Washington dreht Iran den Geldhahn zu

Washington dreht Iran den Geldhahn zu


Mit der „Operation Economic Outcast“ greift Washington Irans Militär, Cyberstrukturen und Ölhandel gleichzeitig an. Teheran reagiert bereits mit Drohungen gegen amerikanische Interessen und wichtige Energierouten.

Washington dreht Iran den Geldhahn zu
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Die Vereinigten Staaten haben ihre wirtschaftliche Offensive gegen das iranische Regime erheblich ausgeweitet. Mit der neuen „Operation Economic Outcast“ nimmt Washington nicht mehr nur einzelne Unternehmen oder Funktionäre ins Visier, sondern versucht gleichzeitig, militärische Beschaffung, Cyberaktivitäten, Waffenprogramme und den illegalen Ölhandel Irans zu treffen.

Das amerikanische Außenministerium verhängte am Montag Sanktionen gegen zahlreiche Personen, Unternehmen und Schiffe, die nach Angaben Washingtons an destabilisierenden Aktivitäten des Regimes beteiligt sind. Dazu gehören iranische Militärvertreter, die Waffen beschafft und Angriffe gegen amerikanische Soldaten und regionale Partner gesteuert haben sollen, Einrichtungen zur Beschaffung von Aufklärungsdaten sowie Netzwerke für Raketenprogramme und den Verkauf iranischer Energieprodukte.

Außenamtssprecher Tommy Pigott erklärte, die Vereinigten Staaten würden Strukturen aufdecken und zerschlagen, die Irans militärische Aufrüstung, seine Cyberoperationen und den illegalen Ölhandel ermöglichten. Washington betrachtet die Einnahmen aus diesen Geschäften nicht als gewöhnliche Staatseinnahmen. Nach Darstellung der US-Regierung finanzieren sie Waffenprogramme, Terrororganisationen und die militärische Machtprojektion Teherans in der Region.

Die Maßnahmen sind Teil einer deutlich größeren Strategie. Finanzminister Scott Bessent hatte am selben Tag den Beginn der „Operation Economic Outcast“ angekündigt. Das Ziel formulierte er ungewöhnlich offen: Sämtliche wirtschaftlichen Lebensadern des Regimes sollen durchtrennt werden, bis Teheran international weitgehend isoliert ist. Die Kampagne richtet sich ausdrücklich nicht nur gegen iranische Unternehmen, sondern auch gegen ausländische Helfer, Händler und Finanzstrukturen.

Satellitenbilder, Raketen und die Schattenflotte

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf iranischen Strukturen, die unmittelbar an militärischen Operationen beteiligt gewesen sein sollen. Unter den sanktionierten Einrichtungen befindet sich das Unternehmen DadeNegar Startup Studio. Nach Angaben der USA beschaffte es kommerzielle chinesische Satellitenbilder, die dem iranischen Militär dabei geholfen haben sollen, amerikanische und verbündete Einrichtungen im Nahen Osten ins Visier zu nehmen.

Auch das Cyber-Electronic Command der Islamischen RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen wurde erfasst. Washington wirft der Einheit vor, Informationen über amerikanische Streitkräfte und Militärstandorte gesammelt und damit iranische Angriffe unterstützt zu haben.

Daneben wurden sieben hochrangige iranische Funktionäre sanktioniert. Dazu gehören Vertreter des Sicherheitsapparates und führende Militärs, die nach amerikanischer Darstellung an Entscheidungen über Raketen, Drohnen, Waffenbeschaffung und Angriffe auf US-Kräfte beteiligt waren.

Unter ihnen befindet sich Ahmad Vahidi, ein führender Kommandeur der Revolutionsgarden. Auch Ali Abdollahi, der das zentrale Khatam-al-Anbiya-Hauptquartier führt, sowie Verantwortliche der iranischen Luft- und Raumfahrtstreitkräfte und des Verteidigungsministeriums wurden erfasst.

Washington will damit nicht nur einzelne Verantwortliche persönlich treffen. Die Strategie besteht darin, die dahinterstehenden Beschaffungsketten zu unterbrechen. Moderne Raketen und Drohnen entstehen nicht ausschließlich innerhalb Irans. Für zahlreiche Komponenten, Elektronik, Maschinen und Materialien ist das Regime auf internationale Lieferwege, Zwischenhändler und Tarnfirmen angewiesen.

Genau diese Verbindungen sollen zunehmend gefährlich werden.

Wer Iran beliefert, soll nach dem Willen der Trump-Regierung künftig damit rechnen müssen, selbst vom amerikanischen Finanzsystem abgeschnitten zu werden.

Noch größer könnte die Wirkung beim Ölhandel sein.

Iran nutzt seit Jahren eine sogenannte Schattenflotte aus Tankern, wechselnden Eigentümern, Briefkastenfirmen und verschleierten Transportrouten, um Sanktionen zu umgehen. Schiffe schalten Ortungssysteme ab, ändern ihre Registrierungen oder verschleiern die Herkunft ihrer Ladungen. Die Vereinigten Staaten wollen nun Unternehmen und Schiffe treffen, die diese Transporte organisieren oder ermöglichen.

Das amerikanische Außenministerium erklärte, der illegale Handel mit iranischem Erdöl, Erdölprodukten und petrochemischen Erzeugnissen habe dem Regime Einnahmen in Millionenhöhe verschafft. Die damit verbundenen Schiffe würden regelmäßig auf täuschende Transportpraktiken zurückgreifen und dadurch auch andere Schiffe und internationale Handelswege gefährden.

