Trumps Iran Deal gibt Teheran Geld, Öl und Zeit statt echter Entwaffnung
Der geleakte Entwurf liest sich nicht wie ein Sieg über Iran. Washington bietet Sanktionserleichterungen, Ölgeschäfte und Milliardenpläne, während die entscheidenden Fragen vertagt werden.

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Der gefährlichste Satz in diesem Entwurf steht nicht dort, wo von Krieg, HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen oder Sanktionen die Rede ist. Er steht dort, wo Iran nur noch einmal erklärt, niemals Atomwaffen bauen zu wollen, während die Zukunft des angereicherten Materials und die übrigen Nuklearfragen auf spätere Verhandlungen verschoben werden. Genau das ist der Kern des Problems. Donald Trump verkauft einen Deal. Teheran bekommt Zeit.
Nach dem von Al Arabiya veröffentlichten 14-Punkte-Entwurf soll der Krieg auf allen Fronten enden, ausdrücklich auch im Libanon. Die USA sollen ihre Seeblockade aufheben, den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wieder freigeben, Ölgeschäfte ermöglichen, Sanktionen später umfassend beenden und zusammen mit regionalen Partnern einen Plan für mindestens 300 Milliarden Dollar zur wirtschaftlichen Entwicklung Irans schaffen. Gleichzeitig soll Iran für 60 Tage in weitere Verhandlungen eintreten. In dieser Zeit bleibt das iranische Nuklearprogramm im Status quo. Washington verpflichtet sich, keine neuen Sanktionen zu verhängen und seine Kräfte in der Region nicht zu verstärken.
Man muss diesen Entwurf nicht dramatisieren. Er ist dramatisch genug.
Für Iran ist das Papier ein Geschenk mit eingebauter Verzögerung. Teheran soll sofort wirtschaftliche Luft bekommen: Ölwaivers, Zugang zu eingefrorenen oder beschränkten Geldern, Aussicht auf Sanktionsabbau, Wiederaufbaufinanzierung, internationale Aufwertung und die Aussicht auf eine spätere Absicherung durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Im Gegenzug bekommt Washington zunächst vor allem eine Erklärung, dass Iran keine Atomwaffen bauen werde, und die Zusage, weiterzuverhandeln. Das ist keine Entwaffnung. Das ist ein politischer Vorschuss an ein Regime, das seit Jahren gelernt hat, Zeit in Macht zu verwandeln.
Besonders heikel ist Punkt 9 des Entwurfs. Solange kein endgültiges Abkommen steht, soll Iran den Stand seines Nuklearprogramms beibehalten, während die USA keine neuen Sanktionen verhängen und ihre Truppenpräsenz nicht erhöhen. Diese Formulierung klingt nach Ruhe. In Wahrheit friert sie ein gefährliches Kräfteverhältnis ein. Iran muss nicht sofort rückbauen, nicht sofort ausliefern, nicht sofort zerstören, nicht sofort offenlegen. Der Westen soll aber sofort stillhalten.
Für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen ist das die schlimmste denkbare Logik. JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen hat im Iran-Krieg 2026 militärisch enorme Risiken getragen, um Irans nukleare, militärische und regionale Bedrohung zurückzudrängen. Nun droht ein Deal, der die militärischen Ergebnisse politisch entschärft und Teheran wieder Bewegungsraum gibt. Die Frage des angereicherten Materials, also einer der entscheidenden Punkte jeder echten Iran-Vereinbarung, wird nicht gelöst, sondern vertagt. Wer so verhandelt, kauft keine Sicherheit. Er kauft ein paar Wochen Ruhe und nennt es Frieden.
Noch problematischer ist die Einbeziehung des Libanon. Der Entwurf spricht vom Ende des Krieges auf allen Fronten, ausdrücklich auch im Libanon. Das ist genau der Ansatz, den Iran und HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen bereits gegen Israel wenden wollen. Teheran wird versuchen, jede israelische Operation gegen Hisbollah-Stellungen als Bruch des Gesamtpakets darzustellen. Die Hisbollah kann sich unter den Schutz einer großen US-Iran-Formel stellen und zugleich ihre Rolle als iranische Vorhut an Israels Nordgrenze bewahren. Das wäre kein Frieden für den Libanon. Es wäre ein Schutzraum für die nächste Aufrüstung.
Trump unterschätzt offenbar, wie Iran solche Texte liest. In Washington denkt man an Energiepreise, offene Seewege und einen diplomatischen Erfolg. In Teheran denkt man an Hebel. Erst Hormus. Dann Sanktionen. Dann Öl. Dann eingefrorene Gelder. Dann Libanon. Dann die Vereinten Nationen. Schritt für Schritt soll aus einem amerikanischen Friedensversprechen ein internationales Sicherheitsnetz für die Islamische Republik werden.
