Während Abbas Reformen verspricht: Fatah trägt die „Botschaft“ von Dalal Mughrabi weiter

Während Abbas Reformen verspricht: Fatah trägt die „Botschaft“ von Dalal Mughrabi weiter


Ein Mitglied des Fatah-Revolutionsrates erklärt, die Bewegung trage weiter die „Botschaft der Märtyrer und Gefangenen“. Als wichtigste Namen nennt er Dalal Mughrabi und Marwan Barghouti. Das ist keine Randgruppe, sondern die Partei, die die Palästinensische Autonomiebehörde beherrscht.

Während Abbas Reformen verspricht: Fatah trägt die „Botschaft“ von Dalal Mughrabi weiter
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Im Westen präsentiert sich die Palästinensische AutonomiebehördePLO: Die Organisation zwischen Terrorgeschichte, Oslo und MachtverlustDie PLO ist die Palästinensische Befreiungsorganisation. Sie wurde 1964 gegründet, wurde später international als Vertreterin der Palästinenser anerkannt und spielte im Oslo-Prozess eine zentrale Rolle.Mehr lesen gern als politische Alternative zur HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen. Mahmoud Abbas spricht von Diplomatie, Reformen und künftigen Wahlen. Innerhalb seiner eigenen FatahFatah: Von Arafats Kampfbewegung zur erstarrten Machtpartei der PalästinenserFatah ist eine säkular-nationalistische palästinensische Bewegung, die Ende der 1950er Jahre um Jassir Arafat entstand. Sie wurde zur dominierenden Kraft in der PLO und prägt bis heute die Palästinensische Autonomiebehörde.Mehr lesen klingt die Sprache weiterhin erheblich anders.

Palestinian Media Watch hat einen Beitrag dokumentiert, den die Informations- und Kulturkommission der Fatah am 7. August auf Facebook veröffentlicht haben soll. Darin wird Rateb Hreibat, Mitglied des Fatah-Revolutionsrates, mit einer bemerkenswerten Aussage wiedergegeben.

Die Fatah, so Hreibat bei einer Veranstaltung in Yatta, trage weiterhin die „Botschaft der Märtyrer und Gefangenen“. Zwei Namen hebt er dabei ausdrücklich hervor: Dalal Mughrabi und Marwan Barghouti.

Man muss die Interpretation von Palestinian Media Watch nicht übernehmen, um zu verstehen, was daran problematisch ist. Entscheidend ist, wen die Fatah selbst als Träger dieser „Botschaft“ nennt.

Dalal Mughrabi gehörte zu der Fatah-Gruppe, die am 11. März 1978 den Küstenstraßen-Anschlag in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen verübte. Die Terroristen landeten an der israelischen Küste, ermordeten zunächst Menschen auf ihrem Weg und kaperten schließlich einen Bus. 38 israelische Zivilisten kamen ums Leben, darunter 13 Kinder.

Dass Mughrabi innerhalb der Fatah bis heute verehrt wird, ist keine neue Behauptung eines israelischen Beobachters. Selbst das US-Außenministerium dokumentierte bereits, dass offizielle beziehungsweise Fatah-nahe palästinensische Medien sie als Heldin feiern. Belgien stoppte einst sogar Gelder für palästinensische Schulprojekte, nachdem eine mit belgischem Geld errichtete Schule nach Mughrabi benannt worden war.

Mehr als 48 Jahre nach dem Massaker steht sie nun erneut ganz vorne, wenn ein führender Fatah-Funktionär davon spricht, welche „Botschaft“ die Bewegung weitertragen wolle.

Der zweite Name ist Marwan Barghouti.

Barghouti wurde 2004 von einem israelischen Gericht wegen seiner Verantwortung für fünf Morde in drei Anschlägen verurteilt. Hinzu kamen versuchter Mord und Mitgliedschaft in einer Terrororganisation. Er erhielt fünf lebenslange Freiheitsstrafen sowie weitere 40 Jahre. Barghouti erkennt das israelische Gericht und dessen Urteil bis heute nicht an.

