New Yorks Bürgermeister bringt jüdische Unternehmer gegen sich auf


Der Konflikt zwischen New Yorks neuem Bürgermeister Zohran Mamdani und Teilen der jüdischen Wirtschaftselite spitzt sich weiter zu. Jetzt vergleicht Immobilienmilliardär Steven Roth die Rhetorik des Bürgermeisters mit antisemitischen Parolen und wirft ihm gezielte Feindbildpolitik vor.

New Yorks Bürgermeister bringt jüdische Unternehmer gegen sich auf
Bildnachweis: Fotografía oficial de la Presidencia de Colombia

Die politische Stimmung in New York City wird zunehmend aggressiver. Während Bürgermeister Zohran Mamdani mit neuen Steuerplänen gegen Luxusimmobilien vorgeht und sich als Kämpfer gegen soziale Ungleichheit inszeniert, wächst bei Teilen der jüdischen Wirtschaftselite der Eindruck, gezielt politisch und gesellschaftlich an den Pranger gestellt zu werden.

Besonders deutlich formulierte das nun der bekannte Immobilienunternehmer Steven Roth. Der milliardenschwere Gründer des Immobilienkonzerns Vornado Realty Trust erklärte während einer Investorenkonferenz, die Parole „Tax the Rich“ werde inzwischen mit einer ähnlichen Aggressivität verwendet wie rassistische Hassbegriffe oder die antiisraelische Parole „From the River to the Sea“.

Gerade dieser Vergleich sorgt nun für heftige Debatten in den Vereinigten Staaten. Denn die Formel „From the River to the Sea“ gilt vielen jüdischen Organisationen als indirekter Aufruf zur Zerschlagung Israels. Wenn Roth diese Parole nun mit der politischen Rhetorik eines New Yorker Bürgermeisters verbindet, zeigt das vor allem, wie tief das Misstrauen inzwischen geworden ist.

Auslöser des neuen Konflikts ist Mamdanis geplante Steuer auf luxuriöse Zweitwohnungen im Wert von mehr als fünf Millionen Dollar. Der Bürgermeister hatte die Maßnahme öffentlichkeitswirksam mit einem Video angekündigt, in dem unter anderem das 238-Millionen-Dollar-Penthouse des Hedgefonds-Managers Ken Griffin gezeigt wurde. Genau diese öffentliche Darstellung empfinden viele Unternehmer inzwischen als bewusste politische Demütigung.

Steven Roth sprach offen davon, Mamdani habe Griffin gezielt lächerlich machen wollen. Der Bürgermeister habe nicht einfach eine Steuerdebatte geführt, sondern einzelne Personen öffentlich herausgegriffen und symbolisch vorgeführt. Für viele Wirtschaftsvertreter geht es deshalb längst nicht mehr nur um Steuerpolitik, sondern um die politische Kultur der Stadt.

Hinzu kommt ein tieferer Konflikt, der weit über Immobiliensteuern hinausgeht. Zwischen Mamdani und Teilen der jüdischen Gemeinschaft bestehen seit Jahren Spannungen wegen seiner Haltung zu Israel. Kritiker werfen ihm vor, antiisraelische Narrative zu relativieren und problematische Parolen nicht klar genug zurückzuweisen. Besonders seine frühere Verteidigung der Formel „Globalize the Intifada“ hat bei vielen jüdischen New Yorkern massives Misstrauen ausgelöst. Für zahlreiche jüdische Organisationen ist diese Parole nicht bloß Aktivismus, sondern eine Sprache, die Gewalt gegen Juden legitimiert oder verharmlost.

Deshalb wird die aktuelle Steuerdebatte nun auch emotional aufgeladen geführt. Viele jüdische Unternehmer sehen darin nicht mehr nur einen wirtschaftspolitischen Streit, sondern einen Ausdruck eines politischen Klimas, das ihnen zunehmend feindselig erscheint.

Die Sorge reicht inzwischen weit über konservative Milliardäre hinaus. Einige prominente jüdische Geschäftsleute erklärten bereits öffentlich, sie würden einen Wegzug aus New York City prüfen. Darunter auch Dave Portnoy. Neben wirtschaftlichen Gründen nennen sie dabei ausdrücklich die Entwicklung des gesellschaftlichen Klimas und den Umgang mit Antisemitismus.

Genau darin liegt die eigentliche Brisanz dieses Konflikts. New York galt jahrzehntelang als Zentrum jüdischen Lebens in den Vereinigten Staaten. Die Stadt war nicht nur wirtschaftlicher Motor, sondern auch ein Ort, an dem jüdischer Einfluss sichtbar, selbstverständlich und gesellschaftlich akzeptiert war. Wenn nun selbst einflussreiche jüdische Unternehmer öffentlich erklären, sie fühlten sich politisch isoliert oder gezielt angegriffen, verändert das die Wahrnehmung der gesamten Stadt.

Gleichzeitig versucht Mamdani, den Vorwurf zurückzuweisen. Sein Büro erklärte, der Bürgermeister wolle wirtschaftlichen Erfolg keineswegs bestrafen. Unternehmer und Firmen seien wichtig für Arbeitsplätze und Wohlstand. Allerdings sei das amerikanische Steuersystem „fundamental kaputt“ und bevorzuge extremen Reichtum, während normale Arbeitnehmer zunehmend verdrängt würden.

Doch genau diese Sprache wird inzwischen von vielen Kritikern als Teil des Problems gesehen. Denn sobald gesellschaftliche Konflikte stark personalisiert werden und bestimmte Gruppen öffentlich als Symbol für Ungerechtigkeit dargestellt werden, entsteht schnell ein Klima der Feindbildpolitik. In Zeiten wachsender sozialer Spannungen kann das erhebliche gesellschaftliche Folgen haben.

Der Streit um Mamdani zeigt deshalb auch einen größeren politischen Wandel in den USA. Der Konflikt zwischen progressiver Identitätspolitik, wirtschaftlicher Umverteilung und jüdischen Sicherheitsinteressen wird zunehmend härter geführt. Israel, Antisemitismus und soziale Ungleichheit vermischen sich dabei immer stärker zu einem explosiven gesellschaftlichen Gemisch.

Für viele jüdische Amerikaner ist die Debatte deshalb längst mehr als nur eine Auseinandersetzung über Luxuswohnungen oder Steuersätze. Sie sehen darin ein Warnsignal dafür, wie schnell sich politische Sprache radikalisieren kann, wenn Wohlstand, Identität und Israelhass zunehmend miteinander vermengt werden.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Samstag, 9. Mai 2026

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