellen multilateralen Format. Für die USA nahm Unterstaatssekretärin Allison Hooker teil. Neu in der Runde war Kasachstan.
Gerade diese Teilnahme macht das Treffen politisch interessanter als eine bloße Wiederbelebung alter Kontakte. Kasachstan unterhält bereits seit Jahrzehnten diplomatische Beziehungen zu IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen. Es geht also nicht darum, erstmals Botschafter auszutauschen. Astana hatte schon 2025 offiziell seinen Beitritt zu den Abraham-Abkommen erklärt und diesen Schritt ausdrücklich als Teil einer „ausgewogenen, konstruktiven und friedlichen Außenpolitik“ bezeichnet. Gleichzeitig hält das zentralasiatische Land an einer Zwei-Staaten-Lösung fest. Die Teilnahme in New York zeigt nun, dass aus dieser politischen Erklärung praktische Einbindung wird.
Damit verändert sich auch der Charakter der Abraham-Abkommen. Ursprünglich standen vor allem die Normalisierungsverträge Israels mit den Emiraten, Bahrain und später Marokko im Mittelpunkt. In New York ging es dagegen weniger um Zeremonien als um konkrete Zusammenarbeit: Technologie, Handel, Investitionen, Energie, Wasser- und Ernährungssicherheit sowie strategische und sicherheitspolitische Kooperation. Kasachische Vertreter nannten zusätzlich Verkehr und Technologie als Bereiche, in denen sie mit den Partnerstaaten enger zusammenarbeiten wollen.
Nicht mehr nur arabisch-israelische Normalisierung
Gerade darin liegt die eigentliche Nachricht. Kasachstan ist ein mehrheitlich muslimischer Staat in Zentralasien und kein arabisches Land. Sein Eintritt erweitert das Modell deshalb geografisch und politisch. Aus einer Reihe arabisch-israelischer Normalisierungsabkommen kann sich ein breiteres Kooperationsformat entwickeln, an dem Staaten teilnehmen, weil sie gemeinsame wirtschaftliche, technologische oder sicherheitspolitische Interessen haben.
Das bedeutet nicht, dass alle politischen Konflikte verschwinden. Kasachstan unterstützt weiterhin einen palästinensischen Staat und formuliert dies auch nach seinem Beitritt ausdrücklich. Ebenso haben die Kriege seit dem 7. Oktober Israels Verhältnis zu vielen Staaten der Region belastet. Gerade deshalb ist bemerkenswert, dass die bestehenden Partner ihre Zusammenarbeit nicht aufgegeben haben.
Die USA versuchen dabei erkennbar, den Prozess wieder anzuschieben. Hooker bezeichnete das New Yorker Treffen als Signal, dass die Abraham-Abkommen nach fast drei Jahren wieder vorankommen. Gegenüber CBS erklärte ein hochrangiger Regierungsvertreter zudem, Außenminister Marco Rubio und Trumps Sondergesandter Steve Witkoff räumten der Erweiterung des Formats hohe Priorität ein.
Vor dem HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massaker vom 7. Oktober hatte Washington bereits an einer möglichen Normalisierung zwischen Israel und Saudi-Arabien gearbeitet. Der Krieg brachte diese Dynamik weitgehend zum Stillstand. Das aktuelle Treffen beweist nicht, dass Riad oder andere Staaten unmittelbar folgen werden. Es zeigt aber etwas anderes: Die politische Infrastruktur, auf der eine solche Erweiterung überhaupt aufbauen könnte, wird wieder genutzt.
Das ist ein wichtiger Unterschied. Nach 2020 wurden die Abraham-Abkommen häufig vor allem über Fahnen, Botschaften und diplomatische Anerkennung wahrgenommen. Die jetzige Phase dreht sich stärker um die Frage, ob daraus dauerhafte Strukturen entstehen können, die auch schwere regionale Krisen überstehen. Der N7 Foundation zufolge sollen genau solche praktischen Mechanismen zwischen den Partnerstaaten entwickelt werden.
Für Israel liegt darin ein strategischer Wert, der über einzelne neue Botschaften hinausgeht. Wenn muslimische Staaten mit JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen bei Wasser, Energie, Technologie, Handel und Sicherheit zusammenarbeiten, wird Israel nicht nur diplomatisch anerkannt, sondern in regionale und überregionale Strukturen eingebunden. Genau diese Verbindungen haben die Jahre seit dem 7. Oktober zwar belastet, aber offenbar nicht zerstört.
Das Treffen in New York war deshalb keine Rückkehr in die Welt von September 2023. Zu viel hat sich seither verändert. Es war vielmehr der Versuch, unter völlig neuen Bedingungen dort weiterzumachen, wo die Region vor dem Hamas-Massaker aufgehört hatte.
Und diesmal saß mit Kasachstan bereits ein Staat am Tisch, der 2020 noch gar nicht zum ursprünglichen Kreis gehörte.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Samstag, 26. September 2026