Mélenchon behauptet in Paris, Minister folgten dem jüdischen Dachverband CRIF
Frankreichs Linksaußen Jean-Luc Mélenchon steht nach einer Attacke auf den jüdischen Dachverband CRIF unter Druck. Der Vorwurf: Er bedient das alte Bild jüdischer Kontrolle über den Staat.

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Paris, 18. Juni 2026: Jean-Luc Mélenchon, Gründer von La France insoumise, greift bei einer politischen Veranstaltung den jüdischen Dachverband CRIF scharf an. Der Conseil représentatif des institutions juives de France sei im Grunde eine Maschine der extremen Rechten, sagt er sinngemäß. Dann folgt der Satz, der in Frankreich Empörung auslöst: Minister gingen jedes Jahr zum CRIF-Dinner, zahlten dort hohe Beträge und seien anschließend „aux ordres“, also auf Linie oder den Anweisungen folgend.
Damit steht nicht mehr nur eine polemische Attacke auf eine jüdische Organisation im Raum. Mélenchon legt nahe, Vertreter der französischen Regierung handelten nach Vorgaben des CRIF. Genau darin sehen Kritiker ein antisemitisches Muster: Juden oder jüdische Institutionen erscheinen nicht als normale Akteure einer Demokratie, sondern als angebliche Macht hinter dem Staat.
Der Anlass war ein Streit um ein Konzert von La France insoumise zur Fête de la Musique in Paris. Die Polizeipräfektur hatte die Veranstaltung zunächst verboten und dies mit möglichen Störungen der öffentlichen Ordnung sowie Bedenken gegen einzelne eingeladene Künstler begründet. Zuvor hatte CRIF-Präsident Yonathan Arfi das Konzert öffentlich kritisiert. LFI zog vor Gericht. Das Verwaltungsgericht Paris setzte das Verbot am 19. Juni aus, sodass die Veranstaltung stattfinden konnte.
Mélenchon hätte also den Polizeipräfekten kritisieren können. Er hätte dem Staat Überreaktion vorwerfen können. Er hätte auch den CRIF hart angreifen können, denn Interessenverbände dürfen in einer Demokratie kritisiert werden. Doch seine Formulierung ging weiter. Wer sagt, Minister folgten den Anweisungen einer jüdischen Organisation, ruft ein Bild auf, das in Europa eine lange und gefährliche Geschichte hat: Juden als unsichtbare Lenker, als heimliche Macht, als Gruppe, die Regierungen kontrolliert.
Frankreichs Innenminister Bruno Retailleau reagierte entsprechend scharf. Mélenchon betreibe nicht nur politische Kontroverse, sondern belebe ein antisemitisches Machtfantasma wieder, erklärte er. CRIF-Präsident Arfi sprach von einer antisemitischen Fantasiemaschine und verwies auf das alte Vorurteil, Juden zögen die Fäden der Macht.
Der Fall ist deshalb mehr als ein weiterer Streit zwischen LFI und dem CRIF. Er zeigt, wie schnell sich linke IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen- und Institutionenkritik in ein Muster verschieben kann, das Juden unter Sonderverdacht stellt. Natürlich ist der CRIF nicht unantastbar. Seine Positionen, seine Nähe zu Politikern und seine öffentlichen Interventionen dürfen diskutiert werden. Aber zwischen Kritik und Verschwörungsbild liegt eine klare Grenze.
Genau diese Grenze hat Mélenchon aus Sicht seiner Kritiker überschritten. In einem Frankreich, in dem jüdische Bürger seit dem 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen verstärkt bedroht und verunsichert sind, wirkt eine solche Sprache nicht nur wie ein politischer Ausrutscher. Sie bestärkt jene, die ohnehin glauben wollen, jüdische Organisationen hätten zu viel Einfluss.
Wer AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen ernsthaft bekämpfen will, darf ihn nicht nur bei politischen Gegnern erkennen. Er muss ihn auch dann benennen, wenn er aus dem eigenen Lager kommt, im Gewand von Antirassismus, Antikapitalismus oder angeblicher Staatskritik. Mélenchons Satz über Minister, die dem CRIF folgten, ist deshalb kein harmloser Seitenhieb. Er ist ein Rückgriff auf ein altes, vergiftetes Bild.
Frankreich braucht eine harte politische Debatte. Aber keine Debatte, in der jüdische Institutionen erneut als geheime Steuerungszentralen dargestellt werden. Das ist nicht Aufklärung. Das ist ein Rückfall.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Montag, 22. Juni 2026