Bericht: Washington drängte Israel zum Alleingang gegen Iran aus Sorge vor den US-Midterms
Die USA sollen Israel in den vergangenen zwei Wochen gedrängt haben, Iran ohne amerikanische Beteiligung erneut anzugreifen. Hintergrund war laut israelischen Berichten nicht fehlende militärische Vorbereitung in Washington, sondern die Sorge vor den politischen Folgen eines neuen US-Krieges unmittelbar vor den Zwischenwahlen.

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Die Gespräche zwischen JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen und Washington über einen möglichen neuen Schlag gegen Iran waren offenbar konkreter als bislang bekannt. Nach einem Bericht des israelischen Journalisten Ben Caspit, der am Samstag zunächst bei Walla und anschließend von der Jerusalem Post aufgegriffen wurde, verlangten amerikanische Vertreter von IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen zeitweise, eine neue Operation gegen Iran allein durchzuführen.
Die Vereinigten Staaten sollten sich demnach militärisch nicht beteiligen. Das politische Risiko eines erneuten Krieges vor den amerikanischen Zwischenwahlen am 3. November wäre damit vor allem von Israel getragen worden.
Nach Darstellung der israelischen Quellen gingen amerikanische Vertreter davon aus, dass eine israelische Operation vor der eigenen Parlamentswahl am 27. Oktober für Jerusalem politisch eher verkraftbar sei als ein amerikanischer Angriff wenige Wochen vor den Midterms für Präsident Donald Trump. Ob und in welchem Umfang diese Einschätzung tatsächlich die Position des Weißen Hauses widerspiegelte, ist bislang nicht offiziell bestätigt worden.
Bemerkenswert ist jedoch, dass der Bericht mit einer Reihe anderer Entwicklungen der vergangenen Tage zusammenpasst. Noch am Donnerstag wurde bekannt, dass das Pentagon das US-Zentralkommando angewiesen haben soll, Vorbereitungen für eine mögliche neue große Operation gegen Iran abzuschließen. Israels Generalstabschef Eyal Zamir war nach N12-Informationen über amerikanische Vorbereitungen für eine mögliche Wiederaufnahme großflächiger Kampfhandlungen innerhalb weniger Wochen informiert worden.
Gleichzeitig erklärte Trump öffentlich, die USA würden Iran vor den Midterms nicht angreifen. Weniger als einen Tag später relativierte er diese Aussage wieder. Auf die Frage, ob ein Angriff doch noch vor den Wahlen möglich sei, antwortete er sinngemäß, dies könne geschehen und man werde sehen.
Damit ergibt sich ein widersprüchliches Bild: Washington bereitet militärische Optionen vor, Trump hält öffentlich sowohl Verhandlungen als auch neue Angriffe offen, gleichzeitig soll Israel zeitweise aufgefordert worden sein, das unmittelbare militärische und politische Risiko allein zu übernehmen.
Zamir warnte vor Folgen für Israels Wahl
Der israelische Generalstabschef soll sich gegen einen solchen Alleingang ausgesprochen haben. Zamir habe amerikanischen Gesprächspartnern deutlich gemacht, dass ein israelischer Angriff mit hoher Wahrscheinlichkeit eine massive iranische Reaktion auslösen würde. Raketenangriffe auf Israel könnten wiederum dazu führen, dass die für den 27. Oktober angesetzte Knessetwahl verschoben werden müsste.
Nach dem aktuellen Bericht wurde die amerikanische Forderung inzwischen zurückgenommen, zumindest vorerst.
Welche Position Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in dieser Frage vertritt, ist nicht eindeutig bekannt. Israelische Quellen beschreiben seinen Terminkalender der vergangenen Tage allerdings als ungewöhnlich stark von Sicherheitsfragen geprägt. Mehrere Treffen und Besuche seien als besonders sensibel eingestuft worden.
Dass Israel überhaupt über einen erneuten Schlag nachdenkt, hat einen konkreten sicherheitspolitischen Hintergrund. Westliche Geheimdienste gehen inzwischen davon aus, dass Iran trotz monatelanger amerikanischer und israelischer Angriffe wesentliche Teile seiner Raketen- und Drohnenproduktion erhalten konnte.
Noch vor wenigen Monaten hatten Vertreter der Trump-Regierung erklärt, die iranische militärische Produktionsbasis sei praktisch zerstört worden. Neuere westliche Einschätzungen zeichnen ein differenzierteres Bild. Demnach wurden zwar erhebliche Teile der Infrastruktur getroffen, Iran verfügt aber weiterhin über Produktionsanlagen, vorhandene Komponenten und größere Waffenbestände.
