Irans Ex-Außenminister fordert Angriff auf US-Stützpunkt und Geiselnahme amerikanischer Soldaten
Manouchehr Mottaki will eine US-Militärbasis stürmen und amerikanische Soldaten in den Iran verschleppen lassen. Der Aufruf zeigt, dass Geiselnahmen im Regime weiterhin als legitimes Machtinstrument gelten.

Bildnachweis: thor Cpl. Cassandra Flowers
Der frühere iranische Außenminister und heutige Parlamentsabgeordnete Manouchehr Mottaki hat öffentlich einen Bodenangriff auf einen amerikanischen Militärstützpunkt im Nahen Osten und die Verschleppung dort stationierter US-Soldaten in den Iran gefordert. Seine Äußerungen wurden in einem vom iranischen Staatsfernsehen ausgestrahlten Interview verbreitet.
„Mein Vorschlag ist, dass wir einen Bodenangriff auf einen der amerikanischen Stützpunkte in der Region durchführen, 100 Amerikaner gefangen nehmen und sie in den Iran bringen“, erklärte Mottaki nach übereinstimmenden persisch- und englischsprachigen Berichten.
In weiteren Ausschnitten und persischen Zusammenfassungen ist von Hunderten oder Tausenden amerikanischen Soldaten die Rede. Das klar dokumentierte direkte Zitat nennt jedoch 100 Gefangene. Die Schlagzeile der JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post, wonach Mottaki die Entführung Tausender Soldaten gefordert habe, gibt offenbar eine weitergehende Passage oder Zusammenfassung wieder. Für die präzise Berichterstattung sollte die eindeutig belegte Zahl von 100 Amerikanern verwendet werden.
An der grundsätzlichen Bedeutung ändert dieser Unterschied wenig. Ein ehemaliger Außenminister und amtierender Abgeordneter schlägt nicht lediglich einen Angriff auf eine militärische Anlage vor. Er fordert ausdrücklich, amerikanische Soldaten gefangen zu nehmen, über eine internationale Grenze in den Iran zu verschleppen und dort als Geiseln festzuhalten.
Geiselnahme als offen angekündigte Staatsstrategie
Mottaki präsentierte den Vorschlag als Antwort auf die amerikanischen Angriffe gegen iranische Militärstellungen und auf Drohungen Washingtons gegen die Insel Kharg sowie weitere Öl- und Energieanlagen im Süden des Landes. Aus seiner Sicht müsse Teheran den Krieg auf amerikanische Stützpunkte in den Nachbarstaaten ausweiten und die dort stationierten Soldaten als Druckmittel verwenden.
Damit greift der frühere Außenminister auf eine Methode zurück, die tief in der Geschichte der Islamischen Republik verankert ist. Nach der Revolution von 1979 wurden 52 amerikanische Diplomaten und Botschaftsmitarbeiter in Teheran 444 Tage lang als Geiseln festgehalten. Seither wurden ausländische und iranische Doppelstaatsbürger wiederholt unter fragwürdigen Vorwürfen inhaftiert und für politische Verhandlungen benutzt.
Die Vereinigten Staaten erklärten den Iran im Februar 2026 ausdrücklich zu einem staatlichen Unterstützer unrechtmäßiger Inhaftierungen. Das US-Außenministerium wirft dem Regime vor, Geiselnahmen und willkürliche Festnahmen amerikanischer Staatsbürger zu billigen und als außenpolitisches Werkzeug einzusetzen.
Mottakis Forderung ist deshalb nicht nur eine weitere aggressive Parole während eines Krieges. Sie fügt sich in ein bekanntes System ein, in dem Menschen nicht aufgrund individuell nachgewiesener Straftaten festgehalten werden, sondern wegen ihres Passes, ihrer beruflichen Tätigkeit oder ihres politischen Wertes für einen möglichen Gefangenenaustausch.
Der ehemalige Außenminister verlangt nun, diese Praxis von einzelnen Reisenden und Doppelstaatsbürgern auf reguläre amerikanische Soldaten auszuweiten. Die geplante Verschleppung soll nach seiner Vorstellung durch einen militärischen Bodenangriff beginnen und anschließend als strategischer Hebel gegen Washington dienen.
Angriff würde auch arabische Nachbarstaaten treffen
Mottaki ließ offen, welchen amerikanischen Stützpunkt er angreifen lassen will. US-Truppen sind unter anderem in Bahrain, Kuwait, Katar, Jordanien und weiteren Staaten der Region stationiert. Ein iranischer Bodenangriff auf eine solche Basis wäre daher nicht nur ein Angriff auf die Vereinigten Staaten. Er würde zugleich die territoriale Souveränität des jeweiligen arabischen Gastlandes verletzen.
Genau diese Staaten versucht Teheran gleichzeitig unter Druck zu setzen. Die Islamische Revolutionsgarde rief die Bevölkerung Kuwaits und Jordaniens dazu auf, amerikanische Streitkräfte aus ihren Ländern zu vertreiben und keine Gelegenheit zur Zerstörung amerikanischer Einrichtungen verstreichen zu lassen.
Die Revolutionsgarde bezeichnete die US-Truppen als Besatzer und forderte faktisch Aktionen gegen die militärischen Einrichtungen der eigenen Partnerregierungen. Das ist ein unverhohlener Versuch, die inneren Spannungen arabischer Staaten auszunutzen und deren Bevölkerung gegen die sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit Washington aufzubringen.
