Trump hat Israel nicht verraten. Er hat Amerika gewählt
Der Iran-Deal ist für Israel gefährlich, aber nicht überraschend. Die bittere Lehre lautet: Jerusalem darf seine Sicherheit nie als Nebenprodukt amerikanischer Interessen behandeln.

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In IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen wird seit Tagen von Verrat gesprochen. Donald Trump habe Israel im Iran-Krieg 2026 fallen lassen, heißt es in Kommentaren, Talkshows und politischen Reaktionen. Der Ärger ist verständlich. Der neue Kurs Washingtons gegenüber Teheran wirft harte Fragen auf: Was geschieht mit Irans hochangereichertem Uran? Was wird aus dem Raketenprogramm? Wer stoppt HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, wenn Teheran wieder Luft bekommt? Und wie viel Handlungsfreiheit bleibt Israel im Libanon, wenn Washington die Feuerpause dort in ein größeres Iran-Paket einbindet?
Doch Yaakov Katz stellt in der JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post eine unbequeme Frage: War es Israels Fehler zu glauben, Trumps Iran-Politik sei überhaupt in erster Linie für Israel gemacht gewesen? Seine Antwort ist hart, aber richtig. Die Vereinigten Staaten handeln nach amerikanischen Interessen. Nicht nach israelischen. Das sollte selbstverständlich sein, wird aber in Jerusalem manchmal vergessen, sobald Washington und Israel zeitweise in dieselbe Richtung marschieren.
Am Anfang des Krieges lagen die Interessen fast deckungsgleich. Israel und die USA wollten Irans militärische Fähigkeiten schwächen, das Raketenprogramm beschädigen, die nukleare Bedrohung zurückdrängen und ein Regime treffen, das seit Jahren Terrorarmeen in der Region finanziert. Doch als Teheran die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen zum Druckmittel machte, änderte sich der amerikanische Blick. Für Trump wurde nicht mehr zuerst die Frage entscheidend, wie weit der iranische Machtapparat geschwächt werden kann. Entscheidend wurden Schifffahrt, Energiepreise, Kosten, Dauer und der politische Wunsch nach einem Ausstieg. Reuters berichtete aktuell, dass Iran nach einem Angriff nahe OmanStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen erneut sein Recht betont, den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus zu kontrollieren. Genau dort liegt der Punkt: Für Washington ist Hormus WeltwirtschaftStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen. Für Israel ist Iran Existenzfrage.
Das ist kein Plädoyer für Trumps Abkommen. Im Gegenteil. Ein Deal, der Iran Zeit verschafft, den Atomstreit vertagt, die Stellvertreterfronten unzureichend behandelt und Israel im Libanon einschränkt, bleibt gefährlich. Aber man muss den Fehler richtig benennen. Das Problem ist nicht, dass Amerika amerikanisch handelt. Das Problem wäre, wenn Israel daraus nicht die nötige Konsequenz zieht.
Israel muss jetzt zwei Dinge gleichzeitig tun. Erstens darf es seine militärische Handlungsfreiheit nicht preisgeben, besonders nicht im Libanon. Eine Feuerpause, die faktisch von Iran diktiert und von Washington politisch abgesichert wird, wäre für die Nordgrenze Israels ein gefährliches Geschenk an die Hisbollah. Zweitens muss Israel die neue Lage nutzen, statt nur über Enttäuschung zu sprechen. Wer sich in der Sprache des Verrats einrichtet, verliert Zeit. Und Zeit ist genau das, was Iran, Hisbollah und Hamas immer wieder brauchen.
Ein Schlüssel liegt in regionalen Projekten, die Israel nicht nur als militärischen Verbündeten, sondern als wirtschaftlichen Knotenpunkt unverzichtbar machen. Dazu gehört I2U2, das Forum aus Indien, Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten und den USA. Die vier Staaten hatten 2022 eine Zusammenarbeit bei Wasser, Energie, Verkehr, Raumfahrt, Gesundheit und Ernährungssicherheit angekündigt. Dieses Format blieb bisher weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Gerade jetzt müsste es wiederbelebt werden.