Politisch ist er keineswegs eine Figur aus der Vergangenheit.

Bei der Fatah-Konferenz im Mai dieses Jahres erhielt Barghouti bei der Wahl zum Zentralkomitee 1.893 Stimmen und damit mehr als jeder andere Kandidat. Das meldete die offizielle palästinensische Nachrichtenagentur WAFA. Mahmoud Abbas wurde auf derselben Konferenz einstimmig als Fatah-Chef bestätigt.

Das ist wichtig, weil dadurch eine bequeme Erklärung wegfällt: Es handelt sich nicht um nostalgische Äußerungen irgendeines bedeutungslosen lokalen Aktivisten.

Auch Rateb Hreibat gehört inzwischen zum Revolutionsrat der Fatah. Und selbst palästinensische Quellen beschreiben seine Vergangenheit ziemlich eindeutig. Der Palästinensische Gefangenenclub berichtete bereits 2022, Hreibat sei 2002 wegen seiner Tätigkeit für die Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden festgenommen und zu 22 Jahren Haft verurteilt worden. Im Mai wurde er in den Revolutionsrat gewählt.

Damit sitzen Vergangenheit und Gegenwart der Fatah im selben Raum.

Das Problem ist größer als ein einzelner Satz

Natürlich bedeutet die Formel von der „Botschaft der Märtyrer und Gefangenen“ nicht automatisch, dass Fatah morgen einen neuen Küstenstraßen-Anschlag fordert. Wer seriös berichtet, sollte auch das nicht hineinlesen.

Aber politische Bewegungen entscheiden selbst, welche Personen sie zu Symbolen machen.

Und genau deshalb ist die Auswahl so aufschlussreich.

Wenn eine Partei Frieden, Reformen und internationale Anerkennung verlangt, gleichzeitig aber Dalal Mughrabi als „Märtyrerin“ hervorhebt und ihre „Botschaft“ weitertragen will, muss sie sich die Frage gefallen lassen, was diese Botschaft eigentlich sein soll.

Bei Mughrabi ist die historische Bilanz bekannt: 38 tote Zivilisten, darunter 13 Kinder.

Bei Barghouti ist ebenfalls bekannt, weshalb er im Gefängnis sitzt: Ein Gericht verurteilte ihn wegen fünf Morden. Trotzdem erhielt er vor wenigen Monaten die meisten Stimmen bei der Wahl zum höchsten Führungsgremium der Fatah.

Das passt schlecht zu dem Bild, das Ramallah international vermitteln möchte.

Die Unterschiede zwischen Fatah und Hamas sind real. Fatah regiert nicht wie Hamas in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen, sie führt derzeit keinen offenen Krieg gegen Israel und Abbas setzt international auf Diplomatie statt auf die islamistische Ideologie der Hamas.

Aber daraus folgt nicht, dass die politische Kultur der Fatah deshalb automatisch friedlich oder frei von Terrorverherrlichung wäre.

Genau hier liegt ein Problem, das in der europäischen Debatte regelmäßig zu kurz kommt.

Von Israel wird verlangt, die Palästinensische Autonomiebehörde als Partner einer künftigen Friedensordnung zu akzeptieren. Gleichzeitig wird erstaunlich selten gefragt, welche politischen Vorbilder diese angeblich moderate Alternative ihrer eigenen Bevölkerung präsentiert.

Der aktuelle Fatah-Beitrag liefert darauf eine ziemlich unbequeme Antwort.

Nicht irgendein historischer Freiheitskämpfer wird genannt.

Sondern Dalal Mughrabi.

Und nicht irgendein Gefangener.

Sondern Marwan Barghouti.

Wer Verhandlungen ernst meint, muss irgendwann auch bereit sein, Mörder nicht länger zu nationalen Vorbildern zu erklären.

Sonst bleibt der Unterschied zwischen Friedensrhetorik nach außen und der eigenen politischen Botschaft im Inneren zu groß, um ihn einfach zu übersehen.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 25. August 2026

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