„Magen Be’eri“ sollte Be’eri schützen doch der Posten fiel: IDF legt Versagen vom 7. Oktober offen
Fast drei Jahre nach dem Hamas-Massaker rekonstruiert die IDF den Kampf um den Militärposten Paga. Die Untersuchung beschreibt systemisches Versagen bei Vorbereitung, Ausrüstung und Führung und Soldaten, die unter nahezu aussichtslosen Bedingungen bis zuletzt kämpften.

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Der Name hätte kaum eindeutiger sein können: „Magen Be’eri“, Verteidiger von Be’eri. Der Militärposten Paga westlich des Kibbutz sollte genau das verhindern, was am Morgen des 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen geschah. HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Terroristen überrannten die Stellung, durchbrachen damit einen entscheidenden Teil der israelischen Verteidigung und konnten weiter in Richtung Be’eri vordringen.
Die jetzt veröffentlichte Untersuchung der israelischen Streitkräfte fällt entsprechend hart aus. Die IDF habe ihren Verteidigungsauftrag nicht erfüllt, den Fall des Postens nicht verhindert und die Infiltration von Terroristen nach Be’eri nicht stoppen können. Das Ergebnis des Kampfes sei Ausdruck eines „systemischen Versagens“ bei der Vorbereitung auf einen überraschenden Großangriff.
Dabei trennt die Untersuchung deutlich zwischen dem Versagen des Systems und dem Verhalten der Soldaten vor Ort. Die Truppe war nicht auf den Angriff vorbereitet. Gleichzeitig dokumentiert der Bericht außergewöhnlichen Mut von Soldaten und jungen Kommandeuren, die in einer von der IDF selbst als nahezu unmöglich beschriebenen Lage weiterkämpften.
Nach übereinstimmenden Angaben von Ynet, Times of IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, Mako, Israel Hayom und Walla fielen bei den Kämpfen um Paga und die unmittelbar angrenzenden Stellungen 18 Soldaten und Kommandeure, 22 weitere wurden verwundet. Zwei Gefallene wurden von Hamas-Terroristen in den GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen verschleppt. Die dem Artikel zugrunde liegende Fassung der JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post vertauscht diese beiden Zahlen offenbar und nennt 22 Tote sowie 18 Verwundete.
Für diesen Angriff hatte niemand geübt
Am Morgen des 7. Oktober befand sich in Paga eine Kompanie des 13. Bataillons der Golani-Brigade. In einer benachbarten Stellung waren Panzer der 7. Panzerbrigade stationiert. Zwischen 60 und 80 Hamas-Terroristen griffen den Bereich nach den inzwischen veröffentlichten Erkenntnissen in mehreren Wellen an.
Das entscheidende Problem begann jedoch lange vor 6.29 Uhr.
Die Soldaten hatten sich in ihrer vorherigen Einsatzroutine vor allem mit gewalttätigen Ausschreitungen und Zwischenfällen am Grenzzaun beschäftigt. Genau darauf waren Ausbildung, Übungen und Aufmerksamkeit ausgerichtet. Ein Szenario, bei dem Hamas gleichzeitig an zahlreichen Stellen die Grenze durchbricht, Militärposten stürmt und israelische Ortschaften angreift, war nicht ausreichend trainiert worden.
Die Untersuchung nennt Defizite bei der persönlichen Kampfausrüstung, der Einsatzbereitschaft von Verteidigungsstellungen und der Infrastruktur des Postens. Damit war eine Stellung, deren eigentlicher Zweck die Verteidigung eines besonders gefährdeten Grenzabschnitts war, ausgerechnet für den Angriff nicht ausreichend vorbereitet, für den sie im Ernstfall gebraucht wurde.
Um 6.29 Uhr begann der massive Raketenbeschuss. Wenige Minuten später bewegten sich israelische Panzer zur Grenze und eröffneten das Feuer auf eindringende Terroristen. Ein Panzer unter dem Kommando von Staff Sgt. Shay Levinson tötete nach den Untersuchungen etwa zehn Terroristen, bevor das Fahrzeug von einer Panzerabwehrrakete getroffen wurde. Levinson wurde getötet und seine Leiche nach Gaza verschleppt.
Um 6.55 Uhr drangen zunächst neun Terroristen in den Posten ein. Wenig später folgte eine weitere Gruppe. Sie teilten sich in mehrere Trupps auf und griffen gleichzeitig verschiedene Bereiche an.
Die israelischen Soldaten kämpften aus Positionen heraus, die für dieses Gefecht nicht vorbereitet waren. Teilweise fehlte Ausrüstung, Munition wurde knapp, Kommandeure fielen früh im Kampf. Ein Soldat an einem Wachposten verfügte nicht einmal über eine funktionierende Funkverbindung und musste seine Kameraden persönlich warnen.
Auch Unterstützung aus der Luft löste das Problem nicht. Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass ein Großteil der Luftangriffe während des Gefechts aufgrund mangelhafter Koordination mit den Bodentruppen nicht ausreichend wirksam war.
Damit brach Stück für Stück genau jene Verteidigungsstruktur zusammen, die den Weg nach Be’eri versperren sollte.
