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Kolumbien beendet Petros Israel-Bruch: Botschaft nach Jerusalem, Rückzug aus Südafrikas Verfahren


Kolumbiens gewählter Präsident Abelardo de la Espriella kündigt eine vollständige Kehrtwende gegenüber Israel an. Nach seinem Amtsantritt sollen die diplomatischen Beziehungen wiederhergestellt, Botschafter ausgetauscht, Visaerleichterungen eingeführt und eine kolumbianische Botschaft in Jerusalem eröffnet werden. Auch die Unterstützung für Südafrikas Verfahren gegen Israel vor dem Internationalen

Kolumbien beendet Petros Israel-Bruch: Botschaft nach Jerusalem, Rückzug aus Südafrikas Verfahren
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Kolumbien steht vor einem grundlegenden Kurswechsel in seiner Israelpolitik. Der gewählte Präsident Abelardo de la Espriella will nach seinem Amtsantritt am 7. August die von Gustavo Petro abgebrochenen Beziehungen zum jüdischen Staat nicht nur wiederherstellen, sondern deutlich ausbauen.

Nach einem Treffen des israelischen Außenministers Gideon Sa’ar mit Kolumbiens designiertem Außenminister Omar Bula Escobar in Washington kündigte das Büro des künftigen Präsidenten mehrere konkrete Schritte an. Beide Länder sollen wieder Botschafter entsenden, die Visumpflicht gegenseitig aufheben und ihre wirtschaftliche sowie sicherheitspolitische Zusammenarbeit erneuern. Kolumbien beabsichtigt außerdem, seine Botschaft in JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen zu eröffnen.

Zugleich will die neue Regierung Kolumbiens bisherige Beteiligung an Südafrikas Verfahren gegen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag zurückziehen. De la Espriellas Büro erklärte, Kolumbien werde zu einer „verantwortungsvollen Position“ in internationalen Organisationen und innerhalb der Vereinten Nationen zurückkehren.

Damit endet voraussichtlich eine Phase, in der Petro die Außenpolitik seines Landes zunehmend für seine persönliche Kampagne gegen Israel eingesetzt hatte.

Nicht der Strafgerichtshof, sondern der Internationale Gerichtshof

In der ursprünglichen englischen Meldung wird der Internationale Strafgerichtshof, der ICC, genannt. Das ist falsch.

Südafrikas Verfahren gegen Israel wird vor dem Internationalen Gerichtshof, dem ICJ beziehungsweise auf Deutsch IGH, geführt. Der Internationale Gerichtshof entscheidet über Streitigkeiten zwischen Staaten. Der Internationale Strafgerichtshof verfolgt dagegen einzelne Personen wegen mutmaßlicher internationaler Verbrechen.

Kolumbien war auch keine eigene Klägerpartei. Das Land reichte am 5. April 2024 eine sogenannte Interventionserklärung nach Artikel 63 des Statuts des Internationalen Gerichtshofs ein. Damit wollte die Petro-Regierung Einfluss auf die Auslegung der Völkermordkonvention im von Südafrika angestrengten Verfahren nehmen.

Die neue Regierung kann daher nicht Südafrikas Verfahren beenden. Sie kann aber Kolumbiens politische und rechtliche Unterstützung dafür zurücknehmen und die Intervention des eigenen Landes beim Gerichtshof widerrufen.

Auch die angekündigte Entscheidung wäre kein Urteil über das Verfahren selbst. Der Internationale Gerichtshof hat bislang nicht festgestellt, dass Israel einen Völkermord begangen hat. Südafrika erhebt diesen Vorwurf, Israel weist ihn zurück und hat seine rechtlichen Argumente beim Gericht eingereicht.

Jerusalem wird zum sichtbaren Zeichen des Neuanfangs

Besondere politische Bedeutung besitzt die angekündigte Eröffnung einer kolumbianischen Botschaft in Jerusalem.

De la Espriella will damit nicht lediglich die unter Petro abgebrochenen diplomatischen Beziehungen wieder aufnehmen. Seine Regierung erkennt Jerusalem ausdrücklich als Hauptstadt Israels und als legitimen Sitz einer ausländischen Botschaft an.

Der designierte Außenminister Bula Escobar erklärte bei dem Treffen mit Sa’ar, seine Regierung wolle die Botschaft in Jerusalem eröffnen. Sa’ar sagte die Unterstützung seines Ministeriums bei einer schnellen Umsetzung zu.

Der genaue Standort, der Zeitplan und die notwendigen Verwaltungsentscheidungen wurden bislang nicht bekannt gegeben. Der Schritt ist deshalb noch eine verbindlich formulierte politische Absicht der künftigen Regierung und keine bereits vollzogene Verlegung.

Dennoch ist die Botschaftsankündigung unmissverständlich. De la Espriella will die Beziehungen zu Israel nicht auf das unter Petro zerstörte Mindestmaß zurückführen. Er will ein sichtbar engeres Verhältnis schaffen.

Für Israel wäre eine weitere Botschaft in Jerusalem diplomatisch bedeutsam. Der Schritt würde zudem zeigen, dass die Anerkennung Jerusalems nicht auf die Vereinigten Staaten und einige wenige Staaten begrenzt bleiben muss.

Petro brach jahrzehntelange Beziehungen ab

Kolumbien und Israel unterhielten seit 1950 diplomatische Beziehungen. Über Jahrzehnte entstanden enge Verbindungen in den Bereichen Landwirtschaft, Technologie, Nachrichtendienste, Sicherheitsausrüstung und militärische Zusammenarbeit. Israel unterhielt seit 1957 eine Botschaft in Kolumbien.

