Islamistischer Judenhass in Deutschland: 40-mal mehr Straftaten als 2022
Eine neue Sonderauswertung der Bundesregierung zeigt das Ausmaß der Bedrohung: Seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 ist die Zahl islamistisch motivierter antisemitischer Straftaten massiv gestiegen. Die Sicherheitsbehörden registrieren inzwischen mehr als 40-mal so viele Fälle wie 2022. Jüdische Organisationen warnen vor einer dauerhaften Verfestigung des Hasses.

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Deutschland hat ein wachsendes Problem mit islamistischem AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen. Eine neue Sonderauswertung der Bundesregierung zeigt, wie drastisch sich die Zahl entsprechender Straftaten seit dem Terrorangriff der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen auf IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen am 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen entwickelt hat. Während die Sicherheitsbehörden im gesamten Jahr 2022 lediglich 16 antisemitische Straftaten mit islamistischem Hintergrund registrierten, waren es 2024 bereits 631 und im Jahr 2025 schließlich 670 Fälle.
Die Zahlen wurden für die Grünen-Bundestagsabgeordnete Lamya Kaddor zusammengestellt und durch dieWelt am Sonntagbekannt. Sie dokumentieren nicht nur einen kurzfristigen Anstieg nach dem Hamas-Massaker, sondern eine anhaltend hohe Zahl islamistisch motivierter Straftaten gegen Juden und jüdisches Leben in Deutschland.
Besonders aufschlussreich ist die Entwicklung im Jahr 2023. Vom 1. Januar bis zum 6. Oktober registrierten die Behörden 33 entsprechende Straftaten. Allein in den verbleibenden knapp drei Monaten nach dem Hamas-Angriff kamen 331 weitere Fälle hinzu. Das waren zehnmal so viele wie in den mehr als neun Monaten zuvor.
Der Vergleich mit 2022 fällt noch drastischer aus. Die 670 Fälle des Jahres 2025 entsprechen mehr als dem 41-Fachen der damals registrierten 16 Straftaten. Gegenüber 2024 erhöhte sich die Zahl nochmals um rund sechs Prozent.
Diese Zahlen zeigen eine Entwicklung, die sich nicht allein mit einer vorübergehenden emotionalen Reaktion auf den Krieg im Nahen Osten erklären lässt. Islamistischer Antisemitismus hat sich nach Einschätzung von Sicherheitsbehörden und jüdischen Organisationen auf einem hohen Niveau verfestigt.
Dabei geht es keineswegs nur um beleidigende Kommentare oder politische Parolen. Die polizeilich registrierten Delikte reichen von antisemitischen Beschimpfungen und Bedrohungen über Sachbeschädigungen und die Verwendung verbotener Kennzeichen bis hin zu schweren Gewalttaten.
Auffällig ist nach der Sonderauswertung auch der große Anteil von Delikten im Zusammenhang mit Symbolen und Kennzeichen verbotener Organisationen. Dazu zählen unter anderem die Terrororganisation HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und der sogenannte Islamische Staat. Fast die Hälfte der 2025 erfassten Straftaten entfiel auf entsprechende Deliktskonstellationen.
Der 7. Oktober wurde zum Mobilisierungssignal für Islamisten
Das Massaker der Hamas in Israel hat in Deutschland eine Entwicklung verstärkt, die bereits zuvor existierte. Islamistischer Antisemitismus entstand nicht erst am 7. Oktober 2023. Judenfeindliche Verschwörungserzählungen, die Dämonisierung Israels und antisemitische PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen gehören seit Langem zum ideologischen Bestand verschiedener islamistischer Organisationen.
Doch der Terrorangriff und der anschließende Krieg boten diesen Milieus einen neuen Anlass zur Mobilisierung. Die massive Zunahme der Straftaten unmittelbar nach dem Massaker macht deutlich, wie schnell sich antisemitische Einstellungen in öffentlich sichtbare Feindseligkeit übersetzen konnten.
Hessens Innenminister Roman Poseck erklärte gegenüber derWelt am Sonntag, der Antisemitismus sei seit dem 7. Oktober zu einem zentralen Mobilisierungsthema islamistischer Akteure geworden. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul warnte besonders vor der Radikalisierung über das Internet. Islamistisches Gedankengut erreiche Menschen inzwischen unmittelbar über ihre Mobiltelefone.
Diese Einschätzungen werden durch eine im September veröffentlichte Untersuchung des Bundesverbands der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus, kurz RIAS, ergänzt. Die Organisation wertete erstmals systematisch antisemitische Vorfälle mit islamischem oder islamistischem Hintergrund aus den Jahren 2019 bis 2025 aus.
