Iran liefert Zielinformationen für Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien

Iran liefert Zielinformationen für Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien


Neue Recherchen zeigen, wie eng Teheran die Huthi-Miliz bei Raketen- und Drohnenangriffen unterstützt. Die jüngsten Attacken auf saudische Flughäfen und Energieanlagen verdeutlichen, wie gefährlich diese Zusammenarbeit geworden ist.

Iran liefert Zielinformationen für Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Das iranische Regime unterstützt die Huthi-MilizHuthi: Terrororganisation des Iran-Netzwerks im JemenDie Huthi, auch Ansar Allah genannt, sind eine schiitisch-islamistische Terrororganisation aus dem Jemen. Sie kontrollieren große Teile des Nordwestens, werden vom Iran unterstützt und bedrohen Israel sowie die internationale Schifffahrt im Roten Meer.Mehr lesen im Jemen offenbar wesentlich direkter bei ihren Angriffen auf Saudi-Arabien als bislang öffentlich bekannt. Nach Recherchen des Wall Street Journal liefert Teheran Informationen zur Zielauswahl für Raketen- und Drohnenangriffe. Hinzu kommen militärische Ausbildung, nachrichtendienstliche Unterstützung und taktische Beratung durch iranische Kräfte und verbündete Organisationen. Die neuen Erkenntnisse werfen ein weiteres Licht auf die Angriffswelle, die Saudi-Arabien seit Anfang Oktober erschüttert.

Die Recherchen stützen sich auf Personen, die mit Erkenntnissen saudischer Nachrichtendienste und der jemenitischen Anti-Huthi-Koalition vertraut sind. Demnach hilft Iran der Miliz nicht allein durch die Bereitstellung von Waffen und Technik. Die Unterstützung reicht bis in die operative Vorbereitung militärischer Angriffe hinein.

Danny Citrinowicz, ehemaliger Leiter des Iran-Referats im israelischen Militärnachrichtendienst, beschreibt die nachrichtendienstliche Verbindung als außerordentlich eng. Iran profitiere von den Erfolgen der Huthi, weil diese Saudi-Arabien schwächten und gleichzeitig steigende Ölpreise begünstigten. Die Zusammenarbeit beruhe daher auf gemeinsamen strategischen Interessen und nicht lediglich auf dem Verhältnis zwischen einem Geldgeber und einer abhängigen Miliz.

Die jüngsten Angriffe verdeutlichen die Folgen dieser Zusammenarbeit. Am 10. Oktober schlug eine Rakete am internationalen Flughafen King Khalid in Riad ein. Nach Angaben saudischer Behörden starben zunächst zwölf Menschen, mehr als 300 wurden verletzt. Bei einem weiteren Angriff am folgenden Tag kam ein weiterer Mensch ums Leben. Auch der Geschäftsbetrieb und der Flugverkehr waren erheblich betroffen.

Zudem griffen die Huthi saudische Energieeinrichtungen an, darunter Anlagen des staatlichen Ölkonzerns Aramco. Damit richtet sich die Offensive nicht ausschließlich gegen militärische Ziele. Sie bedroht die zivile Infrastruktur, den internationalen Luftverkehr und Einrichtungen, deren Ausfall weit über Saudi-Arabien hinaus wirtschaftliche Folgen haben kann.

Teherans Unterstützung reicht bis zur Zielauswahl

Der entscheidende neue Befund betrifft die konkrete Zusammenarbeit zwischen iranischen Kräften und den Huthi. Wer einer bewaffneten Miliz lediglich Waffen liefert, trägt bereits zur Stärkung ihrer militärischen Fähigkeiten bei. Wer darüber hinaus Informationen für die Auswahl und Bekämpfung bestimmter Ziele bereitstellt, wirkt unmittelbar an der Planung ihrer Operationen mit.

Genau diese Form der Unterstützung beschreiben die nun veröffentlichten Recherchen.

Der Jemen-Experte Adam Baron vom amerikanischen Forschungsinstitut New America führt die jüngsten militärischen Geländegewinne der Huthi ausdrücklich auf Unterstützung von außen zurück. Iran und weitere Akteure der sogenannten Achse des WiderstandsAchse des Widerstands: Irans Terrornetzwerk gegen Israel„Achse des Widerstands“ ist die Eigenbezeichnung eines von Iran unterstützten Netzwerks aus Terrororganisationen und Milizen. Dazu zählen unter anderem Hisbollah, Hamas, Islamischer Dschihad, Huthi und proiranische Milizen im Irak und in Syrien. Das Netzwerk bedroht Israel mit Raketen, Drohnen, Terroranschlägen und Stellvertreterkrieg.Mehr lesen hätten Voraussetzungen geschaffen, die schnelle militärische Erfolge ermöglichten.

Die Huthi konnten ihre Angriffe in den vergangenen Wochen ausweiten und zugleich ihre Stellung im Jemen stärken. Die Kämpfe um strategisch wichtige Gebiete, insbesondere im Südwesten des Landes, haben sich erheblich verschärft. Bei der Stadt Taiz versuchen Huthi-Kräfte, die verbliebenen Verbindungen zu den von ihren Gegnern kontrollierten Gebieten abzuschneiden.

