Bot-Armee für Mamdani? Die Spur soll bis ins New Yorker Rathaus führen

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Bot-Armee für Mamdani? Die Spur soll bis ins New Yorker Rathaus führen


Hunderte verdächtige X-Konten verstärken Mamdanis Botschaften, darunter scharfe Angriffe auf Israel. Cyberexperten sprechen von IP-Spuren zu City Hall. Bewiesen ist eine Steuerung aus dem Rathaus bislang nicht.

Bot-Armee für Mamdani? Die Spur soll bis ins New Yorker Rathaus führen
Bildnachweis: NYC Mayor's Office

Ein Netzwerk aus mutmaßlich automatisierten oder koordiniert betriebenen X-Konten soll die Botschaften des New Yorker Bürgermeisters Zohran Mamdani und seines politischen Umfelds in ungewöhnlichem Ausmaß verbreiten. Besonders brisant ist eine Behauptung der World ZionistZionismus: Das Recht der Juden auf SelbstbestimmungZionismus bezeichnet die jüdische Nationalbewegung, die für die Rückkehr des jüdischen Volkes in seine historische Heimat und für jüdische Selbstbestimmung im Land Israel eintrat. Der moderne Zionismus entstand im 19. Jahrhundert als Antwort auf Antisemitismus, Verfolgung und Entrechtung.Mehr lesen Organization, WZO: Von Cyberexperten ausgewertete IP-Daten sollen sich bis zur technischen Infrastruktur des New Yorker Rathauses zurückverfolgen lassen.

Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, wäre das kein belangloser Streit über einige überaktive Unterstützer in sozialen Netzwerken. Dann müsste geklärt werden, ob öffentliche Infrastruktur verwendet wurde, um politische Botschaften künstlich größer erscheinen zu lassen, als ihre tatsächliche Unterstützung im Netz ist. Nach den Regeln der Stadt dürfen öffentliche Bedienstete städtische Computer, Telefone, E-Mail-Konten und andere Ressourcen nicht für Wahlkampfzwecke verwenden.

Doch ebenso klar muss sein: Dieser entscheidende Teil der Geschichte ist bislang ein schwerwiegender Verdacht und kein bewiesener Vorgang. Die JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen Post hat die zugrunde liegenden IP-Daten nicht veröffentlicht. Sie nennt weder die vollständige technische Methode noch Serverprotokolle, mit denen eine unabhängige Zuordnung überprüft werden könnte. Auch ist bislang nicht bewiesen, dass Mamdani, Mitarbeiter seines Büros oder seine Kommunikationsabteilung die verdächtigen Konten eingerichtet, bezahlt oder gesteuert haben. Genau das stellt selbst der Bericht ausdrücklich klar.

Diese Einschränkung macht die Sache nicht belanglos. Im Gegenteil. Die veröffentlichten Aktivitätsmuster sind auffällig genug, dass eine unabhängige Untersuchung notwendig erscheint.

955 Beiträge am Tag und fast kein eigener Inhalt

Nach Angaben der WZO untersuchten Cyberexperten Dutzende Konten mit auffallend ähnlichem Verhalten. Die Organisation vermutet, dass das tatsächliche Netzwerk mehrere Hundert Accounts umfassen könnte und weiterhin wächst.

Viele der untersuchten Konten veröffentlichten selbst kaum eigene Inhalte. Stattdessen bestanden 96 bis 100 Prozent ihrer Aktivitäten aus wiederholtem Teilen fremder Beiträge. Besonders häufig verstärkten sie Inhalte von Mamdanis offiziellem Konto, Konten der Stadtverwaltung sowie Accounts politischer Verbündeter und Funktionäre aus seinem Umfeld.

Einige Aktivitätswerte sind mit gewöhnlicher menschlicher Nutzung nur schwer zu erklären. Der Account „SnoopyLima13“ soll beispielsweise auf rechnerisch 955 Beiträge pro Tag gekommen sein, bei einer Wiederholungsquote von 100 Prozent. „CatCat2005689“ erreichte dem Bericht zufolge 864 Beiträge täglich und ebenfalls ausschließlich wiederholte Inhalte. Andere Konten waren erst wenige Tage alt und verbreiteten trotzdem bereits Hunderte Beiträge pro Tag.

Solche Zahlen beweisen allein noch keinen Bot. Menschen können mehrere Konten betreiben, Beiträge automatisiert planen oder Software zur Veröffentlichung verwenden. Doch die Verbindung aus extrem hoher Aktivität, nahezu vollständigem Verzicht auf eigene Inhalte, leeren oder kaum gepflegten Profilen, neuen Accounts und nahezu identischem Verhalten über zahlreiche Konten hinweg ist ein klassisches Warnzeichen für koordinierte Verstärkung.

Das Prinzip ist einfach und wirkungsvoll. Ein politischer Beitrag erscheint auf einem reichweitenstarken Ausgangskonto. Innerhalb kurzer Zeit verbreiten zahlreiche Accounts denselben Inhalt weiter. Dadurch wächst die sichtbare Aktivität. Der Algorithmus bewertet den Beitrag als relevant, zeigt ihn weiteren Menschen an und erzeugt zusätzliche Reaktionen echter Nutzer. Aus künstlich erzeugtem Anschub kann dadurch reale Reichweite entstehen.

Die WZO sieht genau dieses Muster bei Mamdanis Kommunikation. Nach Angaben der Analysten erreichte der Anteil an wiederholten Veröffentlichungen von Inhalten des Bürgermeisters bei einzelnen untersuchten Konten 98 bis 100 Prozent.

Besonders problematisch wird dieses Verfahren dort, wo nicht nur kommunale Mitteilungen über Müllabfuhr, Wohnungen oder Verkehr verbreitet werden, sondern hochgradig polarisierende politische Aussagen.

