Trump beansprucht die Straße von Hormus für die USA
Donald Trump veröffentlicht eine Karte der Straße von Hormus mit der Aufschrift „New U.S. Territory“. Die Botschaft kommt unmittelbar nach Ablauf der Frist für ein Abkommen mit Iran und verschärft den Kampf um die wichtigste Ölroute der Welt.

Bildnachweis: Screenshot/Donald Trump via Truth Social
Donald Trump hat den Streit um die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen auf eine neue Ebene gehoben. Der US-Präsident veröffentlichte am Dienstag auf Truth Social eine Karte der strategisch entscheidenden Meerenge und kennzeichnete das Gebiet als „New U.S. Territory“, neues Gebiet der Vereinigten Staaten. Eine weitere Erklärung fügte Trump seinem Beitrag nicht hinzu.
Die Darstellung kam allerdings keineswegs überraschend. Bereits am Montag war Trump im Oval Office von Journalisten auf die Idee angesprochen worden, die Straße von Hormus zum Gebiet der Vereinigten Staaten zu erklären. Der Präsident reagierte ausgesprochen positiv. Er bezeichnete den Gedanken als ausgezeichnet und verwies darauf, dass die Vereinigten Staaten die Meerenge durch ihre Seeblockade faktisch kontrollierten. Bereits am 12. August hatte Trump erklärt, die USA hätten die „totale Kontrolle“ über Hormus und würden diese womöglich behalten.
Am Dienstag folgte nun die Karte.
Das ist eine spektakuläre politische Botschaft, aber noch keine völkerrechtlich wirksame Veränderung von Grenzen. Ein Beitrag auf Truth Social überträgt den Vereinigten Staaten keine Souveränität über die Meerenge. Die Straße von Hormus liegt zwischen Iran und Oman und gehört zu den für die internationale Schifffahrt genutzten Meerengen. Das internationale Seerecht sieht für solche Wasserstraßen ein Recht auf Transit vor. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation IMO bekräftigte erst im Juli, dass die Passage ohne Diskriminierung sowie ohne Gebühren und Zwangsabgaben möglich sein müsse.
Politisch ist Trumps Schritt dennoch weit mehr als eine Laune in den sozialen Netzwerken. Washington und Teheran streiten inzwischen nicht mehr nur darüber, ob die Straße von Hormus geöffnet wird. Beide Seiten beanspruchen faktisch die Kontrolle über die Wasserstraße.
Die Frist ist abgelaufen, der Streit beginnt von vorn
Der Zeitpunkt von Trumps Veröffentlichung ist entscheidend.
Das im Juni zwischen den Vereinigten Staaten und Iran vereinbarte Memorandum of Understanding sah einen Zeitraum von höchstens 60 Tagen vor, in dem beide Seiten eine endgültige Vereinbarung erreichen sollten. Diese Frist endete am Montag, dem 17. August. Ein dauerhaftes Abkommen kam nicht zustande.
Das ursprüngliche Ziel war erheblich größer als eine vorübergehende Beruhigung der Lage. Die Straße von Hormus sollte wieder geöffnet, die amerikanische Blockade iranischer Häfen aufgehoben und anschließend über eine dauerhafte Regelung sowie über das iranische Atomprogramm verhandelt werden. Schon wenige Wochen später zerbrach die Vereinbarung jedoch an gegensätzlichen Vorstellungen über die Kontrolle der Meerenge. Trump bezeichnete das Abkommen Anfang Juli als erledigt, Iran erklärte es anschließend für ausgesetzt.
Am Dienstag machte der iranische Chefunterhändler und Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf deutlich, dass Teheran seinen Kurs nicht ändern will. Die Straße von Hormus werde geschlossen bleiben, solange Washington nach iranischer Darstellung die Bedingungen der Vereinbarung nicht erfülle.
Iran fordert unter anderem ein Ende der amerikanischen Blockade iranischer Häfen, die Aufhebung der Ölsanktionen, die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte und ein Ende militärischer Operationen und Drohungen. Washington wiederum verlangt eine Öffnung der Meerenge und beharrt darauf, dass Iran keine Atomwaffe erhalten darf.
Damit stehen sich zwei vollkommen gegensätzliche Vorstellungen gegenüber.
Teheran betrachtet Hormus als sein stärkstes Druckmittel. Washington versucht genau dieses Druckmittel militärisch wertlos zu machen.
Trump begründet seine Position mit der amerikanischen Seemacht. Die US-Streitkräfte kontrollierten durch die Blockade, welche Schiffe passieren könnten, erklärte er. Außerdem verwies der Präsident darauf, dass große Mengen iranischen Öls abgefangen würden. Aus seiner Sicht ist die entscheidende Frage daher offenbar nicht mehr allein, wem die Wasserstraße nach geltendem Recht zugeordnet wird, sondern wer tatsächlich in der Lage ist, ihre Nutzung durchzusetzen.
