Irans Wirtschaft gerät ins Wanken, Trump setzt auf die Krise
Hohe Inflation, steigende Arbeitslosigkeit, stockende Ölexporte und Streit in der Führung setzen die Islamische Republik unter Druck. In Washington wächst die Hoffnung, dass wirtschaftliche Schwäche Teheran zu Zugeständnissen zwingt.

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Die wirtschaftliche Lage im Iran entwickelt sich immer stärker zu einem zweiten Kriegsschauplatz. Während das Regime nach außen weiter Härte demonstriert und zusätzliche Zugeständnisse von den Vereinigten Staaten verlangt, wächst im Inneren der Druck durch Inflation, Arbeitslosigkeit, Devisenmangel und stockende Exporte. Genau auf diese Entwicklung setzt US Präsident Donald Trump.
Nach einem Bericht von N12 geht Washington davon aus, dass der wirtschaftliche Druck früher oder später die politische Haltung Teherans verändern könnte. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem der fast zum Erliegen gekommene Ölexport. Der Iran lebt in hohem Maß von seinen Einnahmen aus dem Ölgeschäft. Wenn dieser Geldstrom stockt, trifft das nicht nur den Staatshaushalt, sondern auch die Fähigkeit des Regimes, Sicherheitsapparate, Verwaltung und Versorgungssysteme zu finanzieren.
Besonders schwer wiegt in diesem Zusammenhang die Lage an der Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen. Nach Darstellung von N12 und unter Verweis auf einen Bericht der Financial Times hat der amerikanische Seedruck die iranischen Ausfuhren massiv beeinträchtigt. Demnach wurde auf der Insel Chark, über die ein Großteil der iranischen Ölexporte läuft, zeitweise eine Woche lang keine einzige Tankerladung registriert. Zugleich soll Teheran begonnen haben, die Förderung zu drosseln, um Lagerengpässe zu vermeiden.
Das wäre ein empfindlicher Schlag für die wichtigste Einnahmequelle des Regimes.
Trump machte daraus bereits öffentlich ein politisches Argument. Nach dem N12 Bericht sagte er, dem Regime fehle inzwischen sogar das Geld, um seine Soldaten zu bezahlen. Solche Aussagen sind Teil der amerikanischen Druckstrategie und müssen entsprechend eingeordnet werden. Sie zeigen aber, auf welchen Hebel Washington setzt: wirtschaftliche Schwäche soll den politischen Preis für Teherans Starrsinn erhöhen.
Inflation frisst die Einkommen auf
Für die iranische Bevölkerung ist die Krise längst Alltag.
Laut den im N12 Bericht zitierten Daten des Internationalen Währungsfonds soll die iranische Wirtschaft 2026 um sechs Prozent schrumpfen. Gleichzeitig liege die jährliche Inflation bei rund 69 Prozent. Das ist nicht bloß eine statistische Größe. Eine derart hohe Teuerung zerstört Ersparnisse, entwertet Löhne und trifft besonders jene Menschen, die ohnehin kaum Reserven besitzen.
Hinzu kommt, dass einzelne Lebensbereiche noch deutlich stärker betroffen sein können als die allgemeine Inflationsrate vermuten lässt. Laut den ebenfalls zitierten Daten des iranischen Statistikzentrums stiegen die Lebensmittelpreise in den vergangenen Wochen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 128 Prozent. Für Familien bedeutet das konkret, dass Grundnahrungsmittel in immer kürzeren Abständen teurer werden und selbst einfache Einkäufe zur Belastung werden.
N12 verweist in diesem Zusammenhang auch auf Aussagen iranischer Bürger gegenüber Al Jazeera. Dort wird beschrieben, dass sich die Preise vieler Produkte faktisch verdoppelt hätten und die Teuerung in diesem Jahr das aufzehre, was Familien überhaupt noch auf den Tisch bringen können. Solche Stimmen sind kein Beweis für die landesweite Lage im Ganzen, sie passen aber zu den genannten Wirtschaftsdaten und verdeutlichen die soziale Sprengkraft der Entwicklung.
Vor allem Junge und Frauen verlieren Arbeit
Neben der Inflation verschlechtert sich offenbar auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt.
Nach den von N12 zitierten offiziellen Zahlen sei die Arbeitslosenquote von 7,3 auf 9,1 Prozent gestiegen. Rund 450.000 Menschen hätten im vergangenen Jahr ihre Arbeit verloren. Besonders betroffen seien junge Menschen und Frauen.
