Gallup Umfrage 2026: Amerikaner stellen sich erstmals häufiger auf die Seite der Palästinenser als auf Israels Seite


Eine neue Gallup Erhebung erschüttert die Grundlage der Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Staaten. Die Zahlen zeigen eine politische und gesellschaftliche Verschiebung, deren Folgen Israel noch lange spüren wird.

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Besonders junge Amerikaner wenden sich in großer Zahl von Israel ab. Diese Entwicklung trifft Israel nicht auf dem Schlachtfeld, sondern im Herzen seines wichtigsten Verbündeten.

Die Nachricht trifft Israel in einer Phase äußerer militärischer Stärke, aber wachsender politischer Verwundbarkeit. Über Jahrzehnte hinweg war die Unterstützung der amerikanischen Bevölkerung kein politisches Detail, sondern ein strategischer Pfeiler der nationalen Sicherheit Israels. Diese Unterstützung beeinflusste Waffenlieferungen, diplomatischen Schutz und die Bereitschaft amerikanischer Präsidenten, Israel in kritischen Momenten beizustehen. Nun zeigen die neuesten Zahlen des Gallup Instituts für das Jahr 2026 eine Entwicklung, die in Jerusalem nicht als statistische Randnotiz verstanden wird, sondern als ernsthafte strategische Warnung.

Erstmals seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2001 geben mehr Amerikaner an, sich mit den Palästinensern zu identifizieren als mit Israel. 41 Prozent erklären ihre emotionale Nähe zur palästinensischen Seite, während nur noch 36 Prozent Israel als den Akteur nennen, dem ihre Sympathie stärker gilt. Diese Zahlen markieren einen historischen Wendepunkt. Noch vor wenigen Jahren lag Israel deutlich vorn. Über fast zwei Jahrzehnte hinweg betrug der Vorsprung Israels in der amerikanischen öffentlichen Meinung mehr als vierzig Prozentpunkte. Dieser Vorsprung ist nicht nur geschrumpft, er ist verschwunden.

Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung unter unabhängigen Wählern in den Vereinigten Staaten. Diese Gruppe entscheidet regelmäßig über Wahlausgänge und damit indirekt über die Außenpolitik. Heute identifizieren sich 41 Prozent dieser Wähler stärker mit den Palästinensern und nur 30 Prozent mit Israel. Diese Veränderung zeigt, dass sich die Verschiebung nicht auf ideologische Randgruppen beschränkt, sondern die politische Mitte erreicht hat.

Noch dramatischer ist die Lage innerhalb der Demokratischen Partei. Dort unterstützen nur noch 17 Prozent Israel, während 65 Prozent ihre Sympathie den Palästinensern aussprechen. Diese Entwicklung ist das Ergebnis eines jahrelangen kulturellen Wandels. Israel wird von vielen jüngeren Demokraten nicht mehr als demokratischer Staat gesehen, der sein Existenzrecht verteidigt, sondern durch eine vereinfachte Darstellung als militärisch dominierende Kraft wahrgenommen. Diese Wahrnehmung ignoriert die historische Realität, dass Israel seit seiner Gründung unter permanenter Bedrohung stand und weiterhin steht.

Doch die vielleicht wichtigste Erkenntnis dieser Umfrage liegt in der Altersstruktur. Unter Amerikanern zwischen 18 und 34 Jahren identifiziert sich eine klare Mehrheit von 53 Prozent mit den Palästinensern. Nur noch 23 Prozent sehen Israel als die Seite, der ihre Unterstützung gilt. Diese Zahlen sind aus israelischer Sicht besonders alarmierend, weil sie die Zukunft beschreiben. Diese Generation wird die politischen Entscheidungsträger, Journalisten, Professoren und Diplomaten der kommenden Jahrzehnte stellen.

Selbst in der Altersgruppe zwischen 35 und 54 Jahren liegt die palästinensische Seite inzwischen deutlich vorn. Nur unter Amerikanern über 55 Jahren hält sich eine knappe Mehrheit zugunsten Israels. Doch auch dort ist die Unterstützung auf einen historischen Tiefstand gefallen.

Diese Entwicklung ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis eines langen Prozesses, in dem Israel zunehmend Gegenstand politischer und ideologischer Debatten in den Vereinigten Staaten geworden ist. Soziale Medien spielen dabei eine entscheidende Rolle. Millionen junger Amerikaner beziehen ihre Informationen aus Plattformen, in denen komplexe historische Zusammenhänge auf einfache Bilder reduziert werden. Israel erscheint dort häufig nicht als kleines Land, das sich gegen Terrororganisationen wie die Hamas verteidigt, sondern als militärische Macht ohne Kontext seiner Sicherheitslage.

Gleichzeitig wächst in den Vereinigten Staaten eine politische Kultur, in der internationale Konflikte zunehmend durch moralische Kategorien betrachtet werden. Israel wird dabei oft zum Projektionspunkt politischer Debatten, die eigentlich mit amerikanischer Innenpolitik zu tun haben.

Trotz dieser besorgniserregenden Entwicklung gibt es eine wichtige Einschränkung. Israel wird weiterhin insgesamt positiver bewertet als die palästinensische Führung. 46 Prozent der Amerikaner äußern eine positive Meinung über Israel, während die palästinensische Seite bei 37 Prozent liegt. Dieser Unterschied zeigt, dass die grundlegende Anerkennung Israels als Staat weiterhin besteht. Doch auch dieser Abstand ist kleiner geworden.

Für Israel ergibt sich daraus eine klare strategische Herausforderung. Die militärische Stärke des Landes bleibt unverändert. Die Allianz mit den Vereinigten Staaten besteht fort. Doch die öffentliche Meinung verändert sich schneller als politische Bündnisse. In Demokratien bestimmt langfristig die Bevölkerung den Kurs.

Israel steht daher vor einer Realität, die nüchtern betrachtet werden muss. Die Sicherheit des Landes hängt nicht von Umfragen ab, sondern von seiner Fähigkeit, sich selbst zu verteidigen. Doch die internationale Handlungsfreiheit Israels wird auch davon beeinflusst, wie die Bevölkerung seines wichtigsten Verbündeten denkt und fühlt.

Diese Umfrage ist kein Zeichen einer unmittelbaren politischen Krise. Aber sie ist ein deutliches Signal dafür, dass Israel die Bedeutung der öffentlichen Meinung im Westen nicht unterschätzen darf. Die Freundschaft zwischen Staaten entsteht nicht nur durch Verträge, sondern durch Überzeugung.



Autor: Redaktion
Bild Quelle: By عباد ديرانية - Own work, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=147749569

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 27. Februar 2026

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