Bereits im September wurde berichtet, dass Teheran in begrenztem Umfang wieder ballistische Raketen aus vorhandenen Bauteilen zusammensetzt. Teile der Produktion sollen in unterirdischen Anlagen weiterlaufen. Hinzu kommen Hinweise, dass Iran Raketen und Drohnen schneller regeneriert als ursprünglich erwartet.
Vor Beginn der jüngsten Kriegsphase verfügte Teheran nach israelischen Schätzungen über etwa 2.500 ballistische Raketen. Wie groß der aktuelle Bestand ist, lässt sich nicht zuverlässig bestimmen. Westliche Dienste gehen jedoch davon aus, dass Iran weiterhin über erhebliche Mengen ballistischer und gegen Schiffe gerichteter Raketen verfügt und zusätzliche Waffen vergleichsweise schnell herstellen kann.
Auch die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen bleibt ein zentraler Krisenpunkt. Iran hat dort in den vergangenen Wochen den Druck auf die Schifffahrt erneut erhöht. Mehrere Schiffe wurden angegriffen, während Washington zugleich den wirtschaftlichen Druck auf iranische Ölexporte verschärft.
Für Israel entsteht daraus ein bekanntes strategisches Problem: Jeder Monat ohne erneute Angriffe gibt Teheran Zeit, zerstörte Infrastruktur zu reparieren, Produktionsketten neu aufzubauen und seine Raketenbestände zu ergänzen.
haOlam hatte bereits Ende September über die israelische Einschätzung berichtet, dass gerade das Zeitfenster zwischen der israelischen Wahl und den amerikanischen Midterms sicherheitspolitisch besonders empfindlich werden könnte. Der neue Bericht verschärft dieses Bild noch einmal. Offenbar wurde nicht nur darüber gesprochen, wann Iran erneut angegriffen werden könnte, sondern auch darüber, wer dafür den politischen Preis tragen sollte.
Amerikas Wahlkalender darf Israels Sicherheit nicht bestimmen
Für Jerusalem ist die entscheidende Frage nicht, ob ein erneuter Angriff innenpolitisch günstig oder ungünstig wäre. Entscheidend ist, ob Iran erneut Fähigkeiten aufbaut, die eine unmittelbare strategische Bedrohung für Israel darstellen.
Israel kann amerikanische Unterstützung nicht ersetzen. Die gemeinsame Operationsfähigkeit, amerikanische Langstreckenwaffen, Aufklärung und Luftbetankung haben in den vergangenen Angriffswellen eine wichtige Rolle gespielt. Gleichzeitig kann Jerusalem seine Sicherheitsentscheidungen nicht vollständig vom amerikanischen Wahlkalender abhängig machen.
Genau darin liegt die Brisanz des neuen Berichts.
Sollte Washington tatsächlich versucht haben, Israel zu einem Alleingang zu bewegen, um einen politischen Schaden für Trump vor den Midterms zu vermeiden, würde dies zeigen, wie eng militärische Planung und innenpolitische Interessen inzwischen miteinander verbunden sind.
Das bedeutet nicht, dass Israel jeden amerikanischen Vorschlag akzeptieren muss. Ebenso wenig bedeutet es, dass ein Angriff automatisch die richtige Antwort auf jede iranische Wiederaufbauaktivität wäre. Die Entscheidung hängt von Geheimdienstinformationen, verfügbaren Zielen, den erwarteten Auswirkungen und dem Risiko einer regionalen Eskalation ab.
Doch eine Grenze sollte klar bleiben: Ob Iran genügend Raketen, Drohnen oder nukleare Fähigkeiten besitzt, um Israel zu bedrohen, ist eine Sicherheitsfrage. Sie lässt sich nicht nach dem amerikanischen oder israelischen Wahlkalender beantworten.
Washington hat seine Forderung nach einem israelischen Alleingang offenbar vorerst zurückgenommen. Das Problem dahinter ist damit nicht verschwunden.
Iran baut weiter auf. Die USA halten militärische Optionen offen. Israel befindet sich weniger als drei Wochen vor einer Wahl.
Und die Frage, wann und wie Teherans verbleibende militärische Fähigkeiten erneut angegriffen werden könnten, bleibt auf dem Tisch.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 11. Oktober 2026