Vermisste Israelinnen lebend in Buenos Aires gefunden
Eine Woche lang fehlte von Mali und Liel Yahalomi jede Spur. Nun wurden Mutter und Tochter in Argentinien gefunden. Nach Angaben der Polizei reisten beide freiwillig und befinden sich nicht in Gefahr. Offen bleibt, warum sie ihre Familie nicht kontaktierten und eine internationale Suche auslösten.

Bildnachweis: IKG Wien
Der Vermisstenfall um Mali und Liel Yahalomi hat eine überraschende Wendung genommen. Die beiden Israelinnen, nach denen seit ihrem Verschwinden in Wien international gesucht worden war, sind am Freitagabend lebend in Argentinien gefunden worden.
Nach Angaben der israelischen Polizei wurden Mutter und Tochter in Buenos Aires lokalisiert. Die argentinische jüdische Nachrichtenagentur AJN berichtete, dass sie in einem Überlandbus entdeckt worden seien.
Damit ist die wichtigste Frage nach einer Woche beantwortet: Beide leben und befinden sich nach bisherigen Erkenntnissen nicht in Gefahr.
Ein Polizeivertreter erklärte laut Ynet, die beiden seien von argentinischen Beamten befragt worden. Dabei habe sich ergeben, dass sie freiwillig unterwegs seien, weder bedroht würden noch gegen ihren Willen festgehalten worden seien. Anschließend durften sie ihre Reise fortsetzen.
Damit haben sich die Befürchtungen eines terroristischen, nationalistisch motivierten oder kriminellen Angriffs nach dem derzeitigen Ermittlungsstand nicht bestätigt.
Ermittler vermuteten offenbar früh eine geplante Reise
Ungeklärt bleibt allerdings, weshalb Mali und Liel ihre Reise vor Familie und Behörden verborgen hielten und während der groß angelegten Suche keinen Kontakt aufnahmen.
Nach Informationen von Ynet hatten Ermittler bereits relativ früh den Verdacht, dass das Verschwinden geplant gewesen sein könnte. Weil das Motiv jedoch vollkommen unklar war und eine Gefährdung nicht ausgeschlossen werden konnte, wurden umfangreiche internationale Ermittlungen eingeleitet.
Die Spur der beiden soll über Tschechien und Österreich schließlich nach Argentinien geführt haben.
Besonders auffällig ist ein weiteres Detail. Nach dem Ynet-Bericht prüfen Ermittler die Möglichkeit, dass Videos, die Mali und Liel in ihrer Wiener Unterkunft aufgenommen hatten, erst verschickt wurden, nachdem sie Österreich bereits verlassen hatten. Dadurch könnte bei den Angehörigen der Eindruck entstanden sein, die beiden befänden sich weiterhin in Wien.
Ob dies tatsächlich bewusst geschah und aus welchem Grund, ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.
Ynet berichtet außerdem, die Reise stehe möglicherweise im Zusammenhang mit persönlichen finanziellen Umständen. Was genau damit gemeint ist, wurde bislang nicht öffentlich geklärt. Daraus lässt sich insbesondere kein Vorwurf einer Straftat ableiten.
Das ist auch deshalb wichtig, weil während der Suche Gerüchte über Malis berufliche Tätigkeit bei der Bank JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen kursierten. Die Bank hatte daraufhin ausdrücklich erklärt, nach einer umfassenden Prüfung bestehe keinerlei Verdacht auf eine Veruntreuung von Kundengeldern.
Internationale Suche endet mit Erleichterung
Die israelische Polizei hatte in den vergangenen Tagen erhebliche Ressourcen eingesetzt. Lahav 433, die Geheimdienstabteilung der Polizei, Europol und Behörden mehrerer Staaten waren an der Suche beteiligt.
Noch am Donnerstag hatte ein hochrangiger Ermittler erklärt, die Polizei gehe als Arbeitshypothese davon aus, dass beide Frauen noch lebten. Gleichzeitig räumte er ein, weder Motiv noch Aufenthaltsort zu kennen.
Diese Einschätzung hat sich nun zumindest im wichtigsten Punkt bestätigt.
Die Familie reagierte erleichtert. Angehörige erklärten gegenüber N12, sie seien vor allem glücklich darüber, dass Mali und Liel lebend gefunden worden seien. Viele Fragen seien weiterhin offen, doch diese müssten zunächst hinter der Erleichterung über ihre Sicherheit zurückstehen.
Auch die während der Suche gesammelten Spendengelder sollen nach Angaben der Familie an die Spender zurückgezahlt werden.
Der Fall zeigt zugleich, weshalb die Behörden trotz verschiedener Hinweise nicht vorschnell von einem freiwilligen Verschwinden ausgehen konnten.
Zwei israelische Frauen waren plötzlich nicht mehr erreichbar. Sie erschienen nicht zu ihrem geplanten Rückflug, hinterließen offenbar kaum verwertbare digitale Spuren und ihre Angehörigen konnten ihr Verhalten nicht erklären. Gleichzeitig musste angesichts der Sicherheitslage israelischer Staatsbürger im Ausland auch eine Entführung oder ein politisch motivierter Angriff geprüft werden.
Nun steht fest, dass diese Befürchtungen offenbar unbegründet waren.
Die entscheidende Nachricht nach einer Woche voller Unsicherheit lautet deshalb schlicht:
Mali und Liel Yahalomi leben. Sie wurden in Buenos Aires gefunden und sind nach Angaben der Polizei freiwillig dort.
Warum sie diese Reise unternahmen und weshalb sie ihre Familie während der internationalen Suche nicht kontaktierten, müssen die weiteren Ermittlungen klären.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Samstag, 15. August 2026