Iran prahlt mit Öl-Milliarden und droht seinen Nachbarn mit Angriffen

Iran prahlt mit Öl-Milliarden und droht seinen Nachbarn mit Angriffen


Teheran behauptet, die amerikanische Blockade umgangen und binnen Wochen 70 Millionen Barrel Öl ausgeführt zu haben. Zugleich warnt Sicherheitschef Mohsen Rezaee Nachbarstaaten: Wer Washington hilft, dessen Interessen könnten angegriffen werden.

Iran prahlt mit Öl-Milliarden und droht seinen Nachbarn mit Angriffen
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Iran versucht derzeit, zwei völlig unterschiedliche Botschaften gleichzeitig zu verbreiten. Nach außen soll der Eindruck entstehen, die amerikanische Wirtschaftsoffensive laufe ins Leere und Teheran verdiene trotz Sanktionen weiter Milliarden mit seinem Öl. Gleichzeitig droht die Führung jenen Staaten offen mit militärischen Konsequenzen, die sich dem Druck der Vereinigten Staaten anschließen. Mohsen Rezaee, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates und einer der erfahrensten Funktionäre des Regimes, verband beide Botschaften am Samstag in einem langen Interview mit dem staatlichen Sender IRIB. Die amerikanische Blockade sei keineswegs in der Lage gewesen, den iranischen Ölhandel zum Erliegen zu bringen, behauptete er. „Allein in den vergangenen ein oder zwei Monaten haben wir 70 Millionen Barrel Öl ausgeführt“, erklärte Rezaee. Iran habe damit Milliarden verdient und werde auch den neuen wirtschaftlichen Druck aus Washington überwinden. Der Auftritt sollte Stärke demonstrieren. Bei genauerem Hinsehen erzählt die Zahl von 70 Millionen Barrel jedoch eine kompliziertere Geschichte, als Rezaee seinem Publikum glauben machen möchte.

Dass Iran tatsächlich ungefähr diese Menge Öl aus dem Land schaffen konnte, ist keine reine Propagandazahl. Bereits im Juli berichtete das Wall Street Journal unter Berufung auf Schiffsbeobachter, Marktanalysten und United Against Nuclear Iran, dass Teheran während einer vorübergehenden Lockerung der amerikanischen Blockade zwischen Mitte Juni und Mitte Juli ungefähr 70 Millionen Barrel Rohöl in Richtung Asien verschifft habe. Der damalige Marktwert wurde auf fünf bis sechs Milliarden Dollar geschätzt. Rund 20 iranische Tanker machten sich innerhalb dieses begrenzten Zeitfensters auf den Weg, ein erheblicher Teil der Ladungen wurde vor Malaysia von Schiff zu Schiff weitergegeben und war letztlich für chinesische Raffinerien bestimmt. Iran hatte damit eine kurze Öffnung genutzt, um möglichst viel Öl aus seinen Häfen herauszubringen und sich einen finanziellen Puffer zu schaffen. Rezaee präsentiert diese bekannte Exportwelle nun als Beweis dafür, dass die amerikanische Blockade grundsätzlich gescheitert sei. Genau das geben die aktuellen Marktdaten jedoch nicht her.

Seit Washington die Blockade Mitte Juli wieder verschärfte, ist das Bild deutlich schlechter für Teheran geworden. Reuters berichtete erst am Freitag, dass die iranischen Ölangebote für chinesische Käufer massiv zurückgegangen sind. Nach Daten des Analyseunternehmens Kpler sanken die iranischen Ausfuhren im August auf ungefähr 534.000 Barrel pro Tag. Im Durchschnitt des Jahres 2025 waren es noch rund 1,4 Millionen Barrel täglich gewesen. Auch die auf See lagernden iranischen Vorräte schrumpfen. Von zuvor rund 105 Millionen Barrel seien noch etwa 80 Millionen übrig, davon lediglich ungefähr 30 Millionen in asiatischen Gewässern. Chinesische Raffinerien suchen inzwischen verstärkt nach Alternativen aus Brasilien, Irak und anderen Staaten. Das bedeutet nicht, dass Washington den iranischen Ölhandel vollständig unterbunden hätte. Iran besitzt jahrzehntelange Erfahrung mit Scheinfirmen, verschleierten Eigentümerstrukturen, Schiff-zu-Schiff-Transfers und dem Verkauf über Zwischenhändler. Aber die Behauptung, Teheran könne praktisch unbeeinträchtigt weiterverkaufen, steht im deutlichen Widerspruch zu den derzeit beobachteten Liefermengen.

