Ex-Marinechef Marom: Iran bluffte offenbar mit Minen in der Straße von Hormus


Ex-Marinechef Eliezer Marom sieht Irans Minendrohung am Hormus als möglichen Bluff. Zugleich warnt er vor Unsicherheit im Norden Israels und fordert klare Führung.

Ex-Marinechef Marom: Iran bluffte offenbar mit Minen in der Straße von Hormus
Bildnachweis: Symbolbild

Der frühere Kommandeur der israelischen Marine, Generalmajor a.D. Eliezer „Cheny“ Marom, hält Irans Drohung mit Seeminen in der Straße von Hormus für einen ungewöhnlichen Vorgang. In einem Interview mit 103FM sagte Marom, Teheran habe zunächst behauptet, bereits Minen in der strategisch wichtigen Meerenge gelegt zu haben. Tatsächlich seien jedoch keine Minen sichtbar gewesen. Erst später sei berichtet worden, die USA hätten Boote angegriffen, die Minen ausbringen wollten. Maroms Schlussfolgerung ist scharf: Der Iran könnte geblufft haben und anschließend versucht haben, diesen Bluff durch das nachträgliche Legen einiger Minen nicht auffliegen zu lassen.

Die Straße von Hormus ist einer der empfindlichsten Punkte der Weltwirtschaft. Durch diese Meerenge laufen enorme Mengen Öl und Gas. Eine einzige Explosion an einem großen Tanker könnte nicht nur Menschenleben gefährden, sondern auch eine Umweltkatastrophe auslösen und die Energiemärkte erschüttern. Marom verwies genau auf dieses Risiko. Ein Tanker mit riesigen Mengen Treibstoff an Bord, der in Brand gerät oder explodiert, wäre ein Bild, das keine Regierung sehen will. Darum ist das Legen von Seeminen heute nicht nur militärisch riskant, sondern politisch brandgefährlich.

Bemerkenswert ist auch Maroms Einschätzung zur iranischen Reaktion auf amerikanische Angriffe. Dass Teheran nach den Schlägen der USA nicht unmittelbar antwortete, deutet er als Zeichen dafür, dass das Regime weiter verhandeln will. Der Iran, so Marom, sehe sich dennoch in einer starken Position. In Teherans Wahrnehmung habe man den Krieg politisch überstanden und gehe davon aus, dass US-Präsident Donald Trump am Ende nachgeben werde. Besonders wichtig sei, dass Iran versuche, auch den Libanon in eine mögliche Waffenruhe oder Vereinbarung einzubeziehen. Damit würde Teheran seinen Einfluss über die eigenen Grenzen hinaus absichern und die Stellvertreterfronten weiter als Druckmittel nutzen.

Für Israel ist diese Lesart gefährlich, aber nicht überraschend. Iran arbeitet seit Jahren daran, Konfliktzonen miteinander zu verknüpfen. Libanon, Gaza, Jemen, Irak und Syrien sind für Teheran keine getrennten Schauplätze, sondern Teile eines regionalen Drucksystems gegen Israel und westliche Interessen. Wenn Iran am Hormus droht, im Libanon mitverhandelt und zugleich direkte Antworten auf amerikanische Angriffe vermeidet, zeigt das keine Schwäche allein. Es zeigt taktisches Kalkül.

Marom sprach auch über die Lage der Bewohner im Norden Israels. Seine Worte waren deutlich. Die Regierung müsse präsenter sein, mit den Menschen sprechen und die Lage offen erklären. Führung bedeute, auch schwierige Wahrheiten auszusprechen. Viele Israelis im Norden leben seit Monaten in Unsicherheit. Marom schilderte das an einem Gespräch mit einem Freund, der vor dem Duschen eine Lageeinschätzung mache, weil er nicht wisse, ob er im Alarmfall rechtzeitig den Schutzraum erreiche. Dieser Satz beschreibt besser als jede Statistik, wie tief die Bedrohung in den Alltag eingedrungen ist.

Neben der Sicherheitslage äußerte sich Marom auch zur Entlassung der früheren Militärgeneralstaatsanwältin Yifat Tomer-Yerushalmi aus der Armee. Er zeigte sich überrascht, dass dieser Schritt nicht früher erfolgt sei, betonte aber zugleich, die praktische Bedeutung sei gering, weil sie faktisch ohnehin bereits aus dem Dienst herausgelöst gewesen sei. Die Debatte über Pension und Verfahren ordnete er nüchtern ein und mahnte, den persönlichen Druck auf sie und ihre Familie nicht unnötig weiter zu erhöhen.

Der Kern des Interviews liegt jedoch in der strategischen Warnung. Iran testet Grenzen, setzt auf Drohungen, Bluff und indirekten Druck. Israel muss dabei gleichzeitig den globalen Energiepunkt Hormus, die amerikanisch-iranischen Gespräche, den Libanon und die Sicherheit seiner eigenen Bürger im Norden im Blick behalten. Genau darin liegt die eigentliche Schwere der Lage: Teheran kämpft nicht nur mit Raketen oder Minen, sondern mit Unsicherheit. Und diese Unsicherheit reicht vom Persischen Golf bis in israelische Wohnzimmer.

Thematische Einordnung


Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 27. Mai 2026

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