Dabei dokumentierte RIAS insgesamt 564 entsprechende Vorfälle. Knapp 80 Prozent davon ereigneten sich seit dem 7. Oktober 2023. Besonders auffällig war der vergleichsweise hohe Anteil gewaltförmiger Vorfälle.
Bei 15,1 Prozent der erfassten Fälle handelte es sich um Bedrohungen, Angriffe oder extreme Gewalt. Über alle von RIAS dokumentierten antisemitischen Vorfälle hinweg lag dieser Anteil bei 6,1 Prozent. In islamischen und islamistischen Kontexten war der Anteil gewaltförmiger Vorfälle damit mehr als doppelt so hoch.
Die RIAS-Zahlen und die polizeiliche Kriminalstatistik dürfen allerdings nicht unmittelbar miteinander verrechnet werden. RIAS erfasst auch Vorfälle unterhalb der Strafbarkeitsschwelle und verwendet eigene Kriterien zur Einordnung des ideologischen Hintergrunds. Das Bundeskriminalamt dokumentiert dagegen polizeilich erfasste Straftaten nach dem System der politisch motivierten Kriminalität. Beide Untersuchungen beleuchten unterschiedliche Teile desselben Problems.
Sie kommen jedoch zu einer übereinstimmenden Feststellung: Seit dem Hamas-Massaker ist der antisemitische Druck aus islamistischen Milieus erheblich gewachsen.
Jüdisches Leben wird zunehmend zur Sicherheitsfrage
Für jüdische Menschen in Deutschland sind diese Zahlen keine abstrakte Statistik. Die Folgen zeigen sich an Synagogen, Schulen, Universitäten, auf Straßen und in sozialen Netzwerken.
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, beschreibt die Bedrohung als dauerhaft unerträglich. Islamistischer Judenhass trete offen im öffentlichen Raum, an Hochschulen und im Internet hervor. Damit werde jüdisches Leben in Bereichen bedroht, die eigentlich selbstverständlich und sicher sein müssten.
Wie ernst die Gefahr ist, zeigen konkrete Gewalttaten der vergangenen Jahre.
Im Februar 2025 griff ein islamistisch motivierter Täter am Berliner Denkmal für die ermordeten Juden Europas einen spanischen Touristen mit einem Messer an und verletzte ihn lebensgefährlich. Der Täter war nach Deutschland gekommen und hatte sich nach den gerichtlichen Feststellungen an der Ideologie des sogenannten Islamischen Staates orientiert. Im März 2026 wurde er zu 13 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.
Über dieses Urteil hatte haOlam.de bereits ausführlich berichtet.
Ein weiterer Fall ereignete sich im Juli 2026 in Höchberg bei Würzburg. Ein 65 Jahre alter Mann wurde wegen eines Ansteckers mit der israelischen Flagge schwer angegriffen. Die Ermittlungsbehörden sahen Hinweise auf ein islamistisches, antisemitisches und israelfeindliches Motiv. Gegen den Tatverdächtigen wurde wegen versuchten Mordes ermittelt.
Solche Taten dürfen nicht mit den vielen Beleidigungen, Schmierereien oder verbotenen Parolen gleichgesetzt werden. Sie zeigen aber, welches Gewaltpotenzial antisemitische Ideologien entwickeln können.
Die Gefahr beschränkt sich dabei nicht auf einzelne Täter. Islamistischer Antisemitismus kann durch extremistische Netzwerke, digitale Propaganda und organisierte politische Mobilisierung verbreitet werden. In Teilen antiisraelischer Protestmilieus verschwimmen zudem die Grenzen zwischen legitimer Kritik an israelischer Politik, der Verherrlichung terroristischer Gewalt und offen judenfeindlichen Aussagen.
Eine Untersuchung des Projekts democ vom September 2026 beschreibt, wie antisemitische Protestdynamiken seit dem 7. Oktober zu einem festen Bestandteil bestimmter politischer Mobilisierungen geworden sind. Die Autoren beobachten eine zunehmende Radikalisierung und die Verbreitung von Erzählungen, in denen terroristische Gewalt als Widerstand gerechtfertigt oder verherrlicht wird.
Dabei darf nicht übersehen werden, dass der größte Anteil antisemitischer Straftaten in der Polizeistatistik weiterhin dem Rechtsextremismus zugeordnet wird. Auch dieser Antisemitismus bleibt eine erhebliche Bedrohung für jüdisches Leben. Die Gefahr aus islamistischen Milieus wird dadurch jedoch nicht geringer.
