Berlin: „Intifada“-Rufe und Vernichtungsfantasien bei selbsternanntem „Gedenkmarsch“

Berlin: „Intifada“-Rufe und Vernichtungsfantasien bei selbsternanntem „Gedenkmarsch“


Bei einer Demonstration in Berlin dokumentiert das JFDA antisemitische und gewaltverherrlichende Äußerungen. Israelische Juden wurden demnach pauschal als „Mörder“ bezeichnet, zudem fielen „Intifada“- und Todesrufe.

Berlin: „Intifada“-Rufe und Vernichtungsfantasien bei selbsternanntem „Gedenkmarsch“
Bildnachweis: Pixabay

Bei einem selbsternannten „Gedenkmarsch“ in Berlin sind nach Angaben des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen (JFDA) erneut offen antisemitische und gewaltverherrlichende Äußerungen gefallen. Das JFDA, das die Veranstaltung beobachtete und Ausschnitte davon veröffentlichte, ordnet das beteiligte Milieu als linksislamistisch ein. Besonders schwer wiegt dabei, dass sich die dokumentierte Agitation nicht auf Kritik an einer konkreten Entscheidung der israelischen Regierung beschränkte, sondern sich nach Darstellung des JFDA gegen israelische Juden richtete und bis zur Vorstellung einer Beseitigung Israels reichte.

Ein Redner habe israelische Juden pauschal als „Mörder“ bezeichnet und davon gesprochen, anstelle Israels einen palästinensischen Staat auf demselben Gebiet zu errichten. Damit wäre die politische Botschaft nicht mehr die Forderung nach einer bestimmten Grenzziehung oder einer Zwei-Staaten-Lösung, sondern die Aufhebung des bestehenden jüdischen Staates.

Aus der Demonstration heraus sei zudem zur „IntifadaIntifada: Ein Wort für Terror gegen IsraelIntifada bedeutet wörtlich etwa „Abschütteln“. Politisch bezeichnet der Begriff vor allem zwei palästinensische Gewaltwellen gegen Israel. Besonders die Zweite Intifada wurde durch Selbstmordanschläge, Schussangriffe und Terror gegen israelische Zivilisten geprägt. Heute wird der Begriff oft leichtfertig als Parole benutzt.Mehr lesen“ aufgerufen worden. Nach Angaben des JFDA wurde der Tod israelischer Soldaten gefordert und palästinensisch-islamistischer Terrorismus glorifiziert. Gerade die Verwendung des Begriffs „Intifada“ ist in diesem Zusammenhang nicht losgelöst von seiner historischen Bedeutung zu betrachten. Die zweite IntifadaZweite Intifada: Terrorwelle gegen Israel 2000 bis 2005Die Zweite Intifada, auch Al-Aqsa-Intifada genannt, war eine Gewalt- und Terrorwelle von 2000 bis etwa 2005. Palästinensische Gruppen verübten Selbstmordanschläge, Schusswaffenangriffe und Bombenanschläge gegen israelische Zivilisten.Mehr lesen war von einer Welle schwerer Terroranschläge geprägt, bei denen israelische Zivilisten in Bussen, Restaurants, Cafés und auf Straßen ermordet wurden. Wer heute im Zusammenhang mit der Vernichtung Israels und der Verherrlichung gewaltsamen „Widerstands“ zur Intifada aufruft, kann sich deshalb nicht glaubwürdig auf eine harmlose politische Metapher zurückziehen.



Einschüchterung von Gegendemonstranten

Problematisch war nach Darstellung des JFDA nicht nur das Geschehen auf der Demonstration selbst. Auch Gegendemonstrierende seien erneut von zahlreichen selbsternannten „Medienaktivisten“ aus nächster Nähe gefilmt worden. Das JFDA spricht von nahezu einem Dutzend Personen.

Das Filmen einer Demonstration oder von Gegendemonstranten ist für sich genommen noch kein Beweis für eine rechtswidrige Einschüchterungsstrategie. In dem vom JFDA beschriebenen KontextKontextualisierung: Fakten verständlich einordnenKontextualisierung bedeutet, Informationen in einen Zusammenhang zu stellen. Sie hilft, Ereignisse nicht isoliert zu betrachten, sondern mit Vorgeschichte, Ursachen, Folgen und beteiligten Akteuren zu verstehen.Mehr lesen kann eine solche massive und gezielte Kamerapräsenz für Betroffene jedoch einschüchternd wirken, insbesondere wenn Menschen damit rechnen müssen, anschließend in sozialen Netzwerken identifiziert, öffentlich markiert oder angefeindet zu werden. Das JFDA beschreibt diese Praxis als wiederkehrendes Element entsprechender Veranstaltungen.

Gerade hierin zeigt sich ein Muster, das über gewöhnlichen politischen Protest hinausgeht. Einerseits werden maximale Begriffe und Feindbilder gegen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen verwendet, andererseits geraten diejenigen, die solchen Parolen öffentlich widersprechen, selbst sichtbar unter Druck.

Ein demokratischer Protest darf hart, laut und auch radikal in seiner Kritik sein. Er endet aber dort, wo Menschen aufgrund ihrer jüdischen oder israelischen Identität pauschal zu „Mördern“ erklärt werden, wo der Tod von Soldaten gefordert, Terror verherrlicht oder die Beseitigung eines ganzen Staates als politisches Ziel präsentiert wird.

Wer Israel kritisieren will, hat dafür unzählige legitime Möglichkeiten. Wer dagegen israelische Juden kollektiv verantwortlich macht und gleichzeitig eine Zukunft entwirft, in der der jüdische Staat nicht mehr existiert, verlässt die Ebene konkreter Regierungskritik.

Gerade Berlin sollte bei solchen Entwicklungen besonders aufmerksam sein. Denn antisemitische Feindbilder werden heute nicht ausschließlich in klassisch rechtsextremen Milieus verbreitet. Sie treten ebenso in islamistischen und Teilen antiisraelischer linker Protestmilieus auf, oftmals verpackt in die Sprache von „Befreiung“, „Widerstand“ und vermeintlichem Antikolonialismus.

Das ändert nichts am Inhalt.

Wenn Juden kollektiv zu Tätern erklärt werden, Terror als legitimer Widerstand gefeiert und Israels Existenz zur Disposition gestellt wird, ist die Grenze des politischen Protests überschritten.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 1. September 2026

haOlam-News unterstützen

haOlam-News ist auf die Unterstützung seiner Leserinnen und Leser angewiesen. Jeder Beitrag hilft, unabhängige Berichterstattung weiterzuführen.

Sie benötigen nicht zwingend ein PayPal-Konto. Im nächsten Schritt kann je nach PayPal-Anzeige auch eine Zahlung per Karte angeboten werden.

Sie möchten unsere Arbeit unterstützen, nutzen aber kein PayPal? Schreiben Sie uns kurz, wir melden uns mit den passenden Möglichkeiten.

Weitere interessante Artikel

Newsletter