Von besonderer Bedeutung ist die Region um die Meerenge Bab al-Mandab. Dort verläuft eine der wichtigsten internationalen Schifffahrtsrouten zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden. Wer diese Verbindung bedrohen kann, verfügt über ein erhebliches Druckmittel gegenüber Handelsschifffahrt, Energieunternehmen und zahlreichen Staaten.

Auch die Angriffe auf Saudi-Arabien passen in dieses strategische Bild. Riad unterstützt die international anerkannte Regierung des Jemen und ist einer der wichtigsten regionalen Gegenspieler Teherans. Angriffe auf saudische Flughäfen, Energieanlagen und andere zentrale Einrichtungen können deshalb gleichzeitig militärischen, politischen und wirtschaftlichen Druck erzeugen.

Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten müssen sich damit nicht nur auf mögliche iranische Aktionen im Persischen Golf einstellen. Iran kann über bewaffnete Partner zusätzliche Konfliktgebiete öffnen und seinen Gegnern an mehreren Fronten Kosten verursachen.

Iran bestreitet Verantwortung, seine Revolutionsgarden begrüßen die Angriffe

Offiziell weist Teheran eine operative Verantwortung für die Huthi-Angriffe zurück. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmail Baghaei, erklärte bereits im September, die Huthi handelten unabhängig und träfen ihre Entscheidungen anhand eigener Interessen.

Diese Darstellung steht nun den Erkenntnissen gegenüber, auf die sich das Wall Street Journal beruft. Während die iranische Regierung direkte Einflussnahme bestreitet, haben Vertreter der RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen die jüngsten militärischen Erfolge der Huthi öffentlich gelobt.

Die Diskrepanz ist politisch bedeutsam. Iran kann einerseits die Eigenständigkeit verbündeter Organisationen betonen und andererseits von deren militärischem Vorgehen profitieren. Die neuen Berichte deuten jedoch darauf hin, dass die iranische Rolle über politische Zustimmung und allgemeine materielle Unterstützung hinausgeht.

Eine abschließende unabhängige Überprüfung sämtlicher nachrichtendienstlicher Angaben liegt öffentlich nicht vor. Die dokumentierten Waffenbeziehungen zwischen Iran und den Huthi sowie die Einschätzungen mehrerer Sicherheitsexperten stützen allerdings das Bild einer über Jahre gewachsenen engen militärischen Kooperation.

Für Saudi-Arabien hat die neue Dimension unmittelbare Bedeutung. Ein Gegner, der auf externe Zielinformationen, militärisches Fachwissen und fortgeschrittene Raketen- und Drohnentechnik zurückgreifen kann, lässt sich nicht allein durch Grenzsicherung oder Luftangriffe auf einzelne Abschussstellungen stoppen.

Hinzu kommt die Belastung der Luftverteidigung. Wiederholte Angriffe mit Raketen und Drohnen können selbst gut ausgerüstete Verteidigungssysteme unter Druck setzen. Besonders gefährdet sind Flughäfen, Häfen, Ölterminals und dicht besiedelte Ballungsräume.

Die jüngsten Opferzahlen am Flughafen von Riad verdeutlichen, dass solche Angriffe keineswegs nur wirtschaftliche Schäden verursachen. Sie treffen unmittelbar Menschen, die sich in ziviler Infrastruktur aufhalten.

Für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen bestätigt die Entwicklung zugleich die sicherheitspolitische Bedeutung des iranischen Netzwerks bewaffneter Organisationen. Teheran stützt seit Jahren die HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen im Libanon, die HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und weitere bewaffnete Gruppen. Die Huthi haben sich darüber hinaus zu einem Akteur entwickelt, der Israel, Saudi-Arabien und internationale Handelswege bedrohen kann.

Die Angriffe auf Saudi-Arabien zeigen, dass dieses Netzwerk nicht ausschließlich auf den Konflikt mit Israel ausgerichtet ist. Es dient auch dazu, andere regionale Gegner Irans unter Druck zu setzen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr nur, über wie viele Raketen und Drohnen die Huthi verfügen. Entscheidend ist ebenso, wer ihnen dabei hilft, diese Waffen gezielt einzusetzen.

Sollten sich die Angaben über iranische Zielinformationen in vollem Umfang bestätigen, wäre Teherans unmittelbare Mitwirkung an den jüngsten Angriffen deutlich größer, als die iranische Regierung öffentlich einräumt.

Für die Opfer der Angriffe macht es keinen Unterschied, ob eine Rakete von einem iranischen Soldaten oder einem Huthi-Kämpfer gestartet wurde. Für die politische und militärische Verantwortlichkeit ist jedoch entscheidend, wer Zielinformationen bereitstellt, Angriffe vorbereitet und die dafür notwendigen Fähigkeiten schafft.

Die neuen Recherchen legen nahe, dass das iranische Regime an genau diesen Punkten eine zentrale Rolle spielt. Damit erhält die Eskalation im Jemen eine zusätzliche regionale Dimension, deren Folgen längst weit über die Grenzen des Landes hinausreichen.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Samstag, 17. Oktober 2026

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