Mottaki hatte bereits im Mai Bahrain als amerikanische Marionette beschimpft. Anlass war eine Initiative Manamas im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zur Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen. Er warnte die Führung Bahrains davor, mit dem Iran „Spiele“ zu treiben, und erklärte, ihr Vorgehen werde der letzte antiiranische Schritt des Landes sein.
Diese Sprache zeigt den imperialen Anspruch des Regimes. Die Regierungen der Region sollen ihre Sicherheits- und Außenpolitik nicht nach den Interessen ihrer eigenen Staaten gestalten, sondern nach den Vorgaben Teherans. Wer sich dem verweigert, wird bedroht oder als Werkzeug der Vereinigten Staaten diffamiert.
Mottakis Forderung ist militärisch kaum realistisch
Mottaki war von 2005 bis 2010 iranischer Außenminister und gehört seit 2024 als Vertreter des Großraums Teheran dem Parlament an. Er verfügt damit über politische Erfahrung und Zugang zu den staatlichen Medien. Er ist jedoch weder Oberbefehlshaber noch Mitglied der operativen Militärführung.
Es gibt bislang keinen öffentlich überprüfbaren Hinweis darauf, dass die iranischen Streitkräfte tatsächlich einen Bodenangriff zur Einnahme einer amerikanischen Basis vorbereiten. Die regionalen Stützpunkte werden von amerikanischen und einheimischen Kräften geschützt. Ein Versuch, eine solche Anlage zu besetzen und 100 oder mehr Soldaten über weite Entfernungen in den Iran zu verschleppen, wäre militärisch außerordentlich riskant.
Ein Angriff könnte zudem eine massive amerikanische Reaktion auslösen und die arabischen Gaststaaten unmittelbar in den Krieg hineinziehen. Mottakis Plan wirkt daher weniger wie eine belastbare militärische Strategie als wie die Großmachtfantasie eines Regimepolitikers, der nach schweren iranischen Verlusten Handlungsfähigkeit demonstrieren will.
Das macht die Äußerung nicht harmlos. Autoritäre Regime nutzen extreme Vorschläge, um die Grenzen des Sagbaren zu verschieben und die Bevölkerung auf weitere Eskalationsstufen vorzubereiten. Was zunächst als persönliche Forderung eines Abgeordneten erscheint, kann später zur Rechtfertigung von Angriffen, Entführungen oder Operationen iranischer Stellvertreter dienen.
Teheran verfügt über militärische und terroristische Netzwerke, die Geiselnahmen oder Anschläge auch ohne eine direkte Besetzung eines amerikanischen Stützpunktes versuchen könnten. Die Gefahr liegt deshalb nicht allein in der wörtlichen Umsetzung von Mottakis unrealistischem Szenario, sondern in der politischen Erlaubnis, amerikanische Soldaten und Zivilisten als legitime Beute zu behandeln.
Diplomatie wird als Täuschung verworfen
Mottaki hatte bereits in der Vorwoche das Islamabad-Memorandum zwischen den Vereinigten Staaten und Iran als amerikanischen Täuschungsplan bezeichnet. Nach seiner Darstellung habe Washington mit den Verhandlungen lediglich versucht, die Islamische Republik zu schwächen und innerhalb weniger Tage zu beseitigen.
Der frühere Außenminister forderte die iranischen Unterhändler auf, sich erklären zu lassen, dass die Gespräche nur Teil eines amerikanischen Manövers gewesen seien. Damit stellt er nicht allein die amerikanische Verlässlichkeit infrage. Er verwirft grundsätzlich die Vorstellung, dass Verhandlungen einen Ausweg aus der militärischen Eskalation schaffen könnten.
Zugleich verlangte Mottaki nach dem Tod des damaligen Obersten Führers Ali Khamenei „Rache“ im In- und Ausland. Er forderte außerdem eine Verfolgung von US-Präsident Donald Trump und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Innerhalb des Regimes konkurrieren damit verschiedene Vertreter um die radikalste Reaktion.
Trump hat dem Iran seinerseits mit Angriffen auf Kraftwerke, Brücken und weitere Energieanlagen gedroht, falls Teheran nicht an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Die amerikanischen Streitkräfte greifen derzeit vor allem iranische Militärstellungen, Raketenanlagen und Bedrohungen entlang der Straße von Hormus an.
Mottakis Antwort auf diesen Druck besteht nicht in einem realistischen Angebot oder einem Schutzkonzept für die iranische Bevölkerung. Er will einen größeren Krieg beginnen und Menschen als Verhandlungsmasse verschleppen lassen. Das offenbart die Prioritäten des Regimes: Nicht das Leben der eigenen Bürger, regionale Stabilität oder eine diplomatische Lösung stehen im Mittelpunkt, sondern Vergeltung und Machterhalt.
Die Vereinigten Staaten und ihre regionalen Partner sollten Mottakis Äußerung weder als unmittelbar bevorstehenden Operationsbefehl behandeln noch als folgenlose Prahlerei abtun. Notwendig sind ein verstärkter Schutz gefährdeter Einrichtungen, eine enge Zusammenarbeit mit den Gaststaaten und eine klare Warnung, dass Entführungen amerikanischer Soldaten oder Zivilisten eine direkte Reaktion auslösen würden.
Ein früherer Außenminister, der im Staatsfernsehen die Verschleppung von 100 Amerikanern verlangt, macht deutlich, warum Vertrauen in bloße Zusicherungen Teherans nicht ausreicht. Das Regime hat Geiselnahmen über Jahrzehnte als außenpolitisches Instrument eingesetzt. Mottaki fordert nun offen, daraus eine militärische Massenoperation zu machen.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 15. Juli 2026