Gustavo Petro beendete diese Beziehungen im Mai 2024. Seine Regierung begründete den Schritt mit dem GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen-Krieg und übernahm den Völkermordvorwurf gegen Israel bereits als politische Gewissheit. Das kolumbianische Außenministerium übergab dem israelischen Botschafter am 2. Mai 2024 offiziell die Mitteilung über den Abbruch der diplomatischen Beziehungen.

Petros Politik beschränkte sich dabei nicht auf Kritik an einzelnen Entscheidungen der israelischen Regierung. Er stellte Israel wiederholt als verbrecherischen Staat dar, übertrug die Verantwortung für den Krieg weitgehend auf Jerusalem und rückte den Terrorangriff der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen vom 7. Oktober zunehmend aus dem Mittelpunkt.

Der Bruch traf auch Kolumbiens eigene Interessen. Die kolumbianischen Streitkräfte verwenden seit Jahrzehnten israelische Waffen, Flugzeuge, Aufklärungssysteme und Technologie. Die Feindseligkeit der Regierung gegenüber einem wichtigen Sicherheits- und Technologiepartner stand damit in deutlichem Widerspruch zu den tatsächlichen Bedürfnissen des Landes.

De la Espriella hatte bereits im Wahlkampf angekündigt, die strategische Zusammenarbeit mit Israel und den Vereinigten Staaten zu erneuern. Insbesondere beim Kampf gegen Drogenkartelle, Terrororganisationen und bewaffnete Gruppen betrachtet er israelische Technologie als wichtigen Bestandteil seiner Sicherheitspolitik.

Wieder Botschafter und Reisen ohne Visum

Die künftigen Regierungen Israels und Kolumbiens wollen unmittelbar nach der Amtseinführung de la Espriellas wieder Botschafter ernennen.

Damit würden die diplomatischen Beziehungen, die unter Petro nur noch durch eingeschränkte konsularische Strukturen ersetzt wurden, vollständig wiederhergestellt. Beide Seiten vereinbarten außerdem, die Visumpflicht für Reisende gegenseitig abzuschaffen.

Auch diese Vereinbarung muss nach dem Regierungswechsel noch formal umgesetzt werden. Ein politischer Beschluss allein verändert nicht automatisch die Einreisebestimmungen. Die Ankündigung zeigt jedoch, dass beide Seiten den Austausch nicht nur auf Regierungsebene wieder aufnehmen wollen.

Visaerleichterungen könnten Tourismus, Geschäftsreisen, akademische Kontakte und gemeinsame Technologieprojekte fördern. Für Kolumbien ist Israel besonders in den Bereichen Wasserwirtschaft, Landwirtschaft, Cybersicherheit, Verteidigung und medizinische Technologie ein potenziell wertvoller Partner.

Die Entscheidung ist deshalb mehr als eine symbolische Korrektur der Petro-Jahre. Sie soll wirtschaftliche und sicherheitspolitische Beziehungen wiederbeleben, die durch den diplomatischen Bruch beschädigt wurden.

Eine klare Absage an Petros Außenpolitik

De la Espriellas Büro warf Petro vor, die historischen Beziehungen zwischen Kolumbien und Israel einseitig zerstört zu haben. Die neue Regierung wolle diese Verbindung wieder stärken und Kolumbiens Verhalten in internationalen Organisationen neu ausrichten.

Damit wird der Wechsel auch innenpolitisch zu einer Abrechnung mit Petro.

Der scheidende Präsident hatte die Nähe zu Israel nicht aufgrund eines Konflikts zwischen den beiden Ländern beendet. Israel hatte Kolumbien weder angegriffen noch bedroht. Petro opferte eine jahrzehntelange Partnerschaft seiner ideologischen Positionierung im Nahostkonflikt.

De la Espriella setzt den entgegengesetzten Schwerpunkt. Für ihn soll Außenpolitik wieder kolumbianischen Interessen dienen und nicht zur Bühne für die persönliche Israel-Feindschaft des Präsidenten werden.

Sein Wahlsieg wurde am 24. Juni nach Abschluss der offiziellen Auszählung bestätigt. Er erhielt 12.960.166 Stimmen und setzte sich mit einem Vorsprung von knapp einem Prozentpunkt gegen Iván Cepeda durch. Der Machtwechsel ist für den 7. August vorgesehen.

Ankündigungen müssen nach dem Amtsantritt umgesetzt werden

Trotz der deutlichen Erklärung ist die Kehrtwende noch nicht vollständig vollzogen.

Bis zum 7. August bleibt Gustavo Petro Präsident. Erst anschließend kann die neue Regierung Botschafter ernennen, Einreiseregelungen ändern, die Eröffnung einer Botschaft in Jerusalem veranlassen und Kolumbiens Intervention beim Internationalen Gerichtshof formell zurückziehen.

Gerade die Botschaftseröffnung dürfte organisatorische und sicherheitspolitische Vorbereitungen erfordern. Auch der Rückzug aus dem Verfahren in Den Haag muss dem Gericht offiziell mitgeteilt und von diesem verfahrensrechtlich behandelt werden.

Der politische Wille ist jedoch eindeutig. Israel und Kolumbiens künftige Regierung haben sich bereits auf die Richtung verständigt.

Es geht nicht nur um die Reparatur eines beschädigten Verhältnisses. De la Espriella will Petros Israelpolitik vollständig umkehren: von abgebrochenen Beziehungen zu neuen Botschaftern, von politischer Unterstützung der südafrikanischen Klage zum Rückzug aus dem Verfahren und von diplomatischer Distanz zu einer Botschaft in Jerusalem.

Für Israel ist dies ein wichtiger außenpolitischer Erfolg. Für Kolumbien ist es die Rückkehr zu einer Partnerschaft, die jahrzehntelang beiden Ländern genutzt hatte und von Petro aus ideologischen Gründen aufgegeben wurde.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 19. Juli 2026

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