Der Posten brannte, die Soldaten kämpften weiter
Was danach geschah, gehört zu den erschütterndsten Teilen der Untersuchung.
Verwundete wurden in den befestigten Speisesaal gebracht. Ein Versuch, sie mit gepanzerten Fahrzeugen herauszuholen, scheiterte, nachdem ein Hamas-Terrorist einen Sprengsatz an einem gepanzerten Mannschaftstransporter befestigen konnte. Ein defekter Schießschlitz verhinderte nach israelischen Berichten, dass die Soldaten den Terroristen rechtzeitig ausschalten konnten.
Gegen 10.35 Uhr kämpften der Kommandeur des Postens und ein weiterer Soldat am Eingang gegen eindringende Terroristen. Beide töteten mehrere Angreifer und fielen anschließend selbst.
Andere Soldaten verschanzten sich weiter im Speisesaal.
Um 13 Uhr setzten die Terroristen den Bereich nach den Untersuchungsergebnissen von mehreren Seiten in Brand. Rauch drang in das Gebäude. Die eingeschlossenen Soldaten litten zunehmend unter Atemnot und Bewusstseinsstörungen.
Fünf Soldaten entschieden sich schließlich, das brennende Gebäude zu verlassen und die draußen wartenden Terroristen anzugreifen. Alle fünf fielen.
Erst zwischen 16.20 und 16.50 Uhr erreichten größere Rettungs- und Verstärkungskräfte den Posten. Angehörige der Anti-Terror-Einheit Lotar und Golani-Offiziere räumten die Stellung, fanden die verbliebenen Soldaten und begannen mit der Evakuierung von Verwundeten und Gefallenen. Als am Abend erneut Kräfte zur Bergung zurückkehrten, traf eine Panzerabwehrrakete den Konvoi. Ein weiterer Soldat wurde getötet.
Der militärische Befund ist deshalb härter als eine bloße Aufzählung einzelner Fehler. Paga fiel nicht, weil die dort stationierten Soldaten nicht kämpfen wollten. Der Bericht dokumentiert vielmehr Soldaten, die weiterkämpften, obwohl wesentliche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Verteidigung längst zusammengebrochen waren.
Und genau darin liegt der Unterschied zwischen persönlichem Versagen und Systemversagen.
Die IDF selbst zieht diese Linie. Die Truppe auf taktischer Ebene sei nicht ausreichend auf ihre Aufgabe vorbereitet worden. Ausbildung und Übungen passten nicht zur tatsächlichen Bedrohung. Verteidigungsanlagen und Ausrüstung wiesen Lücken auf. Die Luftwaffe konnte wegen Koordinierungsproblemen ihre Wirkung nicht voll entfalten. Der Tod von Kommandeuren verschärfte das Chaos zusätzlich.
Die Folgen endeten nicht am Zaun des Militärpostens.
Nachdem Paga überrannt worden war, konnten Terroristen weiter nach Be’eri eindringen. Dort wurden nach den mittlerweile zusammengeführten israelischen Untersuchungen 101 Zivilisten und 31 Angehörige von Sicherheitskräften getötet. Dutzende Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.
Damit fügt der neue Bericht dem Gesamtbild des 7. Oktober ein weiteres entscheidendes Element hinzu. haOlam hatte bereits über die inzwischen zahlreichen militärischen Untersuchungen berichtet. Sie zeigen inzwischen ein wiederkehrendes Muster: Hamas war keineswegs unbesiegbar. Aber Israel hatte sich auf einen Gegner vorbereitet, von dem die eigene Führung annahm, dass er einen Angriff dieser Größenordnung nicht wagen würde.
Diese Annahme erwies sich als katastrophal.
Gleichzeitig wäre es falsch, aus der Aufarbeitung eine Umkehrung von Täter und Opfer zu machen. Nicht die IDF griff am 7. Oktober israelische Ortschaften an. Hamas plante den Angriff, durchbrach die Grenze, ermordete rund 1.200 Menschen und verschleppte 251 Geiseln.
Israel untersucht heute, weshalb es seine Bürger an diesem Morgen nicht schützen konnte.
Gerade darin liegt die Bedeutung dieser Berichte: Ein demokratischer Staat muss auch dann untersuchen, was in seinen eigenen Reihen schiefgelaufen ist, wenn die Verantwortung für das Massaker selbst eindeutig bei den Terroristen liegt.
Die Untersuchung von Paga beantwortet viele operative Fragen. Sie unterstreicht aber zugleich, warum die Aufarbeitung des 7. Oktober noch nicht beendet sein kann. Militärische Einzeluntersuchungen rekonstruieren Gefechte, Befehle und Versäumnisse. Die größere Frage, wie politische, geheimdienstliche und militärische Fehleinschätzungen über Jahre zusammenwirkten, reicht darüber hinaus.
Für die Familien der Gefallenen bleibt vor allem ein bitterer Befund: Die Soldaten von Paga wurden in einen Kampf geschickt, auf dessen tatsächliche Dimension sie nicht vorbereitet worden waren.
Viele von ihnen kämpften trotzdem bis zum letzten möglichen Augenblick.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 24. September 2026