Antisemitismus muss unabhängig von seiner ideologischen Herkunft bekämpft werden. Eine wirksame Strategie darf weder rechtsextremen Judenhass relativieren noch islamistischen Antisemitismus aus politischer Rücksichtnahme ausblenden.
Die Bundesregierung kündigt Maßnahmen an, doch die Gefahr bleibt
Die Bundesregierung hat auf die Entwicklung mit einer Neuaufstellung ihrer Beratung zur Islamismusprävention reagiert. Im November 2025 wurde ein neuer Expertenkreis im Bundesinnenministerium eingesetzt. Zu seinen Mitgliedern gehört auch der Psychologe und Islamismusexperte Ahmad Mansour.
Das Gremium soll Empfehlungen für einen Bund-Länder-Aktionsplan gegen Islamismus erarbeiten. Nach den aktuellen Berichten sollen erste Ergebnisse zum Jahreswechsel vorliegen.
Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Christoph de Vries, betonte, dass Antisemitismus in jeder Erscheinungsform konsequent bekämpft werden müsse. Hessens Innenminister Poseck fordert unter anderem ein entschlosseneres Vorgehen gegen islamistische Propaganda im Internet, die konsequente Anwendung von Vereinsverboten und aufenthaltsrechtliche Konsequenzen für ausländische Straftäter.
Ob die angekündigten Maßnahmen ausreichen werden, lässt sich derzeit nicht beurteilen. Die Zahlen für 2025 zeigen jedenfalls, dass bisherige Anstrengungen den starken Anstieg islamistisch motivierter antisemitischer Kriminalität noch nicht wieder zurückgeführt haben.
Die Sicherheitslage lässt sich auch nicht allein durch mehr Polizeischutz vor jüdischen Einrichtungen dauerhaft verbessern. Notwendig sind die Bekämpfung extremistischer Netzwerke, die strafrechtliche Verfolgung konkreter Taten, eine wirksame Prävention und die Auseinandersetzung mit antisemitischen Ideologien in Schulen, religiösen Einrichtungen und im digitalen Raum.
Dabei muss klar zwischen islamistischen Extremisten und muslimischen Bürgern unterschieden werden. Die Zugehörigkeit zum Islam begründet keinen Verdacht. Zahlreiche muslimische Menschen und Organisationen wenden sich selbst gegen Islamismus und Antisemitismus. Entscheidend sind tatsächliche ideologische Positionen, konkrete Handlungen und strafrechtlich relevantes Verhalten.
Gerade eine solche Unterscheidung ermöglicht es, islamistischen Judenhass eindeutig zu benennen, ohne ganze Bevölkerungsgruppen unter Generalverdacht zu stellen.
haOlam.de hat bereits in früheren Beiträgen auf die dramatische Entwicklung des Antisemitismus in Deutschland hingewiesen. Im Juli berichteten wir unter anderem über die besonders hohe Zahl antisemitischer Vorfälle im internationalen Vergleich und die zunehmende Notwendigkeit, jüdische Einrichtungen dauerhaft zu schützen.
Die neuen Zahlen der Bundesregierung ergänzen dieses Bild um eine besonders alarmierende Erkenntnis: Während islamistisch motivierte antisemitische Straftaten 2022 noch mit 16 Fällen registriert wurden, liegt ihre Zahl inzwischen bei 670 im Jahr.
Das ist nicht nur eine statistische Veränderung. Es dokumentiert eine tiefgreifende Verschärfung der Gefährdungslage für jüdische Menschen.
Deutschland erinnert regelmäßig an die nationalsozialistische Judenvernichtung und betont seine Verantwortung für jüdisches Leben. Dieser Anspruch muss sich jedoch am Schutz der heute lebenden Juden messen lassen. Wenn antisemitische Straftaten aus islamistischen Milieus über Jahre hinweg auf einem derart hohen Niveau bleiben, reichen politische Erklärungen und neue Beratungsgremien allein nicht aus.
Entscheidend wird sein, ob es gelingt, extremistische Netzwerke zurückzudrängen, die Verbreitung antisemitischer Propaganda einzuschränken und jüdisches Leben wieder ohne ständige Sicherheitsvorkehrungen zu ermöglichen.
Die neue Sonderauswertung ist deshalb mehr als eine weitere Warnung. Sie zeigt, wie weit sich islamistischer Antisemitismus seit dem 7. Oktober 2023 in Deutschland als anhaltendes Sicherheitsproblem verfestigt hat.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Samstag, 31. Oktober 2026