Gelöschte Nova-Akten: Israel braucht Aufklärung, keine Lücken im Polizeisystem
KAN berichtet von gelöschten Polizeidateien zum Nova-Festival. Wer die Dokumente entfernte, ist unklar. Für die Familien der Opfer ist das mehr als eine technische Panne.

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IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen steht fast drei Jahre nach dem 7. Oktober vor einer weiteren schmerzhaften Frage zur Aufarbeitung des Nova-Massakers. Nach einem Bericht von KAN News wurden mehrere Polizeidokumente zum Sicherheits- und Genehmigungsverfahren des Nova-Musikfestivals aus dem Computersystem der israelischen Polizei gelöscht. Die Löschung soll im Januar 2024 erfolgt sein. Bislang ist unklar, wer die Dateien entfernte, warum sie gelöscht wurden und ob Kopien an anderer Stelle existieren.
Der Vorgang trifft einen der empfindlichsten Punkte der israelischen Öffentlichkeit. Das Nova-Festival bei Re’im wurde am 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen zu einem der grausamsten Tatorte des HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Massakers. Hunderte junge Menschen wurden ermordet, weitere verschleppt, verletzt oder traumatisiert. Für die Angehörigen ist jede Akte, jede Funkmeldung, jedes Protokoll und jede Genehmigung nicht bloß Verwaltungsmaterial. Es geht um die Frage, wie ein so großes ziviles Ereignis in unmittelbarer Nähe zum GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen genehmigt, abgesichert und am Ende ungeschützt in die Katastrophe geraten konnte.
Nach den von KAN veröffentlichten Angaben begann die Dokumentenliste zum Nova-Festival Anfang September 2023. Am 6. September lag demnach eine Genehmigung des israelischen Rettungsdienstes Magen David Adom vor. Einen Tag später wurde formal die Genehmigung für die Veranstaltung beantragt. In den folgenden Wochen kamen Unterlagen zu Sicherheitsvorkehrungen, Polizei, Feuerwehr und weiteren Anforderungen hinzu. KAN berichtet nun, dass mindestens 20 Dateien entfernt worden seien, darunter Dokumente mit der Bezeichnung „Event requirements“, also Anforderungen an die Veranstaltung. Einige dieser Dateien sollen am 20. September, andere am 5. Oktober und weitere sogar nach Kriegsbeginn am 13. und 29. Oktober in das System eingetragen worden sein.
Gerade diese Daten machen den Vorgang so heikel. Wenn Unterlagen nach dem Massaker ergänzt, verändert oder später gelöscht wurden, muss der Ablauf vollständig nachvollziehbar sein. Nicht, weil jeder Beamte unter Generalverdacht gehört. Nicht, weil die Polizei am 7. Oktober nicht auch unter unvorstellbaren Bedingungen gekämpft hätte. Viele Polizisten stellten sich den Terroristen entgegen, retteten Zivilisten und bezahlten mit ihrem Leben. Aber genau diese Opferbereitschaft darf nicht als Schutzschild gegen Aufklärung dienen. Heldentum einzelner Beamter ersetzt keine saubere Dokumentation.
Die Polizei reagierte scharf auf den Bericht. Die dargestellten Informationen zeigten ein grundlegendes Missverständnis des Polizeisystems, hieß es sinngemäß. Der Bericht diene dazu, Schuld auf die Polizei zu lenken, obwohl Polizisten und Kommandeure den Staat vor einer Ausweitung des Massakers bewahrt und viele Bürger unter Lebensgefahr gerettet hätten. Dabei seien 58 Polizisten und Kämpfer gefallen.
Dieser Hinweis ist wichtig. Am 7. Oktober standen Polizeikräfte an vielen Orten fast allein gegen schwer bewaffnete Terroristen. Ohne sie wäre die Zahl der Opfer noch höher gewesen. Doch das beantwortet nicht die zentrale Frage des KAN-Berichts. Wenn Dateien aus einem offiziellen System gelöscht wurden, muss geklärt werden, ob es sich um eine technische Routine, eine fehlerhafte Datenverwaltung, eine bewusste Entfernung oder einen anderen Vorgang handelte. Gerade weil die Polizei Opfer gebracht hat, muss sie ein Interesse daran haben, jeden Verdacht einer Aktenlücke auszuräumen.
Die Nova-Aufarbeitung war von Anfang an besonders schwierig. Frühere Berichte und Untersuchungen warfen Fragen dazu auf, wer von der Veranstaltung wusste, wie die Sicherheitslage eingeschätzt wurde, ob das Militär ausreichend informiert war und warum die Gefahr am Vorabend nicht anders bewertet wurde. Die Debatte ist schmerzhaft, weil sie zwei Wahrheiten nebeneinander aushalten muss: Die Schuld am Massaker liegt bei der Hamas. Gleichzeitig muss Israel klären, welche staatlichen Fehler dazu beitrugen, dass so viele Zivilisten schutzlos blieben.
Genau darin liegt der Unterschied zwischen SchuldumkehrTäter-Opfer-Umkehr: Wenn Schuld gezielt verdreht wirdTäter-Opfer-Umkehr bezeichnet die Verdrehung von Verantwortung: Täter werden entlastet, Opfer beschuldigt oder moralisch auf die Seite der Täter gerückt. Im Antisemitismus zeigt sich dieses Muster besonders bei Holocaust-Relativierung, Israelhass und der Rechtfertigung von Gewalt gegen Juden oder Israelis.Mehr lesen und Aufklärung. Niemand darf die Verantwortung der Hamas verwischen. Die Terroristen kamen, um Juden und Israelis zu ermorden. Sie jagten Menschen, erschossen Flüchtende, verschleppten Zivilisten und machten ein Musikfestival zu einem Schlachtfeld. Aber ein Staat, der seine Bürger schützen will, muss nach einem solchen Versagen jede Akte öffnen, jeden Entscheidungsweg prüfen und jede Lücke erklären. Nicht für die Feinde Israels. Für die eigenen Bürger.
Für die Familien der Nova-Opfer ist der Bericht deshalb kaum als bloße IT-Frage zu lesen. Sie haben Anspruch darauf zu wissen, wie die Veranstaltung genehmigt wurde, welche Sicherheitsauflagen galten, wer welche Warnungen kannte und warum am Ende keine ausreichende Schutzkette bestand. Wenn Dokumente fehlen, entsteht Misstrauen. Wenn Misstrauen entsteht, wächst der Schmerz. Und wenn Behörden dann vor allem mit Verteidigung reagieren, statt die Aktenlage glasklar offenzulegen, wird die Wunde tiefer.
Israel ist stark, weil es sich solchen Fragen stellen kann. Der jüdische Staat kämpft gegen Terror, Iran, HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und internationale Verleumdung. Aber seine innere Stärke hängt auch davon ab, ob Behörden nach dem größten Sicherheitsversagen der Landesgeschichte offenlegen, was geschah. Gerade in einem Krieg darf Wahrheit nicht als Schwächung gelten. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Vertrauen zurückkehren kann.
Gelöschte Nova-Dateien sind deshalb kein Randdetail. Sie berühren den Kern der Verantwortung. Wer hat vor dem 7. Oktober entschieden? Wer hat nach dem 7. Oktober dokumentiert? Wer hat im Januar 2024 gelöscht? Und wo sind die Kopien?
Die Antworten müssen kommen. Nicht irgendwann, nicht in Andeutungen, nicht hinter institutioneller Abwehr. Sondern klar, belegbar und öffentlich nachvollziehbar. Die Toten von Nova verdienen keine Aktenlücken.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Freitag, 26. Juni 2026