Wer Washington hilft, wird zum möglichen Ziel

Noch brisanter als Rezaees wirtschaftliche Selbstdarstellung sind seine Drohungen gegen andere Staaten. Der iranische Sicherheitschef warnte ausdrücklich alle Nachbarländer davor, sich an dem von Donald Trump angekündigten „Wirtschaftskrieg“ gegen Iran zu beteiligen. Teheran werde zunächst das Gespräch suchen und verlangen, dass sich die betreffende Regierung von den Vereinigten Staaten distanziere. Bleibe sie dennoch Teil der amerikanischen Kampagne, werde Iran reagieren. „Wenn sie weitermachen, werden wir dieses Land angreifen“, sagte Rezaee nach der vom iranischen Staatsfernsehen verbreiteten Fassung. Gegenüber IRIB erklärte er außerdem, Iran könne im Fall einer umfassenden Beteiligung der GolfstaatenStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen verhindern, dass überhaupt noch Öl den Persischen Golf verlasse. Anadolu zitierte ihn mit der Warnung, dann werde „kein einziger Tropfen Öl“ mehr durch den Persischen Golf oder die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen gelangen.

Damit erhält Trumps neue Sanktionsstrategie eine militärische Dimension. Washington will gerade jene Handelswege, Banken, Wechselstuben, Häfen, Reedereien und Staaten unter Druck setzen, die Iran bislang wirtschaftlich am Leben halten. Trump hatte angekündigt, Ländern und Unternehmen erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen aufzuerlegen, wenn sie Teheran weiterhin eine „Lebensader“ verschaffen. Iran antwortet nun praktisch mit einer Gegenandrohung: Wer sich der amerikanischen Isolation anschließt, soll mit iranischem Druck und im äußersten Fall mit Angriffen rechnen. Gerade für Staaten wie Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate, Oman oder die Türkei entsteht damit eine gefährliche Lage. Sie müssen nicht nur zwischen wirtschaftlichen Beziehungen zu Iran und dem Zugang zum amerikanischen Finanzsystem abwägen. Teheran versucht ihnen zugleich zu vermitteln, dass eine Entscheidung für Washington sicherheitspolitische Folgen haben könnte.

Rezaee drohte auch den Vereinigten Staaten selbst. Sollten die USA zusätzliche Streitkräfte in der Region stationieren, werde Iran diese angreifen. Auch amerikanische Wirtschaftsinteressen und Ölunternehmen könnten zum Ziel werden. Zugleich behauptete er, Iran wolle keinen Krieg. Teheran habe mehrfach verhandelt und Waffenruhen akzeptiert, werde sich aber niemals ergeben. Dieser Widerspruch ist inzwischen charakteristisch für die iranische Kommunikation: Das Regime präsentiert sich als friedensbereit, während führende Funktionäre gleichzeitig konkrete Angriffe auf Nachbarstaaten, amerikanische Stützpunkte und wirtschaftliche Infrastruktur ankündigen.