Die 300-Milliarden-Dollar-Frage verstärkt diesen Eindruck. Reuters berichtet, es gehe um einen privaten Investitionsfonds, nicht um direkte amerikanische Reparationszahlungen. Das ist ein wichtiger Unterschied. Aber politisch bleibt der Effekt derselbe: Iran soll nach einem Krieg, den sein Regime durch jahrelange Eskalation, TerrorfinanzierungPay for Slay: Wie Terror gegen Israelis weiter belohnt wird„Pay for Slay“ ist ein kritischer Begriff für palästinensische Zahlungen an in Israel inhaftierte Täter, freigelassene Gefangene und Familien getöteter Angreifer. Kritiker sehen darin eine Belohnung für Terror gegen Israelis.Mehr lesen und nukleare Provokation mit verursacht hat, eine gigantische wirtschaftliche Perspektive erhalten. Teheran kann das innenpolitisch als Beweis verkaufen, dass Widerstand sich lohnt. Erst drohen, blockieren, aufrüsten, Stellvertreter losschicken, dann verhandeln und Geld bekommen. Genau diese Botschaft ist verheerend.
Auch die geplante Rolle des UN-Sicherheitsrats ist gefährlich. Wenn das endgültige Abkommen durch eine bindende Resolution abgesichert werden soll, wird aus einem politischen Deal schnell ein internationaler Rahmen, der Israels Handlungsfreiheit zusätzlich einengen könnte. Jerusalem wäre dann nicht nur mit amerikanischem Druck konfrontiert, sondern mit einer UN-Konstruktion, die Teheran nutzen kann, um israelische Selbstverteidigung als Störung des Friedensprozesses darzustellen.
Das ist der alte Fehler in neuer Verpackung. Iran wird nicht nach seinen Absichten bewertet, sondern nach Formulierungen. Nicht nach seinen Drohnen, Raketen, Milizen und Geheimprogrammen, sondern nach einem Satz, man werde niemals Atomwaffen produzieren. Diesem Regime aber geht es seit Jahren nicht nur um eine Bombe. Es geht um Schwellenmacht, Erpressungsfähigkeit, regionale Kontrolle und die Fähigkeit, Israel über mehrere Fronten zu binden. Ein Deal, der das nicht klar erfasst, löst das Problem nicht.
Trump will einen Durchbruch. Man kann das verstehen. Die Welt ist kriegsmüde, die Märkte wollen Ruhe, Hormus muss offenbleiben. Aber der Nahe Osten bestraft schlechte Abkürzungen. Wenn Iran sofort Vorteile bekommt und die harten Fragen erst später geklärt werden, dann ist das keine diplomatische Meisterleistung. Es ist eine Wette darauf, dass Teheran sich ausgerechnet jetzt anders verhält als in den vergangenen Jahrzehnten.
Israel darf sich auf diese Wette nicht verlassen. Ein Abkommen, das Iran wirtschaftlich stärkt, die Nuklearfragen vertagt, den Libanon einbezieht und amerikanischen Druck gegen israelische Operationen erzeugt, wäre für Jerusalem kein Sicherheitsgewinn. Es wäre ein Risiko mit freundlicher Überschrift.
Der Entwurf zeigt, warum die israelische Sorge so groß ist. Nicht weil Israel grundsätzlich gegen Diplomatie wäre. Sondern weil schlechte Diplomatie den Gegner entlastet und den Bedrohten bindet. Wenn Trumps Deal am Ende Iran Geld, Öl, Zeit und internationale Legitimität gibt, während Israel zur Zurückhaltung gedrängt wird, dann ist er kein Friedensplan. Dann ist er die nächste strategische Falle.
Al Arabiya English hat eine Kopie des 14-Punkte-Abkommens erhalten, das voraussichtlich am Freitag zwischen Washington und Teheran unterzeichnet werden soll.
- Die Islamische Republik Iran und die Vereinigten Staaten erklären gemeinsam mit ihren Verbündeten im gegenwärtigen Krieg mit der Unterzeichnung dieses Memorandums of Understanding ein sofortiges und dauerhaftes Ende des Krieges an allen Fronten, einschließlich des Libanon. Beide Seiten verpflichten sich, von nun an keine feindlichen Handlungen gegeneinander zu unternehmen und auf die Androhung oder Anwendung von Gewalt gegeneinander zu verzichten. Das endgültige Abkommen wird die Bestimmungen dieses Artikels sowie der übrigen Artikel bestätigen.
- Die Islamische Republik Iran und die Vereinigten Staaten verpflichten sich, die Souveränität und territoriale Unversehrtheit der jeweils anderen Seite zu achten und sich nicht in die inneren Angelegenheiten der jeweils anderen Seite einzumischen.
- Die Islamische Republik Iran und die Vereinigten Staaten verpflichten sich, innerhalb eines Zeitraums von höchstens 60 Tagen, der im gegenseitigen Einvernehmen verlängert werden kann, zu verhandeln und ein endgültiges Abkommen zu erreichen.
