53 BBC-„Journalisten“ mit Terrorbezügen: Die Gaza-Liste wird zum Glaubwürdigkeitsdesaster

53 BBC-„Journalisten“ mit Terrorbezügen: Die Gaza-Liste wird zum Glaubwürdigkeitsdesaster


Der BBC droht die nächste Gaza-Affäre. Eine Telegraph-Recherche fand bei 53 als Journalisten geführten Toten Verbindungen zu Terrororganisationen. Besonders brisant: Das CPJ hat inzwischen selbst zahlreiche Namen wegen Kampfbeteiligung gestrichen.

53 BBC-„Journalisten“ mit Terrorbezügen: Die Gaza-Liste wird zum Glaubwürdigkeitsdesaster
Bildnachweis: Michael

Die BBC muss sich erneut fragen lassen, wie gründlich sie Informationen aus dem GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen überhaupt geprüft hat. Seit Beginn des Krieges führte BBC Arabic eine Liste getöteter Journalisten. Eine Recherche desTelegraphkommt nun zu dem Ergebnis, dass bei53 der dort genannten Personen Hinweise auf Verbindungen zu HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen, Palästinensischem Islamischen Dschihad oder anderen Terrororganisationenvorliegen. Zehn dieser Namen tauchten auch in englischsprachigen BBC-Angeboten auf, 43 ausschließlich bei BBC Arabic.

Dabei geht es längst nicht nur um israelische Behauptungen. Das Committee to Protect Journalists, eine Organisation, die IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen regelmäßig scharf kritisiert, hat seine eigene Gaza-Datenbank inzwischen umfassend überprüft. Das Ergebnis ist bemerkenswert: Im September teilte CPJ mit, 22 zuvor geführte Personen gestrichen und zwölf weitere neu eingestuft zu haben. Die aktuelle Datenbank nennt19 Fälle, die nach neuer Recherche wegen Beteiligung an Kampfhandlungen entfernt wurden. Schon zuvor hatte CPJ acht weitere Namen aus demselben Grund gestrichen.

Damit bricht ein bequemes Narrativ zusammen: Wer in Gaza eine Kamera trug oder für ein Medium arbeitete, war nicht automatisch ausschließlich Journalist. CPJ selbst betont ausdrücklich, dass Personen aus seiner Statistik entfernt werden, wenn sie an Kampfhandlungen beteiligt waren. Gleichzeitig hält die Organisation daran fest, dass eine politische oder organisatorische Nähe allein nicht genügt, um journalistischen Status abzuerkennen. Genau diese Unterscheidung hätte auch von der BBC erwartet werden dürfen.

Vom Kameramann zum Kämpfer

Besonders deutlich wird das Problem an einzelnen Fällen. Abdullah Darwish wurde von BBC Arabic als Kameramann von Al-Aqsa TV geführt. CPJ entfernte ihn später aus seiner Journalistenliste, nachdem seine Beteiligung an Kampfhandlungen festgestellt worden war. Auch Yacoup al-Borsh und Rizq Abu Shakian gehören zu den Namen, die CPJ nachträglich wegen Kampfbeteiligung strich.

DerTelegraphberichtet darüber hinaus, dass bei 20 der insgesamt 53 untersuchten Namen Nachrufe von Terrororganisationen vorliegen und 21 weitere Personen in sozialen Netzwerken mit Waffen oder in militärischer Kleidung zu sehen seien. Solche Hinweise beweisen nicht in jedem Einzelfall automatisch eine operative Mitgliedschaft. Sie hätten für einen Sender mit den Ressourcen der BBC aber mindestens Anlass für eine deutlich gründlichere Prüfung sein müssen.

Die BBC verteidigt sich damit, ihre Liste habe auf dem Informationsstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung beruht und sei zuletzt im August 2025 aktualisiert worden. Nach den späteren CPJ-Korrekturen werde sie nun überprüft. Genau darin liegt jedoch das Problem: Während internationale Statistiken über getötete Journalisten weltweit zur Bewertung des israelischen Vorgehens herangezogen wurden, blieben spätere Zweifel und Korrekturen weitgehend ohne vergleichbare öffentliche Wirkung.

Nicht der erste Gaza-Skandal

Für BBC Arabic kommt die Affäre zur denkbar ungünstigsten Zeit. Bereits zuvor war der Sender wegen seiner Gaza-Berichterstattung massiv unter Druck geraten. Bei der BBC-Dokumentation „Gaza: How to Survive a Warzone“ stellte sich nach der Ausstrahlung heraus, dass der jugendliche Erzähler der Sohn eines Hamas-Funktionärs war. Die britische Medienaufsicht Ofcom bewertete die Sendung später als wesentlich irreführend.

haOlam hatte bereits mehrfach über ähnliche Fälle berichtet. Im Juni ging es um internationale Organisationen, die Personen zunächst als Journalisten führten und nach neuen Erkenntnissen korrigieren mussten. Im August strich auch Reporter ohne Grenzen zwei Gaza-Fälle aus zentralen Aufstellungen, nachdem neue Hinweise zu Terrorbezügen bekannt geworden waren.

Es wäre unseriös, daraus den Umkehrschluss zu ziehen, jeder in Gaza getötete Journalist sei Terrorist gewesen. Genau das behaupten weder CPJ noch die vorliegenden Recherchen. Aber ebenso unseriös ist die gegenteilige Automatik: Eine Berufsbezeichnung darf kein Schutzschild gegen Überprüfung sein.

Die BBC verfügt über eines der größten Korrespondentennetze der Welt und erhebt selbst höchste Ansprüche an Genauigkeit und Unparteilichkeit. Wenn selbst eine Organisation wie CPJ nachträglich feststellen muss, dass zahlreiche vermeintliche Journalisten tatsächlich an Kampfhandlungen beteiligt waren, reicht ein später Hinweis auf den damaligen Informationsstand nicht aus.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wie viele Namen die BBC jetzt korrigiert.

Sondern wie viele Schlagzeilen, Statistiken und Anschuldigungen gegen Israel bereits um die Welt gegangen sind, bevor jemand genauer hinsah.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 27. September 2026

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