Iranische Hardliner attackieren Khameneis Kurs und gefährden Gespräche mit den USA
In Teheran wächst der Widerstand gegen Gespräche mit Washington. Hardliner werfen der eigenen Führung Geheimabsprachen vor und treiben neue Forderungen in die Verhandlungen.

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Im iranischen Machtapparat wächst offenbar der Widerstand gegen Gespräche mit den USA. Nach einem Bericht des „Telegraph“ versuchen radikale Kräfte innerhalb des Regimes, eine mögliche Waffenruhe oder Vereinbarung mit Washington zu torpedieren. Der Vorwurf aus diesen Kreisen ist deutlich: Unterhändler um Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghchi könnten den USA und Israel heimlich Zugeständnisse machen, ohne die Führung der Islamischen Republik ausreichend einzubinden.
Der Bericht zeichnet das Bild eines Regimes, das nach außen Stärke demonstriert, nach innen aber von Misstrauen, Informationslücken und Machtkämpfen geprägt ist. Ein iranischer Regierungsvertreter sagte demnach, niemand wisse wirklich, was in den Gesprächen geschehe. Viele Offizielle erführen nur aus dem Fernsehen, worüber verhandelt werde. Sie wüssten nicht, was Iran aufgebe und was das Land tatsächlich gewinne. Genau diese Geheimhaltung nutzen Hardliner nun, um Untergangsszenarien zu verbreiten und die Unterhändler als Verräter darzustellen.
Auslöser der neuen Spannungen ist auch die Reise Ghalibafs und Araghchis nach Doha. Dort soll Teheran als Bedingung für weitere Gespräche mit Washington die sofortige Freigabe von 12 Milliarden Dollar eingefrorener iranischer Gelder in Katar verlangt haben. Während die Unterhändler offenbar Fortschritte erzielen wollten, verschärften Gegner der Gespräche ihre Kritik. Für sie gilt bereits jede Vereinbarung mit den USA als Kapitulation vor amerikanischem Einfluss und als Verrat an Irans angeblichem Widerstandskurs.
Die Lage wird zusätzlich durch amerikanische Militäraktionen verschärft. Das US-Zentralkommando hatte erklärt, amerikanische Kräfte hätten iranische Raketenstellungen und Boote angegriffen, die im Süden Irans Seeminen ausbringen wollten. Gegner der Gespräche nutzen genau das als Argument: Warum verhandle Teheran mit Washington, während amerikanische Streitkräfte iranische Ziele angreifen? Diese Frage verfängt in einem System, in dem antiamerikanische Rhetorik seit Jahrzehnten zur Staatsideologie gehört.
Auch im Parlament ist die Unterstützung nicht geschlossen. Eine Erklärung zugunsten der Verhandler erhielt nur 261 Unterschriften von 290 Abgeordneten. Sieben Parlamentarier verweigerten laut Bericht ausdrücklich die Unterschrift. Sie sollen dem Lager des früheren Atomunterhändlers Saeed Jalili nahestehen, der als besonders harter Vertreter der iranischen Linie gilt. Mehrere Abgeordnete treten inzwischen offen gegen Verhandlungen auf. Der Parlamentarier Amirhossein Sabeti warnte sogar, Gespräche könnten zur Ermordung des neuen obersten Führers Mojtaba Khamenei führen. Die Aussage zeigt, wie stark Krieg, Machtwechsel und Misstrauen im Regime miteinander verschränkt sind.
Auch frühere Kommandeure der Revolutionsgarden machen Druck. Mohammad Ali Jafari, lange eine prägende Figur des IRGC, forderte ein Ende der Verhandlungen, solange nicht alle Sanktionen aufgehoben und eingefrorene Gelder freigegeben seien. Zudem betonte er die Bedeutung iranischer Kontrolle über die Straße von Hormus. Damit verbinden die Hardliner mehrere Druckmittel: Sanktionen, eingefrorene Milliarden, maritime Drohungen und die Angst vor weiterer amerikanischer Gewalt.
Für Israel ist diese Entwicklung von hoher Bedeutung. Ein Iran, der intern zerstritten ist, ist nicht automatisch harmloser. Im Gegenteil: Je stärker Hardliner das Gefühl haben, eine Vereinbarung mit den USA könnte ihre Macht schwächen, desto eher versuchen sie, die Lage durch neue Forderungen, Drohungen oder Provokationen zu verschärfen. Teheran nutzt seine Stellvertreter, seine Raketenprogramme, die Straße von Hormus und die nukleare Frage als zusammenhängendes Drucksystem.
Der Bericht zeigt vor allem eines: Die Gespräche mit Washington laufen nicht nur zwischen Staaten, sondern mitten durch die Bruchlinien des iranischen Regimes. Ein Teil der Führung sucht offenbar einen Weg, Zeit, Geld und politischen Spielraum zu gewinnen. Die radikalen Kräfte fürchten dagegen, dass jede Einigung als Schwäche gelesen wird und ihren eigenen Einfluss beschädigt. Genau deshalb werden die Forderungen härter, die Sprache aggressiver und die Verhandlungen unsicherer.
Für die Region bleibt das gefährlich. Wenn Teheran nach außen verhandelt und nach innen gegen die eigenen Verhandler kämpft, kann jeder Zwischenfall zum Vorwand werden, den Prozess scheitern zu lassen. Die entscheidende Frage ist nicht nur, was Iran den USA anbietet. Entscheidend ist, ob das Regime überhaupt noch geschlossen genug ist, um eine Vereinbarung durchzusetzen.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 28. Mai 2026