- Unmittelbar nach Unterzeichnung dieses Memorandums of Understanding heben die Vereinigten Staaten die Seeblockade auf, verhindern jede Einmischung oder Behinderung gegen die Islamische Republik Iran und stellen den Verkehr innerhalb von höchstens 30 Tagen wieder auf volle Kapazität her. Der Schiffsverkehr soll dem Vorkriegsniveau auf Seiten der Islamischen Republik Iran entsprechen. Die Vereinigten Staaten verpflichten sich außerdem, ihre Streitkräfte innerhalb von 30 Tagen nach dem endgültigen Abkommen aus den umliegenden Gebieten abzuziehen.
- Mit der Unterzeichnung dieses Memorandums of Understanding wird die Islamische Republik Iran unverzüglich Schritte einleiten, um sicherzustellen, dass die Bewegung von Handelsschiffen vom Persischen Golf zum Golf von Oman und umgekehrt innerhalb von 30 Tagen wieder auf das Vorkriegsniveau gebracht wird. Dabei wird berücksichtigt, dass technische Hindernisse beseitigt und Minen durch Iran entschärft werden müssen.
- Die Vereinigten Staaten verpflichten sich, gemeinsam mit ihren regionalen Partnern einen umfassenden Plan zu erstellen, der von beiden Seiten vereinbart wird und der dem Wiederaufbau sowie der wirtschaftlichen Entwicklung der Islamischen Republik Iran dient. Dabei soll eine Finanzierung von mindestens 300 Milliarden Dollar sichergestellt werden. Der Umsetzungsmechanismus dieses Plans wird als Teil des endgültigen Abkommens innerhalb von 60 Tagen ausgearbeitet.
- Die Vereinigten Staaten verpflichten sich, nach einem im endgültigen Abkommen festzulegenden Zeitplan alle derzeit gegen die Islamische Republik Iran bestehenden Sanktionen zu beenden. Dazu gehören Resolutionen des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen und des Gouverneursrats der Internationalen Atomenergiebehörde sowie alle einseitigen US-Sanktionen, sowohl primäre als auch sekundäre Sanktionen.
- Die Islamische Republik Iran bekräftigt, dass sie niemals Atomwaffen herstellen wird. Die Islamische Republik Iran und die Vereinigten Staaten sind übereingekommen, dass das Schicksal des angereicherten Materials sowie das Schicksal aller weiteren einvernehmlich festgelegten nuklearbezogenen Fragen, einschließlich des nuklearen Bedarfs Irans, in einem endgültigen Abkommen angemessen behandelt werden. Das endgültige Abkommen wird die Bestimmungen dieses Artikels bestätigen.
- Die Islamische Republik Iran und die Vereinigten Staaten vereinbaren, bis zu einem endgültigen Abkommen den Status quo beizubehalten: Iran wird den gegenwärtigen Stand seines Nuklearprogramms beibehalten, und die Vereinigten Staaten werden keine neuen Sanktionen gegen Iran verhängen und ihre Streitkräfte in der Region nicht verstärken.
- Die Vereinigten Staaten verpflichten sich, unmittelbar nach der Unterzeichnung dieses Memorandums of Understanding und bis zum Zeitpunkt der Aufhebung der Sanktionen durch das US-Finanzministerium Ausnahmegenehmigungen für den Export von iranischem Rohöl, petrochemischen Produkten und deren Derivaten sowie für alle damit verbundenen Dienstleistungen zu erteilen. Dazu gehören Bankdienstleistungen, Versicherungen, Transport und ähnliche Leistungen.
- Die Vereinigten Staaten verpflichten sich, angesichts des Fortschritts der Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen eingefrorene oder beschränkte Gelder und Vermögenswerte der Islamischen Republik Iran freizugeben und vollständig verfügbar zu machen. Diese Gelder, unabhängig davon, ob sie auf dem Hauptkonto gehalten oder überwiesen werden, sollen für jede endgültige Zahlung an Begünstigte verwendet werden können, die von der Zentralbank der Islamischen Republik Iran bestimmt werden. Sie sollen vollständig nutzbar sein. Die Vereinigten Staaten verpflichten sich, auf dieser Grundlage alle erforderlichen Genehmigungen und Lizenzen auszustellen.
- Die Islamische Republik Iran und die Vereinigten Staaten vereinbaren, dass ein Umsetzungsmechanismus eingerichtet wird, der die erfolgreiche Umsetzung und die künftige Einhaltung des endgültigen Abkommens überwacht.
- Nach der Unterzeichnung dieses Memorandums of Understanding und nach Erhalt von Zusicherungen über den Beginn der Umsetzung der Artikel 4, 5, 10 und 11 dieses Memorandums of Understanding sowie über die fortgesetzte Umsetzung dieser Schritte werden die Islamische Republik Iran und die Vereinigten Staaten Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen ausschließlich in Bezug auf die verbleibenden Artikel aufnehmen.
- Das endgültige Abkommen wird durch eine bindende Resolution des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen gebilligt.
Quelle: https://english.alarabiya.net/News/middle-east/2026/06/16/al-arabiya-obtains-14point-draft-usiran-deal
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 17. Juni 2026