Mamdani hat IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wiederholt scharf angegriffen. Während seines Wahlkampfs versprach er sogar, Netanjahu bei einem Besuch in New York festnehmen zu lassen. Erst nach seinem Amtsantritt räumte seine Verwaltung ein, dass sie keine eigenständige rechtliche Befugnis besitzt, einen Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs durchzusetzen.

In einem offiziellen Auftritt bezeichnete Mamdani Netanjahu zudem als Verantwortlichen für einen angeblichen Genozid in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen. Die Aussage kam nicht von einem privaten Aktivisten, sondern vom Bürgermeister der Stadt mit einer der größten jüdischen Gemeinschaften außerhalb Israels.

Wenn solche Botschaften anschließend durch eine künstliche Verstärkungsstruktur millionenfach größer erscheinen, muss die Herkunft dieser Struktur geklärt werden.

Der schwerste Vorwurf ist bisher nicht bewiesen

Besondere Vorsicht ist bei der behaupteten IP-Spur geboten. Die von der Jerusalem Post befragten Cyberexperten erklärten nach Angaben der Zeitung, sie seien sich „100 Prozent sicher“, dass die untersuchten IP-Adressen der Infrastruktur von City Hall zugeordnet werden könnten. Die Zeitung schreibt gleichzeitig ausdrücklich, dass daraus weder hervorgeht, wer die Konten bediente, noch ob städtische Mitarbeiter ihre Tätigkeit anordneten.

Genau an dieser Stelle braucht es mehr als eine starke Aussage an eine Zeitung.

Normale öffentliche X-Daten bestehen unter anderem aus Beiträgen, Profilinformationen und öffentlich sichtbaren Interaktionen. IP-Adressen gehören nicht zu den gewöhnlichen öffentlich verfügbaren Profildaten der Plattform. X beschreibt seine Programmierschnittstellen selbst als Zugang zu öffentlich freigegebenen Daten, während nicht öffentliche Informationen besondere Berechtigungen benötigen.

Deshalb muss erklärt werden, wie die Forscher an die behaupteten IP-Daten gelangten und wie genau die Zuordnung zu City Hall erfolgte. Ohne diese Informationen ist die zentrale Behauptung für Außenstehende nicht überprüfbar.

Das ist kein Argument dafür, die Untersuchung abzutun. Es ist ein Argument dafür, sie jetzt ernsthaft zu führen.

Mark Goldfeder vom National Jewish Advocacy Center kündigte bereits an, die Angelegenheit an das New Yorker Department of Investigation und das Conflicts of Interest Board weiterzugeben. Seine Organisation will außerdem die Serverprotokolle des Rathauses anfordern. Genau diese Protokolle könnten entscheidend werden. Sie könnten zeigen, ob verdächtige Verbindungen tatsächlich aus städtischen Netzen kamen, wann sie erfolgten und welche Geräte oder Benutzerkonten damit verbunden waren.

Das New Yorker Conflicts of Interest Board ist ausdrücklich für die Durchsetzung der Vorschriften über politische Tätigkeit und den Missbrauch öffentlicher Ressourcen zuständig. Die Regeln verbieten städtischen Beschäftigten, Arbeitszeit oder öffentliche Computer, E-Mail-Konten, Telefone und andere städtische Mittel für Wahlkampfzwecke einzusetzen.

Bis zur Veröffentlichung des Jerusalem Post Berichts hatten weder City Hall noch das US-Außenministerium auf entsprechende Anfragen der Zeitung geantwortet.

Mamdani darf deshalb nicht einfach zum Betreiber einer geheimen Bot-Armee erklärt werden. Dafür fehlen Beweise. Aber sein Rathaus kann diesen Vorgang auch nicht mit Schweigen erledigen. Der Verdacht ist inzwischen zu konkret.

Wer betrieb die Konten? Woher kamen sie? Warum verhalten sich so viele nahezu identisch? Wer finanzierte mögliche Automatisierung? Wie gelangten die Ermittler zu IP-Adressen, die angeblich City Hall zugeordnet werden können? Und lässt sich diese Behauptung anhand der Serverprotokolle der Stadt bestätigen oder widerlegen?

Diese Fragen sind gerade deshalb wichtig, weil politische Manipulation in sozialen Netzwerken längst kein Spiel mehr ist. Iran, Russland und andere Staaten nutzen nachweislich künstliche Konten, um gesellschaftliche Spannungen zu verschärfen und israelfeindliche sowie antisemitische Erzählungen zu verbreiten. Israelische Untersuchungen dokumentierten bereits Netzwerke, die mit Tausenden Beiträgen versuchten, öffentliche Stimmungen im Westen zu beeinflussen.

Wenn vergleichbare Methoden nun im Umfeld eines amerikanischen Bürgermeisters auftauchen, spielt es zunächst keine Rolle, ob ihre Betreiber Politiker, Aktivisten, externe Dienstleister oder besonders fanatische Unterstützer waren. Eine Demokratie muss wissen, ob Zustimmung im Netz tatsächlich von Menschen kommt oder künstlich hergestellt wird.

Und New York muss noch etwas wissen: Wurden dafür öffentliche Ressourcen benutzt?

Solange diese Frage nicht beantwortet ist, bleibt der schwerste Vorwurf unbewiesen. Ihn deshalb zu verschweigen wäre jedoch genauso falsch wie ihn bereits als Tatsache zu verkaufen.

Die Serverprotokolle können aus einem Verdacht einen Skandal machen oder ihn widerlegen. Genau deshalb sollten sie jetzt unabhängig untersucht werden.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 7. August 2026

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