Auch die Straße von Hormus setzt Teheran weiterhin als politisches Druckmittel ein. Rezaee erklärte, die Meerenge bleibe geschlossen und werde erst wieder vollständig geöffnet, wenn Washington seine Verpflichtungen erfülle und sein Verhalten ändere. Die Realität ist komplizierter. Der Schiffsverkehr liegt weiterhin erheblich unter dem Niveau vor dem Krieg, aber vollständig steht die Route nicht still. Iran erlaubte beispielsweise zuletzt mehreren irakischen Öltankern die Passage. Saudi-Arabien hat begrenzte Verladungen innerhalb der Meerenge wieder aufgenommen. Gleichzeitig bleiben Versicherungsrisiken, militärische Bedrohungen und stark reduzierte Transportkapazitäten bestehen. Die Straße von Hormus ist damit längst nicht mehr nur eine Wasserstraße, sondern eines der wichtigsten Druckmittel Teherans gegenüber der gesamten Weltwirtschaft.

Die 70 Millionen Barrel beweisen etwas anderes

Gerade deshalb ist Rezaees Zahl interessant. Sie zeigt durchaus, dass Sanktionen und Blockaden kein wasserdichtes Instrument sind. Iran konnte in einem kurzen Zeitfenster gewaltige Mengen Öl bewegen und dadurch Milliarden erlösen. Das sollte Washington nicht unterschätzen. Die Zahl beweist aber nicht, was Rezaee daraus machen möchte. Ein wesentlicher Teil dieser Exporte erfolgte gerade in jener Phase, in der die amerikanische Blockade vorübergehend gelockert worden war. Seit ihrer erneuten Verschärfung sinken die Lieferungen nach China erheblich. Teheran lebt nun teilweise von dem Vorrat, den es während dieser Unterbrechung aus dem Land geschafft hatte.

Das erklärt auch die zunehmende Schärfe der iranischen Drohungen. Wenn die amerikanische Strategie wirkungslos wäre, müsste Teheran seine Nachbarn kaum davor warnen, sich ihr anzuschließen. Wenn Iran tatsächlich unbegrenzt Öl verkaufen könnte, wäre die mögliche Mitarbeit von Banken, Häfen und Golfstaaten an Trumps Kampagne weniger bedrohlich. Gerade die aggressive Sprache aus Teheran zeigt deshalb, dass die wirtschaftliche Front ernst genommen wird.

Rezaee versuchte gleichzeitig, den Krieg vollständig Washington und JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen anzulasten. Die Vereinigten Staaten und IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen würden regionale Konflikte fördern, um mehr Waffen verkaufen zu können, behauptete er. Iran dagegen sei kein Kriegstreiber. Auch beim Atomprogramm stellte er Teheran als Opfer dar und argumentierte, amerikanische Angriffe hätten anderen Staaten letztlich gezeigt, dass der Atomwaffensperrvertrag und die Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde keinen Schutz böten. Sinngemäß fragte er, weshalb andere Länder angesichts dieser Erfahrung nicht selbst nach einer Atombombe streben sollten. Das ist ein gefährliches Argument, gerade aus dem Mund eines führenden Vertreters eines Regimes, dessen Atomprogramm seit Jahren Gegenstand internationaler Kontrollen und massiver Auseinandersetzungen ist.

Die wichtigste Botschaft des Interviews liegt deshalb nicht in Rezaees Behauptung, Iran habe Amerika wirtschaftlich ausgetrickst. Sie liegt in der Verbindung aus Geld, Öl und Gewaltandrohung. Teheran sagt seinen Nachbarn inzwischen ziemlich offen: Helft Washington nicht, sonst können eure wirtschaftlichen Interessen zum Ziel werden. Gleichzeitig erklärt das Regime die Straße von Hormus zum eigenen politischen Hebel und versucht, seine kurzfristig erfolgreichen Öltransporte als Beweis für die Nutzlosigkeit westlichen Drucks zu verkaufen.

Iran hat tatsächlich Milliarden verdient und bewiesen, wie geschickt das Regime kurzfristige Lücken ausnutzen kann. Doch die aktuellen Exportzahlen zeigen ebenso deutlich, dass diese Einnahmequelle unter Druck geraten ist.

Und vielleicht ist gerade deshalb der Ton aus Teheran so laut geworden.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 23. August 2026

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