Noch wichtiger ist der India-Middle East-Europe Economic Corridor, kurz IMEC. Das Projekt wurde 2023 beim G20-Gipfel in Neu-Delhi angekündigt und soll Indien über die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Jordanien und Israel mit Europa verbinden. Es geht um Häfen, Schienen, Energie, Daten und Handel. AP beschrieb das Projekt als Korridor, der Handel, Energieversorgung und digitale Verbindungen stärken soll. Für Israel wäre IMEC mehr als Infrastruktur. Es wäre strategische Tiefe. Wer Waren, Energie und Daten durch Israel leitet, stärkt Israels Bedeutung für Indien, den Golf, Europa und die USA.
Aber genau hier beginnt das israelische Problem. Große Pläne scheitern nicht nur an Feinden. Sie scheitern oft an Bürokratie. Wer ist in Israel wirklich zuständig? Außenministerium, Verkehrsministerium, Verteidigungsministerium, Nationaler Sicherheitsrat? Wenn alle zuständig sind, ist am Ende niemand verantwortlich. Israel braucht für IMEC einen starken Koordinator mit politischem Mandat, der Zoll, Sicherheit, Häfen, Schienen, Steuerfragen, Transitregeln und internationale Abkommen zusammenführt. Sonst bleibt ausgerechnet das Projekt, das Israel strategisch aufwerten könnte, eine schöne Grafik auf Regierungspapier.
Auch Aserbaidschan gehört in diese neue Rechnung. SOCAR, der staatliche Energiekonzern Aserbaidschans, hat 2025 einen Anteil von zehn Prozent am israelischen Tamar-Gasfeld übernommen. Globes bezifferte den Deal auf rund 1,25 Milliarden Dollar. Das ist nicht nur ein Energiegeschäft. Es verbindet Israel, Aserbaidschan und indirekt auch regionale Akteure, die Gesprächskanäle öffnen können, etwa in Richtung Türkei. Nach dem 7. Oktober sind die Beziehungen zwischen Jerusalem und Ankara tief gefallen. Doch Energieinteressen und Vermittler wie Baku können manchmal Türen öffnen, die politisch geschlossen wirken.
Niemand sollte daraus Naivität machen. Erdogan bleibt ein schwieriger Akteur. Iran bleibt eine Bedrohung. Hisbollah bleibt eine Terrorarmee an Israels Nordgrenze. Hamas bleibt Teil desselben regionalen Netzes. Doch Israel darf seine Zukunft nicht allein als militärische Reaktion denken. Es braucht Abschreckung, aber auch Korridore. Es braucht Luftschläge, wenn Gefahr unmittelbar wird, aber auch Verträge, Häfen, Schienen, Strom, Gas, Daten und Partner, die ein Interesse daran haben, dass Israel stark bleibt.
Der wichtigste Satz dieser Woche lautet daher nicht: Trump hat Israel verraten. Der wichtigste Satz lautet: Israel darf nie vergessen, dass selbst der engste Verbündete eigene Interessen hat.
Das ist keine Katastrophe. Das ist internationale Politik.
Für Israel bedeutet es: weniger Kränkung, mehr Strategie. Weniger Warten auf Washington, mehr eigenes Handeln. Weniger Hoffnung, dass ein amerikanischer Präsident die israelische Sicherheitslage zu seiner persönlichen Mission macht. Mehr Aufbau einer Lage, in der Israel für seine Partner unersetzlich wird.
Der Iran-Deal mag schlecht sein. Aber die Antwort darauf darf nicht nur Wut sein. Sie muss ein Plan sein.
Autor: Bernd Geiger
Artikel veröffentlicht am: Samstag, 27. Juni 2026