Das iranische Regime sieht es genau umgekehrt. Vertreter Teherans behaupten seit Tagen, die Straße von Hormus stehe unter iranischer Kontrolle. Der frühere Geheimdienstchef und heutige Basij-Kommandeur Hossein Taeb erklärte vergangene Woche, die Islamische Republik bestimme über die Meerenge. Damit stehen amerikanischer und iranischer Machtanspruch inzwischen offen gegeneinander.
Hormus ist längst Teil des Krieges geworden
Der Streit wäre weniger gefährlich, wenn es nur um Karten und politische Erklärungen ginge. Doch die Straße von Hormus ist längst ein aktiver Schauplatz des Konflikts.
Am Dienstag wurde erneut ein Schiff während der Durchfahrt von einem unbekannten Geschoss getroffen. Nach Angaben der britischen UK Maritime Trade Operations wurde der Maschinenraum beschädigt und ein Besatzungsmitglied verletzt. Die übrige Mannschaft erhielt Unterstützung der omanischen Küstenwache. Wer für den Angriff verantwortlich war, war zunächst nicht bekannt.
Vor dem Krieg lief etwa ein Fünftel der weltweiten Lieferungen von Öl und Flüssigerdgas durch diese schmale Wasserstraße. Was dort geschieht, entscheidet deshalb nicht nur über Iran, die USA oder die Golfstaaten. Jede längere Störung schlägt auf Energiepreise, Transportkosten und damit letztlich auf Verbraucher in Europa, Asien und Amerika durch.
Genau darin liegt auch Teherans Macht. Iran muss die Vereinigten Staaten militärisch nicht besiegen, um wirtschaftlichen Schaden anzurichten. Es reicht, wenn die Unsicherheit in Hormus hoch bleibt und Reedereien, Versicherer und Energieunternehmen mit einem dauerhaften Risiko rechnen müssen.
Washington versucht diesen Mechanismus umzudrehen. Wenn die amerikanische Marine glaubhaft vermitteln kann, dass nicht Iran, sondern die USA den Zugang zur Meerenge bestimmen, verliert Teheran eines seiner wichtigsten strategischen Druckmittel.
Trumps Karte ist deshalb zwar keine neue amerikanische Landkarte im rechtlichen Sinne. Sie ist aber eine unmissverständliche politische Kampfansage.
Der Präsident sagt damit sinngemäß: Wer Hormus kontrollieren will, muss an den Vereinigten Staaten vorbei.
Für Iran ist genau das unannehmbar. Das Regime hat die Kontrolle über die Meerenge über Jahrzehnte als Teil seiner regionalen Abschreckung betrachtet. Der Gedanke, dass ausgerechnet die Vereinigten Staaten dort dauerhaft militärisch bestimmen könnten, wann und unter welchen Bedingungen Schiffe passieren, trifft einen Kern iranischer Machtpolitik.
Gleichzeitig bleibt Trump bei seiner wichtigsten Forderung. Iran dürfe keine Atomwaffe besitzen. Er verwies erneut auf die amerikanischen Angriffe mit B-2-Bombern und erklärte, diese hätten das iranische Atomprogramm erheblich zurückgeworfen. Eine Verlängerung des bisherigen Memorandums lehnte Trump am Montag ab.
Damit ist der 60-Tage-Versuch vorerst gescheitert.
Qatar setzt zwar weiterhin auf Diplomatie. Nach Angaben des Außenministeriums in Doha warten die Vermittler darauf, dass Oman und Iran zunächst eine bilaterale Verständigung über die Straße von Hormus erreichen. Erst danach sollen die umfassenderen Gespräche zwischen Washington und Teheran wieder aufgenommen werden. Eine Einigung über Hormus würde nach qatarscher Einschätzung eine Rückkehr an den Verhandlungstisch erheblich erleichtern.
Doch Trump hat mit seiner Karte deutlich gemacht, wie weit die Positionen inzwischen auseinanderliegen.
Iran fordert amerikanische Zugeständnisse, bevor Hormus vollständig geöffnet wird. Washington will die Kontrolle über die Durchfahrt nicht dem iranischen Regime überlassen. Und Trump geht rhetorisch noch einen Schritt weiter und versieht die Wasserstraße öffentlich mit dem Etikett „neues US-Gebiet“.
Völkerrechtlich schafft das keine amerikanische Grenze.
Strategisch ist die Botschaft dagegen kaum misszuverstehen.
Die Straße von Hormus ist nicht länger nur Gegenstand der Verhandlungen mit Iran. Sie ist selbst zu einem der wichtigsten Ziele amerikanischer Machtpolitik in diesem Krieg geworden.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 18. August 2026