Irans Staatsfernsehen macht Barron Trump zum Mordziel: Das hat mit Politik nichts mehr zu tun

Irans Staatsfernsehen macht Barron Trump zum Mordziel: Das hat mit Politik nichts mehr zu tun


Ein iranischer Staatssender nimmt Donald Trumps Sohn Barron ins Visier, beschäftigt sich mit seiner Bewachung und spricht von einer Belohnung in Höhe von zehn Millionen Dollar. Ganz gleich, wie man Donald Trump bewertet: Familienangehörige auf diese Weise zum Ziel zu machen, überschreitet eine Grenze.

Irans Staatsfernsehen macht Barron Trump zum Mordziel: Das hat mit Politik nichts mehr zu tun
Bildnachweis: U.S. Department of Defense

Man kann Donald Trump ablehnen. Man kann seine Politik bekämpfen, seine Entscheidungen verurteilen und insbesondere über den Krieg mit Iran erbittert streiten.

Aber Barron Trump ist nicht der Präsident der Vereinigten Staaten.

Er entscheidet nicht über amerikanische Angriffe, Sanktionen oder Verhandlungen mit Teheran. Er hat kein Regierungsamt und trägt keine politische Verantwortung für die Entscheidungen seines Vaters.

Genau deshalb ist ein Beitrag des iranischen Staatsfernsehens so verstörend, über den Iran International am Montag berichtet. In dem rund dreiminütigen Video wird Barron Trump nicht einfach beschimpft. Der Film beschäftigt sich damit, wie der Sohn des amerikanischen Präsidenten erreicht werden könnte, stellt angebliche Informationen über sein Umfeld dar und spricht von einer Belohnung in Höhe von zehn Millionen Dollar.

Der Beitrag versucht dabei den Eindruck zu erwecken, man habe Kenntnisse über Aufenthaltsorte, Online-Aktivitäten, Personen aus seinem Umfeld und die Arbeit seiner Sicherheitskräfte gesammelt. Diese angeblichen Erkenntnisse sind nicht unabhängig bestätigt. Iran International weist ausdrücklich darauf hin, dass das Video stark mit inszenierten Grafiken arbeitet und keinen Beweis liefert, dass tatsächlich ein Zugriff auf Barron Trump oder sein Umfeld gelungen ist.

Das ist eine wichtige Einschränkung. Es gibt derzeit keinen öffentlich belegten konkreten iranischen Mordplan gegen Barron Trump. Ebenso ist nicht belegt, dass tatsächlich zehn Millionen Dollar als offizielles Kopfgeld bereitgestellt wurden.

Aber das entschärft den eigentlichen Skandal kaum.

Der Skandal besteht bereits darin, dass ein iranisches Staatsmedium einen solchen Beitrag überhaupt ausstrahlt.

Erst Melania, jetzt Barron

Es ist zudem keine völlig isolierte Entgleisung.

Bereits Ende Juli hatte die mit den RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen verbundene iranische Nachrichtenagentur Tasnim ein Video verbreitet, das mögliche Angriffe auf First Lady Melania Trump thematisierte. Der Beitrag ging weit über politische Polemik hinaus und endete mit einer ausdrücklichen Drohung gegen Barron Trump: „Das ist erst der Anfang. Barron Trump, warte auf uns.“

Nun folgt ein eigener Beitrag über den Präsidentensohn.

Damit verschiebt sich die iranische Drohkulisse. Jahrelang richteten sich Racheankündigungen aus Teheran vor allem gegen Donald Trump selbst und gegen frühere amerikanische Regierungsvertreter, denen Iran Verantwortung für die Tötung des Quds-Kommandeurs Qasem Soleimani zuschreibt. Jetzt wird ein Familienmitglied ins Visier genommen, das diese Entscheidungen nicht getroffen hat. Iran International bezeichnet genau diesen Übergang von politischen Verantwortlichen zur Familie des Präsidenten als erhebliche Eskalation.

Dass solche Drohungen aus Iran nicht grundsätzlich als reine Fernsehfolklore behandelt werden können, zeigt die Vergangenheit.

Das US-Justizministerium erhob 2022 Anklage gegen ein Mitglied der iranischen Revolutionsgarden. Der Mann soll versucht haben, für 300.000 Dollar einen Mörder für den früheren Nationalen Sicherheitsberater John Bolton anzuwerben. Die Tat sollte nach Einschätzung der amerikanischen Behörden wahrscheinlich Vergeltung für Soleimanis Tötung sein.

2024 wurde ein weiterer Fall öffentlich. Nach Angaben des US-Justizministeriums sagte der mutmaßliche IRGC-Mitarbeiter Farhad Shakeri gegenüber Ermittlern aus, er sei von den Revolutionsgarden beauftragt worden, einen Plan zur Ermordung Donald Trumps vorzulegen. Dabei handelt es sich um Anklagevorwürfe. Sie zeigen aber, weshalb amerikanische Sicherheitsbehörden iranische Morddrohungen nicht einfach ignorieren können.

Gerade vor diesem Hintergrund ist der neue Fernsehbeitrag vollkommen verantwortungslos.

Man muss Donald Trump nicht mögen, um das auszusprechen.

Man muss auch den Krieg gegen Iran nicht unterstützen. Man kann amerikanische oder israelische Angriffe scharf kritisieren. Man kann Trump für seine Entscheidungen politisch verantwortlich machen.

Aber sein Sohn ist nicht die Ersatz-Zielscheibe für den Vater.

Wer Familienangehörige eines Politikers bedroht, weil er dessen Politik bekämpft, führt keine politische Auseinandersetzung mehr. Und wenn ein staatlicher Fernsehsender dabei den Eindruck erweckt, Aufenthaltsorte und Sicherheitsvorkehrungen eines Familienmitglieds auszuwerten, wird aus widerwärtiger Rhetorik eine Botschaft, die Sicherheitsbehörden ernst nehmen müssen.

Auch die angebliche Millionenbelohnung sollte dabei präzise beschrieben werden. Der vorliegende Bericht belegt nicht, dass die iranische Regierung einen förmlichen Zehn-Millionen-Dollar-Auftrag zur Ermordung Barron Trumps erlassen hat. Das Staatsfernsehen bringt die Summe jedoch ausdrücklich im Zusammenhang mit dem Präsidentensohn ins Spiel. Gegen Ende des Beitrags heißt es laut Iran International, viele Menschen wären bereit, die zehn Millionen Dollar zu erhalten.

Das ist schlimm genug. Man muss daraus nichts machen, was noch nicht bewiesen ist.

Vor allem braucht man keine politische Rechtfertigung dafür zu suchen.

Donald Trump ist Präsident. Seine Politik darf bekämpft werden.

Barron Trump ist sein Sohn.

Familienangehörige sind keine legitimen Ziele politischer Vergeltung. Punkt.



Autor: Bernd Geiger

Artikel veröffentlicht am: Montag, 24. August 2026

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