Diese Entwicklung ist politisch heikel. Arbeitslosigkeit trifft im Iran nicht nur den privaten Lebensstandard. Sie erhöht auch das Protestpotenzial in gesellschaftlichen Gruppen, die schon in der Vergangenheit besonders unzufrieden waren. Eine junge Bevölkerung ohne Perspektive, steigende Preise und gleichzeitig ein repressiver Staat sind eine gefährliche Kombination.
Für die Islamische Republik ist das umso problematischer, weil sie sich nach außen als stark und standhaft inszenieren will, im Inneren aber auf soziale Stabilität angewiesen ist. Ein Regime kann viele Krisen überstehen. Wenn es jedoch zugleich unter Einnahmeausfällen leidet, die Kaufkraft zerfällt und die Unzufriedenheit wächst, wird die politische Lage schnell unberechenbarer.
Auch in der Führung wächst die Nervosität
Besonders brisant ist deshalb, dass der wirtschaftliche Druck offenbar längst in die oberste Führung hineinreicht.
Laut N12 berichtete die New York Times, der iranische Zentralbankchef habe in einem Schreiben an den obersten Führer Mojtaba Khamenei vor einer schweren Haushaltskrise gewarnt. Sollte der derzeitige Druck anhalten, könnten Lebensmittel und medizinische Vorräte demnach bereits bis Ende August kritisch knapp werden. Hintergrund sei die Tatsache, dass der Iran sein Öl nicht im erforderlichen Umfang verkaufen und auch keine ausreichenden alternativen Handelswege erschließen könne.
Wenn diese Darstellung zutrifft, wäre das ein deutliches Warnsignal aus dem Inneren des Systems selbst.
Auch Präsident Massoud Peseschkian soll die Lage deutlich ernster einschätzen, als es die offizielle Härte nach außen vermuten lässt. Nach dem N12 Bericht warnte er bereits im Juli, die Wirtschaft sei zum zentralen Kampffeld des Landes geworden. Laut Wall Street Journal soll er Mojtaba Khamenei in einem direkten Gespräch sogar mit Rücktritt gedroht und die wirtschaftliche Lage als ernst bezeichnet haben.
Hinzu kommt, dass selbst aus dem Umfeld der Verhandler warnende Stimmen kommen. N12 zitiert den stellvertretenden iranischen Außenminister Kazem Gharibabadi mit der Aussage, die Wirtschaft brauche dringend Sanktionslockerungen, die nur über ein diplomatisches Abkommen erreichbar seien. Wer sich pauschal gegen Verhandlungen stelle, müsse sich fragen lassen, in welcher Welt er eigentlich lebe.
Diese Aussage ist bemerkenswert, weil sie zeigt, dass selbst innerhalb des Regimes nicht alle denselben Konfrontationskurs vertreten.
Trump setzt auf Zermürbung, aber nicht nur die Führung zahlt den Preis
Aus amerikanischer Sicht liegt die Hoffnung auf der Hand. Wenn der Iran wirtschaftlich immer stärker unter Druck gerät, könnte die Bereitschaft wachsen, bei Verhandlungen nachzugeben oder zumindest taktisch beweglicher zu werden.
Doch diese Strategie hat eine Schattenseite. Wirtschaftlicher Druck trifft nie nur die politische Führung. Er trifft vor allem die Bevölkerung, die mit Preisschocks, Arbeitsplatzverlusten und Versorgungsproblemen leben muss. Das Regime versucht regelmäßig, genau daraus politischen Nutzen zu ziehen, indem es äußeren Druck propagandistisch ausschlachtet und eigene Fehler nach außen verlagert.
Trotzdem bleibt festzuhalten: Die iranische Führung steht wirtschaftlich offenbar unter erheblichem Stress. Sinkende Öleinnahmen, hohe Inflation, wachsende Arbeitslosigkeit und interne Spannungen machen deutlich, dass Teheran zwar außenpolitisch Härte zeigen kann, aber ökonomisch immer weniger Spielraum besitzt.
Gerade deshalb setzt Trump auf Zeit und Druck.
Ob diese Rechnung aufgeht, hängt davon ab, was zuerst nachgibt: die Verhandlungsposition des Regimes oder die Leidensfähigkeit einer Bevölkerung, die den Preis dieser Krise bereits heute bezahlt.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Montag, 10. August 2026