Die neue Offensive baut auf Maßnahmen auf, die Washington bereits in den vergangenen Monaten gegen iranische Schattenbanken, Waffenbeschaffer und Öltransporte verhängt hat. Das Finanzministerium hatte unter anderem Netzwerke ins Visier genommen, die hunderte Millionen Dollar außerhalb regulärer Finanzwege bewegten. Auch Unternehmen in China, Hongkong und anderen Staaten wurden wegen mutmaßlicher Unterstützung iranischer Waffenprogramme oder der Revolutionsgarden sanktioniert.

Teheran antwortet mit Drohungen

Dass die neue amerikanische Strategie Iran empfindlich treffen könnte, lässt sich auch an der Reaktion des Regimes erkennen. Teheran versucht öffentlich den Eindruck zu vermitteln, die Sanktionen seien beherrschbar. Gleichzeitig werden die Drohungen gegenüber Washington schärfer.

Irans Wirtschaftsminister Ali Madanizadeh erklärte im Staatsfernsehen, sein Land sei auf die amerikanischen Maßnahmen vorbereitet. Zugleich bezeichnete er die Sanktionen als „wirtschaftlichen Terrorangriff“ und kündigte an, Iran verfüge über eigene Mittel zur Gegenwehr. Die Verteidigung des Landes sei nicht länger ausschließlich defensiv, die Gegner müssten mit einem Angriff rechnen.

Noch direkter wurde ein Sprecher der Revolutionsgarden. Brigadegeneral Hossein Mohebbi drohte mit schweren Schlägen gegen lebenswichtige amerikanische Interessen und strategische Engstellen der Energieversorgung, falls iranische Infrastruktur bedroht werde. Der iranische Staatssender Press TV verbreitete diese Drohung öffentlich.

Damit zeigt sich das Risiko der amerikanischen Strategie. Washington will den wirtschaftlichen Druck erhöhen, ohne unmittelbar eine neue große militärische Runde zu beginnen. Teheran versucht seinerseits deutlich zu machen, dass wirtschaftlicher Druck militärische Antworten auslösen könne.

Gerade die Energierouten im Persischen Golf werden damit erneut zu einem zentralen Druckmittel. Iran hat bereits in der Vergangenheit mit Behinderungen im Golf und an der Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen gedroht. Die Möglichkeit, den weltweiten EnergiehandelStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen zu stören, gehört zu den wenigen Instrumenten, mit denen Teheran wirtschaftlichen Druck auf die USA und deren Partner übertragen kann.

Washington scheint dieses Risiko bewusst einzugehen.

Bessent sprach nicht von einer begrenzten neuen Sanktionsrunde, sondern von einer umfassenden wirtschaftlichen Kampagne. Rund 60 Personen, Unternehmen und Schiffe wurden zum Auftakt erfasst. Die härtesten möglichen Maßnahmen gegen Staaten und Finanzinstitutionen, die weiter mit Iran handeln, wurden dabei noch nicht vollständig eingesetzt. Washington lässt potenziellen Partnern Teherans zunächst Zeit, ihre Geschäfte zu überprüfen. Wer danach weiterhin zwischen beiden Seiten lavieren will, könnte jedoch vor einer einfachen Entscheidung stehen: Zugang zum amerikanischen Finanzsystem oder Geschäfte mit Iran.

Genau darin liegt die eigentliche Bedeutung der „Operation Economic Outcast“.

Iran hat Jahrzehnte Erfahrung darin gesammelt, Sanktionen zu umgehen. Neue Firmen werden gegründet, Tanker umregistriert, Zahlungen über Zwischenhändler verschoben und Waren über Drittstaaten eingeführt. Washington versucht deshalb nicht mehr nur, Iran selbst zu sanktionieren. Es will die Kosten für jeden erhöhen, der dem Regime bei der Umgehung hilft.

Für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen ist dieser Ansatz von erheblicher Bedeutung. Jede Einnahme, die den Revolutionsgarden entzogen wird, erschwert zugleich die Finanzierung iranischer Raketenprogramme und der von Teheran aufgebauten Terrornetzwerke in der Region. Der wirtschaftliche Druck ersetzt deshalb nicht die militärische Bedrohung durch Iran, kann aber dessen Fähigkeit schwächen, Waffen zu produzieren, Stellvertreter zu finanzieren und zerstörte militärische Fähigkeiten wiederaufzubauen.

Ob die Strategie funktioniert, hängt allerdings nicht allein von Washington ab. Entscheidend wird sein, wie China und andere große Handelspartner reagieren und ob die Vereinigten Staaten tatsächlich bereit sind, auch bedeutende ausländische Unternehmen und Finanzinstitutionen vom Dollar-System auszuschließen.

Genau dort wird sich zeigen, ob „Economic Outcast“ mehr ist als ein neuer Name für alte Sanktionen.

Washington hat angekündigt, Iran wirtschaftlich zu isolieren. Teheran antwortet mit Drohungen gegen amerikanische Interessen und internationale Energierouten. Damit beginnt kein gewöhnlicher Handelsstreit, sondern eine neue Phase der Auseinandersetzung um die Frage, wie lange das iranische Regime seine militärische Macht noch finanzieren kann.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 25. August 2026

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